Under the Dome 2x07

GroĂes Drama und tiefgehende Dialoge erwartet ja mittlerweile niemand mehr, wenn er bei Under the Dome einschaltet. Doch die Episode Going Home ĂŒbertrifft alles zuvor Dagewesene noch einmal um LĂ€ngen. Ganz nebenbei werden die Geschichten immer abstruser - zu retten ist da eigentlich ohnehin nichts mehr. Anders als im Fall Melanie sieht es fĂŒr die Story nicht so aus, als wenn sie noch einmal von den Toten zurĂŒckkehrt.
Neuer Ort
Sam (Eddie Cahill), Lyle (Dwight Yoakam) und Barbie (Mike Vogel) haben es nach Zenith geschafft; das hÀtte kaum vorhersehbarer sein können. Doch das wirklich Nervende an der Episode Going Home ist die Flachheit der Dialoge. Die Under the Dome-Autoren trauen uns als Zuschauer keinen einzigen Schritt alleine zu, ebenso wenig vertrauen sie ihren Figuren. Alles muss direkt ausgesprochen werden und wenn jemand ein Geheimnis hat, dann muss er einen angemessen schuldbewussten Gesichtsausdruck auflegen. Doch gehen wir der Reihe nach durch.
Stört es eigentlich noch jemanden, dass Julia (Rachelle LeFevre) und Barbie annehmen, einen Mord durch kleine Kratzer an einem Körper, der zuvor einen betrĂ€chtlichen Fall hinnehmen musste, nachweisen zu können? Immerhin dazu haben die Under the Dome Autoren uns erzogen: Angesichts mittelgroĂer Logiklöcher und Denkfehler aufseiten der Figuren ziehen wir mittlerweile kaum noch eine Augenbraue hoch. Es muss halt sein, damit Barbie nach Zenith kommt, das muss man ja einsehen.
Doch was die Autoren dann mit diesen billig erkauften Situationen und Möglichkeiten anstellen, das nervt immer noch. Kurz gerĂ€t Barbie in die FĂ€nge seines ehemaligen Auftraggebers, doch das erweist sich als reine Augenwischerei, unwichtig in jeder Hinsicht. Als wahren Schocker bauen die Under the Dome-Autoren die Wiedervereinigung mit seinem Vater Don (Brett Cullen; Lost, Person of Interest) auf. Selten war ein ĂŒberraschendes Familientreffen wohl so langweilig wie in der Episode Going Home. Wenn sie uns Barbie als gespaltenen Charakter, als glaubhaften Menschen nĂ€hergebracht hĂ€tten, dann hĂ€tte es funktionieren können. Doch schon sein LiebesgestĂ€ndnis an Julia kurz vor seinem Sturz ist eine Lachnummer. Da darf man nicht erwarten, dass fĂŒr den Vater plötzlich mehr FingerspitzengefĂŒhl an den Tag gelegt wird.
Der verlorene Sohn will Hilfe von Daddy, doch der will sich vor seinen GeschĂ€ftspartnern nicht blamieren. Ein kurzes GesprĂ€ch soll eine komplizierte Familiensituation vor unseren Augen entstehen lassen. Die Devise ist: Mit möglichst wenig MĂŒhe groĂe GefĂŒhle anzapfen. Was die Autoren erschaffen, ist aber vor allem eine Szene zum FremdschĂ€men. Am Ende arbeitet der Vater dann doch mit Barbie zusammen und streicht im Businessanzug durch die WĂ€lder. Er kommt als Figur aus dem Nichts, vielleicht ist er bald schon wieder fort, vielleicht stellt sich irgendwann heraus, dass er die ganze Zeit seine Finger im Spiel hatte. Man weiĂ es nicht und es wirkt mittlerweile ein bisschen, als wenn die Under the Dome-Autoren derartige ZusammenhĂ€nge auch nicht im Vorfeld planen, sondern sich von Episode zu Episode treiben lassen.
Drei von Vier
Auf der anderen Seite von Zenith werden drei der vier ursprĂŒnglichen Kuppeleifinder wiedervereint: Sam trifft auf seine Schwester Pauline (Sherry Stringfield), die ihn zu Lyle bringt. Der durchgedrehte Friseur hĂ€lt sich in Sachen Plattheit nicht einmal mehr mit ganzen SĂ€tzen auf. Wieso auch, wenn man das ausschlaggebende GesprĂ€ch auch mit dem endlosen Wiederholen eines Wortes auslösen kann?
Juniors Mutter erfĂ€hrt, dass Melanie (Grace Victoria Cox) von den Toten zurĂŒckgekehrt ist. Aber was da eigentlich los ist, erfahren wir nicht. Sam wollte die vier HĂ€nde umbringen, um die Kuppel zu beseitigen - dafĂŒr hat er Angie beseitigt. Nun ist er der Kuppel entkommen, welches Ziel hat er jetzt? Wir wissen es nicht, wissen es die Autoren? Mysterien und RĂ€tsel sind eine Sache, doch mittlerweile wirken die Under the Dome-Geschichten wie reine Augenwischerei.
Figuren vergessen ihre Vergangenheit oder ihren Charakter, wenn es fĂŒr den Plot nötig wird. Manche RĂ€tsel versanden im Nirgendwo und die Autoren werfen so viele neue HandlungsstrĂ€nge auf uns (wie am Ende der Episode Going Home die rote TĂŒr), dass wir uns wirklich oft gar nicht mehr an die groĂen Fragen der vergangenen Episoden erinnern.
Immerhin verschonen sie uns in dieser Episode mit einer kuppelverbundenen Pseudokatastrophe. Zumindest, wenn man Barbies falschen Tod nicht als solche zÀhlt.
Fazit
Die Episode Going Home erweitert den Handlungsradius der Figuren auf die Stadt Zenith, doch interessant geht anders. Das Geheimnis des Abgrundes ist fĂŒr die Figuren in Chester's Mill noch nicht ansatzweise geklĂ€rt, da steht mit der roten TĂŒr schon der nĂ€chste potentielle Ausweg in den Startlöchern. Wenn die Under the Dome-Autoren einfach schnell genug neue Mysterien auf uns werfen, erreichen sie zumindest eins: Kaum jemand erinnert sich an die RĂ€tsel von gestern, weswegen man auch selten etwas zufriedenstellend aufklĂ€ren muss. Diese Logik fĂŒhrt allerdings auch zu lĂ€hmender Langeweile. Im Moment wĂŒrde es der Serie guttun, wenn sie pseudoemotionale Momente wie den Dank Barbies an seinen Vater mit einem Zwinkern untermauern wĂŒrden, damit man immerhin den Trashfaktor genieĂen kann.
Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 12. August 2014(Under the Dome 2x07)
Schauspieler in der Episode Under the Dome 2x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?