True Detective 4x06

True Detective 4x06

Die lange Polarnacht Alaskas geht zu Ende und „True Detective: Night Country“ schließt den mysteriösen Fall der Tsalal-Forschungsstation. Nein, Lovecrafts Horrorwesen Cthulhu taucht diese Staffel leider nicht mehr auf...

Szenenbild der sechsten Episode der Serie „True Detective: Night Country“
Szenenbild der sechsten Episode der Serie „True Detective: Night Country“
© HBO

True Detective hat uns mit großen Verheißungen durch die rutschigsten Passagen der vierten Staffel durchgeführt, womit die Erwartungen an das Finale, Night Country: Part 6, unerreichbar hoch wurden. Die Episode - nun wieder allein geschrieben und inszeniert von der neuen Showrunnerin Issa López - beantwortet in knapp 75 Minuten Laufzeit zwar alle offenen Fragen. Gleichzeitig sind viele dieser Enthüllungen enttäuschend oder geradezu unglaubwürdig. Ein holpriger Abschluss, der insgesamt die Probleme der Season in sich selbst ein letztes Mal widerspiegelt.

Im Speziellen auch durch die forcierten Anspielungen auf den starken Originallauf von 2014 mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson stellt sich „Night Country“ eigenhändig in den Schatten. Das haben auch die neuen Titelfiguren, gespielt von Oscarpreisträgerin Jodie Foster und Profiboxerin Kali Reis nicht verdient. Den beiden hätte man alles in allem einfach einen besser erzählten Fall gewünscht, denn sie waren - genauso wie das Setting und die Optik - eigentlich so großartig.

Die „True Detectives“ wagen sich endlich in das „Night Country“

Der Abstieg in die Eishöhlen schien mit Blick auf die diversen Längen, die die neue Staffel trotz ihrer geringen Folgenzahl leider ebenfalls vorzuweisen hatte, überfällig. Zumal wir nun erfahren haben, dass die indigene Umweltaktivistin Annie Kowtok (Nivi Pedersen) nur mit alten Papieren die Verbindung zwischen der Tsalal-Forschungsstation und der Silver-Sky-Mine hergestellt hat. Liz Danvers (Foster) und Evangeline Navarro (Reis) mussten viel mehr Ressourcen gehabt haben, brauchten dafür aber ziemlich lang, um das Rätsel zu lösen (am Ende stürzen sie recht tollpatschig hinein). Ist Annie die wahre wahre Detektivin?

Die eisige Kulisse des Night Countrys ist tatsächlich sehr schick anzuschauen. Auch das macht einen traurig, weil wir nicht schon früher dorthin durften. Es wäre der entscheidende Schlüssel für das Mysterium gewesen, denn Danvers und Navarro finden in dem Geheimlabor den Hauptverdächtigen Raymond Clark (Owen McDonnell), der nach ein bisschen Folter alles auspackt. Er und seine Kollegen haben Annie getötet, nachdem sie der Wasserverschmutzung auf den Grund gegangen war. Nur, dass er natürlich mit einem schlechten Gewissen an der Tat beteiligt war - falls das irgendwas ändert. So oder so wird er wieder ein Fall für die Selbstjustiz.

Danach kommt es wieder zu einem unliebsamen Ausflug in die Welt der Geister. Navarro folgt ihren Visionen, wodurch diesmal Danvers in Lebensgefahr gerät. Nach einem klärenden Gespräch am Lagerfeuer - eine weitere Emmy-würdige Performance von Foster und Reis - schließen sie Frieden. Navarro darf Danvers bei der Trauer um ihren Sohn mit spirituellen Andeutungen helfen, während Danvers eine Teilschuld für den Wheeler-Fall übernimmt, der sie einst entzweit hatte.

Parallel kommt es noch zu einer weiteren Versöhnung, nämlich zwischen Officer Peter (Finn Bennett) und seiner Partnerin Kayla (Anna Lambe), die aber deutlich unrealistischer über die Bühne gebracht wird. Insgesamt ist es ein sehr schwacher Schlussakt für Peter, der ganz nebenbei mit Rose (Fiona Shaw) noch zwei Leichen zu entsorgen hat. Aber danach kann er sicher wieder der tolle Familienvater sein, der er vorher mal war...

