True Blood 3x12

True Blood 3x12

Wird fĂŒr manche Figuren der Weg in diesem Finale enden? Sookie bekommt mehr Wahrheiten zu Gesicht, als ihr lieb ist. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev genießt die aufgehende Sonne.

Allein / © HBO
Allein / © HBO

Zum GlĂŒck wussten wir schon vorher, dass Evil is Going On True Bloods Seasonfinale sein soll: sonst hĂ€tten wir's wohl kaum gemerkt. Fernsehzuschauer erwarten von einem Finale weder nur einen Punkt noch nur ein Komma, sondern beides. Nicht nur, dass ein wirklicher Cliffhanger ausblieb; nicht nur, dass sich gegen Ende dieser Staffel alles etwas festgefahren hatte: offenbar haben die Autoren das Ganze schlichtweg auf die nĂ€chste Staffel verschoben - und so manch einen Zuschauer mit Evil is Going On frustriert zurĂŒckgelassen.

Schlecht ist die Episode durchaus nicht. Sie unterstreicht aber den Eindruck, die Autoren wollten mit zu vielen BĂ€llen auf einmal jonglieren. Zwar zeigen uns Alan Ball & Co. erfreulicherweise, dass die ErzĂ€hlung gleich einem unaufhörlichen Blut-Fluss vorangeht. Aber dann erwartet man von True Blood eben richtiges Fließen und kein PlĂ€tschern.

Die Ereignisse im Finale werden durchzogen von Misstrauen und Verrat: „double- und triple-crosses“: nichts Neues oder gar Unvorhersehbares fĂŒr die Zuschauer; ĂŒberdies wird der Hauptplot mit Sookie viel zu oft durch die etlichen Nebenplots aufgehalten, was seinen Fluss unterbricht, als mĂŒsse er sich durch jeden Damm hindurchquĂ€len. NatĂŒrlich bringen die vielen neuen Figuren mit ihren Stories Farbe in True Bloods Welt - und das ist eine schöne Sache.

All die Nebenplots - Hotshot und Jason, Sams Familie, die Werwölfe, Tara, Lafayette und Jesus, Jessica und Hoyt etc. - wurden nach und nach zu einer Folie, die das auf den Hauptplot um Sookie fallende Licht reflektierten - nie aber nahmen sie direkten Einfluss auf ihn, so dass ein dramatisches Ganzes nicht zustande kam.

Nichtsdestotrotz scheint mir Sookies Reise fĂŒr den Moment zufrieden stellend abgeschlossen. Da alle Beteiligten sie stĂ€ndig hinters Licht fĂŒhren, steht Sookie schließlich ganz allein und kann sich an niemanden mehr wenden. So geht sie am Ende zum Grab ihrer Großmutter und beichtet ihr die kaum zu ertragende Einsamkeit, die sie umgibt. Sookie hat das GefĂŒhl, dass alle nur eins wollen: das Licht - ihr Licht.

Wie ein Blatt wird sie vom Wind hin und her geblasen - ein Geblase, das die Flamme, das Licht tatsĂ€chlich auszulöschen droht. Auf die ganze Welt ist Sookie in diesem Finale zornig - und braucht sie doch zugleich: Anna Paquin meistert dieses Wechselbad der GefĂŒhle mit Bravour.

Sookie rettet Eric (Alexander Skarsgard) und Russell, zur großen Freude von Godric, der Eric als um Vergebung fĂŒr Russell bittende Vision erscheint. Eric aber kann Russell nicht verschonen - und orientiert sich an den Rammstein-Liedversen „Mit deinen FĂŒĂŸen im Zement / verschönerst du das Fundament“. Russell wird in ein Loch zementiert und damit, dramaturgisch gesehen, "auf Eis gelegt": so einen hervorragenden Bösewicht, wie Denis O'Hare ihn in dieser Staffel spielte, kann man nicht einfach ĂŒber Bord werfen. Mal sehen, wann Russell wieder das Licht des Mondscheins erblickt.

Bill (Stephen Moyer) hintergeht Eric und zementiert ihn ebenfalls - aber eine Schicht Zement kann Eric nicht daran hindern, wieder aufzutauchen, die Sookie-Bill-AufklĂ€rungsromantik zu unterbinden und Sookie tatsĂ€chlich aufzuklĂ€ren. So bekommen wir endlich zu hören, wie es wirklich zu dem Treffen zwischen Sookie und Bill kam. Am Ende steht Sookie, wie gesagt, allein: die True Blood-ErzĂ€hlung hat sie an den Punkt gefĂŒhrt, da sie sich von jeder Figur distanzieren muss bzw. will.

Nun, ganz allein ist sie nicht, denn Claudine erscheint und nimmt sie mit. Das Licht erlischt - und Sookie ist verschwunden. Nachdem im Finale der letzten Season Bill verschwand, ist die Reihe nun an Sookie. Diese Staffel baut, im RĂŒckblick betrachtet, eine BrĂŒcke zur nĂ€chsten - und es bleibt spannend zu sehen, welche Jonglierkunst Alan Ball mit all seinen BĂ€llen fĂŒr die nĂ€chste Staffel parat hat.

Verfasser: Vladislav Tinchev am Montag, 13. September 2010
Episode
Staffel 3, Episode 12
(True Blood 3x12)
Deutscher Titel der Episode
Das Böse geht weiter
Titel der Episode im Original
Evil is Going On
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 12. September 2010 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 9. Dezember 2010
Autor
Alan Ball
Regisseur
Anthony Hemingway

Schauspieler in der Episode True Blood 3x12

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