WandaVision 1x09

WandaVision 1x09

Gewohnt selbstreferentiell heißt das Finale der Miniserie WandaVision The Series Finale. Kann Wanda ihr düsteres Schicksal abwenden? Was passiert mit Vision und den Zwillingen? Sollte man sich den Abspann anschauen? Spoiler zur letzten Frage: Unbedingt!

Szenenfoto aus der WandaVision-Episode The Series Finale (c) Disney+/Marvel
Szenenfoto aus der WandaVision-Episode The Series Finale (c) Disney+/Marvel
© zenenfoto aus der WandaVision-Episode The Series Finale (c) Disney+/Marvel

Mit der Episode The Series Finale endet WandaVision, die erste Miniserie aus dem Marvel Cinematic Universe von Disney+. Dabei erinnert das Finale, das gleichzeitig mit rund 40 Minuten Handlung (plus zwei Szenen im Abspann), durchaus an den Showdown in so manchem Marvel-Kinofilm.

Showdown in Westview

Wanda (Elizabeth Olsen) trifft auf den Straßen Westviews auf Agatha/Agnes (Kathryn Hahn), die die Zwillinge Billy und Tommy in ihrer Gewalt hat. Dabei wird etabliert respektive wiederholt, dass sie die Energie anderer Hexen absorbieren kann, so dass die meisten Aktionen Wandas eher ihre Macht zu stärken scheinen. Also muss Wanda sich etwas anderes einfallen lassen und wirft ein Auto auf sie, um zu verschnaufen. Die Zwillinge sollen sich derweil zu Hause verstecken.

In der gleichen Zeit taucht der weiße und gefühllose Vision, den man aus den West-Coast-Avengers-Comics kennen könnte, in Westview auf und attackiert Wanda. Ihr Vision hingegen eilt ihr kurz darauf zu Hilfe und kümmert sich um seinen Doppelgänger, dessen Auftrag „Zerstörung des Westview-Vision“ lautet. Wanda ist derweil überzeugt, dass sie die Situation noch retten kann und will für das gemeinsame Zuhause der Familie kämpfen. Auch die Visions liefern sich ein Kräftemessen, das allerdings in einem philosophischen Duell in der Bibliothek mündet. Ein netter Einfall, hier ein Logikduell einzubauen. Im Endeffekt aktiviert der Westview-Vision die Erinnerungsdaten des weißen Vision und sorgt so für einen Waffenstillstand.

Wer ist Ralph? Und wo ist das große Cameo?

Disney+/Marvel
Disney+/Marvel - © Disney+/Marvel

Monica Rambeau (Teyonah Parris) ist mit Pietro aka Fietro (Evan Peters) eingesperrt, die beiden hatten wir in der letzten Folge nicht gesehen. In seiner „Man Cave“ findet sie heraus, dass er der Ralph ist, von dem Agnes sprach. Er ist in der echten Welt nämlich offenbar ein Schauspieler namens Ralph Bohner (hehe), der für das Sitcom-Projekt verschleppt oder engagiert wurde. Im Endeffekt ist die Saga um den zweiten Quicksilver also eher ein Wink an die Zuschauer, die Peter aus den „X-Men“-Filmen von FOX kennen, ohne je explizit eine Brücke zum Multiversum aufzubauen. Das Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer haben die Macher jedenfalls des Öfteren perfekt gespielt. Denn auch das von Paul Bettany und anderen Darstellern angedeute Cameo von einem Schauspieler, den er verehrt, hat sich, wie in den letzten Tagen herausgekommen ist, um ihn selbst gehandelt. Bettany hat sich einfach einen Scherz erlaubt und das Internet und die Zuschauer haben mitgespielt beziehungsweise sind drauf reingefallen. Ob das nun dreist oder schlau ist, möchte ich gar nicht beurteilen.

Manchmal sind Wünsche und Spekulationen aber eben auch nur genau das. Es gibt also keinen Auftritt von Magneto oder Professor X oder Reed Richards. Außerdem wurde auch nicht Mephisto als großer Drahtzieher offenbart und auch Mordo (Chiwetel Ejiofor) nicht involviert, trotz Wandas Rolle im nächsten „Doctor Strange“-Film. Vieles war ohnehin kompliziertes Wunschdenken und bestimmt ohnehin verfrüht. „Fantastic Four“ hat zwar mit Jon Watts („Spider-Man: Homecoming“) schon einen Regisseur, aber darüber hinaus befindet man sich hier noch ganz am Anfang. Vor 2022 oder eher 2023 wird es hier sicherlich kaum große Neuigkeiten geben und zu den X-Men hüllt sich Kevin Feige ebenfalls noch in Schweigen. Da Wanda in den Comics aber eine Mutantin ist, hätte man natürlich annehmen können, dass die Serie genutzt wird, um diese Marvel-Sparte einzuführen. Im Endeffekt läuft es aber auf eine Scarlet-Witch-„Origin Story“ hinaus.

Allerdings kann man gerade die Reed-Richards-Andeutungen auch in gewisser Weise als Trollen verstehen. Denn Zuschauer sind so aufs Mitfiebern erzogen, dass man natürlich auf so etwas anspringt und eine gewisse Gruppe dann einfach nur enttäuscht werden kann, wenn die eigenen Theorien sich nicht erfüllen. Andererseits würde man sich wohl auch sehr schlau und überlegen fühlen, wenn es doch so käme. Es ist eines der zweischneidigen Schwerter des Fandom.

FBI is on the case

Jimmy (Randall Park) legt sich derweil mit S.W.O.R.D.-Director Hayward (Josh Stamberg) an, der zugibt, dass er Wanda als Bedrohung eliminieren und im Nachhinein die Geschichte so positionieren will, wie es ihm passt. Jimmy ist zwar in Handschellen, stiehlt sich aber ein Handy, mit dem er seinen FBI-Bluff wahr machen kann. Schon bald sollen die Kollegen hier auftauchen.

Chaosmagie im Stadtzentrum

In Westview verlagert sich die Action derweil ins Stadtzentrum, in welchem Agatha ihre nächste Angriffswelle plant. Bisher hatte es Wanda nie mit einer anderen Hexe zu tun. Zu ihrem offenbar unausweichlichem Schicksal als Scarlet Witch sagt Agatha, dass ihr ein ganzes Kapitel im Darkhold gewidmet wird. Dieses mächtige magische Werk wurde bereits in Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. und Marvel's Agent Carter erwähnt und für Story-Arcs rund um Ghost Rider, Aida oder Madame Masque eingesetzt. Wie es scheint, hat inzwischen Agatha das Buch in ihren Besitz genommen. Laut ihr wird die Scarlet Witch nicht geboren, sondern durch gewisse Ereignisse geformt. Zudem hat sie mehr Macht als selbst der Sorcerer Supreme, der im MCU Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) sein müsste. Ähnlich wie bei einer gewissen Phoenix Force (von den X-Men-Kollegen) sei es das Schicksal der Scarlet Witch, die Welt zu zerstören. Doch Wanda wehrt sich gegen dieses Schicksal und kämpft mit aller Kraft gegen Agatha an. Um Wandas Kampfwillen zu schwächen, bricht Agatha derweil den Zauber der Westview-Bewohner, die unter Wandas Trauer leiden mussten, ihre liebsten vermissen oder gar Wandas Albträume durchleben. Allerdings hatte Wanda dabei ganz offensichtlich keine bösen Absichten, sondern wurde von der schieren Menge an Trauma überwältigt. Zunächst fehlen ihr jedoch die Optionen, denn ihr erster Impuls ist, sie per magischem Maulkorb zum Schweigen zu bringen. Doch ob bewusst oder unbewusst bringt Agatha sie auf die Idee, die Stadtbewohner endlich von ihrem Schicksal zu befreien.

Save Westview or your family

Ein wenig hat Agatha schon ihre Magier-Mentorenrolle aus den Comics eingenommen und Wanda ist relativ aufmerksam, was ihre Worte zu Zaubersprüchen und ihrer Wirkung angehen, wie man im weiteren Verlauf der Folge mehrfach sehen kann. Der magische Schutzwall wird also geöffnet und ermöglicht manchen die Flucht, während aber auch S.W.O.R.D. nach Westview gelangen kann. Weil jedoch ihre Familienmitglieder dadurch zu zerfallen drohen, stoppt Wanda dies wieder, als die meisten raus sind.

