Vikings 3x07

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In Paris, der siebten Episode der dritten Staffel des Historiendramas Vikings, machen wir handlungstechnisch auf vielen Erzählebenen zunächst einen Schritt vorwärts und schließen so unter anderem das Kapitel skandinavische Heimat erst einmal wieder ab. Die Wikinger um Ragnar (Travis Fimmel) begeben sich endlich nach Franzien, um dort den geplanten Raubzug auf das augenscheinlich uneinnehmbare Paris durchzuführen.
Dort angekommen treten wir jedoch ein wenig auf der Stelle, da sich Serienschöpfer Michael Hirst bewusst Zeit nimmt, um den Zuschauer auf das Großereignis vorzubereiten. Dies hat seine Vor- als auch Nachteile. Zum einen werden wir teilweise extrem atmosphärisch auf die kommende Auseinandersetzung mit den Franzmännern vorbereitet. Zum anderen wird jedoch dem Handlungsstrang um den bevorstehenden Angriff der Wikinger für meinen Geschmack ein wenig zu sehr die Aufmerksamkeit geraubt, was vor allem an den verschiedenen Nebenhandlungen in „Paris“ liegt.
Heavy burden
Ich kann nachvollziehen, dass Hirst an allen Fronten die Spannung hochhalten und die verschiedenen Konflikte vor sich hinbrodeln lassen will. Aus diesem Grund räumt er auch dem Handlungsstrang in Wessex um Ecbert (Linus Roache) und den neuen Problemen, die sich diesem auftun, einiges an Zeit ein. Ich persönlich hätte diesen Teil der Episode in seiner ganzen Ausführlichkeit jedoch gar nicht so sehr gebraucht. Vielmehr hätte ich mir noch ein paar ergiebigere Szenen über Paris und den dort herrschenden König Charles gewünscht, um eine noch bessere Vorstellung von den neuen Gegenüber Ragnars zu bekommen.

„Paris“ ist immer dann am stärksten und interessantesten, wenn wir uns in dem frisch zusammengezimmerten Lager der Nordmänner vor den Toren Paris' befinden und den Planungen der Wikinger um Anführer Ragnar respektive Floki (Gustaf Skarsgard) beiwohnen, die überlegen, wie man die Mauern der Stadt am besten überwinden kann. Von diesem Teil der Handlung geht auch die meiste Spannung aus, wodurch die Erwartungshaltung an die nächste Episode in ungeahnte Höhen getrieben wird.
Differences
Aber auch die Charaktermomente dieser Handlung gehören zu den besten, was die Episode zu bieten. Allen voran zwischen Ragnar und Floki baut sich gleich zu Beginn der Folge eine hochintensive Anspannung auf, die teilweise nur von den nahezu manischen Blicken Travis Fimmels getragen wird. Nachdem Floki in der letzten Episode Athelstan (George Blagden) getötet hat, bedauert Ragnar dessen Ableben zutiefst, wäre der Geistliche doch sehr hilfreich für das bevorstehende Unterfangen gewesen. Fast schon provokativ trägt Ragnar nun Athelstans Kruzifix um seinen Hals, und hat sich darüber hinaus eine Kutte übergeworfen sowie einen Wanderstab in der Hand, was ihn bisweilen selbst wie ein tiefgläubigen Mönch aussehen lässt.
Auch wenn Ragnar den Anschein macht, er würde Floki nicht allzu viele Vorwürfe machen, es liegt auf der Hand, dass es zwischen diesen beiden früher oder später zu einem großen Knall kommen wird. Ragnar übergibt seinem langjährigen Freund zwar das Kommando über den Angriff, woraufhin Floki Feuer und Flamme ist, doch es darf sehr stark bezweifelt werden, dass Ragnar seine Differenzen mit Floki tatsächlich niedergelegt hat. Dafür sind die Blicke des Wikingerkönigs einfach zu vielsagend.
