Treadstone: Review der Pilotfolge

Treadstone: Review der Pilotfolge

Treadstone erzählt anhand mehrerer Schläferagenten auf der ganzen Welt die Hintergrundgeschichte des CIA-Programms aus dem Bourne-Universum. Die USA-Network-Serie macht aus dem Franchise eine bodenständige, aber trotzdem actionreiche Spionageserie.

Treadstone
Treadstone
© USA Network

Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller kam 2002 „The Bourne Identity“ mit Matt Damon in die Kinos. Aus dem Actionfilm und der Buchreihe entwickelte sich ein ganzes Franchise mit mehreren Filmen und Videospielen. Das USA Network fügt dem Universum nun eine Serie hinzu, die dem Ursprung von Operation Treadstone auf die Spur kommen soll. Ziel des CIA-Programms ist es, mittels Gedankenwäsche aus gewöhnlichen Personen übermenschliche Agenten zu machen, die jederzeit für Aufträge aktiviert werden können. Außerdem werden in Treadstone die Missionen von neuen Schläferagenten behandelt, die sich um eine verschollene Atomrakete drehen. The Cicada Protocol beschränkt sich nicht darauf, das Leben eines Schläferagenten zu schildern, sondern präsentiert den Werdegang von fünf verschiedenen Figuren, die auf der gesamten Welt verteilt sind, darunter Russland und Nordkorea. Während die Serie die meiste Zeit in der Gegenwart spielt und den aktuellen Zustand der Operation beleuchtet, die offiziell längst eingestampft ist, wird in Rückblenden in die 1970er Jahre von der ostdeutschen Entstehung des Projekts erzählt. Das Ergebnis ist ein vielschichtiges Netz an Charakteren, deren Leben sich durch die plötzliche Aktivierung von ihnen und anderen Agenten schlagartig verändert. Obwohl mehrere Handlungsstränge parallel ablaufen, lässt sich der Geschichte problemlos folgen und die zentrale Frage, wer die Agenten aktiviert hat (und warum), motiviert zum Weiterschauen.

Von den USA über Russland nach Nordkorea

Die verschiedenen Figuren sorgen für eine abwechslungsreiche Dynamik, die aber die Gefahr birgt, dass ihre Hintergrundgeschichten nicht ausreichend vertieft werden können. Die beiden Schläferagenten J. Randolph Bentley (Jeremy Irvine), ein CIA-Agent in den 1970ern, und Doug McKenna (Brian J. Smith), ein Arbeiter auf einer Ölplattform in Alaska, kommen zumindest im Piloten zu kurz und wirken wie der Prototyp eines amerikanischen Actionhelden, der mehr Muskeln als Gehirn hat. Die anderen drei Charaktere sind dagegen umso sehenswerter: Die ehemalige Journalistin Tara Coleman (Tracy Ifeachor) zeigt Operation Treadstone aus einer programmfremden Perspektive. Die KGB-Agentin Petra (Gabrielle Scharnitzky und Emilia Schüle), die bereits in den 1970er Jahren für die sowjetische Gehirnwäsche zuständig war, spielt auch in der Gegenwart eine bedeutsame Rolle. In den nächsten Episoden rückt hoffentlich ihre spannende Entwicklung von der Vergangenheit in die Gegenwart stärker in den Fokus. Am originellsten ist aber die nordkoreanische Musiklehrerin SoYun (Hyo-Joo Han) inszeniert, die durch ihre Aktivierung aus ihrem familiären Alltag gerissen wird. Die Macher schaffen es, das Leben von SoYun aus ihrer persönlichen Sicht zu erzählen, ohne die politischen Zustände in dem Land zu kommentieren.

USA Network
USA Network - © USA Network

Ein Hauch von The Americans

In einer Spionageserie, die im „Bourne“-Universum spielt, darf natürlich keine Action fehlen. Die drei Actionszenen in der ersten Folge sind allerdings überraschend bodenständig im Vergleich zu den Filmen. Doch auch, wenn die Schläge energiegeladen und kräftig wirken und man den Kämpfen gut folgen kann, fehlt es ihnen doch an Härte, so dass die Zweikämpfe nicht das Niveau eines Genreprimus wie „John Wick“ erreichen. Interessant ist jedoch, dass alle Figuren einen leicht unterschiedlichen Kampfstil haben. Während Bentley und McKenna sich mit brachialer Faust verteidigen, ist SoYuns Stil eleganter.

Treadstone“ erinnert mit seiner grauen und tristen Farbpalette, die die Serie unmissverständlich in der realen Welt platzieren soll, an The Americans, allerdings ohne ihre psychologische Tiefe zu erreichen. Das liegt vor allem an den vielen Charakteren und den ausgedehnten Actionsequenzen. Man darf gespannt sein, ob „Treadstone“ im weiteren Verlauf noch stärker zur Actionserie wird oder, ob sie eher eine Dramaserie sein will. Erfreulich ist, dass die Figuren in den verschiedenen Ländern auch jeweils die Landessprache sprechen und sich nicht alle auf Englisch unterhalten. Die Untertitel, von denen es in der ersten Episode reichlich gibt, sind nicht einfach am unteren Bildrand platziert, sondern fügen sich die meiste Zeit natürlich in die Szene ein. Wenn eine Person redet, ist der Untertitel neben ihrem Kopf platziert, damit der Zuschauer beim Lesen nicht die Reaktion der Figur verpasst. Leider ist die Platzierung dennoch nicht immer ausreichend durchdacht und führt beim Schauen hin und wieder zu Irritationen.

Der globale Ansatz von „Treadstone“ ist auf jeden Fall vielversprechend und hebt die Serie von anderen Actionserien ab, besonders die Wahl von Nordkorea als Schauplatz ist erfrischend. Ob dieses Potential aber auch in seiner Gänze ausgenutzt wird oder ob sich die Macher in ihrer Figurenmasse verlieren, muss der Rest der Staffel zeigen.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen US-Serie Treadstone:

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