Under the Dome 3x12

Seit wenigen Tagen ist es raus: Die dritte Staffel Under the Dome wird die Zeit unter der Kuppel zu Ende bringen, auf die eine oder andere Weise. Die Episode Incandescence ist also unser vorletzter Besuch in Chester's Mill und bedeutet alleine deswegen einen Anstieg der Qualität, weil niemand schief singt. Viel mehr Gutes lässt sich leider nicht sagen, aber das ist ja nichts Neues.
Was passiert in der Episode?
Statt durch die Nacht zu rennen, sind Barbie (Mike Vogel) und Julia (Rachelle LeFevre) aufs Auto umgestiegen - ist ja auch besser für die dramatische Vollbremsung, die der engagierte Neuvater hinlegt, um zu zeigen, wie wichtig seine Tochter ihm ist.
Unterdessen schließen Big Jim (Dean Norris) und Lily (Gia Mantegna) einen unseligen Deal. Vielleicht erpressen sie sich auch gegenseitig, genau weiß man es nicht, doch das ist auch egal, denn auf der Zielgeraden haben die Under the Dome-Macher beschlossen, sich selbst treu zu bleiben und geschlossene Bündnisse schon wenige Minuten nach dem Handschlag wieder zu vergessen.
Barbie erinnert noch einmal schmerzhaft daran, was sonst noch so ignoriert wurde - und zwar eine ganze Reihe von Figuren, die in anderen Staffeln als wichtige Eckpunkte der Story aufgebaut worden sind: „So lange dachte ich, dass mein Vater eine schmutzige Firma anführt, während es in Wirklichkeit du warst!“ Der Vorwurf, den er Hektor (Eriq La Salle) an den Kopf wirft, erinnert uns daran, wie viele Charaktere ohne echte Erklärung in der Versenkung verschwunden sind.
Dazu gehört auch der verrückte Wissenschaftler, der jetzt durch eine langweiligere, weibliche Version ersetzt worden ist, die allerdings die Episode Incandescence ebenfalls nicht übersteht.
Unterdessen bewundern Sam (Eddie Cahill) und Christine (Marg Helgenberger) die Künste der Kuppel und versuchen, das Baby schneller zum Wachsen zu bringen. Doch die Kuppel weigert sich, sich an den Zeitplan zu halten, das findet auch die kleine Königin zum Heulen.
Im Lager der Resistance gibt Big Jim Hektor unterdessen Tipps zur Imagepflege, so von Serienkiller zu Serienkiller.
Überhaupt scheinen alle Figuren auf den letzten Metern noch schnell zu Massenmördern werden zu wollen: Christine beschließt den Mord der Senioren unter der Kuppel, ausgeführt wird dieser Plan von Sam und Junior (Alexander Koch). Weil Sam ja bereits ein Menschenleben auf dem Gewissen hat, versucht Junior, das anschließend damit auszugleichen, dass er die Kinder der Stadt direkt hinter ihren Großeltern her ins Verderben führen will.
Barbie und Julia untersuchen Evas Leiche im Motelzimmer, wo Barbie erstaunlich eiskalt reagiert, wenn man bedenkt, welche furchtbaren Dinge er selbst unter dem Einfluss der Kinship gemacht und geplant hatte. Zum Beispiel den Mord an seiner Freundin Julia. Gut, dass er jetzt wieder einer der Guten ist und sich schwört, Christine zu finden und zu ermorden.
Immerhin Norrie (Mackenzie Lintz) und Joe (Colin Ford) halten die Moral hoch und geloben sich, entgegen dem Trend, gegenseitig, alle zu retten.
Christine will nicht nur die Hälfte der Stadt, sondern auch sich selbst für die Kinship opfern, doch dabei wird sie von Julia und Barbie gestört. Während sie weinend zusammenbricht, entkommt eine mysteriöse Gestalt in Supergeschwindigkeit aus dem Kokon, es muss Barbies und Evas Nachwuchs sein.
Die Mordserie geht unterdessen munter weiter, Hektor tötet Dr. Bloom, was er so ungeschickt versteckt, dass Lily es herausfindet, ohne danach zu forschen. Wir erfahren, dass auch Hektor einen Massenmord plant: Er will alle, inklusive sich selbst, opfern, um die Außenwelt vor den Infizierten der Kinship zu schützen.
Julia und Barbie treiben Christine vor sich her, weil man das in Chester's Mill so macht, doch sie erinnert sich nur bruchstückhaft an die Ereignisse der letzten Tage. Dann kommt ihr die Eingebung, dass sie die Senioren im See ertränken ließ.