Deluded
Stellt er Floki mit seiner Beförderung auf die Probe? Soll der Schiffsbauer, der sich von den nordischen Gottheiten nun auserwählt sieht und mit seiner neuen alten Besessenheit seine Frau Helga (Maude Hirst) verstört, den Nachweis bringen, dass Ragnar tatsächlich auf Athelstan verzichten kann? Zweifellos verfolgt Ragnar einen eigenen Plan und beobachtet ganz genau, wie Floki die mitgereisten Wikingerfürsten anleitet und welche Pläne er für die erfolgreiche Eroberung von Paris schmiedet.
Die Vorzeichen mit dem Bau zahlreicher Belagerungstürme und den angedachten Angriffen über den Fluss- als auch Landweg stehen nicht all zu schlecht. Gleichzeitig wird aber durch die oft verräterische Atmosphäre und Ragnars Zurückhaltung eine unangenehme Erwartungshaltung aufgebaut, dass Flokis Gedankenspiele nicht von Erfolg gekrönt sein könnten. Ob Ragnar ihm dann zur Hilfe eilen wird, ist alles andere als sicher. Es ist wohl nicht davon auszugehen, dass Ragnar eine Niederlage riskieren wird, nur um Floki eins auszuwischen. Dem undurchsichtigen Wikingerkönig wäre es aber durchaus zuzutrauen, Floki zu opfern, um Paris einzunehmen. Nach den Vorfällen und der immer größer werdenden Distanz zwischen diesen beiden Charakteren wäre dies nur ein konsequenter Schritt in der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Ragnar und Floki.
Responsibilities
Während die Handlung um die Wikinger neben dieser verheißungsvollen Ausgangslage darüber hinaus auch mit sehr sehenswerten Produktionswerten (die Gestaltung des Kriegslagers) und ein paar packenden Gänsehautmomenten (der „Anstarrwettbewerb“ zwischen Ragnar und Floki, die zahlreichen Belagerungstürme und die aufgepuschte Wikingerhorde am Ende der Episode) dienen kann, gestaltet sich die Einführung der Franzosen um den ängstlichen König Charles (Lothaire Bluteau) - Enkel von Karl dem Großen - etwas blutleer und unspektakulär.

Protect them
Für das größte Interesse kann hier noch die Tochter des Königs, Prinzessin Gisla (Morgane Polanski), sorgen, die ihrem Vater deutlich macht, wie wichtig es ist, dass er nun Stärke zeigt und sich nicht feige aus der Stadt zurückzieht. Die Bevölkerung von Paris verfällt ob der naheliegenden Bedrohung immer mehr in Panik, weshalb sie einen starken Anführer brauchen, der erhobenen Hauptes vorangeht. Die Verteidigung der Stadt übernimmt im Namen des Königs sein Vasall Odo, dessen historisches Vorbild für seine erfolgreichen Auseinandersetzungen mit den skandinavischen Invasoren im 9. Jahrhundert sogar zum König über Frankreich ernannt wurde.
Der Blick hinter die Stadtmauern von Paris und mit wem es die Wikinger nun zu tun bekommen werden, ist nicht uninteressant. Jedoch flacht die zuvor etablierte Spannung schon ein wenig ab, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass die einzelnen neuen Darsteller ihren Szenen nicht vollends ihren Stempel aufdrücken können. Die Figurenzeichnung gerät hier für meinen Geschmack ein wenig zu oberflächlich - ein Problem, dass in den nächsten Folgen aber noch behoben werden kann. Dennoch, es gibt bekanntermaßen nur eine Chance für den ersten Eindruck, und dieser ist von Seiten der neuen Charaktere eher herkömmlich und nicht gerade eindringlich. Die spannendste Frage ist wohl, ob es sich bei Gisla um die vom Seher in seiner Prophezeiung erwähnte Prinzessin handelt und mit wem diese dann folglich anbandeln könnte. Die Historie macht aus Gisla eine Geliebte Rollos (Clive Standen), was wiederum zu den Vorhersagen des Sehers in Kattegat passen würde.
King of kings
Hinsichtlich der Einführung neuer Figuren hat Hirst mit der Figur des König Ecbert einst schon weitaus bessere Arbeit abgeliefert, der von der ersten Minute seines Auftretens das Interesse des Zuschauers wecken konnte. Während der französische Herrscher eher blass bleibt, stiehlt Linus Roache seinen Kollegen in der Nebenhandlung im fernen England die Show. Trotz seinem hervorragenden, vielfältigen Schauspiels kann er aber nicht ganz verhindern, dass sich auch in diesem Teil der Episode ein paar Schwachpunkte finden lassen.
