THEM - Covenant: Day 1 - Review der Pilotepisode

THEM - Covenant: Day 1 - Review der Pilotepisode

Die gruseligsten Horrorgeschichten zurzeit haben dasselbe, leider allzu reale Monster: Rassismus. So auch die Amazon-Anthologieserie THEM. Eine Schwarze Familie zieht während der Fünfziger neben weiße Nachbarn...

Deborah Ayorinde in THEM (c) Amazon Prime Video
Deborah Ayorinde in THEM (c) Amazon Prime Video
© eborah Ayorinde in THEM (c) Amazon Prime Video

Amazon Prime Video präsentiert heute die neue Anthologieserie THEM, die in ihrer zehnteiligen Auftakstaffel den Zweittitel „Covenant“ (zu Deutsch: „Schwur“) trägt. Schon vor drei Jahren sprach der Streamingservice dem Horrorfamiliendrama mit Rassismus-thematischem Überbau die offizielle Order aus - verknüpft mit gleich zwei Seasons, die, ähnlich wie American Horror Story, jeweils eine eigene Geschichte mit separaten Figuren erzählen sollen.

Zu schade, dass sich die Entwicklungsphase beim Projekt so lang hingezogen hat, wobei unklar ist, ob das am Drehbuchautor Little Marvin, an der Chefproduzentin Lena Waithe (The Chi), an Amazon selbst oder einfach an der Corona-Krise lag. Denn inzwischen, genauer gesagt im August 2020, erschien bei HBO eine unverhoffte Zwillingsserie namens Lovecraft Country, die all das, was bei THEM bahnbrechend sein sollte, schon vorweggenommen hat.

Das hat zur Folge, dass die neue Serie - die hierzulande noch nicht synchronisiert, aber immerhin untertitelt veröffentlicht wurde - nicht die ganz große Wirkung entfalten kann, die sie sonst vielleicht gehabt hätte. Trotzdem sollte genug geboten werden, um echte Horrorfans neugierig zu machen. Zweifelhaft ist nur, ob sich die Story über zehn ganze Stunden tragen können wird. Doch hier reden wir zunächst nur über die Pilotepisode namens Day 1 (1x1).

Worum geht's?

Unsere Hauptfiguren heißen Henry Emory (Ashles Thomas) und Livia „Lucky“ Emory (Deborah Ayorinde). Das Schwarze Ehepaar lebt während der 50er Jahre in South Carolina, wo die rassistischen Jim-Crow-Gesetze herrschen. Um nicht jeden Tag um ihr eigenes und vor allem um das Leben ihrer Töchter Ruby Lee (Shahadi Wright Joseph) und Gracie (Melody Hurd) fürchten zu müssen, planen sie den Umzug ins angeblich liberalere Kalifornien. Millionen Afroamerikaner treffen zur selben Zeit eine ähnliche Entscheidung, sodass man bald von einer Great Migration innerhalb der USA spricht.

Doch mit dem Aufbruch hat die wahre Odyssee für Familie Emory eigentlich erst begonnen. Auf Anhieb spüren sie in ihrer neuen Nachbarschaft im damals vorwiegend weiß bevölkerten Compton, dass sie nicht willkommen sind. Angeführt wird das Anti-Begrüßungskomitee von der blonden Hausfrau Betty, gespielt von der perfekten besetzten Alison Pill (Devs, The Newsroom). Und auch innerhalb ihrer eigenen vier Wänden regt sich Widerstand gegen ihre Anwesenheit...

Alison Pill in THEM
Alison Pill in THEM - © Amazon Prime Video

Genau wie bei Lovecraft Country bekommen es die Helden von THEM nicht nur mit menschlichen Monstern zu tun, die ihnen mit ihren rassistischen Angriffen das Leben zur Hölle machen wollen, sondern auch mit übernatürlichen Geistern. Und da die Geister ebenfalls Weiße aus noch weiterer Vergangenheit sind, ist ihr Rassismus umso stärker. In der ursprünglichen Hausurkunde früherer Eigentümer stand sogar ein Passus, wonach niemals eine Schwarze Familie einziehen dürfe. Der wird kurzerhand gebrochen, wodurch der titelgebende „Covenant“ ausgelöst wird und das Unheil seinen Lauf nimmt.

Wie ist es?

Und tatsächlich zögert die Serie nicht lang, bis sie mit dem Gruseln loslegt: Gleich in der Anfangsszene sehen wir eine fiese Hexe, die ein altes Lied zur Sklaverei singt. Später sehen wir eine Art Slender Man, der es auf die kleine Gracie abgesehen hat. Aber auch Betty und Co werden in den kommenden Folgen ihren Psychoterror sicher steigern, während sie anfangs nur mit Lärmbeschallung vorgehen. Auch das sahen wir so in Lovecraft Country, wobei zusätzlich noch anzumerken ist, dass die HBO-Serie die gesamte Story in nur einer Episode (nämlich Holy Ghost) abfrühstückt, was keinesfalls gehetzt erschien. Später widmete sie sich zahlreichen anderen Ideen, was THEM offenbar nicht plant.

Wenn die Serie auf lange Sicht funktionieren soll, dann sicher nur über die Charakterentwicklung. Zehn Episoden lang nur Horror wäre schlichtweg ermüdend. Es besteht jedoch das Risiko, dass sich beide Elemente gegenseitig untergraben. Denn das Trauma, das die Figuren durch den realen Rassismus erleiden, droht von den allgegenwärtigen Geistergeschichten überschattet zu werden. Auch Lovecraft Country hat die Bodenhaftung hin und wieder verloren.

Wie THEM damit umgeht, bleibt nun abzuwarten. Die Inszenierung von American Crime Story-Regisseur Nelson Cragg weiß in der Auftaktepisode auf jeden Fall zu überzeugen. Auffällig ist beispielsweise, wie er mit dem Soundtrack herumspielt oder auch mit Bildformaten (das Sichtfeld verengt sich, als ein Charakter gewürgt wird). Auch das Schauspiel von Thomas und Ayorinde ist überzeugend. Im Fall von Pill gilt wie immer: Entweder man mag sie oder nicht.

Alles in allem ein guter Start der neuen Horror-Anthologieserie THEM bei Amazon Prime Video, der wie gesagt wohl größere Wellen schlagen würde, wenn da nicht schon eine ähnliche Serie erschienen wäre, wofür die Macher Little Marvin und Lena Waithe aber nichts können. Eine Gruselgeschichte mit politisch relevanter Botschaft, interessanten Charakteren, aber eben auch der Gefahr, dass der Stoff nicht nicht für zehn Episoden ausreicht.

Hier abschließend der Trailer zur heute anlaufenden, neuen Amazon-AnthologieserieTHEM:

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