V 2x01

„It's raining red. Hallelujah! It's raining red ...“ Die nach einer schlechten ersten Staffel überraschend verlängerte ABC-Serie V startet einen erneuten Angriff auf die Menschheit vor den Fernsehbildschirmen. Mit Red Rain begibt man sich auf die Suche nach Antworten - und nach mehr als nur "zweidimensionalen" Figuren, die die Fans rot anlaufen ließen.
Natürlich ist die Fernsehbranche ungerecht: Serien wie Terriers, Rubicon und Fringe werden nach nur einer Staffel abgesetzt bzw. auf den Freitagabend verschoben, wohingegen Serien wie V ... Andererseits ist das finanzielle und strategische Ausmaß solcher Entscheidungen für uns Außenstehende kaum einzuschätzen. Den V-Fans kann es jedenfalls egal sein: ABC gibt V eine zweite Chance - oder, besser gesagt: eine halbe zweite Chance, denn die Episodenbestellung wurde ja gekürzt.
Was kann man aus zehn Episoden machen? Die Eröffnungssequenz von Red Rain hat mein Interesse geweckt. Wir sehen, wie FBI-Agent Erica Evans (Elizabeth Mitchell) auf der Straße aufwacht. Die komplette Stadt scheint tot zu sein (The Walking Dead-Style); überall liegen Menschen, und wir wissen nicht, ob sie tot sind oder schlafen. Das Bild glitzert in rot gefärbter Atemlosigkeit. Erica sucht Tyler (Logan Huffman) -und findet ihn schließlich, nur um Zeugin seines grausamen Todes zu werden.
Du tötest meine Kinder, ich deine, sagt die plötzlich im Bild aufgetauchte Anna (Morena Baccarin). Dann wacht Erica leider auf...
Warum "leider"? Vielleicht weil ich gehofft hatte, dass Tyler endlich das Weite sucht... oder weil wir uns doch insgeheim gewünscht haben, dass der Krieg zwischen den Welten endlich ausbrechen möge... ? Nun: V hat klar gemacht, dass die Auseinandersetzung eine stille sein wird, eine langsame, melodramatische und oft... langweilige.
Nichts gegen psychologische Kriegsführung: aber sie darf sich nicht mit klischeehaften verbalen Drohungen begnügen. Angesichts der kurzen Staffel darf man also durchaus erwarten, dass V mehrere Schritte nach vorne macht - und nicht, wie in der ersten Staffel, einen Schritt nach vorn und zwei zurück.
Wenn man schon keinen Krieg der Welten inszenieren will, ist man praktisch zur Konzentration auf die emotionale Ebene gezwungen. Für V bietet sich natürlich Annas Kampf gegen die Emotion an - sowie die mögliche Hingabe der Emotion seitens Prinzessin Lisa. Was nun aber Letztere betrifft: Sie in regelmäßigen Abständen auszuziehen (so sehr der Anblick auch das Herz höher schlagen lässt) und in einfallslos gefilmte, romantik- und emotionsarme sexuelle Begegnungen mit Tyler stolpern zu lassen, scheint mir nicht der richtige Weg, um die Figur voran zu bringen und sie womöglich als wichtige Gegenspielerin von Anna zu etablieren. Immer wieder wird betont, wie wichtig Tyler sei: warum? Das erfahren wir nicht - aber es könnte etwas mit Ericas damaliger Schwangerschaft zu tun gehabt haben.
In Red Rain kehrt Ryan (Morris Chestnut), der von Anna gefangen gehalten wurde, wieder zurück zu seinen Fifth Column-Freunden, aber sein Baby bleibt an Bord - und Anna versucht weiterhin, das Geheimnis der intergalaktischen Zeugung zu lüften. Ryan erklärt: „She was born by something you'll never understand - love.“
Ericas Team hingegen macht den Wissenschaftler Sidney (Bret Harrison, Reaper) ausfindig, bevor die Visitors ihn erledigen können. Vor Jahren hat er das Skelett eines Vs entdeckt und etlichen Untersuchungen unterzogen. Der Stoff, den Sidney im Schlangen-Skelett entdeckt hat und den Val für das Überleben des Babys brauchte, ist - wie Erica plötzlich einfällt - derselbe, der bei ihr während der Schwangerschaft als Anomalie registriert wurde. Wurde sie also einem V-Experiment unterzogen? Ist Tyler dessen Ergebnis? Was ist mit dem roten Himmel?
Nach einem vier Tagen langen Schweigen Annas eskaliert die Lage auf der Erde. Unsicherheit und Angst bringen die Menschen auf die Barrikaden. Plötzlich regnet es Blut! Eigentlich ein bedeutungsträchtiges metaphorisches Bild. Nun, Annas biblische Entscheidung verwandelt sich in eine meteorologische. Erneut hat sie eine Erklärung parat: es käme kein Blut vom Himmel herab, sondern heilender Regen. Dieser werde die Erde vom menschlichen Mist der letzten Jahrzehnte reinigen. Amen.
Für Vs Verhältnisse kommt am Ende sogar alles zusammen: Der Regen enthält... ebenfalls den oben genannten Stoff! Also wollen die Vs die menschliche Welt ver(V)irklichen? Zum Glück steht ja Ericas Team jetzt mit Dr. Sidney eine Art Wikipedia zur Seite. Versteht mich nicht falsch: in Reaper mochte ich Harrison sehr - aber ich glaube nicht, dass seine Humoreinlagen V weiter helfen oder aber die Serie mehr "öffnen".
Braucht V denn Leichtigkeit? Sollte die Serie nicht eher von den dunklen moralisch-ethischen Fragen leben und von der Unmöglichkeit, eine objektive Distanz zu ihnen zu gewinnen? Vielleicht wird Annas Mutter Diana (gespielt von Jane Badler aus der Originalserie „V“), die wir am Ende zu sehen bekommen, diesbezüglich für mehr Komplikationen sorgen, die hoffentlich nicht ins Melodramatische einmünden werden.
Der ABC-Serie stehen zehn Episoden zur Verfügung, um den Fans, die ihr die Treue gehalten haben, einen zufrieden stellenden Abschluss zu bieten. Denn ich glaube nicht, dass es eine weitere Verlängerung geben wird. Wir sehen uns in neun Episoden!
Verfasser: Vladislav Tinchev am Mittwoch, 5. Januar 2011(V 2x01)
Schauspieler in der Episode V 2x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?