This Close 1x01

© ??This Close“ (c) Sundance
In der Pilotepisode der neuen Sundance Now-Produktion This Close gibt es eine Szene, in der einer der beiden Hauptcharaktere - ein talentierter, gehörloser Comicautor - während einer Buchvorstellung gefragt wird, warum die Hauptfigur in seiner aktuellen Graphic Novel nicht auch taub sei. Die harte, aber ehrliche Antwort des Schriftstellers: Das würde sich einfach nicht verkaufen. Traurig, aber leider wahr. Menschen, die gehörlos sind, findet man eher selten in der weiten Welt des Fernsehens. Das gehörlose Serienschöpferduo Shoshanna Stern und Josh Feldman (II) will dies nun aber mit ihrer neuen Serie „This Close“ ändern. Basierend auf ihrer eigenen Webserie „Fridays“ präsentieren sie einen der außergewöhnlichsten Serienneustarts des Jahres.
Beide übernehmen die Hauptrollen in der kleinen Dramedy, die nüchtern betrachtet nicht wirklich besonders erscheint - und doch handelt es sich um ein fantastisches, charmantes, herzliches Format, das in der aktuellen, weltweiten Serienlandschaft sogleich heraussticht. Stern spielt Kate, eine Publizistin aus Los Angeles, Feldman schlüpft in die Rolle ihres besten Freundes Michael, den weiter oben erwähnten Graphic-Novel-Autor. In der ersten Folge von „This Close“ verabreden sich die Freunde für ein entspanntes Wochenende in Seattle, wo Michael sein neues Buch vorstellt. Kate hat indes große Neuigkeiten im Gepäck: Sie ist frisch verlobt, ein Thema, das wie eine offene Wunde für Michael ist, dessen Träume von einer Ehe mit seinem letzten Freund zuletzt unsanft zum Platzen gebracht worden waren.
Hard to sell
Die Prämisse klingt nach einer weiteren x-beliebigen Millennial-Dramedy im Fahrwasser bekannter Genrevertreter, so zum Beispiel You're the Worst, Girls oder Love. Es dauert jedoch nicht lang, da wird klar, dass „This Close“ eine spezielle Intimität und Sensibilität auszeichnet, die schwer mit etwas zu vergleichen ist. Nicht viele Formate treffen auf Anhieb eine solche schwierige Note, die der Serientitel wiederum ein Stück weit impliziert. Ein Grund für dieses einmalige Gefühl ist natürlich der Umstand, dass die zwei zentralen Charaktere der Serie gehörlos sind und größtenteils via Gebärdensprache kommunizieren. Als Zuschauer konzentriert man sich daher gleich viel weniger auf die Stimmen der Figuren, wie es sonst so oft der Fall ist, sondern darauf, was sie mit ihren Händen und auch Blicken sagen. Die Stille zwischen den Charakteren wird zum einzigartigen Trumpf, gibt sie doch intime Einblicke in das seelische Innenleben der Figuren.
Nobody's perfect
Fasziniert folgt man jeder Bewegung, jeder Nuance, die von Kate und Michael ausgeht. Letztlich sprechen sie so wenig, sagen aber dennoch so viel. Ist das alles jetzt aber einfach nur ein Gimmick, ein Mittel zum Zweck, um die Zuschauer emotional zu erreichen? Nein. Selbstverständlich hat es einen ganz eigenen, besonderen Effekt, wenn die Dialoge ausbleiben und die Erzählung vornehmlich nonverbal vorangetrieben wird. Stern und Feldman nutzen ihre Beeinträchtigung aber in keinster Weise als schamloses Erzählelement aus. Das Duo zeigt vielmehr authentisch und nahbar auf, wie ihr alltägliches Leben aussieht und welche Probleme dieses mit sich bringt, die andere Menschen eventuell nicht haben. Sie spielen lebensechte Charaktere, die eben gehörlos sind. Dadurch schaffen sie nicht nur Verständnis, sie weisen auch geschickt auf eine Minderheit unserer Gesellschaft hin, ohne zu moralisierend zu sein.
Man bittet nicht um Mitleid, man unterstreicht schlichtweg, dass natürlich auch gehörlose Menschen ein ganz normales Leben führen, gefüllt mit unerträglichem Herzschmerz, lieblosen One-Night-Stands auf der Clubtoilette und hochwertigen Freundschaften, ohne die man einfach nicht existieren kann. Das kraftvolle Band zwischen Kate und Michael, das diese über viele Jahre geknüpft haben, wird innerhalb kürzester Zeit absolut greifbar. Die feine, unaufgeregte Inszenierung und das Vertrauen in die eigene Geschichte sowie in reale Charaktere zahlt sich aus: Am Ende der 25-minütigen Pilotfolge fühlt es sich so an, als wäre man bei dem Trip der beiden besten Freunde, auf dem deren Verhältnis hart auf die Probe gestellt wurde, hautnah dabei gewesen. Man ist sowohl zutiefst gerührt (eine große Teilschuld trägt der melancholische Abschlusssong „Anthem“ von Alana York) als auch auf seltsame Art beseelt. Eine derartig komplexe Gefühlslage (ich persönlich muss ein wenig an Rectify denken, eine weitere Sundance Channel-Serie) rufen nur wenige Serien beim Zuschauer hervor. This Close gehört dazu.
Trailer zu „This Close“:
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 20. Februar 2018This Close 1x01 Trailer
(This Close 1x01)
Schauspieler in der Episode This Close 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?