Upload: Review der Prime-Video-Serie von Greg Daniels

© pload von Amazon Prime Video (c) Prime Video
Obwohl die neue Amazon Prime Video-Comedyserie Upload ein durch San Junipero aus der Anthologieserie Black Mirror bekanntes Konzept übernimmt, sollte man das neue Format mit Robbie Amell (The Flash, Cousin von Stephen Amell) in der Hauptrolle nicht vorschnell abschreiben. Denn die Serie von Greg Daniels (The Office, Parks and Recreation, The Simpsons) weitet das Konzept um einige dystopische Elemente zu einer humorvollen Auseinandersetzung mit dem Thema aus und kann auf Anhieb durch viele kreative Ideen und Witze überzeugen.
Die Bewertung basiert auf der Sichtung der ersten beiden Episoden.
Worum geht es in Upload?
Nathan (Amell) arbeitet als Programmierer in einer Welt, in der selbstfahrende Autos zur Normalität gehören und generell alles sehr weit fortgeschritten ist. Hier werden Verkehrskontrollen per Dronen-Cop ausgeführt und auch Fahrräder können sich nach der Nutzung selbst zurückfahren und parken. Er ist in einer Beziehung mit Ingrid (Allegra Edwards), die aber eher auf Oberflächkeiten und der körperlichen Anziehungskraft zu basieren scheint, dennoch ist sie die erste Frau, die er zum Thanksgiving-Familienessen mitbringt. So erfahren wir auch, dass die Toten nicht mehr für immer aus dem Leben verschwinden, sondern durch Firmen wie Horizon in eine Cloud geladen werden können, die wie ein Paradies daherkommt. Wie im gewohnten Leben hängt die Art des Ruhestands der Liebsten aber auch mit dem eigenen Wohlstand zusammen und so gibt es Flatrates für normale Netzdaten und auch das afterlife.
Nach einem Schäferstündchen im selbstfahrenden Auto geht Nathan in den vollautomatisierten Laden und hat danach einen ironischen Autounfall, denn weil ihn seine AI nicht per Sprachbefehl versteht, crasht er in einen stehenden LKW und wird schwer verletzt. Nun hat er die Wahl zwischen einer normalen Operation und einer Weiterführung seines Lebens in der Cloud. Beim Scannen scheint ihm versehentlich die Wahl abgenommen zu werden und er landet im vermeintlichen Paradies. Doch sein erster Tag dort ist alles andere als traumhaft für ihn und er verliert schon fast seinen Verstand, denn er kann beispielsweise nur auf die Standardausstattung des virtuellen Ruhestands zugreifen, weil die Zahlung falsch registriert ist und natürlich ist das Sterben an sich nicht so einfach zu schlucken.

Zum Glück gibt es da den Tech-Angel Nora (Andy Allo), die ihm moralische Unterstützung liefert, es aber laut Firmenpolitik gar nicht dürfte. Dennoch scheint sie von dem neuen Klienten eingenommen zu sein und setzt sich über die Anweisungen hinweg. So arrangiert sich Nathan vorerst mit seinem neuen virtuellen Leben. Allerdings kommen bald schon Zweifel an den Umständen seines Ablebens auf und es wird eine Untersuchung in die Wege geleitet. Außerdem scheint sich jemand nach Feierabend bei Nora an den Erinnerungsdaten von Nathan zu vergreifen. Mysteriös...
Heaven is a place in the cloud
Upload strotzt nur so vor charmanten Tech-Gags und sympathischen, aber teils auch beängstigenden Evolutionen des Alltaglebens. Wenn man als Programmierer etwa die AI des eigenen Autos manipulieren kann, wenn eine Verkehrskontrolle kommt, oder man den anderen beim Sex mit Sternen bewertet und erst sein Einvernehmen beim Sex geben muss oder im Leben nach dem Tod ein Therapiehund beim Bewältigen des eigenen Status hilft, dann sind das teils sinnige, aber teils auch fragwürdige Entwicklungen. Auch sonst lässt man sich viel einfallen, was das Leben nach dem eigentlich Leben angeht. Es gibt beispielsweise Möglichkeiten, weiterhin Sex miteinander zu haben, nämlich per VR-Anzug oder sich die Zeit zu vertreiben, Gerüche wahrzunehmen oder zu pinkeln (wenn auch immer ins Ziel - egal, wie weit man vom WC entfernt steht) und zu flatulieren, warum auch immer das noch ein Ding sein muss. Während der Ruhestand wie das Paradies wirkt, ist es im echten Leben teils unangenehm und es gibt Probleme mit dem Wasserdruck oder kalten Temperaturen beim Wetter, aber auch Filme können schon da in der virtuellen Welt gespielt werden, während daneben der Mitbewohner echten Sex hat.
Man fragt sich unweigerlich, wie weit entfernt man wohl noch von so mancher Errungenschaft ist. Das virtuelle Nachleben selbst wird wohl, wenn überhaupt, noch entfernte Zukunftsmusik sein und bis VR abseits von Videospielen massentauglich ist, vergeht sicher auch noch etwas Zeit. Auch Witze auf Kosten von Rechenleistung bei zu vielen Usern auf einmal, die die Framerate beeinträchtigen (man sieht immer nur fünf Stockwerke der Ruhestands-Residenz gleichzeitig) und ewige YouTuber findet man in den ersten Folgen.

