Twisted Metal 1x01

© Peacock
Die Vereinigten Staaten von Amerika liegen in Trümmern. Es gibt kein Gesetz und keine Ordnung. Die einzigen Rückzugsorte sind die Städte, die zu regelrechten Festungen mit strengem Militärregime ausgebaut wurden. Furchtlose Boten transportieren wertvolle Waren durch die gefährlichsten Gebiete. Könnte die Fracht unseres Helden vielleicht den Schlüssel zur Rettung der Menschheit bergen? Oder handelt es sich bei dem Auftrag selbst um eine Täuschung?
Mit Blick auf den Inhalt sehen sich Twisted Metal und The Last of Us recht ähnlich. In beiden Fällen handelt es sich um eine postapokalyptische Videospiel-Adaption. Doch hat das Peacock-Original, dessen zehnteilige Auftaktstaffel Ende letzten Monats an den Start ging, einen völlig anderen Stil. Die Serienmacher - zum einen das Zombieland- und „Deadpool“-Duo Rhett Reese und Paul Wernick sowie der Cobra Kai-Autor Michael Jonathan Smith - stellen den Spaß in den Vordergrund. Doch können sie den auch planmäßig ausliefern?
Hierzulande hat „Twisted Metal“, dessen Sony-Computerspielvorlage bis in die Mitte der 1990er Jahre zurückreicht, leider noch keinen Abnehmer gefunden. Theoretisch würde sich ja Sky (bzw. WOW) anbieten. In einigen Ländern hat aber auch Paramount+ schon den Zuschlag erhalten. Wir halten Euch diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden...
Worum geht's?
Im Zentrum der Geschichte steht der sogenannte Milchmann John Doe, gespielt von Marvel-Superheld Anthony Mackie (The Falcon and the Winter Soldier). Milchmänner sind in der düsteren Welt von „Twisted Metal“ die erwähnten Lieferjungen, die sich von ihren nicht selten tödlichen Missionen fürstliche Belohnungen erhoffen. John Doe - der Name entspricht übrigens dem amerikanischen Max Mustermann - wird für einen besonders interessanten Auftrag nach New San Francisco beordert, wo ihn die Quasi-Bürgermeisterin Raven empfängt, die prominent mit „Scream“-Star Neve Campbell besetzt werden konnte.
Sollte es ihm gelingen, eine geheimnisvolle Bestellung aus New Chicago herzubringen, soll er dafür die Stadtbürgerschaft erhalten. Für ihn als Outlaw wäre dies die gewünschte Rückkehr ins normalere und vor allem sicherere Leben. Jedoch über die wahren Motive seiner Auftraggeberin muss man doppelt nachdenken. Handelt es sich um eine List?

Auf dem Weg nach Chicago lernt John seine künftige Reisepartnerin kennen: Brooklyn Nine-Nine-Veteran Stephanie Beatriz als Badass Quiet. Sie hat erst kürzlich einen herben Verlust erlitten, nachdem sie und ihr Bruder mit dem Kontrastnamen Loud (Richard Cabral, Mayans MC) von Männern des Gesetzes gefasst wurden. Der knochenharte Agent Stone (Thomas Haden Church, Divorce) stellte sie vor die Wahl: Einer stirbt, damit der andere überlebt.
Für sie und John ist es auch keine Freundschaft auf den ersten Blick. Tatsächlich fangen sie recht schnell an, sich gegenseitig zu bekämpfen, nachdem ihm aufgeht, dass sie versucht hatte, seinen fahrbaren Untersatz zu stehlen, der alles ist, was er hat. Unterbrochen wird ihr Duell durch den berüchtigten Horrorclown Sweet Tooth, der fortan zur großen Nemesis der Geschichte wird. Der psychopathische Bajazzo hat sich in den Kopf gesetzt, John zu töten. Und dafür verfolgt er ihn unermüdlich...
Gesprochen wird der Schurke von Will Arnett, dessen markante Stimme man etwa durch BoJack Horseman oder „The LEGO Batman Movie“ kennen könnte. Das physische Schauspiel übernimmt derweil der Wrestler Joe Seanoa.
Wie ist es?
Die halbstündige Auftaktepisode von Twisted Metal, die den Titel WLUDRV (als Abkürzung für „Will you drive?“) trägt, liefert einen sehr soliden Einstand. Hauptdarsteller Mackie versprüht ganz viel Charme in seiner etwas derberen Heldenrolle - ja, man hört sogar ein wenig die Stimme von „Deadpool“ aus ihm heraus, was wohl dem Humor der Co-Creator Reese und Wernick geschuldet ist.
Auch bemühen sie sich, so früh wie möglich, den Videospielwurzeln gerecht zu werden, indem sie rasante Verfolgungsjagden in Fahrzeugen inszenieren. Ein hübscher Moment ist diesbezüglich der, als wir sehen, dass der Protagonist zwar ein echter Teufelskerl hinter dem Lenkrad ist, aber dafür nicht mehr ordentlich einparken kann. Freude machen aber auch die Szenen, wenn allerhand Produkte als Relikte unserer Zivilisation die Figuren verzaubern (das erinnert wiederum an die Twinkies bei „Zombieland“). Für die Regie zeichnet übrigens Kitao Sakurai („Bad Trip“) verantwortlich, dem es auch gelingt, die absurde Schönheit des Weltuntergangs einzufangen - von einer ganz furchtbaren CGI-Robbe mal abgesehen.
Der Unterschied im Stil zwischen „Twisted Metal“ und der Vergleichsserie „The Last of Us“ wird schon in den ersten Sätzen von Mackies Voiceover-Erzähler deutlich: Hatte man sich bei dem HBO-Drama noch bemüht, eine möglichst glaubwürdige medizinwissenschaftliche Erklärung für das Aussterben der Menschheit zu finden, wird hier einfach geflachst, dass alle Computer kaputt gegangen seien, was zu einem akuten Pornomangel und damit zum Zusammenbruch der zivilen Ordnung geführt habe. Das ist alles absichtlich ein bisschen albern, aber durchaus sympathisch.
Interessant ist ohnehin auch die Idee, dass in der Welt von „Twisted Metal“ Gefängnisse und freie Welt vertauscht wurden. Das Gefängnis ist nun überall, sicher ist man nur noch in den Käfigen der Stadt. Daraus kann die Serie, wenn sie will, sicher noch ein paar kluge Perspektiven ableiten. Ansonsten kann man auch einfach den Kopf abschalten und ganz viel Spaß haben, genau wie es versprochen wurde. Vier von fünf der guten Bosch-Scheibenwischer für den Auftakt (mit einem halben Extrapunkt für den Oasis-Song „Champagne Supernova“).
Hier abschließend noch der Trailer zur hier rezensierten Videospiel-Adaption, der Serie „Twisted Metal“:
Verfasser: Bjarne Bock am Donnerstag, 3. August 2023Twisted Metal 1x01 Trailer
(Twisted Metal 1x01)
Schauspieler in der Episode Twisted Metal 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?