True Love 1x03

Die Episode Holly gewährt uns Einblicke in ein Leben das zwar schlimmer, aber auch wesentlich besser sein könnte. Der Alltag der Heldin ist weder grausam noch furchteinflößend - bietet aber auch im Positiven keinerlei Extreme.
So dümpelt das Leben der Lehrerin Holly (Billie Piper, Secret Diary of a Call Girl) vor sich hin. Richtige Erfüllung können ihr weder die aufmüpfigen Schüler, noch ihre Affäre mit dem verheirateten David (Charlie Creed Miles, Injustice) verschaffen.
Die dritte Folge der BBC One-Produktion ist in dem gleichen ruhigen Ton gehalten wie die beiden Vorgängerepisoden, braucht dabei aber etwas länger, um Spannung aufzubauen. Trotzdem spricht nichts dagegen, sich von der Musik berieseln zu lassen, die wie immer hervorragend die Storyline vervollständigt.
Über den Umweg der Kunst kommt Holly ihrer Schülerin Karen (Kaya Scodelario, Skins) näher. Das junge Mädchen öffnet sich gegenüber ihrer Lehrerin: „Ich will mit einer Person zusammen sein, um mit jemandem reden zu können, und sich komplett fallen lassen zu können. Selbst, wenn du gerade dein schlimmstes Selbst bist, will diese Person noch immer mit dir reden und dich lieb haben.“ Die Art von Vertrautheit, die Karen beschreibt, gibt es in Hollys Leben nicht.
David ist nicht nur verheiratet, sondern nicht dazu bereit, ihre Beziehung über die sexuelle Komponente hinweg auszudehnen. Holly behält den Mann in ihrem Leben, um so die Einsamkeit auf Distanz zu halten. In Gestalt von Karen bietet sich ihr nun die Chance auf etwas Tiefes. Oder, wie es die Schülerin selbst formuliert: „Ich will eine wirkliche Freundschaft. Jemanden, dem ich all meine Geheimnisse und meine merkwürdigen Angewohnheiten anvertrauen kann. All meine nerdigen Spleens. Und der mich wegen all dem liebt.“

Sie liebt sie und sie liebt sie auch. Die Grundlagen sind da, um das Banale zu überwinden und sich dafür dem Besonderen, der echten True Love hinzugeben. Doch kann die emotionale Ausnahmesituation über die Widrigkeiten triumphieren? Sind die gesellschaftlichen Stolpersteine gegen eine lesbische Beziehung, die sich auch noch zwischen einer Erwachsenen Frau und deren 16-jähriger Schutzbefohlener entwickelt, zu groß?
Fazit
Das Küstenstädtchen Margate dient als Kulisse für alle True Love-Episoden. In seiner Durchschnittlichkeit spiegelt es den emotionalen Grundzustand wider, aus dem sich die Helden der BBC One-Produktion befreien wollen.
Im Vergleich zu Nick und Paul, erscheint die Episode Holly vorhersehbarer. Dadurch dauert es etwas länger, bis man von der Handlung mitgerissen wird. Doch spätestens als Karen Holly ihre Liebe gesteht, ist da wieder die intensive Nähe zu den Figuren, die für True Love so charakteristisch ist. Wenn sich die Hände der beiden Frauen zum ersten Mal zaghaft betasten, schlägt sich das als warmes Gefühl irgendwo in der Herzregion nieder. Wenn sich ihre Blicke im Schulflur begegnen, ist das fast schon eine sentimentale Überdosis - was nicht zuletzt auch wieder in der viel zu schönen Musik begründet liegt. So lässt an dieser Stelle eine Akustik-Version von „Time after Time“ das Herz hüpfen.
Billie Piper sammelte bereits in ihrer Rolle als Edelprostituierte in Secret Diary of a Call Girl Erfahrungen mit kontroverser Materie. Auch Kaya Scodelario verkörperte mit dem Charakter der Effy in Skins nicht gerade einen Unschuldsengel. In True Love begeistert das Duo besonders dank der zurückhaltenden Inszenierung ihrer Beziehung. Der Fokus wird nicht auf das Verwerfliche gelegt, dass mit einer Affäre zwischen Schüler und Lehrer einhergeht. Ohne auf drastische grafische Darstellungen zurückgreifen zu müssen, wird stattdessen die emotionale Verbindung zweier Liebender in den Vordergrund gestellt. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen ist auf die gleiche Weise spürbar, wie im Falle von Paul und seiner Serena „41008“.
Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 20. Juni 2012(True Love 1x03)
Schauspieler in der Episode True Love 1x03
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