Top of the Lake 1x06

Top of the Lake 1x06

Das Finale der Miniserie Top of the Lake zieht das Erzähltempo mächtig an und treibt die Geschichte erbarmungslos vorwärts. Darunter leidet die bisher so einmalige Atmosphäre dieses Noirthrillers. Trotzdem bleibt die Serie auf höchstem Niveau.

Am See, immer wieder: Robin (Elisabeth Moss) sucht Antworten. / (c) Sundance Channel
Am See, immer wieder: Robin (Elisabeth Moss) sucht Antworten. / (c) Sundance Channel

Es kann nicht einfach sein, einer Episode nachzufolgen, die eine solche Wucht entwickelte wie die fünfte der Miniserie Top of the Lake. Die sechste Episode hat also ein ähnlich schweres Los gezogen wie ein Stand-up-Comedian, der nach Louis C.K. auf die Bühne treten soll. Und trotzdem gelingt es ihr, die Geschichte aus Laketop spannend weiterzuerzählen. Winzige Abzüge gibt es jedoch dafür, dass das Erzähltempo plötzlich rapide angezogen wird und sämtliche lose Erzählenden scheinbar zusammengeführt werden sollen. Die Figuren bekommen somit weniger Raum zur Entfaltung, Gefühle und Gedanken der Protagonisten werden nicht mehr so eindrucksvoll porträtiert wie zuvor.

You either pay respect or you get the fuck out

Zugegeben, diese Kritik ist wie die Suche nach dem Haar in der Suppe. Auch die sechste Episode der grandiosen Noirserie überzeugt von Anfang bis Schluss. Die reine Wucht der Enthüllungen, Entwicklungen und erschreckenden Erkenntnisse war der Zuschauer vorher jedoch nicht gewohnt, was zu einem anderen, jedoch keinem schlechteren Seherlebnis führt. Simone (Mirrah Foulkes), die Mutter des in der letzten Episode tragisch verunglückten Jamie (Luke Buchanan), lässt ihrer Wut freien Lauf. Weil sie davon überzeugt ist, dass Matt Mitcham (Peter Mullan) für den Tod ihres Sohnes verantwortlich ist, will sie gegen ihren Arbeitgeber aussagen und wendet sich an Robin (Elisabeth Moss).

Matt Mitcham (Peter Mullan) bei seinem unerwarteten Geständnis © Sundance Channel
Matt Mitcham (Peter Mullan) bei seinem unerwarteten Geständnis © Sundance Channel

Die wertet dies natürlich als Ermittlungserfolg und verfolgt nun noch entschlossener den Plan, stichhaltige Beweise für eine Anklage gegen Mitcham zu sammeln. Der hat jedoch schon einen eigenen Plan formuliert, mit dem er die renitente Ermittlerin aus dem Spiel nehmen will. Vom korrupten Polizeichef Al Parker (David Wenham) erfährt Robin, dass Matt ein Geständnis ablegen will. Ihre Skepsis dieser plötzlichen Volte gegenüber soll sich später bewahrheiten. Natürlich gesteht Mitcham nicht seine Drogenaktivitäten ein, sondern übertölpelt sie mit einem Schock. Er sei ihr Vater: „This is where it all began for you. My seed.

Wie ein geprügelter Hund schleicht Robin also von dannen und eröffnet ihrem Liebhaber Johnno (Thomas M. Wright) die frohe Botschaft, wonach sie beide Halbgeschwister seien. Johnno will es nicht glauben, hält die Behauptung für einen taktischen Schachzug von Matt. Als Robin ihn bittet, zu sich ins Bett zu kommen, offenbart er jedoch, was er wirklich denkt. Mit seiner Schwester kann er kein Bett teilen. Er lässt sie zurück. Sie fühlt sich ausgestoßen und nackt. Ein späterer DNA-Test wird Matts Behauptungen validieren. Jedoch müssen die vermeintlichen Halbgeschwister nicht voneinander lassen, denn Johnno ist nicht Matts Sohn.

Am nächsten Morgen kommt es dann noch bitterer für Robin. Trotz der Enthüllung will sie weiter versuchen, Mitcham verhaften zu lassen. Parker legt ihr jedoch jeden möglichen Stein in den Weg, den er nur irgendwo auftreiben kann. Angesichts all dieser institutionellen Hürden treibt es Robin in die Verzweiflung, sie weiß sich nicht anders zu helfen, als sich willenlos zu betrinken. Später sucht sie Zuflucht in Paradise, sucht Rat bei GJ (Holly Hunter). Die versucht es mit ihrer üblichen Radikalkur. An dieser Stelle lohnt es sich, diese in ihrer Gänze wiederzugeben: „So, you're on your knees? Good. Now die to yourself. To your idea of yourself. Everything you think you are: You're not. What's left? Find out.

You've got a real teacher now. Listen to him.

