
© ��Time After Time“ / (c) ABC
Time After Time begann als Science-Fiction-Roman von Autor Karl Alexander, der sofort 1979, im Jahr seiner Ersterscheinung, für die Kinoleinwand adaptiert wurde. Regie führte damals Nicholas Meyer, der uns kurze Zeit später in „The Day After“ die Auswirkungen einer nuklearen Auseinandersetzung vor Augen führte. Das Ergebnis war ein sympathischer Film über einen Zeitreisenden, den es auf der Suche nach einem Freund, der sich als Mörder entpuppt, in die Gegenwart verschlägt. Nur handelte es sich bei den beiden Männern nicht um zwei x-beliebige Chrononauten, sondern um „Die Zeitmaschine“-Autor H.G. Wells höchstpersönlich (gespielt von Malcolm McDowell) und den viktorianischen Serienkiller Jack the Ripper (Schurken-Charakterdarsteller David Warner).
Die aktuelle ABC-Serienadaption von Kevin Williamson (Dawson's Creek, The Vampire Diaries) greift dieses Konzept nun auf und hat sich vorgenommen, es im Rahmen einer zunächst 13 Episoden starken Erststaffel auszuweiten. Wie das aussehen wird, muss sich allerdings erst noch zeigen, denn die Pilotepisode gibt mehr oder weniger eins zu eins den Film minus des Showdowns wieder. Keine schlechte Idee wohlgemerkt. Aber von vorn:
London, 1893: Der junge H.G. Wells, heute in Gestalt von UnREAL-Bachelor Freddie Stroma, bespricht seinen geplanten Zeitreiseroman mit einer Gruppe von Freunden, denen er seine selbstgebaute und noch unerprobte Zeitmaschine enthüllt, denn wie soll man das Thema sonst anständig recherchieren? Plötzlich stehen Polizisten von Scotland Yard vor der Tür, die H.G.s Freund Dr. Stevenson (Josh Bowman) als Frauenmörder Jack the Ripper identifiziert haben. Prompt macht sich dieser mit der Zeitmaschine aus dem Staub und flüchtet ins Jahr 2017, von wo aus die Maschine dank des fehlenden Schlüssels an seinen Ursprungsort zurückkehrt. Wells folgt Stevenson in unsere Gegenwart und steigt aus seiner Maschine, die in einer ihm gewidmeten Ausstellung in New York steht. Hier muss er sich zunächst gegenüber Kuratorin Jane Walker (Genesis Rodriguez) rechtfertigen, die das Ganze für einen Publicity-Stunt hält, aber nach kurzer Zeit dem viktorianischen Charme verfällt und Wells bei der Suche nach seinem Freund behilflich ist.

Der Ripper findet unterdessen reichlich Gefallen an unserer von Gewalt dominierten Gegenwart und macht sich daran, seine „Arbeit“ von damals fortzuführen, während H.G. zunächst einen temporalen Kulturschock zu verkraften hat. Als moderner Mann seiner Zeit hatte er in der Zukunft eine friedvolle Utopie erwartet und ist angesichts der Nachrichtenbilder (Trump inklusive) reichlich enttäuscht von der Entwicklung der Menschheit. Das hält ihn aber nicht davon ab, staunend durch die Welt zu laufen und sich an den für ihn futuristischen Technologien zu erfreuen. Eben jener Humor also, den wir aus Fish-out-of-Water-Komödien dieser Art kennen, in denen der Protagonist entweder aus einer Prallelwelt („Beastmaster 2“), einer fremden Kultur („Crocodile Dundee“) oder eben der Vergangenheit („Die Zeitritter“, „Leopold“) stammt.
Dass diese angestaubte Prämisse hier so gut funktioniert, ist fast vollkommen Freddie Stroma zu verdanken, der als liebenswert anachronistischer Optimist durch die Pilotfolge stolpert. Zu schade nur, dass die erste Episode es so eilig mit seiner Entdeckungstour hat und seine weibliche Bekanntschaft ihm dann auch noch ein modernes Make-Over verpassen muss, nachdem ihm die klassische Garderobe so gut stand.
Um Jane endgültig von Zeitreisen zu überzeugen, unternimmt H.G. mit ihr einen Trip von drei Tagen in die Zukunft. Die kleine Spritztour wirkt als Überzeugungsmittel, hält aber auch eine unerfreuliche Überraschung bereit: Der Ripper hat innerhalb dieser Zeit bereits drei Frauen auf dem Gewissen, wobei es sich bei dem dritten Opfer um Jane selbst handelt. Wieder zurückgereist fällt die Kuratorin in Stevensons Hände und fordert von Wells die Aushändigung des Zeitmaschinenschlüssels. In dieser ausweglos scheinenden Situation tritt Vanessa Anders (Nicole Ari Parker), die Museumsbetreiberin der Wells-Ausstellung auf ihn zu und stellt sich als seine Ur-Ur-Urgroßenkelin vor, die ihm zu Collegezeiten bereits einmal begegnet war und ihm bei seinem Vorhaben unter die Arme greift.
Fazit
Während NBC seine Zeitreiseserie Timeless ins Rennen geschickt hat, The CW die Filmadaption Frequency vorweisen kann, auf Syfy die 12 Monkeys-Serie zu sehen ist und Netflix/Showcase Travelers präsentieren, bietet ABC mit Time After Time ein weiteres TV-Remake zum Trendthema Zeitreiseserien an. Die ganz große Begeisterung bleibt bisher auch bei diesem Titel aus, was wohl auch auf die Natur von Zeitreisegeschichten zurückgeht, die sich noch stärker als andere Storys erst entwickeln müssen, um ihre Wirkung zu entfalten. Auffällig ist allerdings, dass der einleitende Zweiteiler ab der Hälfte, also wenn die Stützräder der Vorlage abgelegt werden und sich die Gegenspieler wiederholt um Schlüssel/holde Maid kloppen, recht redundant und langweilig wird.

Ein mögliches Problem bei der Erweiterung der Geschichte dürfte auch darin liegen, dass das Herz der Originalstory eben in jenem Kulturschock des Zeitreisenden liegt. Die Mechanik des Ganzen oder wie H.G. Wells eine funktionierende Zeitmaschine bauen konnte, musste dabei nicht genauer seziert werden. Damit wird die Serie vermutlich nicht durchkommen und sorgt schon in der ersten Folge für einige Stirnrunzler, wenn zum Beispiel das drei Tage in die Zukunft mitgereiste Mobiltelefon von Jane das aktuelle Datum anstatt jenes ihrer Abreise anzeigt. Auch ist es immer wieder nervig, wenn der in Zeitreisen eingeweihte Protagonist sich allein zum Wohle des Zuschauers dumm stellt und Wells komplett vom Konzept einer noch nicht gezeugten Nachfahrin überrumpelt scheint, obwohl er den gleichen Umstand seinen noch nicht geschriebenen Roman betreffend eingehend durchdrungen hatte.
Mittlerweile stellt sich auch unweigerlich eine Übersättigung ein, was den strapazierten Zeitreisestoff betrifft. Nicht zuletzt, weil sich die bisherigen Kandidaten recht ähnlich anfühlen, ohne den großen Wurf hervorgebracht zu haben.
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