Kritik der neuen Dramaserie Waco mit Taylor Kitsch und Michael Shannon

Kritik der neuen Dramaserie Waco mit Taylor Kitsch und Michael Shannon

Die Miniserie Waco basiert auf wahren Ereignissen, hat ein hervorragend besetztes Ensemble und eine feine visuelle Umsetzung zu bieten. Dank Spielort und Soundtrack kommen sogar kurz Friday-Night-Lights-Vibes auf. Die Story könnte hingegen ein bisschen mehr Pep vertragen.

Taylor Kitsch als David Koresh in „Waco“ (c) Paramount TV
Taylor Kitsch als David Koresh in „Waco“ (c) Paramount TV
© aylor Kitsch als David Koresh in „Waco“ (c) Paramount TV

Zum Einstand liefern Drew und John Erick Dowdle, Autoren und Regisseur der neuen Paramount TV-Miniserie Waco, eine sehr solide Episode ab. Visions and Omens nähert sich dem Serienthema aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln an. Es sind die Blickwinkel zweier Widersacher, von denen einer dem anderen dabei helfen will, lebend aus seiner selbst verschuldeten Zwickmühle herauszukommen. Ob das gelingt, soll hier nicht verraten werden. Wer es unbedingt jetzt schon wissen will, dem hilft eine schnelle Internetrecherche.

We all have something broken in us

„Waco“ spielt in den Jahren 1992 und 1993, an dem Ort in Texas, der dem Format seinen Namen gibt. Dort hat David Koresh (Taylor Kitsch) ein Areal namens Mount Carmel gepachtet, auf dem er ein Gotteshaus für seine Kongregation - manche würden und werden es Sekte nennen - Branch Davidian errichtet hat. Hier predigt er seine Auslegung der Bibel, die besagt, dass die Kinder der Glaubensgemeinschaft ebenjene Propheten sein werden, die den Untergang der Welt einläuten. Im Laufe der Episode stellt sich heraus, dass diese Kinder allesamt von ihm gezeugt sind, mit unterschiedlichen Frauen.

Seine Philosophie sieht nämlich vor, dass er der einzige ist, der Sex haben darf. Alle anderen Männer würden sich davon zu sehr ablenken lassen. Alkohol, Drogen und Zigaretten sind außerdem verboten, für alle. Wie sich die Sekte finanziert, wird lediglich angedeutet. Wahrscheinlich haben die Mitglieder einen beträchtlichen Anteil der Kosten vorab eingezahlt, laut Koresh gehören jedenfalls Millionäre, Geschäftsleute und anderweitig erfolgreiche Individuen dazu. Geld wird jedoch auch mit dem Verkauf von Waffen und selbst gestrickten Camouflage-Westen erwirtschaftet.

Was an David und seiner Glaubensrichtung so toll sein soll, erfahren wir anhand des Neumitglieds David Thibodeau, der nach einem halben Jahr von allen nur noch „Thibs“ genannt wird. Ebenjener Thibs springt bei einem Konzert - eine weitere Einnahmequelle? - als Drummer für Koreshs Band ein. Aus dem Angebot, eine Nacht auf dem Sektengelände verbringen zu können, um nicht den weiten Weg nach Los Angeles zurücklegen zu müssen, wird eine weitere Gefolgschaft. Von Steve (Paul Sparks) erfährt Thibs beispielsweise, dass er Koresh für ein Genie, ja sogar eine wundersame Erscheinung hält.

Texanische Freitagnächte lassen grüßen.
Texanische Freitagnächte lassen grüßen. - © Paramount TV

Wenn Steve von der Spiritualität seines Anführers spricht, leuchten ihm die Augen. Ein anderes Thema droht, ihn und seine Ehefrau Judy (Andrea Riseborough) allerdings zu zerreißen. Als sie erfuhr, dass sie fortan nur noch mit Koresh schlafen und ausschließlich von ihm Kinder bekommen dürfe, wollte sie die Sekte bereits verlassen. Steve hinderte sie jedoch daran. Nun, da sie tatsächlich schwanger ist, glaubt er, das nicht aushalten zu können, und will seinerseits das Weite suchen. Äußerst unfair, was er da mit seiner Ehefrau veranstaltet. Immerhin hat er ein Einsehen.

Dead men don't get a trial

Die interessantesten Konflikte werden sich wohl aber nicht innerhalb der Sekte abspielen, denn solche Leute sind für Normalzuschauer wahrlich schwer ernst zu nehmen. Diese Problematik umgehen die Serienschöpfer geschickt, indem sie eine weitere Hauptfigur etablieren, die ähnlich viel Spielzeit bekommt wie Koresh. Gary Noesner (Michael Shannon) ist Verhandlungsführer des FBI und als solcher darauf spezialisiert, lebensgefährliche Geiselnahmen oder sonstige Auseinandersetzungen unblutig ausgehen zu lassen. Wie er das macht, beweist er uns bei der zumindest halbwegs erfolgreichen Entschärfung des berühmten Ruby-Ridge-Falls.

Es überrascht dann aber doch ein wenig, dass diesem Fall bei nur sechs Episoden so viel Erzählzeit eingeräumt wird. Dessen Ausgang ist zwar nicht unwichtig für Noesners nächsten Fall in Waco, da er mit dem Vorgehen seines Kollegen nicht einverstanden ist und sich überhaupt Gedanken um die Neuausrichtung des FBI macht, aber wir hätten wohl auch ohne ein Porträt der Ruby-Ridge-Auseinandersetzung verstanden, dass er ein begnadeter Vermittler ist. So hätte man sich schneller dem eigentlichen Konflikt in Waco widmen können, der erst am Ende der Pilotepisode ins Rollen kommt.

Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt am äußerst zufriedenstellenden Auftakt. Glänzen kann das Format vor allem mit seinem herausragend besetzten Cast und der blitzsauberen visuellen Umsetzung, die in Kombination mit dem Score von Jordan Gagne und Jeff Russo das Herz jedes Friday Night Lights-Fans höherschlagen lässt. Waco mag das Fernsehen nicht revolutionieren und auch nicht der große Wurf sein, den sich der ehemals unter Spike firmierende Sender Paramount TV erhofft hat. Alleine wegen der Schauwerte lohnt sich das Einschalten aber doch.

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