The Woods: Review der Pilotepisode von Das Grab im Wald

© as Grab im Wald (c) Netflix
Netflix hat nach The Stranger („Ich schweige für dich“) einen weiteren Roman von US-Autor Harlan Coben adaptieren lassen. Dabei wurde die Handlung erneut vom ursprünglich amerikanischen Schauplatz nach Europa verlegt, denn „W glebi lasu“ aka „The Woods“ aka „Das Grab im Wald“ ist eine polnische Serienproduktion, bei der Fall Leszek Dawid und Bartosz Konopka Regie führten. Alle sechs Episoden sind seit heute international beim Streamingdienst online gegangen, die erste mit dem Titel End of Innocence haben wir uns für Euch angesehen.
Schnell wird klar, dass es sich bei „Das Grab im Wald“ um keine gut verdauliche Whodunit-Kost handelt, sondern auch hier ein melancholischer Noir-Thriller vorliegt, der an eine Menge finstere Skandi-Krimis oder britische Serien wie Broadchurch und Marcella erinnert. Die Handlung spielt sich zum einen in einem Sommerlager im Jahr 1994 und ebenso im Warschau des Jahres 2019 ab. Der Staatsanwalt Pawel Kopinski (Grzegorz Damiecki) wird von zwei Ermittlern darum gebeten, eine Leiche zu identifizieren, die er zunächst nicht zuordnen kann. Der Tote hatte Zeitungsschnipsel über ihn in der Tasche, die auf einen Vorfall in seiner Jugend hindeuten. Damals war er Betreuer im Ferienlager, in dem sich eine Tragödie abgespielt hat.

In den 90er Flashbacks geht es dann recht Riverdale-ig vor sich - nur der Ära entsprechend mit mehr Karohemden und langen Haaren. Attraktive Teenager, die ausgelassen feiern, miteinander anbandeln, eifersüchtig werden, Unfug bauen und rummachen - und das, obwohl Pawel (Hubert Milkowski) als (gleichaltriger) Betreuer per müttlerlichem Dekret eigentlich die Finger bei sich lassen soll. Sein Freund Artur (Adam Wietrzynski) hat es auch nicht leichter. Er ist in die unerreichbar scheinende Campschönheit verliebt, die ihn abblitzen lässt, als sie erfährt, dass seine Mutter als Putzfrau im Lager arbeitet und schwört auf Rache, als sie zu einem anderen Verehrer überläuft.
Bei den vielen Jungen mit längeren, blonden, lockigen Haaren und ihren wechselnden weiblichen Anhängen im Camp kann man leicht den Überblick verlieren. Um dem entgegenzuwirken, greift die Serie hin und wieder auf ein dokumentarisches Stilmittel zurück, bei dem sich die wichtigen Charaktere in einer Art Interviewformat direkt Richtung Kamera wenden.
Für sich allein wären die Jugendszenen etwas dick aufgetragen und abgedroschen. Sie funktionieren aber im Kontrast zu Pawels grauem Erwachsenenalltag in der Gegenwart, in dem die Schwester seiner toten Frau ihm mit den beiden Töchtern hilft, während er eine vergewaltigte junge Frau vor Gericht vertritt, deren Angreifer sich über den einflussreichen Vater einer der beiden rauswinden wollen. Sowohl hier als auch im Schlagabtausch mit den Polizisten spielt Damiecki den Staatsanwalt mit trockener Schlagfertigkeit, dem eine lakonische Schwere zugrunde liegt.
In der letzten Nacht des Sommercamps lässt sich der junge Pawel schließlich doch auf die Avancen seines Schwarms Laura (Wiktoria Filus) ein. Doch während die Teenager mitten im Wald ihrer Sympathie füreinander Ausdruck verleihen, durchfurcht ein schrecklicher Schrei die Nacht. Vier Teenager verschwinden in diesem Moment im Wald - zwei von ihnen werden später tot aufgefunden. Aufgeklärt wurde der Fall aber auch 25 Jahre später noch nicht.
In der Gegenwart wirft Pawel am Ende des Auftakts einen zweiten Blick auf die Leiche, die einen Führerschein mit falschem Namen bei sich trug, und erkennt an einer charakteristischen Narbe, dass es sein Campkumpel Artur ist, der damals einer der Verschwundenen war. Was den Staatsanwalt aber viel schwerer erschüttert, ist die Tatsache, dass somit auch seine ebenfalls wie vom Erdboden verschluckte Schwester Kamila (Martyna Byczkowska) noch am Leben sein könnte...
Fazit
The Woods beginnt als stimmungsvolle Noir-Mystery-Kiste über anhaltende Reue und verlorene Jugend, die es einem nicht immer ganz einfach macht, die vielen Charaktere zu unterscheiden oder aber klarmacht, welche Storyelemente zum Haupthandlungsbogen gehören. Unbedingt authentisch fühlen sich die in den 90er Jahren spielenden Jugendszenen nicht an, die Hauptattraktion ist aber sowieso das reservierte, aber brodelnde Schauspiel von Grzegorz Damiecki, dessen sardonischer Staatsanwalt Pawel das Format trägt.
Hier abschließend noch der Trailer zur Netflix-Serie „Das Grab im Wald“: