Utopia (US): Review der Pilotepisode

Utopia (US): Review der Pilotepisode

Bereits seit langer Zeit war eine neue Umsetzung des britischen Verschwörungsthrillers Utopia in Form eines US-Remakes in Entwicklung. Welchen Eindruck macht das nun fertige Projekt und kann es die großen Fußstapfen des Vorbilds ausfüllen?

Szenenfoto aus der US-Version von Utopia (c) Amazon Prime Video
Szenenfoto aus der US-Version von Utopia (c) Amazon Prime Video
© zenenfoto aus der US-Version von Utopia (c) Amazon Prime Video

Im Debüt des Remakes von Utopia (US) mit dem Titel Life Begins findet sich eine Gruppe von Comicfans, die absolut in das Werk „Dystopia“ vernarrt sind, auf einer Messe in einem Hotel wieder, in dem das Originalmanuskript des von ihnen mit Leidenschaft erwarteten Nachfolgers „Utopia“ versteigert wird. Doch es scheint viel mehr hinter den verborgenen Nachrichten und verstörend akkuraten Prophezeiungen des düsteren Comics zu stecken, als sie ohnehin schon vermuten, denn ein unscheinbares Killerduo trifft zur selben Zeit ein, um die ominösen Seiten sicherzustellen und sich um alle, die es erblickt haben, auf fatale Weise zu kümmern...

Was geschieht im Auftakt von Utopia?

Das Pärchen Olivia (Maya Kazan) und Ethan (Calum Worthy) entdeckt beim Einzug in ihr neues Haus ein bizarres Comic, von dem sie vermuten, dass es bei Sammlern eine Menge Geld wert sein könnte, woraufhin sie sich dazu entschließen, es bei einer Con in einem Hotel zu versteigern, in welchem sich zahlreiche Anhänger und Interessenten versammeln, um Utopia zu erstehen. Auch Ian (Dan Byrd), Becky (Ashleigh LaThrop), Samantha (Jessica Rothe) und der paranoide Wilson (Desmin Borges), die sich alle über Message-Boards im Internet kennengelernt haben, gehören zu den Enthusiasten, die allerdings im Gegensatz zu den meisten Fans mehr in dem Werk als nur Unterhaltung sehen.

Olivia und Ethan bekommen Dollarzeichen in den Augen, als ein Mann namens Carson (Josh Bywater) auftaucht und ihnen mit 20.000 Dollar eine dermaßen stolze Summe für das Comic bietet, dass sie ohne zu zögern an ihn verkaufen. Kurz darauf bekommen sie jedoch von dem frisch eingetroffenen exzentrischen Killerduo Arby (Christopher Denham) und Rod (Michael B. Woods) einen Besuch in ihrer Suite abgestattet, die eine Liste mit allen Interessenten und dem Käufer sicherstellen und dafür sorgen, dass den ihren Deal Feiernden der Spaß für immer vergeht. Anschießend dringen sie in Carons Zimmer im Penthouse ein und erledigen auch dort kompromisslos ihren Job.

Doch die beiden ahnen nicht, dass sich ein Junge namens Grant (Javon 'Wanna' Walton), der auch zu Wilsons Gruppe gehört, bereits vor ihnen Zugang verschafft und sich Utopia unter den Nagel gerissen hat. Als er mitbekommt, welches Schicksal Carson und seine Begleiterin ereilt, macht er sich schleunigst an den Killern vorbei aus dem Staub. Diese verbringen den Rest ihres Hotelaufenthalts damit, alle weiteren Spuren und Zeugen im Hotel von ihrer Liste zu tilgen. Das schließt allerdings nicht Wilson und die anderen mit ein, da sie sich dafür entscheiden, die Nacht in Wilsons Haus zu verbringen. Zu guter Letzt taucht noch eine weitere zentrale Figur in der Geschichte von „Utopia“ auf und begibt sich auf die Suche nach dem Manuskript, denn Jessica Hyde (Sasha Lane) ist offenbar keine Fiktion.

Hier kannst Du „Utopia - Staffel 1+2 (Blu-ray)“ bei Amazon.de kaufen

Das einzig wahre Utopia?

Es gibt grundsätzlich zwei Sichtweisen, auf Utopia (US) zu schauen: als jemand, der das britische Original kennt, und als jemand, der es nicht geschaut hat. Ist man mit dem einzigartigen Verschwörungsmärchen vertraut, welches aufgrund seiner Besonderheiten einen gewissen Kultstatus erlangen konnte, so ist es quasi imperativ, Vergleiche anzustellen, was vielleicht in gewisser Weise unfair für das Remake erscheinen mag. Denn an und für sich lässt sich eigentlich nicht behaupten, dass der Einstieg etwas furchtbar verkehrt macht. Doch zieht man die Parallelen zum Original, dann wird deutlich aufgezeigt, wie es aussehen würde, wenn das spürbare Potential solch einer Serie tatsächlich ausgeschöpft werden würde.

