Touch 1x01

Martin Bohm (Kiefer Sutherland, 24) war einst ein erfolgreicher Zeitungsreporter. Seit seine Frau jedoch am 11. September in einem der Türme des World Trade Centers ums Leben gekommen ist, befindet sich sein Leben in einer konstanten Abwärtsspirale. Martin versucht sich, so gut er kann, um seinen autistischen Sohn Jake (David Mazouz) zu kümmern, was eine Vollzeitaufgabe ist. Denn Martin scheitert nicht nur daran, mit seinem Sohn zu kommunizieren, er ist auch zunehmend von dessen Verhaltensauffälligkeiten überfordert.
So büchst Jake mehr als einmal aus der Schule aus, um scheinbar sinnlos an einem Mobilfunkturm hochzuklettern. Deshalb schaltet sich auch die Jugendschutzbehörde in Gestalt der resoluten Clea Hopkins (Gugu Mbatha-Raw, Undercover) ein. Clea ist davon überzeugt, dass es für Vater und Sohn das Beste wäre, wenn Jake in ein spezielles Heim käme.
Doch Martin sieht das anders, denn ihm sind einige Merkwürdigkeiten aufgefallen: Warum ist sein Sohn drei Mal hintereinander exakt um die gleiche Uhrzeit auf den Turm geklettert? Versucht er etwa doch, auf seine Weise mit der Umwelt in Kontakt zu treten? Hat der etwas spinnert erscheinende Arthur Teller (Danny Glover, „Lethal Weapon“) etwa Recht? Ist Jake tatsächlich einer der wenigen Begabten, welche die Zusammenhänge zwischen allen Menschen und Dingen erkennen?
Ob einem Touch gefällt oder nicht, hängt wohl ganz zentral von einem Faktor ab: Ob man in der Lage ist, sich auf die geradezu wundersamen Zufälle einzulassen, welche die Serie uns in geballter Form als die Fäden präsentiert, die zwischen allen Menschen bestehen. Ein Handy, das eine Weltreise antritt - und unterwegs eine irische Hobby-Sängerin zum Star in Japan macht, bevor die gleiche Hobby-Sängerin als Telefonistin in der Lage ist, über besagtes Handy einen irakischen Jugendlichen davon abzuhalten, sich um eines Ofens für seine Eltern wegen zum Selbstmordattentäter wider Willen zu machen, indem sie ihn an einen Vertreter für Küchenbedarf vermittelt, welcher ganz nebenbei auch noch der ursprüngliche Besitzer des Handys ist.
Wer genug suspension of disbelief aufbringen kann, um mit solchen geradezu aberwitzig zufälligen Verknüpfungen kein Problem zu haben, der wird bei Touch gut unterhalten werden. Wem das alles dagegen viel zu konstruiert vorkommt, der wird in vielen Szenen nur ungläubig mit dem Kopf schütteln können. In welche Kategorie der Rezensent fällt, ist an der obigen Bewertung abzulesen, die wahrscheinlich gänzlich anders ausgefallen wäre, wenn diese Hürde nicht gewesen wäre.
Denn Touch hat auch eine sehr glaubwürdige, überzeugende Seite - nämlich dort, wo es um das Verhältnis von Martin und Jake geht. Kiefer Sutherland legt in seiner neuen Rolle eine ähnliche Entschlossenheit wie Jack Bauer zu Tage, wenn es darum geht, für seinen Sohn das Beste zu tun. Gleichzeitig offenbart er jedoch (anders als in 24) ein hohes Maß an Unsicherheit und emotionaler Verletzlichkeit. Martins Beziehung zu seinem Sohn ist völlig einseitig. Er kümmert sich liebevoll um ihn, ohne je ein Zeichen der Zuneigung zurückzubekommen. Oder zu wissen, ob das, was er tut, das Richtige ist.
Man kann gar nicht anders, als mit dieser Figur Sympathie im Sinne der griechischen Ursprungsbedeutung zu empfinden: nämlich Mitleid. Gleichzeitig kann man es auf diesem Hintergrund jedoch auch Clea nicht verdenken, dass sie Martins Theorie über Jakes Kommunikationsversuche zunächst für Wunschdenken hält. Die Konfrontation zwischen ihr und Martin gehört ebenso wie später die Umarmung zwischen Vater und Sohn zu den emotional nahegehendsten Momenten.
Wann immer Touch sich in der Pilotepisode auf seinen emotionalen Kern besinnt, versteht es die Serie zu fesseln. Wann immer sie sich dagegen in den zufälligen Verstrickungen ergeht, gelingt ihr das eher weniger. Nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang, dass insbesondere die Anfangssequenz mit Jakes innerem Monolog und die Ausführungen von Arthur (ein bislang noch etwas unterbeschäftigter Danny Glover) wie ein schamloses Rip-Off von Darren Aronofskys Indie-Hit „Pi“ wirken. Einige der Erläuterungen (zum Beispiel zur Fibonacci-Gleichung) machen den Eindruck, als wären sie wortwörtlich aus „Pi“ übernommen.
Fazit
Vielleicht ist die Sache mit den Zufällen auch nur eine Frage der Gewöhnung - und der hier geäußerte Haupteinwand gegen Touch wird einem nach ein paar Folgen gar nicht mehr so gravierend vorkommen. Vorerst bleibt jedoch zu sagen, dass sich Touch mit seiner Prämisse selbst ein Bein stellt, da sie von einem im Kern sehr spannenden und berührenden Familiendrama ablenkt.
ProSieben zeigt die Pilotfolge von „Touch“ am 27. Februar. „37258“
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 29. Januar 2012(Touch 1x01)
Schauspieler in der Episode Touch 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?