Uncle Buck 1x01

Uncle Buck 1x01

Der US-Sender ABC wagt sich mit Uncle Buck an die Serienadaption des gleichnamigen Filmes aus den späten 1980er Jahren mit John Candy in der Hauptrolle. Jetzt darf Comedian Mike Epps den coolsten Onkel der Welt mimen. Die Pilotepisode ruft aber eher sehr gemischte Gefühle hervor.

Mike Epps als Onkel Buck in der ABC-Comedy „Uncle Buck“ / (c) ABC
Mike Epps als Onkel Buck in der ABC-Comedy „Uncle Buck“ / (c) ABC

Erwartungen als leidenschaftlicher Serienjunkie und TV-Konsument sind bekanntermaßen immer so eine Sache. Mal ganz davon abgesehen, dass der Remake- beziehungsweise Adaptionstrend im Fernsehgeschäft in letzter Zeit bisweilen besorgniserregende Züge angenommen hat, kann man sich als Serieninteressierter nie ganz den Meldungen jenseits des großen Teichs entziehen. Und diese besagen nun einmal, dass Uncle Buck, der neueste Comedy-Streich aus dem Hause ABC, weiträumig umgangen werden sollte.

Dies mag gar nicht mal so sehr daran liegen, dass es sich eben um eine recht unnötige Adaption des Spielfilms aus dem Jahr 1989 (der verstorbene John Candy spielte hier die Hauptrolle) handelt. Vielmehr erschreckt die furchtbar uninspirierte, platte Prämisse, die trotz des ordentlich aufgelegten Hauptdarstellers Mike Epps das Format in seiner ersten Folge unter den Durchschnitt zieht. Hier kommt aber die eingangs erwähnte Erwartungshaltung ins Spiel, lässt man sich doch gerne ein Stück weit unterbewusst von anderen vorkauen, was man von einer neuen Serie zu halten hat. Beim konkreten Beispiel von „Uncle Buck“ hilft es nun, keinerlei Erwartungen zu haben, wenn nicht sogar die schlechtesten, um vielleicht doch nicht allzu enttäuscht zu sein. Das macht „Uncle Buck“ zwar nur geringfügig besser, aber immerhin.

A bit of a player

In der neuen Comedyserie dreht sich alles um die titelgebende Hauptfigur: Buck (Epps) ist ein echter Lebemann, er genießt sein Dasein in freien Zügen und macht sich kaum Gedanken über seine berufliche Karriere oder irgendwelche Verpflichtungen. Dies brockt ihm etwas Ärger mit seiner derzeitigen Flamme ein, doch Buck findet im Zweifel ja eh recht schnell eine neue Liebschaft, mit der er etwas Spaß haben kann. Hauptsache, kein Stress! Der könnte ihm jedoch plötzlich ins Haus stehen, als er von seinem Bruder darum gebeten wird, auf dessen drei Kinder aufzupassen. Aus Buck wird im Handumdrehen ein etwas eigenwilliger Babysitter, der sich einer neuen Verantwortung stellen muss und dabei auf seine ganz eigenen Methoden zurückgreift.

Mike Epps in %26bdquo;Uncle Buck%26ldquo; © ABC
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Free spirit

Ob man „Uncle Buck“ nun passabel oder schlecht findet, steht und fällt damit, wie viel man für Mike Epps übrig hat. Der Schauspieler und Comedian ist ein alter Hase im Geschäft und hat bereits in diversen Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt (unter anderem hatte er einen kurzen Gastauftritt in The Sopranos im Jahr 1999). Zuletzt begeisterte er in einer Nebenrolle als unverblümter Onkel Julius in der sehenswerten Basketballdramedy Survivor's Remorse, wo er wahrscheinlich seine Zelte abbaute, um nun die Hauptrolle in einer Network-Comedy zu übernehmen. Ein lukratives Geschäft. Über die Qualität der Serie lässt sich dennoch streiten.