Das Team von Serienschöpfer Gillian Flynn hat sich dafür entschieden, die Einführung und das Zusammentreffen der Charaktere in ihrer Serie ein wenig anders aufzuteilen, was im Grunde hier nachvollziehbar funktioniert. Doch in der Wahl der Eröffnungsszene offenbart sich bereits der Klassenunterschied zwischen den Formaten: Während der Beginn hier in Form einer relativ schnöden Montage aus Videoschnipseln inszeniert ist, an den sich sicherlich keiner langfristig noch erinnern wird, so ist mir die britische Version des Einstiegs, obwohl es einige Jahre her ist, dass ich diese gesehen habe, noch komplett in Erinnerung geblieben. In der Auftaktszene im Comicshop wird sofort im Zusammenspiel mit den typischen Klängen der Serie die Atmosphäre bestens etabliert: bizarr, steril, schockierend und hypnotisch.

Genau das schafft das Remake jedoch einfach nicht, denn dafür wirkt es an vielen Stellen einfach zu poppig - und das nicht nur bezogen auf die Musikwahl. Die Sequenz, in der Arby (Christopher Denham) und Rod (Michael B. Woods) ihre Liste abgrasen und ein Ziel nach dem anderen umnieten, trieft geradezu vor Popcornkino-Gewalt als vor dem schockierenden und gleichzeitig pechschwarzen trockenen Humor des Werks von Dennis Kelly, der es stets verstand, gewalttätige Schockeffekte nicht zu verharmlosen, aber sie trotzdem noch gleichzeitig ins Erträgliche hinein zu entschärfen. Auch optisch ist die Inszenierung zwar durch die Bank professionell, doch gibt es weder einprägsame Einstellungen noch ein so prächtiges Spiel mit Farbtönen.

Amazon Prime Video
Amazon Prime Video - © Amazon Prime Video

Was die Schauspieler betrifft, so hinterlassen diese unterschiedlich gute Eindrücke: Während Desmin Borges als Wilson Wilson für mich sehr gut passt, so sind etwa die Fußstapfen für Christopher Denham als Arby viel zu groß, denn er kommt nicht ansatzweise an die bahnbrechende Leistung von Neil Maskell heran, der damals zugegebenermaßen aber auch die Performance seiner bisherigen Karriere ablieferte. Bei den anderen Figuren sticht zumindest noch Jessica Rothe mit einem gewissen Charisma heraus, wobei die übrigen Darsteller ihre Sache ebenfalls relativ ordentlich machen. In Bezug auf Jessica Hyde lässt sich noch anmerken, dass hier direkt in ihrer ersten Szene damit begonnen wird, sie als empathielos beziehungsweise in diesem Zusammenhang auch als unsympathisch darzustellen.

Fazit

Utopia (US) kann den Vergleich mit seinem Vorbild nicht bestehen. Zwar darf man dem Auftakt einen gewissen Unterhaltungswert attestieren und kann ihm letztendlich auch kaum den Vorwurf machen, etwas wirklich komplett in den Sand zu setzen, doch man bleibt hinter all dem möglichen durch die Vorlage vorgeführten Potential deutlich zurück und dadurch letztendlich in der Mittelklasse hängen. Die Frage, wie geschmackvoll es derzeit ist, eine Serie mit solch einer Story zu veröffentlichen, lässt sich darüber hinaus auch stellen. Kennt man das Original nicht, so lässt sich hier aber sicher Motivation finden weiterzuschauen, denn für sich allein gestellt könnte es durchaus kurzweilig werden.

Doch wird der mit der Natur eines Remakes verbundene Vergleich geknüpft, fehlen der Serie einfach sehr viele der Besonderheiten, welche Utopia zu einem einzigartigen und schwer replizierbarem Erlebnis machen. Einer der wenigen Faktoren, der für die Neuauflage spricht, ist, dass wir hier zumindest noch auf ein ordentliches Ende hoffen dürfen, was auf der anderen Seite so ziemlich der einzige Grund ist, warum man Interessierten nicht uneingeschränkt den Griff zum Original empfehlen möchte. Denn in qualitativen Belangen ist es der doch etwas poppigeren US-Version wirklich um einiges überlegen.

Hier abschließend noch der Serientrailer zur neuen Amazon-Serie Utopia:

Diese Serie passen auch zu «Utopia (US)»