Auf das Episodenende hin laufen die Under the Dome-Macher wieder zu Hochtouren auf und wenden ihren Lieblingstrick der Staffel an: Ein Angreifer wird aus dem Hinterhalt erschossen. In der Episode Incandescence gibt es einen doppelten Aufguss: Erst rettet Norrie Joe vor dem Soldaten aus dem Hinterhalt, dann wird Hektor von Big Jim aus dem Nichts erschossen. Wie viele Figuren hocken wohl noch um die Szenerie im Wald herum und warten auf ihren Einsatz?
Am Ende dieses ereignisreichen Tages sammelt die Resistance sich und hat Zeit für ein paar Gewissensbisse und schmerzhafte Wahrheiten. Dann folgt der Auftritt des großen Schockers: Eva (Kylie Bunbury) ist zurück, nein Moment, sie hat eine andere Frisur, es ist die neue Queen. „Du hast die Augen deines Vaters!“ erwähnt Christine für alle, die noch nicht verstanden haben, dass es Barbies Tochter ist und die selbst legt mit „Ich bin die neue Königin!“ nach. Ist ja gut, wir haben es verstanden!
The world is better off without you.
Vor wenigen Tagen wurde die Serie Under the Dome abgesägt, dieses Mal nicht von zahlreichen verwirrten Zuschauern, die unterwegs von Bord gegangen sind, sondern von den Senderverantwortlichen von CBS selbst. Die dritte Staffel wird die letzte sein, keine weiteren Besuche in Chester's Mill sind möglich. Die beiden Episoden Incandescence und The Enemy Within sind die letzte Gelegenheit für die Autoren, das große Mysterium um die Kuppel zu erklären. Und wie schlagen sie sich dabei? Bisher bleiben sie sich treu, was ja auch durchaus Sinn ergibt, immerhin sind sie damit ja auch durch drei Staffeln gekommen.
Die bekannte Strategie beinhaltet, dass alle Figuren, mit denen sie sich in eine Ecke geschrieben haben oder auf deren Fragen sie keine Antworten haben, kurzerhand um die Ecke gebracht werden. Emotionen, Motive oder ein Nachspiel sind überflüssig, das Motto scheint zu sein: aus den Augen, aus dem Sinn.
Dieses Mal trifft es Christine, die die gesamte Staffel über als personifizierte Kinship gedient hat. Sie war die große Gegenspielerin und gleichzeitig auch ein Opfer der Kuppel. Aber letzteres sind wir ja alle. Bekommt man überhaupt noch alle falschen Fährten zusammen, die die Serienmacher sich selbst gelegt haben? Die Schmetterlinge, die vier Hände, Julias besonderer Status, ganz Zenith mit den damit verbundenen Figuren wie Juniors Mutter samt ihrer Bilder - alles stellt sich am Ende als irrelevant heraus. Und jetzt schließt sich Christine dieser traditionsreichen Liste an.
Fazit
Es sei denn natürlich die Autoren haben sich alles für ein furioses Finale in den letzten 40 Minuten aufgespart. Die Aussicht auf eine letzte Under the Dome-Episode ist befreiend und gleichzeitig auch ein bisschen traurig. Die zweite Staffel war eine Überraschung, die dritte glich schon einem Wunder. Und wer möchte denn nicht in einer Welt leben, in der Wunder möglich sind?
Und dass wir, die wir durchgehalten haben, an Wunder oder mindestens an Spontanheilungen glauben, das darf man wohl annehmen. Lag die lange Laufzeit der Serie daran, dass sie durch ein cleveres Geschäftsmodell zur Gelddruckmaschine für den Sender mutiert ist? Erledigen hier Menschen ihre Jobs vor und hinter der Kamera, die sich ebenso wie die Aufsicht in der Spielothek hinter dem Bahnhof auf ihren Feierabend und ihr Gehalt freuen, dafür jedoch keine besondere Leidenschaft an den Tag legen?
Von wegen, miese Nachrede, nur zu unserer Unterhaltung haben die Macher und der Cast sich ins Zeug gelegt, uns wunderbare Stunden beschert und eine bunt gemischte Gemeinschaft zusammengeführt. Vereint in der Wut auf eine Story, die sich einfach nicht entscheiden kann, was sie sein will und die für keine der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten besonderes Talent aufweist.
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 4. September 2015(Under the Dome 3x12)
Schauspieler in der Episode Under the Dome 3x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?