Der faszinierende Charakter des Ecberts gehört nicht dazu, ist es doch immer wieder eine Freude ihm dabei zuzusehen, wie er seine Ambitionen verwirklichen will und dafür die nächsten Schachzüge einleitet. Ecberts großer Plan war von Anfang an Anfang, die absolute Kontrolle über die einzelnen Ländereien in England zu bekommen. Dafür ist er auch bereit, seinen Verbündeten Aelle (Ivan Kaye), König von Northhumbria, mit Gewalt abzusetzen. Aus diesem Grund nimmt er auch Schwiegertochter Judith (Jennie Jacques) vor seinem Sohn Aethelwulf (Moe Dunford) in Schutz, hat sie doch mit dem kleinen Alfred seinen potentiellen Erben geboren, der später nicht nur Anspruch auf Ecberts Vermächtnis, sondern auch auf das von Aelle haben wird, da Judith dessen Tochter ist.
Pretext
Ecberts neuerliche Pläne erfahren aber einen Rückschlag, als er die Botschaft bekommt, dass Kwenthrith (Amy Bailey) nun als Königin über Mercia ein paar seiner Untergebenen hat umbringen lassen und sich wieder von Ecbert lossagen will. Mit einer solchen oder ähnlichen Entwicklung hat der Zuschauer bereits gerechnet, etwas überraschend kommt jedoch, dass Kwenthrith derweil einen Sohn geboren hat, dessen Vater niemand Geringeres als Ragnar sein soll. Damit wähnt sie sich auf der sicheren Seite, denn sollte ihr und ihrem Nachwuchs etwas zustoßen, würde der Wikingerkönig ihr bestimmt zur Hilfe eilen. Der abgesandte Aethelwulf, der sich schwer tut, den Versuchungen Kwenthriths zu widerstehen, versichert ihr aber, dass es für seinen Vater keine Rolle spielen wird, ob sie die Mutter von Ragnars Sohn ist oder nicht. Ihr Ungehorsam wird Folgen haben, also sollte sie besser einlenken und sich brav unterwerfen.

Auch diese Nebengeschichte ist alles andere als uninteressant, hätte aber vielleicht an einer anderen Stelle der Staffel besser reingepasst. Letztendlich überlädt man die Episode nämlich ein wenig mit all den Geschehnissen in Frankreich und England. Hinzu kommt, dass Nymphomanin Kwenthrith schon etwas die Nerven des einen oder anderen Zuschauers strapazieren kann. Ecbert ist nach wie vor eine der reizvollsten Figuren der Serie und Handlung in England, die Charaktere um ihn herum können aber nur bedingt für interessante Momentaufnahmen sorgen, sodass man sich in Paris oft zurück zu Ragnar und Co. wünscht, von wo wiederum die größte Spannung der gesamten Episode ausgeht.
Fazit
Paris ist eine überdurchschnittlich gute Episode von Vikings, die wunderbar mit unseren Erwartungen ob des großen Angriffs der Wikinger auf Paris spielt. Mich persönlich stört hier nur, dass der mit Abstand spannendste und aufregendste Teil der Handlung zu oft Platz für weniger packendere Handlungsstränge machen muss, die sich wiederum ein paar Makel leisten. Jedoch stellt sich an einigen Problemstellen auch Besserung ein: Während die kleine Nebenhandlung um die verzweifelte Porunn (Gaia Weiss) und Aslaug (Alyssa Sutherland) in Kattegat zwar etwas untergeht, baut man zumindest für Bjorn (Alexander Ludwig) einen möglichen Konflikt mit Erlendur (Edvin Endre) auf, der dem Spross Ragnars endlich mal wieder etwas mehr Auftrieb verschaffen könnte. Auch wenn ich unter anderem Kritik an der faden Einführung der neuen Widersacher von Ragnar geäußerst habe, blicke ich doch sehr zuversichtlich auf die nächste Episode, die uns ein großes Spektakel bringen könnte.
Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 4. April 2015Vikings 3x07 Trailer
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