Agatha saugt derweil Wandas Magie wie ein magischer Parasit weiter auf. Die gesamte Familie leistet jedoch Widerstand. Während Vision sich, wie gesagt, um den anderen Vision kümmert, entwaffnen die Zwillinge die S.W.O.R.D.-Soldaten. Der eine „Shot“ der Familie hat mich übrigens ein wenig an „Die Unglaublichen“ erinnert.

Disney+/Marvel
Disney+/Marvel - © Disney+/Marvel

Und auch Monica mischt sich ein, als Hayward auf Wandas Söhne schießt. Sie kann inzwischen Kugeln unschädlich machen, während Billy die letzte Kugel mit seinen Kräften stoppt. Und Darcy (Kat Dennings) kümmert sich um das Festsetzen von Hayward, bis das FBI ihn festnehmen kann.

Die Geburt der Scarlet Witch

Disney+/Marvel
Disney+/Marvel - © Disney+/Marvel

Eine Ablenkung nutzt Wanda, um Agatha so zu verhexen, wie sie es mit zahlreichen Avengers in „Age of Ultron“ gemacht hatte. Sie bringt Agatha so zurück nach Salem, wo sie ihrem Hexenzirkel die Macht geraubt hatte und hofft, sie so einzuschüchtern. Allerdings sieht es so aus, als ginge ihr Plan nicht auf. Agatha scheint zwar Angst zu haben oder so zu tun als ob, doch die Hexen wenden sich gegen Wanda und nennen sie einen Vorboten des Chaos.

Es ist nicht ganz durchsichtig, was von alledem Wandas Plan ist, doch bald beginnt sie, so viel ihrer Energie wie möglich auf Agatha zu übertragen, um sie dann in eine Runen-Falle zu locken, so wie Agatha es vor einigen Folgen in ihrem Haus machte. Denn so kann die andere Hexe keine Magie nutzen. Wandas Schwäche wurde also bewusst in Kauf genommen, um sich dann die gesamte Kraft zurückzuholen und endgültig zur Scarlet Witch zu werden. Agatha glaubt zwar, dass Wanda einen Fehler beging, da sie diese Kräfte entfesselte, muss sich aber gegen diesen Gegner geschlagen geben. Als Buße soll sie wieder zu Agnes, der neugierigen Nachbarin, werden, die wie ein Sitcom-Klischee spricht. Sie soll in Westview bleiben und nur befreit werden, sollte Wanda ihr Wissen doch brauchen. Diese lässt sich also nicht zur Schurkin machen, sondern hat eine Lösung gefunden und ist sich auch darüber bewusst, dass sie Westview entzaubern muss, was bedeutet, die eigene Familie zu verlieren.

Family is forever

Disney+/Marvel
Disney+/Marvel - © Disney+/Marvel

Der Abschied von Westview und den Zwillingen fällt dabei emotionaler aus, als ich gedacht hatte. Dafür, dass die Jungs nur magisch sind, hat mich das doch etwas mitgenommen. Doch es gibt gewisse Anspielungen und natürlich die Aussicht auf die Young Avengers in Phase 4 des MCU, so dass hier möglicherweise noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. So endet dieser Teil zwar tragisch, aber zumindest so, dass Wanda diesmal die Parameter bestimmen kann. Eine Wahl mit der ich zufrieden bin.

Im Fall von Vision gibt es vorerst doch nicht die von mir erwartete Wiederbelebung, obwohl der weiße Vision das eigentlich möglich gemacht hätte. Auch dieser Abschied ist extrem emotional und ich würde verstehen, wenn man hier eine kleine Träne für das Paar verdrückt. Der Dialog der beiden, als Wanda Visions Frage beantwortet, was er ist, ist ein Highlight dieser Folge. Vision durfte im Lauf der Miniserie aber ohnehin einige philosophische Dialogzeilen zum Besten geben, die eine poetische Schönheit in sich trugen. Der Abschied von Wanda und Vision hat mich dabei im positiven Sinne an die emotionalen Momente aus Lost erinnert, die ich oft als wunderschön in Erinnerung habe.

Monica ist somit wohl die einzige Person, die versteht, was Wanda alles geopfert hat. Im Endeffekt tut ihr der Schmerz, den sie verursacht hat, wahnsinnig leid. Noch versteht sie ihre neue Macht nicht, will es aber bald tun. So verabschiedet sie sich, bevor die Behörden auftauchen.