Denn so sehr ich als Fan von Mike Epps ihm eine gute Darbietung bescheinige, letztendlich ist es auch wirklich nur er, der mich in „Uncle Buck“ hier und da zu einem sanften Lachen bewegt. Man merkt Epps schlichtweg seine Erfahrung und sein gutes Timing an, was im Genre Comedy natürlich essentiell ist. So liefert er ein paar charmante, lässige Momente ab, in denen einem das „Feierbiest“ Buck doch sehr sympathisch rüberkommt. Wünschenswert wäre für die Zukunft, dass auch ein bisschen hinter die amüsante Fassade unserer Hauptfigur geblickt wird, was dem Charakter etwas mehr Tiefe geben würde. Führt man sich die gängigen Drehbuch-Mechanismen vor Augen, dürfte dies aber nur eine Frage der Zeit sein.

The real world

„Gängige Drehbuch-Mechanismen“ ist aber auch ein Schlagwort dafür, was wiederum in Uncle Buck alles im Argen liegt. Die Serie überrascht an keiner Stelle mit einer frischen Idee. Vielmehr fühlt man sich immer wieder an beliebige Familienformate mit klassischer Rollenverteilung erinnert: Die gestresste Ehefrau, die zunächst skeptisch ob Bucks Fähigkeiten als Babysitter ist und dann doch ihr Herz öffnet. Ihr Mann, der seinem Bruder Buck eine zweite Chance geben will (wie hat Buck eigentlich seine erste verspielt?) und ihn zurück in sein Leben zerrt. Und natürlich die drei Kids, drollig wie sie manchmal auch sein mögen, die wir in der Form als „Charaktere“ auch schon tausend Mal gesehen haben.

Die Serienmacher Brian Bradley und Steven Cragg (beide „Mad TV“ und Scrubs) hegen in ihrer Auftaktepisode keinerlei Ambitionen, etwas Neues zu erzählen. „Uncle Buck“ soll eine kleine Wohlfühloase mit ein paar frechen Witzen zwischendurch sein, die sich eben an ihrem durchaus charmanten Cast hochzieht. Doch in Zeiten wie diesen, wo man als Zuschauer fast schon täglich mit neuen Serien überschwemmt wird, läuft das furchtbar vorhersehbare „Uncle Buck“ sehr schnell Gefahr, komplett unterzugehen, außer man ist eben von Mike Epps angetan.

Stress für Onkel Buck in %26bdquo;Uncle Buck%26ldquo; © ABC
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A good heart

Ja, die Pilotepisode von „Uncle Buck“ gestaltet sich mehrfach ganz nett, zwischen Buck und seinen Nichten und Neffen entspinnt sich recht fix eine herzliche Beziehung. Hier und da merkt man dann sogar, dass Epps mit seiner Art im Normalfall als Comedian nur selten hinterm Berg zurückhält, was er hier auf dem familienfreundlichen Sender ABC natürlich nicht wirklich tun kann. Ebenfalls ganz gut gefällt James Lesure als Bucks Bruder Will, mit Nia Long konnte man wiederum einen weiteren bekannten Namen gewinnen, ob man sie nun aus House of Lies, The Divide oder gar von ganz früher aus The Fresh Prince of Bel-Air und der Kultkomödie „Big Momma's House“ kennt.

Der Kredit, den die Darstellerriege sich hier für ihre neue Serie erarbeitet, ist aber sehr schnell aufgebraucht, über den Status „irgendwie ganz nett, aber doch eher egal“ wächst Uncle Buck nie hinaus. Die bisweilen sehr harten Kritiken aus Übersee kann ich persönlich nur teilweise nachvollziehen. Gut möglich, dass viele hier einfach eine ganze Menge Frust abgeladen haben, wie langweilig und vielleicht sogar überflüssig die neue Comedy ist. Bei mir persönlich wird es wohl auch nicht mit „Uncle Buck“ weitergehen - zu groß ist einfach die Auswahl an anderen, weitaus kreativeren Serienprojekten, die man zurzeit finden kann. Wer sehr leichte Kost für zwischendurch sucht, ist hier nicht verkehrt. Der Rest macht eventuell aber doch besser einen Bogen drumherum.....

Trailer zur ABC-Comedy „Uncle Buck“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 15. Juni 2016

Uncle Buck 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Uncle Buck 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 14. Juni 2016 (ABC)

Schauspieler in der Episode Uncle Buck 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?