Verwechselt: Review der Pilotepisode

© erwechselt (c) Netflix
Die neunteilige mexikanische Soap Verwechselt handelt von der Verwechslung zweier Mädchen kurz nach ihrer Geburt. Erst vier Monate danach wird die Verwechslung aufgedeckt und beide Familien versuchen nun, mit dieser Tragik zu leben.
Worum geht's in Verwechselt?
Mariana (Paulina Goto) und Ana (Ludwika Paleta) könnten nicht unterschiedlicher sein. Mariana ist eine bisexuelle Studentin, die noch bei ihrer Mutter Tere(sa) (Liz Gallardo) lebt und nicht mehr mit dem Vater ihres Kindes, sondern mit einer Frau zusammen ist. Mutter und Tochter sind eher freigeistige und quirlige Menschen, die sehr viel Energie haben und engen Kontakt miteinander hegen. So möchte Mariana ihr Kind zu Hause in einer Wanne auf die Welt bringen.
Dahingegen ist Ana ein Workaholic, die sich bis zur Geburt nicht vom Arbeiten abhält. Dabei unterstellt die Serie übrigens nicht, dass arbeitende Mütter generell falsch sind, sondern dass sich arbeitende Mütter auch Zeit für ihre Kinder nehmen und ihnen vor allem Liebe schenken sollten. Sie möchte im besten Krankenhaus der Stadt ihr Kind gebären und fordert auf dem Weg dahin bereits ihren Stylisten und Fotografen an, die nach der Geburt ein Foto der glücklichen Familie machen können.
Schließlich landen beide Frauen im gleichen Krankenhaus und teilen sich ein Zimmer miteinander. Durch ihre komplett unterschiedlichen Wesensarten hegen sie schnell eine große Abneigung gegenüber der anderen und versuchen auch nicht, diese zu verbergen. Beide wünschen sich nichts sehnlicher, als sich nie wieder sehen zu müssen.
Durch ein Missgeschick einer Schwester sind sie jedoch für immer miteinander verbunden: Sie wickelt beide Mädchen gleichzeitig, hat aber die namensgebenden Armbänder abgenommen und nun keine Ahnung mehr, welches Baby wer ist... Nicht ahnend, dass ihr leibliches Kind bei der Frau aufwächst, die sie verabscheuen, leben sie nun ihr Leben weiter, als wenn nichts wäre...
Nach vier Monaten kommt heraus, dass die zwei Babys miteinander vertauscht wurden. Das Krankenhaus veranlasst, dass die Mädchen so schnell wie möglich zurückgetauscht werden und jede Familie dann ihrer Wege geht. Doch so einfach ist das nicht: Für beide Frauen fühlt sich ihr leibliches Kind falsch an und auch die Babys spüren, dass irgendetwas falsch läuft. So will Regina, die von Ana aufgezogen wurde, nicht gehalten werden, da sie es gewohnt ist, nur für 20 Minuten alle zwei Stunden gehalten zu werden und Valentina nimmt kein Fläschchen, da sie von Mariana immer die Brust bekommen hatte.
Schließlich tun sich Mariana und Ana zusammen und finden eine Lösung für ihr Problem. Da sie ihr „altes“ Baby viel zu sehr vermissen und sich die Babys auch nicht an den neuen Lebensstil gewöhnen, entschließen sie sich dazu, zusammenzuziehen. Im riesigen Haus von Ana und ihrem Mann Juan Carlos ist genügend Platz für alle. Das passt auch Mariana und ihrer Mutter Tere ganz gut, denn sie sind schon lange mit der Miete im Rückstand. Einziges Problem: Tere und Juan Carlos hatten einen One-Night-Stand miteinander. Das wissen Mariana und Tere jedoch nicht.
Wie kommt Verwechselt herüber?
Natürlich wird der Konflikt der ersten Staffel auf den offensichtlich gegensätzlichen Vorstellungen von Erziehung, Lebens- und Wesensweisen aufbauen, jedoch sollte die Serie darüber hinauswachsen: Die Aufgabe der folgenden Episoden ist es, die starken Gegensätze und Stereotypisierungen der Pilotepisode aufzuheben. Hier müssen die beiden Familien näher zusammenrücken und (insbesondere die reiche Familie muss) menschlicher gestaltet werden.
Hierzu gehört es auch, Ana multidimensionaler und nahbarer darzustellen. Denn bisher wird Ana - bis auf den Moment, in dem sie ihr Baby zum ersten Mal im Arm hält - als ziemlich gefühlskalt inszeniert und erscheint dadurch ziemlich unsympathisch. Dadurch bildet sie natürlich den passenden Gegensatz zur quirligen Mariana. Jedoch sollte man schauen, dass die Serie auch Ana zu einer Figur entwickelt, die man mag und mit der man sich identifizieren kann. Ansonsten wird diese Dynamik schnell eintönig.

Bereits in der Pilotepisode kommt viel zusammen. Hier werden die Weichen für das Drama der Staffel gelegt. Es gibt viel Potential für Konflikte, die die Unterhaltung der Netflix-Serie ausmachen werden: der Gegensatz der Familien und ihre unterschiedlichen Ansichten, Teres und Juan Carlos' Affäre, Marianas Aussöhnung mit ihrem Exfreund, Marianas Freundin et cetera. Langweilig wird diese Serie auf jeden Fall nicht!
„Verwechselt“ hat Feuer und bietet viel (Melo-)Drama. Das erfüllt das Klischee für spanischsprachige Serien und bietet dementsprechend Unterhaltung. Dadurch ist die Serie aber nicht unbedingt etwas für jeden. Wer Produktionen mag, in denen ständig etwas los ist, dem sei diese Serie jedoch ans Herz gelegt. Auch wer Familien oder spanischsprachige Serien an sich mag, dem wird diese bestimmt gefallen.
Die Netflix-Serie ist mit Humor inszeniert und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Dadurch ist sie leichte Kost, unterhaltsam und spaßig. An manchen Stellen driftet die Pilotepisode ins Melodramatische und Soapige ab, übertreibt damit jedoch nicht zu sehr.
Momentan gibt es die Serie nur mit spanischer Vertonung, aber deutsche Untertitel ist verfügbar.
Das Thema von „Verwechselt“ kennt man schon. Das wurde schon zur Genüge in Switched at Birth thematisiert. Hier sind die zwei vertauschten Mädchen jedoch nicht mehr vier Monate, sondern 16 Jahre alt. Auch hier gibt es viel Melodrama, Gegensätze und Konflikte. Auch wenn beide Serien nach demselben Schema aufgebaut sind, kann man „Verwechselt“ durchaus eine Chance geben.
Fazit
Die Pilotepisode baut noch zu sehr auf die Inszenierung von Konflikten und der Darstellung von Gegensätzen. Dadurch wirken sowohl die Handlung als auch die Figuren etwas übertrieben und eindimensional. Wenn es der Netflix-Serie in den folgenden Episoden gelingt, von diesen starren Inszenierungen abzurücken und die Figuren menschlicher zu gestalten, kann sie sich zu einer unterhaltsamen und spaßigen Familienserie der etwas anderen Art entwickeln.