Tommy: Review der Pilotepisode

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Tommy (Edie Falco, Nurse Jackie) hat ihren Job auf den Straßen von New York gelernt. Nun wird sie zur Chefin der Polizei in einer Stadt am anderen Ende des Landes: Los Angeles. Dort muss sie zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt ist, beruflich wie auch privat. Die neue CBS-Dramaserie jongliert mit politischen Statements und düsterem Humor - findet sie dabei ihren Weg?
Worum geht es?
Tommy findet ihren neuen Job, weil sie eine Frau ist, das macht Bürgermeister Buddy Gray (Thomas Sadoski, Life in Pieces) direkt in der ersten Minute der Pilotepisode mehr als deutlich. Doch die durchsetzungsstarke Frau hat nicht vor, sich davon beeinflussen zu lassen. Wir begegnen der frisch gebackenen Polizeichefin das erste Mal, als sie mit einer brenzligen Situation konfrontiert wird. Einer ihrer Cops hat eine Frau und ihre junge Tochter in seinem Wagen, umstellt von ICE-Agenten, die sie abschieben wollen. Was ist nun zu tun? Als Erstes fährt die Chefin selbst raus, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Es dauert nicht lange und sie eskortiert die Frau und deren Tochter durch eine aufgebrachte Menschenmenge zu ihrem eigenen Wagen und bringt sie ins Polizeihauptquartier. Eine „furchtlose“ Aktion, wie der Bürgermeister, der darum gebeten hat, dass sie sich zurückhaltet, nicht ohne Staunen anmerkt.
In ihrem neuen Job trifft sie schnell auf Verbündete sowie auf Gegner. Die Gegner stecken vor allem mit ihrem Vorgänger unter einer Decke, der gefeuert wurde, weil er in einen Sex-Skandal verwickelt war. Auf seiner Seite verharren vor allem diejenigen, die alte Strukturen bewahren wollen, besonders solche, die andere unterdrücken.
Auf der Seite der neuen Chefin finden sich diejenigen wieder, die ebenjene Strukturen aufbrechen wollen - oder sogar müssen, um selbst aufsteigen zu können.
Zu ihren Vertrauten gehörten das PR-Genie Blake Sullivan (Adelaide Clemens, Rectify), mit der sie eine kurze Unterhaltung darüber führt, wie man sich als Frau im professionellen Umfeld fühlt, die für manche einfach real und für andere der Grund für erhöhten Puls sein dürfte.
Ihr Redenschreiber (und Anwalt) Ken Rosey (Michael Chernus, Orange Is the New Black) versucht, sie davon zu überzeugen, öffentlich über ihre sexuelle Orientierung zu sprechen, um ein Zeichen zu setzen. Während sie sich zu Beginn der Episode dagegen wehrt, ändert sie im entscheidenden Moment ihre Meinung.
Ihr neuer Fahrer ist Abner Diaz (Vladimir Caamano), ein ehemaliger Cop, der immer mal wieder kleine Nebenaufträge von ihr annimmt, gerne auch undercover.
Außerdem kann sie auf Deputy Donn Cooper (Russell G. Jones) bauen.
Diesem Team gegenüber steht unter anderem der Berater des Bürgermeisters, Doug Dudik (Joseph Lyle Taylor).
Immer deutlicher wird im Verlauf des Piloten, dass der Bürgermeister sich - ohne es zu ahnen - offenbar mit Tommy eine Frau an Bord geholt hat, die viele Konflikte der Stunde mitbringt. Sie ist weiblich, lesbisch und außerdem war sie Opfer einer sexuellen Attacke, deren Anklage sie einen großen Teil ihrer Karriere gekostet hatte. Doch sie ist nicht bereit dazu, sich geschlagen zu geben. Auch privat hat sie einige Konflikte zu navigieren, der größte davon mit ihrer eigenen Tochter, einer Schulpsychologin, die selbst Mutter einer kleinen Tochter ist. Kate (Olivia Lucy Phillip) wirft ihr vor, keine gute Mutter gewesen zu sein, wendet sich aber dann doch an sie, um Hilfe zu erhalten.
Wie kommt es rüber?
Dass der erste Fall, mit dem die neue Polizeichefin konfrontiert wird, ein Konflikt mit dem ICE ist, erinnert fast eins zu eins an eine andere Pilotepisode jüngeren Datums. In der Serie Deputy passiert Bill Hollister (Stephen Dorff) genau dasselbe. Die gute Nachricht zuerst: Bei Tommy rollen sich einem die Fingernägel nicht ganz so weit nach oben wie bei der FOX-Serie. Von „gut“ ist sie trotzdem noch weit entfernt.
Was den Tommy-Machern an die Hand gegeben wird, ist zuallererst ein starker Cast, mit dem sie versuchen, ihren eigenen Weg zu finden. Was dabei gut funktioniert, ist die Einarbeitung in die Charaktere. Schnell werden die Figuren lebendig, trotz all der Klischees, aus denen die Darsteller sich erst einmal herausarbeiten müssen. Weniger gut gelingt den Autoren momentan die Umsetzung des durchaus düsteren Humors, der die Serie offenbar auszeichnen soll. Zurück bleibt vor allem Verwirrung, welche vermurkste Komik nun Absicht war und welche nicht.
Fazit
Die Voraussetzungen sind gut, die Absichten vielversprechend, aber in der Umsetzung enttäuscht die Serie „Tommy“ dann doch in vielerlei Hinsicht. Das Ärgerlichste daran ist, dass sie mit dem Cast und den Möglichkeiten eine ganze Ecke besser hätte sein können. Sollte der Humor in den kommenden Episoden genauer sein Ziel treffen, könnte immerhin eine vergleichsweise wenig nervende Crime-Show mittleren Niveaus dabei herauskommen, die man mal mitnehmen kann, wenn man dran denkt und gerade zu viel Zeit hat.
Hier der Trailer zur nächsten Episode der gerade in den USA angelaufenen CBS-Crimeserie „Tommy“, There Are No Strangers Here (1x02):