Walker 1x04

© oby Bell, Patrick Kirton, Jeffrey Nordling und Phil Mendoza in Walker (c) The CW
„Shake that apple tree, you never know what's gonna fall.“ - Captain James (Coby Bell)
Don't Fence Me In
Das Zitat von Captain James lässt sich auf alle Handlungsstränge dieser Woche anwenden und ist nicht ausschließlich dem Fall um den ermordeten Mr. Harlan vorbehalten. Walker jongliert in Don't Fence Me In mit zahlreichen (Neben-)Handlungen - vielleicht zu vielen - und fühlt sich stellenweise überfrachtet beziehungsweise einzelne Handlungsbögen zu kurz an. Trotzdem oder vielmehr erstaunlicherweise trägt diese Fülle aber zu einem besseren und auch komplexeren Bild einzelner Figuren bei und macht neugierig auf mehr.
Im Vordergrund steht dabei der Fall der Woche, auf den ersten Blick bereits nach wenigen Minuten erfolgreich abgeschlossen. Aber Delia (Paola Andino), die Tochter des vermeintlichen Täters Enzo, konfrontiert Micki (Lindsey Morgan), die daraufhin zusammen mit Cordell (Jared Padalecki) „off book“ weiter nachforscht. Damit hatten Monty (Patrick Kirton) und Mrs. Harlan (Beth Broderick) sicher nicht gerechnet und Micki erhält als Figur deutlich mehr Tiefgang.
Die zahlreichen Nebenhandlungen drehen sich um die Walker-Familie. Stella verrichtet ihre ersten Sozialarbeitsstunden, wo sie love interest Trevor (Gavin Casalegno) kennenlernt, aber ihre Gedanken sind größtenteils bei Bel (Gabriela Flores) und deren Eltern, auf die die Behörden aufmerksam geworden sind. August (Kale Culley) stolpert derweil über eine Kiste, in der sich Teile aus Cordells Undercover-Mission befinden. Die Neugier ist groß, was zum Cliffhanger am Ende der Episode führt. Cordell wiederum findet Liebesbriefe, die an seine Mutter Abeline (Molly Hagan) gerichtet sind und auf eine Affäre hindeuten. Zuletzt wirft Liam (Keegan Allen) einen Blick in die Akten um Emily (Genevieve Padalecki), was erneut Fragen zu ihrem Tod aufwirft.

Fall der Woche
Walker erfindet auch mit diesem Fall der Woche das Rad nicht neu. Aber es ist ein wichtiger Fall für Micki, denn er beschäftigt sich mit der ethnischen Herkunft des vermeintlichen Täters ebenso wie mit den Hürden von Mickis Werdegang und den persönlichen Mauern, die sie im Zuge dessen errichtet hat. Letztere machen es Cordell noch immer schwer, mehr über seine neue Partnerin zu erfahren, wobei er diese Woche aber ein paar Fortschritte erzielen kann.
Aber sprechen wir erstmal über den Fall selbst. Dieser hätte auch ohne die mexikanische Herkunft Enzos oder dessen ehemalige Gang-Zugehörigkeit funktioniert. Mrs. Harlan hat eine Affäre mit Monty, die von Mr. Harlan bemerkt wird. Der ändert daraufhin sein Testament und hinterlässt alles seinem (heimlichen) Sohn Enzo, der mittlerweile für seinen (ihm unbekannten) Vater arbeitet und eine Gehaltserhöhung haben wollte, womit ihm von Monty ein Motiv angehängt wird. Dass Enzo an den Folgen der Auseinandersetzung stirbt und der Tathergang als solcher zur offensichtlichen (falschen) Auflösung der ersten Minuten führt, ist Standard und ein solider Aufhänger für weitere Ermittlungen, die nach und nach die Wahrheit ans Licht und die wahren Täter hinter Gitter bringen.