Hier kannst Du „Doctor Strange (Blu-ray)“ bei Amazon.de kaufen

Bonus-Szenen im Abspann

Diesmal gibt es, wie eingangs erwähnt, gleich zwei Szenen während des langen Abspanns zu sehen. In der ersten Bonus-Szene taucht das FBI auf, dem Jimmy sagt, wo es nun lang geht. Monica findet diese Seite von ihm stark, was man sicherlich verstehen kann. Nach dieser Rolle ist wohl wahrscheinlich, dass es ein Wiedersehen mit ihm geben wird und es sollen auch schon Pitch-Meetings stattgefunden haben. In den Comics ist Jimmy ein Mitglied der Agents of Atlas, zu denen je nach Teamzusammenstellung entweder Helden aus der dritten Reihe oder diverse Monsterfiguren aus dem Marvel-Universum gehörten. Das Ganze ist so eine Art „pulpige“ Antwort auf S.H.I.E.L.D. Darcy hat sich derweil aus dem Staub gemacht, aber für Haywards Verhaftung gesorgt.

Monica wird außerdem ins Kino zu einem Gespräch gebracht. Ihr Hausarrest auf der Erde soll aufgehoben werden, weil ein Freund sie gerne im Weltraum treffen möchte. Die weibliche Person gibt sich als Skrull zu erkennen, womit besagter Freund wohl Nick Fury (Samuel L. Jackson) sein dürfte oder aber Carol Danvers (Brie Larson). Diese Szene deutet also entweder eine Rückkehr in „Captain Marvel 2“ (was schon bestätigt ist) oder in der kommenden Miniserie Secret Invasion an. Vielleicht auch beides...

In der zweiten Szene sehen wir, wohin es Wanda verschlagen hat. Nachdem Wanda nun die Macht der Scarlet Witch innehat, hat sie sich in eine einsame Hütte in den Bergen verzogen (das erinnert mich an Thanos am Anfang von „Avengers: Endgame“). Während eine Version von Wanda sich einen Tee macht und die Natur genießt, sieht man, dass die Wanda im Kostüm der Scarlet Witch das Darkhold studiert. Dabei vernimmt sie einen Notruf von ihrem Sohn Billy. Fortsetzung folgt wohl in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“...

Disney+/Marvel
Disney+/Marvel - © Disney+/Marvel

Fazit

Enden sind immer eine schwierige Sache und weil es im Endeffekt eine doch recht actionlastige Folge war, halte ich The Series Finale für minimal schwächer als andere Folgen, aber immer noch für recht stark. Besonders besagte emotionalen Momente zum Ende hin mochte ich doch sehr gerne. Ich bin überrascht, dass man Wanda offenbar nicht zur Schurkin hat werden lassen, sondern wohl (vorerst) nur mit noch mehr Macht als ohnehin schon ausgestattet hat. Ihr Verhalten war aber im Endeffekt heldenhaft, mit wenigen Kontrollverlusten. So stellt WandaVision in meinen Augen eher Wandas Traumabewältigung und gleichzeitig eine Art „Origin Story“ für die Scarlet Witch dar - und nicht das Schlittern in den Abgrund von Wanda Maximoff. Die Frage bleibt nun natürlich, was sie mit dem Wissen aus dem Darkhold anstellt, was sie tut, um dem Hilferuf des eigenen Kindes zu folgen und ob sie diese ganze Macht kontrollieren kann.

Insgesamt ist die Miniserie ein tolles Showcase für Elizabeth Olsen und ihre schauspielerische Bandbreite und hat ungemein dabei geholfen, die Figur für MCU-Fans ins Zentrum zu rücken und dreidimensionaler zu machen. Außerdem hat es natürlich Spaß gemacht, Woche für Woche zu spekulieren, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt, auch wenn da natürlich absichtlich manche falsche Fährte gelegt wurde.

Hier kannst Du „Captain Marvel (Blu-ray)“ bei Amazon.de kaufen

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 5. März 2021
Episode
Staffel 1, Episode 9
(WandaVision 1x09)
Deutscher Titel der Episode
Serien-Finale
Titel der Episode im Original
The Series Finale
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 5. März 2021 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 5. März 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 5. März 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 5. März 2021
Regisseur
Matt Shakman

Schauspieler in der Episode WandaVision 1x09

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?