Under the Dome 1x10

Mit logischer Entwicklung kann auch die Episode Let the Games Begin nicht punkten. Immerhin ist es erst neun Tage her seitdem die Bewohner unter der Kuppel gefangen sind und in dieser Rekordzeit sind sie von Plünderern im allgemeinen Ausnahmezustand zu handzahmen Bürgern geworden, die freiwillig ihre Waffen einem Gebrauchtwagenhändler ausliefern und sich nun nach nicht einmal zwei Wochen in einem illegalen Fight Club amüsieren. Davon abgesehen jedoch kann diese Under the Dome-Episode mit Fortschritten in fast jeder Hinsicht punkten, besonders was die Geheimnisse der Bewohner betrifft.
Machtverlust
In der letzten Episode ist sie aus dem Nichts gekommen: Maxine (Natalie Zea) schien wie die neue Antagonistin, die kaum mehr Persönlichkeit hatte als Evil-Ollie vor ihr. Und nach allen Seltsamkeiten, die wir mit der Serie Under the Dome bereits erlebt haben, wäre es gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, wenn ihre mysteriöse Geschichte einfach unkommentiert im Raum stehengeblieben wäre. Doch dieses Mal haben die Autoren es geschafft, einen Handlungsstrang zu einer interessanten und überraschenden Wendung zu führen. Maxine ist nicht einfach bei einem Besuch in Chester's Mill unter der Kuppel eingeschlossen worden.
Sie ist mehr als eine Luxusgöre mit Geschäftssinn und ohne Skrupel. Es ist schon fast wieder unglaublich wie gelegen die Kuppel ihrer Geschichte kommt. Mit ihrer Mutter Agatha (Mare Winningham, Hatfields & McCoys, Grey's Anatomy), die von der Gesellschaft in Chester's Mill verstoßen wurde, lebt sie luxuriös und abgeschieden auf einer Insel nahe der Stadt. Mit ihrer Mutter als graue Eminenz im Hintergrund rächt sie sich an den Mächtigen der Stadt für das, was sie ihrer Familie angetan haben. Und das erklärt zumindest eines: Ihre Art, unerkannt in der Nähe zu lauern bis sich eine Gelegenheit zum Zuschnappen ergibt, hat sie wohl nicht erst seit der Ankunft der Kuppel.
Mit der Geschichte ihrer Mutter bekommt ihr zunächst so oberflächlich wirkende Charakter eine überraschende Tiefe. Doch das wirklich Interessante ist die sofort folgende Zerstörung. Kurz nachdem wir erfahren, was es mit ihr auf sich hat, wieso sie ist, wie sie ist, wird ihr in mehrfacher Hinsicht der Boden unter den Füßen weggerissen: Die Geheimnisse von Big Jim und Barbie kommen ans Tageslicht, was ihr das Druckmittel nimmt und aller Wahrscheinlichkeit nach verliert sie ihre Mutter, die einzige Vertraute, die sie zu haben scheint.
In zwei Episoden haben die Autoren mit Maxine etwas geschafft, was ihnen mit den anderen Figuren in zehn Episoden nicht gelungen ist: Man ist ehrlich gespannt darauf, wie es mit ihr weitergeht, wie sie reagieren wird, wenn sie alles erfährt. Wird sie sich ihre Überheblichkeit bewahren können oder wird sie zusammenbrechen? Werden wir eine weitere Facette sehen oder ihr wahres Ich?
Sie hat viele Schuldner um sich herum gesammelt und fühlt sich sicher. Doch in einer Welt, in der keine Autorität mehr für Ordnung sorgt, muss man dann seine Schulden noch zahlen, wenn der Gläubiger die Macht verliert? Maxines System funktioniert nur solange, wie ihre Schuldner daran glauben und zumindest über Big Jim (Jim Norris) und Barbie (Mike Vogel) hat sie die Macht bereits verloren. Vielversprechend, dass sie bereits kundgetan hat, was sie vorhat, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie will: Sie wird alles abfackeln.
Geheimnisse
Julia (Rachelle LeFevre) und Linda (Natalie Martinez) finden die Wahrheit heraus, über Peter und Barbie wie auch über Duke und Big Jim. Das ist endlich mal eine Wendung, die Lust auf mehr macht. Doch ein bisschen ärgerlich ist natürlich wieder mal die Tatsache, dass Julia sich tagelang damit herumschlägt, was ihr Ehemann ihr verheimlicht hat und erst jetzt auf die Idee kommt, mal in sein Schließfach zu schauen.
Aber sei's drum, immerhin bewegt sich endlich was in Chester's Mill. Innerhalb von anderthalb Tagen hat Maxine Barbie so weit getrieben, dass er bereit ist, sein Geheimnis aufzugeben. Um nicht weiter mit ihr arbeiten zu müssen, lässt er es drauf ankommen und setzt an, Julia sein Geheimnis selbst zu erzählen. Und die - überperfektes Timing - weiß es schon und hat erkannt, dass Barbie kein kaltblütiger Killer ist sondern von ihrem Mann in den Mord getrieben wurde. Schuld ist eine Frage der Ansichtssache und Julia glaubt an Barbies gutes Herz. Das fühlt sich nach einem sehr billigen Ausweg an, aber eigentlich ist es das alte Under the Dome-Dilemma: Die Idee ist gar nicht so schlecht, aber die Charaktere können es nicht stemmen. Wenn wir mehr für sie fühlen würden, ihnen näher gekommen wären, mehr mit ihnen gemeinsam durchgemacht hätten, dann könnten wir Barbie vielleicht durch Julias Augen sehen und sie verstehen, mit ihr fühlen. Aber wenn einem die Figuren mehr oder weniger egal sind, ist es schwierig, sich von dieser Entwicklung mitreißen zu lassen.
Nach langer Zeit der Geheimniskrämerei werden in der Episode Let the Games Begin direkt mehrere Fragen aufgelöst. Linda erkennt, dass Duke und Big Jim in die Drogengeschäfte einer mysteriösen Frau verwickelt waren. Damit ist das größte Geheimnis direkt bei der Person angelangt, die im Moment eigentlich die wichtigste Funktion bekleiden sollte. Immerhin ist Linda Sheriff. Doch sie ist auch neu in dem Job und das merkt man ihr auch immer wieder an. Sie macht ihre Sache gut, ihr fehlt aber oft die Autorität, die es braucht. Auch in dieser Sache könnte sie einen entscheidenden Fehler gemacht haben. Sie will Big Jim mit ihren Ermittlungen konfrontieren, lässt ihn aber - aus Mitleid, aus Unentschlossenheit, aus Angst? - eine Nacht darüber schlafen. Wieso tut sie das? Er kann zwar nicht flüchten, aber zwölf Stunden sind eine lange Zeit, Dinge zu verändern, wenn man so manipulativ und skrupellos wie Big Jim ist.
Der Stadtrat ist vor unseren Augen bereits zum Doppelmörder geworden und man kann nur vermuten, was er vor dieser Zeit bereits auf sein Kerbholz geladen hatte. Nachdem er Agatha zum Sterben im Wasser zurückgelassen hat, muss man sich ernsthaft fragen, ob er nicht vielleicht sogar seine Finger im Spiel hatte als seine Frau gestorben ist. Das alles weiß Linda zwar nicht, aber dass er nicht der aufrechte Mann für das Volk ist, das müsste sie auch mittlerweile gemerkt haben.
Das vierte Mitglied
Aufgrund akuten Informationsmangels wird die Story um Norrie (Mackenzie Lintz), Joe (Colin Ford) und Angie (Brittany Robertson) in der Episode Let the Games Begin zur schwächsten. Dass es sich bei der vierten Person um Junior (Alexander Koch) handelt, ist keine große Überraschung nachdem es ohnehin keine anderen aussichtsreichen Kandidaten gab und er bereits ein Bild von sich selbst mit pinken Sternen präsentiert hat.
Darüber hinaus passiert so wenig in dieser Geschichte, dass man kaum noch Lust hat, sich Gedanken darüber zu machen. Die Raupe in der Minikuppel, die Verbindung zu den Schmetterlingen, die Tatsache, dass Dodee (Jolene Purdy) die Kuppel nicht anfassen kann, die pinken Sterne, die sich zeigen nachdem alle vier die Hände an die Kuppel legen - das alles ist ein bisschen zu wenig, zu willkürlich.
Fazit
Die Episode Let the Games Begin ist keine unglaubliche Kehrtwende der Story, aber eine deutliche Steigerung zu den meisten der vorhergehenden Episoden. Es passiert endlich etwas, auch wenn einiges davon nicht unbedingt interessant ist.
Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 27. August 2013(Under the Dome 1x10)
Schauspieler in der Episode Under the Dome 1x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?