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Szenenbild der sechsten Episode der Serie „True Detective: Night Country“
Szenenbild der sechsten Episode der Serie „True Detective: Night Country“ - © HBO

„True Detective: Night Country“ und der unglaubliche Twist im Tsalal-Fall

Als alle metaphorischen wie physischen Stürme vorbeigezogen sind, bleibt nur noch eine Frage zu beantworten: Was wurde aus den toten Wissenschaftlern der Forschungsstation? Wieder eher zufällig stolpert Danvers über Fingerabdrücke in dem Geheimlabor, die eindeutig den Reinigungskräften gehören, welche wiederum teils deckungsgleich mit den Frauen in der Krabbenfabrik sind, die wir ganz zu Anfang der Staffel kennenlernten. Als Danvers und Navarro die Damen dazu befragen, wird ihnen recht schnell ein umfassendes Geständnis gegeben, das aus Gründen angeblicher Subtilität aber nur als eine Version der Wahrheit tituliert wird.

Die Geschichte geht so: Als die Frauen aufgedeckt haben, dass die Tsalal-Männer für Annies Tod verantwortlich sind, wollten sie Rache üben - oder wie sie sagen würden, sie dem Gericht ihrer Göttin im Eis überstellen. So brachen die Frauen schwer bewaffnet in die Station, zwangen die Männer, sich auszuziehen und ließen sie draußen erfrieren. Dass von diesem ganzen Trubel keinerlei Spuren zurückgelassen wurden, kann man sich nur erklären, wenn man davon ausgeht, dass die Täterinnen wahre Expertinnen in Sachen Tatortreinigung sind. Ein absurder Twist, der keinerlei Gefühle auslöst, weil die Frauen - mit Ausnahme vom Staffelstart und Staffelende - kaum eine Rolle spielten.

Dementsprechend, wie wir Danvers und Navarro bereits kennengelernt haben (ihr Wort ist Gesetz, was aber okay sein soll, weil wir sie ja mögen), entscheiden sie sich, in den Abschlussakten trotzdem die Version mit dem Unfall festzuhalten, damit die Frauen straffrei bleiben. Weitestgehend straffrei bleiben aber auch die Hintermänner des Verbrechens, sprich der bereits aus Staffel eins bekannte Tuttle-Clan, der Silver Sky betrieben hat und in „Night Country“ nur allzu gern erwähnt wurde (wegen easy Fanservice und so). Die Mine wurde geschlossen, das Problem ist gelöst und wir sollen bitte aufhören, uns weiter Gedanken darüber zu machen.

Genauso weggewischt wird die Frage, ob unseren Heldinnen das Verschwinden von Hank und Otis noch irgendwie auf die Füße fallen könnte. Bei einer späteren Befragung Danvers' im Mai - die lange Nacht ist endlich vorbei - steht sowieso plötzlich eine ganz andere vermisste Person im Zentrum, nämlich Navarro. Die hat Ennis nach dem Fall offenbar den Rücken gekehrt; und Chefautorin López will das wieder mysteriöser darstellen, als es wahrscheinlich ist. Ein passender Abschluss einer insgesamt eher durchwachsenen Staffel, was nicht als Kompliment gemeint ist.

Drei von fünf Eiszapfen!

Versuch eines Rankings aller bisherigen vier Staffeln von „True Detective“

Dass Staffel eins von „True Detective“ nach wie vor unerreichbar an der Spitze bleibt, ist wohl allen klar. Und auch bleibt es dabei, dass Staffel zwei mit Colin Farrell und Rachel McAdams die schwächste sein dürfte. Im Duell zwischen der jüngsten Season und Staffel drei mit Mahershala Ali im Jahr 2019 muss man abwägen, ob man kontinuierliche Qualität oder ein Auf und Ab mit großen Höhen und Tiefen bevorzugt. Tendenziell gehört „Night Country“ wohl eher auf Platz drei...

Wobei sicherlich die besonders kreativen Interpret:innen, die in der Reise von Liz Danvers und Evangeline Navarro etwa eine Analogie von Dantes Inferno sehen wollten und davon ausgegangen sind, dass die Figuren eigentlich die ganze Zeit schon tot waren, mehr Spaß an der Staffel und Issa López' Vorliebe für das Vage hatten. Andererseits ergreift die Serie selbst zum Ende ziemlich eindeutig Partei und schiebt allem Übernatürlichen einen Riegel vor (Agent Scully wäre stolz).

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Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 19. Februar 2024

True Detective 4x06 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 6
(True Detective 4x06)
Deutscher Titel der Episode
Teil 6
Titel der Episode im Original
Night Country: Part 6
Länge der Episode im Original
1 Stunde 16 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 18. Februar 2024 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 19. Februar 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Montag, 19. Februar 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 19. Februar 2024

Schauspieler in der Episode True Detective 4x06

Darsteller
Rolle
Jodie Foster

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