Und: „All you hear are your crazy thoughts, like a river of shit. On and on. See your thoughts for what they are. Stop your helping. Stop your planning. Give up. There is no way out. Not for others. Not for you.“ All die Verzweiflung, all die Hilflosigkeit treiben GJ schließlich dazu, ihren eigenen Therapieansatz zu verteufeln und die crazy bitches, die sie um sich versammelt hat, Hals über Kopf Richtung Island zu verlassen. Robins Lebensgeister werden schließlich von Johnno geweckt, der ihr eröffnet, dass Matt auf eigene Faust nach seiner verschollenen Tochter Tui (Jacqueline Joe) sucht.

Zurück zur Natur: Tui (Jacqueline Joe) bringt ihr Baby ganz allein im Wald zur Welt. © Sundance Channel
Zurück zur Natur: Tui (Jacqueline Joe) bringt ihr Baby ganz allein im Wald zur Welt. © Sundance Channel

Eine heiße Spur hatte Mitcham zuvor von dem von ihm beauftragten Helikopterpiloten bekommen. Der hatte den örtlichen Vagabunden Putty (großartig: Edward Campbell) gesichtet, wie dieser mit Lebensmittelvorräten und frischer (gestohlener) Kleidung in den Wald fuhr. Er ist nun Tuis einziger Kontakt in die Außenwelt. Außer bei der Versorgung mit Lebensmitteln ist der geistig Zurückgebliebene jedoch keine große Hilfe. So kommt es, wie es kommen muss: Tui bringt ihr Kind alleine zur Welt, im Wald, auf dem Moos, ganz ursprünglich.

Schnell kommt es zur ersten äußerst brenzligen Situation für das Neugeborene. Nachdem sich Matt mit seinen eigenen Söhnen Luke (Kip Chapman) und Mark (Jay Ryan) geprügelt hat („You never put yourself out. You've never loved anyone. You're empty. You're nothing.“), findet er Tochter und Enkelsohn in deren Waldversteck. Kurz danach stoßen auch Johnno und Robin dazu. Sie finden Matt, wie er mit seinem Gewehr auf das Baby zielt und versuchen, ihn davon abzuhalten. Tui jedoch ist schneller: Sie erschießt erst ihren Vater, dann verpasst sie Johnno einen Streifschuss. Nur von Robin lässt sie sich besänftigen.

Zusammen bringen sie Tui nach Paradise, wo nun diverse Enthüllungen auf sie warten. Robin ist Matts Tochter, Johnno ist nicht sein Sohn und vor allem: Tuis Sohn wurde von Matt gezeugt. Als ob dies noch nicht genug der überraschenden Nachrichten gewesen wäre, deckt Robin durch eine Eingebung im örtlichen Café auch noch auf, wo sich der ominöse brown room befindet, in dem Kinder sexuell missbraucht werden. Es ist der Keller der Luxusvilla von Al Parker.

Fazit

Das Finale von Top of the Lake ist etwas überfrachtet mit Enthüllungen, schockierenden Wendungen und dramatischen Entwicklungen. Die bisher ruhige, mysteriöse Grundstimmung dieses Thrillers wird dadurch deutlich konterkariert.

Regisseurin Campion hat sich bewusst für einen leicht unterschiedlichen Stil entschieden, wenngleich die meisten charakteristischen Elemente, wie Landschaftsaufnahmen oder solche aus der Vogelperspektive, weiterhin präsent sind. Diese Episode greift jedoch auf eine bisher nicht gekannte visuelle Drastik zurück. Bestes Beispiel dafür ist die Szene, in der sich Matt mit seinen Söhnen prügelt. Oder die Szene, in der Robin den brown room entdeckt. Ebenso diejenige, in der Tui ihren Vater hinterrücks erschießt.

Allein diese kurze Aufzählung macht deutlich, dass das Serienfinale vollgepackt war mit solchen Wendungen. Vorhergehende Episoden hatten höchstens eine oder zwei dieser im Repertoire. Campion versuchte offensichtlich, sämtliche offene Enden mit einem Actionfeuerwerk zusammenzuführen.

Im Serienfinale bleibt die Regisseurin ihrem Stil aus den ersten Episoden also nicht treu. Es wäre schön gewesen, hätte sie die Geschichte zu Ende erzählt, wie sie angefangen hat: ruhig, düster, faszinierend.

Verfasser: Axel Schmitt am Samstag, 14. September 2013
Episode
Staffel 1, Episode 6
(Top of the Lake 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Ohne Abschied
Titel der Episode im Original
No Goodbyes Thanks
Erstausstrahlung der Episode in Neuseeland
Montag, 15. April 2013 (Three)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 14. November 2013
Autoren
Jane Campion, Gerard Lee
Regisseure
Jane Campion, Garth Davis

Schauspieler in der Episode Top of the Lake 1x06

Darsteller
Rolle
Thomas M. Wright
Matt Whelan
Mirrah Foulkes
Peter Mullan
David Wenham
Jacqueline Joe
Sarah Valentine
Robyn Malcolm
Cohen Holloway

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