Wie gesagt, die Faktoren, die den Fall für Micki interessant machen, hätte es an sich nicht gebraucht. Aber dass es sie gibt, zahlt sich hier aus. Denn nachdem James sie auf die Bühne gebeten hat, fühlt sie sich auf der falschen Seite, erst recht, nachdem sie von Delia als „Gringa“ bezeichnet wird. Micki steht vor einem Dilemma, denn sie könnte den vermeintlich aufgelösten Fall als Sieg mitnehmen, ohne weitere Nachforschungen anzustellen oder das Risiko einzugehen, damit auf diverse Füße zu treten. Andererseits wird ihr von Delia diktiert, einen genaueren Blick auf Enzos Vergangenheit und die Beziehungen der Harlans zu werfen und gerade, weil Micki sich anschließend damit auseinandersetzt und von Cordell unterstützt wird, bekommt dieser Fall einen außergewöhnlicheren Touch.

Insgesamt mag alles trotzdem noch sehr oberflächlich bleiben, weil die Fronten von „Gut“ und „Böse“ am Ende eindeutig verteilt sind. Da hätte sich vielleicht des Dramas wegen ein weniger eindeutiges Ergebnis angeboten (Micki Schuld an Enzos Tod oder Enzo vielleicht weniger unschuldig an Mr. Harlans Ableben). Aber das hätte vielleicht die Botschaft geschmälert, die hier zunächst vermittelt werden soll und mit Blick auf die Thematik, welche Vorurteile gegen Einwanderer beinhaltet, falsch ausgesehen.
Das Drumherum mit Micki und Cordell weiß derweil zu gefallen. Die Partnerschaft baut sich langsam aber sicher auf, wobei gegenseitiges Vertrauen angesagt ist. Die häuslichen Einblicke mit Trey (Jeff Pierre) nehme ich als Bonus mit, auch wenn es an deren Stelle vielleicht bei anderen Handlungen mehr Raum hätte geben können. Obwohl, Trey bringt Micki schließlich auf die richtige Fährte und dass er sein Vorstellungsgespräch erfolgreich absolviert sowie mehrfach amüsant auftreten darf, war schön anzusehen.
The Walker Family
Cordell bekommt weder im Fall noch zu Hause irgendwelche Pausen. Sowohl seine Kinder als auch seine Eltern lassen ihn über einiges Grübeln, was stellenweise von der Arbeit ablenkt und die Trauer um Emily gewinnt hier und dort ebenfalls wieder die Oberhand. Diese Einblicke in Walkers Privatleben sind fester Bestandteil der Reihe und machen einiges davon aus, weshalb die Serie kein Procedural mit nur teilweise übergreifenden Handlungen ist.
Fangen wir mit Stella an. Mit dieser Art von Sozialarbeit hat sie offenbar einen Glücksgriff gelandet, denn sie lernt Trevor kennen und da funkt es gewaltig. Diese anbahnende Beziehung könnte zusätzlich auf Cordells Tisch landen, aber vorerst bleibt er davon noch verschont. Stellas Blicke mögen zwar auf Trevor gerichtet sein, aber in ihrem Kopf geht es erstmal um Bel beziehungsweise deren Eltern, die womöglich des Landes verwiesen werden. Stella ist sich ihrer Schuld bewusst und versucht alles, um Bel nicht zu verlieren und auch, deren Eltern vor der Ausweisung zu bewahren. Ob das Ehepaar Munoz aber wirklich das Land verlassen muss, steht noch nicht fest. Mit Blick auf die Serie würde ich auf einen positiven Ausgang tippen, wobei die Chancen dafür (mit Blick auf die Realität) sicher nicht gut stehen. Diese Thematik wirft auch hierzulande oft Fragen auf und ganz egal, wie die Sache für die Familie Munoz ausgeht, sehe ich es als äußerst positiv an, wenn eine Serie sich überhaupt damit beschäftigt. Denn durch Serien verankern sich derartige, wichtige Themen in der Gesellschaft, bekommen (ob nun bewusst oder unbewusst) die Aufmerksamkeit, die erforderlich ist, damit man sich als Zuschauer mit dem Thema auseinandersetzt. Und womöglich zur Überzeugung gelangt, mehr gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt (gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen) zu tun. Wobei man an dieser Stelle auch anführen muss, dass Stella keine Möglichkeit hat, eine positive Wendung herbeizuführen. Liam und Cordell können vielleicht etwas ausrichten, aber auch denen sind mehr oder weniger die Hände gebunden, wenn die „ICE“ (US Immigration and Customs Enforcement) ins Spiel kommt.
August stolpert derweil über eine Box, die Cordell niemals in seinem Haushalt hätte haben sollen. Keine Ahnung, weshalb der Ranger Teile seiner Undercover-Mission im Hause hat, aber eine gute Idee war das nun wirklich nicht. Mit Hilfe von Ruby (Madelyn Kientz) gelangt Auggie an ein Foto, was seinen Vater mit einer anderen Dame (offenbar sehr glücklich) zeigt. Außerdem ist da noch ein Handy, welches Auggie benutzt, um eben dieser Dame eine Nachricht zukommen zu lassen. Ernsthaft, derartige Gegenstände sollte ein verdeckter Ermittler nicht in seinem Haushalt haben und das ist auch der Punkt, weshalb mir dieser Handlungsbogen nicht gefallen hat. Alles, was Auggie findet und anschließend nutzt, hätte entweder ins Archiv der Ranger gehört oder vernichtet werden sollen, nachdem die Mission erfolgreich abgeschlossen war. Jetzt daraus eine neue Handlung zu „spinnen“, fördert zwar die Spannung und verspricht Einblicke in diese Mission, aber die Art und Weise, wie August darauf aufmerksam wird, ist komplett daneben. Außerdem ist mir noch nicht ganz klar, weshalb seine Neugierde überhaupt so groß ist, wenn er seinen Vater in den ersten Folgen der Serie als Helden sieht. Aber gut, warten wir mal ab, wie sich die Sache weiterentwickelt.

Nächster Punkt ist Abeline, die offenbar eine Affäre hatte. Cordell stolpert zufällig über ein paar Briefe von Gary, aber erhält keine weiteren Details von seiner Mutter. Hier wird klar, dass die Ehe von Abeline und Bonham (Mitch Pileggi) keine Bilderbuch-Ehe ist, sondern eigene Probleme hat. Das ließ sich anhand der ersten Folgen nicht kommen sehen und öffnet neue Möglichkeiten für Konflikte, die von Cordell sicher noch angesprochen werden. Wobei es mir gefällt, wenn da etwas Drama ins Spiel kommt, denn bislang war Abeline doch irgendwie die Figur, die stets mit den besten Ratschlägen (für Cordell) aufwarten konnte, unterstützt von ihrem Mann Bonham. Jetzt ist die Ehe nicht mehr ganz so fest, da kriselt es vermutlich noch immer. Wirkt ein bisschen wie Soap, ist aber durchaus willkommen.
Zuletzt noch ein paar Worte zu Liam. Ich bin da gespannt, wann Cordell erfährt, was es mit seinem Verlobten auf sich hat und wie der Ranger da reagieren wird. Aber Liam sticht (neben den Beratungen zur Munoz-Familie) vor allem wegen seiner Recherchen in Bezug auf Emily hervor. Da hat Captain James etwas zurückgehalten, was ihn vielleicht verdächtig macht. Keine Ahnung, aber der Mordfall um Emily bekommt hier neues Futter und wird vorangetrieben, auch wenn es nur eine Szene war. Da wartet noch etwas auf uns und ich bin sehr gespannt, ob und wie wir erfahren werden, was sich an der Grenze abgespielt hat.
Fazit
Stellenweise übernimmt sich die Reihe mit dem ganzen Inhalt, der uns Woche für Woche präsentiert wird. Aber Don't Fence Me In war unterm Strich eine gute Folge, die Lust auf mehr macht. Der Fall der Woche wurde auf Micki angepasst, die Walker-Familie kämpft noch immer mit Problemen (alt wie neu) und so ganz klar ist nicht, worauf alles hinauslaufen soll. Aber es werden wichtige Themen angeschnitten und der beziehungsweise die Cliffhanger lassen die Spannung auf nächste Woche steigen. Von mir gibt es diese Woche erneut vier von fünf Sternen. Und von euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 13. Februar 2021Walker 1x04 Trailer
(Walker 1x04)
Schauspieler in der Episode Walker 1x04
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