Neben der offensichtlichen Black Mirror-Assoziation kann man die neue Comedy vielleicht am ehesten mit The Good Place oder Forever (2018) in eine Kategorie ordnen. Bei The Good Place war jedoch die technische Komponente nie besonders wichtig und man vergnügte sich eher mit den Konzepten von Zeit selbst, die für normale Menschen schwer zu greifen sind. „Upload“ spielt in einer nahen Zukunft, die dabei eben auch durchaus nahe erscheint.
Die Figuren, besonders Nathan und Nora, sind sympathisch, während Ingrid mit Absicht wohl etwas überzeichnet erscheint. Zudem stellt sich beim Zugucken schnell die Frage, wie lange die Menschen in dieser Welt wohl an den Verstorbenen respektive Verflossenen festhalten, denn irgendwie geht das Leben ja weiter. Das dürfte im weiteren Verlauf noch spannend werden. Es zeichnet sich natürlich schnell ab, dass nicht Nathan und Ingrid zusammenbleiben, sondern eher Nora sein Herz gewinnt und auch die Frage, ob und wie es einen Ausweg aus der virtuellen Welt geben könnte, wird sehr offensichtlich ins Spiel gebracht, wie Tschechows Gewehr im Fall des Datenstroms in die echte Welt.
Viel Potential und Charme ist jedenfalls da. Man hätte anfangs zweifeln können, ob das Konzept für eine Serie taugt, aber man findet doch schon sehr viele Teilaspekte, die spannend sind und ergründet werden wollen und somit jegliche Bedenken aus dem Weg räumen. Etwa auch die Frage, ob vielleicht bei Nathans Tod irgendwie nachgeholfen wurde und was eigentlich mit Mordopfern passiert.
Fazit
Ich hatte bisher leider nur Zeit für die ersten beiden Folgen, bin aber schon begeistert und gespannt, wie es weitergeht und halte die Serie und ihre Art für sehr bingefreundlich. Kurz war ich von der Pilotlauflänge von 45 Minuten abgeschreckt, weil das für eine Comedy manchmal zu viel sein kann, aber der Auftakt verging dann wie beim Highspeed-Netzdownload. Die weiteren Folgen sind aber unter 30 Minuten und das Finale sogar nur etwa 23 Minuten lang. Das sollte kein Grund sein, der Serie eine Chance zu verwehren. Wer also schon „San Junipero“ dufte fand, die anderen Serien von Greg Daniels mochte und über technische Dystopien auch mal lachen möchte statt depressiv zu werden, sollte einen Blick wagen.
Ein spannendes Konzept, fähige Serienmacher, ein überaus sympathischer Darstellerkreis und ein kurzweilige Tempo sprechen in meinen Augen klar für Upload. Schmeißt also am besten das VR-Headset an oder schließt Euch den TV-Stick Eurer Wahl direkt an die Lebensader an und downloadet das Ding. Almost Five Stars!
Hier der Trailer zur Serie „Upload“: