The Wonder Years (2021) 1x01

© oster zur Serie The Wonder Years (c) ABC
Die Serie The Wonder Years aka „Wunderbare Jahre“ genießt bei einer bestimmten Altersgruppe Kultstatus. Die Dramedy, die von 1988 bis 1993 in den USA ihre Premiere feierte, war so etwas wie das perfekte Nostalgiepaket für die Zuschauer der Ära, für die die 1960er schon ziemlich weit entfernt wirkten. Ein perfekter Intro-Song, ein wahnsinnig gutes Casting und ein Set-Design, das mit viel Liebe zum Detail präsentiert wurde, gehörten damals dazu.
Wirklich Wunderbare Jahre?
Im Jahr 2021 sind die 90er für uns so weit entfernt, wie die 60er für die 90er und gerade deswegen kann es spannend sein, die Zeitperiode noch einmal zu erkunden. Nur diesmal eben nicht mit Familie Arnold, sondern mit der schwarzen Familie Williams aus Montgomery, Alabama. Der Empire-Schöpfer Lee Daniels steht hinter der Neuauflage. Das Ganze läuft bei den Retro-Comedyexperten von ABC, die in den letzten Jahren schon Nostalgiefeste wie The Goldbergs, Schooled, Fresh Off the Boat, The Kids Are Alright oder Mixed-ish auf die Beine gestellt haben. Ein klein wenig Everybody Hates Chris verbirgt sich jedoch auch in dem neuen Comedyformat des Networks.
Allein durch die Perspektivverschiebung von weißer zu schwarzer Familie ergeben sich bereits zahlreiche neue und spannende Erzählmöglichkeiten, aber eben auch viele neue Konfliktherde. Denn, wo die Arnolds zwar auch Probleme einer Durchschnittsfamilie erlebt haben, darunter irgendwann natürlich auch den Vietnam-Krieg, ist es für die Williams auf dem Hoch der Bürgerrechtsbewegung im Jahr 1968 eine ziemlich turbulente Zeit, bei denen ihnen täglicher Rassismus entgegenspringt. Nicht umsonst spielt der Mord an Dr. Martin Luther King eine zentrale Rolle im dramatischen letzten Drittel der ersten Folge.
Be Cool!
Erzählt wird durch die Augen des zwölfjährigen Dean (Elisha Williams), dessen erwachsene Stimme von Don Cheadle stammt, was analog zu Fred Savage und dessen älterem Ich Daniel Stern im Original passt. Damit einher geht eine Zukunftsperspektive, die die naiven Jugendjahre des Protagonisten mit erlerntem Wissen abrundet und ergänzt. So wird natürlich auch manches schon vorweggenommen, aber das passt eben auch zur Erzählweise des Formats. Psych-Star Dule Hill und Saycon Sengbloh (In the Dark) spielen die Eltern des Jungen, Bill und Lillian. Laura Kariuki (Black Lightning) ist derweil als seine Schwester Kim mit an Bord.
Bill ist ein Musikprofessor und Funk-Musiker, dessen Songs langsam auch im Radio ankommen, was die Familie natürlich freut, da er den Fels in der Brandung der Familie darstellt. Zusammen mit seiner Frau Lillian bildet er ein eingeschworenes Team, das unter dem Motto „Be Cool“ probiert, die Familie bestmöglich durch die schwierigen Zeiten zu lotsen, denn man weiß ganz genau, dass man als gewissermaßen wohlhabende schwarze Familie, die es sich leisten kann, die Kinder auf gute Schulen und Colleges zu schicken, trotzdem stellenweise doppelt und dreifach aufpassen muss, was die weißen Stadtbewohner und Behörden angeht...
Stay out of grown folks business!

Eine Art Winnie Cooper (Danica McKellar) hat Dean ebenfalls. Keisa Clemmons (Milan Ray) lautet der Name des coolen Tomboy-Schwarms, der sich auch gegen Bus-Bullys gut durchsetzen kann und eine Vorliebe für „Avengers“-Comics hat, die Dean ihr leiht. In der Schule ist Brad Hitman (Julian Lerner) ein guter Freund für Dean und sein bester Kumpel ist Cory Long (Amari O'Neil), der quasi so etwas wie der Ersatz-Paul (Josh Saviano) ist. Doch auch da ist man nie so recht vor Vorurteilen und Hänseleien gefeit. Mal sind es andere schwarze Klassenkameraden, bisweilen aber auch mehr oder weniger subtile Gesten, wie zum Beispiel Mitschüler, die abdrehen, wenn einer der schwarzen Jungs sich zuerst am Trinkbrunnen erfrischt. Dazu kommt beispielsweise Allen Maldonado als Coach Long, der früher mit Vater Bill zur Schule ging. In einer Schulstory darf so ein Sportlehrer gerade in Sitcoms wohl selten fehlen. Hier führt das zu einer amüsanten kleinen Rivalität und Frotzelei mit Bill, die später in eine ernste Situation umschlägt, weil die Nachrichten aus der echten Welt die Familie Williams und ihre schwarzen Mitbürger einholt. Wie schon das Original verbindet The Wonder Years (2021) also leichtfüßig komische und ernste Momente zu einem großen Ganzen, denn die 60er waren eben eine Zeit des Umschwungs und für viele Gruppen eine turbulente Dekade.
Wie bei How I Met Your Mother, in welchem Ted Mosby Senior (Bob Savage) ja seinen Kindern die Geschichte erzählt, wie er ihre Mutter kennenlernte und dabei gewisse Aspekte mit Code-Wörtern umschreibt, gibt es das auch bei den Williams-Eltern und Erwachsenen. Das hat Dean vielleicht damals noch nicht verstanden, kann er aber als Erwachsener dann mühelos zuordnen und entschlüsseln.
Der Cast macht einen soliden Ersteindruck und besonders Dule Hill, den man aus Psych, Suits oder anderen Serien kennt, ist ein cooler TV-Dad. Die Kinderdarsteller sind ebenfalls unverbraucht und leisten gute Arbeit. Man kann gespannt sein, wohin die Reise gehen wird. Denn das Jahr 1968 ist geschichtlich bekanntlich sehr bemerkenswert. Wird man - sofern die Quoten stimmen und weitere Staffeln kommen - wie bei The Goldbergs grob pro Season ein echtes Jahr abarbeiten und die Kinder so „in Echtzeit“ mitaltern lassen? Ich bleibe jedenfalls sehr wahrscheinlich dran, habe aber auch Lust auf einen Rewatch des Originals bekommen. Vielleicht taucht das trotz aller Rechteprobleme auch bald mal irgendwo im Stream auf. Disney+, bitte mal die Portokasse für die Musikrechte öffnen!
Fazit

Es ist in diesem Fall wahrscheinlich unfair, die beiden The Wonder Years-Serien direkt zu vergleichen, was ich deswegen auch gar nicht erst probieren möchte. Zumal ich beim Original „Wonder Years“ die ganze Serie zur Verfügung habe und entsprechend bias vorhanden ist. Man müsste wohl das Experiment wagen und irgendwie nur die Piloten vergleichen, aber dafür müsste ich wohl meine restlichen Erinnerungen daran löschen...
Vielmehr bietet sich ein Vergleich mit oben bereits erwähnten aktuelleren Retro-Comedyserien an, von denen ich auch einen Großteil verfolgt habe. Dort fügt sich der Neustart durchaus harmonisch ein und bietet von Beginn an eine schöne neue Alternative mit bisweilen ernsten Tönen im wöchentlichen Comedyblock des Senders, den ich bestimmt in meine Rotation aufnehmen werde. Sie passt tonal recht gut zwischen The Goldbergs und The Conners. In Deutschland dürfte die Serie The Wonder Years (2021) auch bald im Programm des Streamingdienstes Disney+ auftauchen, fragt sich aktuell noch, wann genau das Anschauen per VoD möglich sein wird...
Hier abschließend noch der Trailer zum nun gestarteten Reboot der Serie „The Wonder Years“:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 24. September 2021The Wonder Years (2021) 1x01 Trailer
(The Wonder Years (2021) 1x01)
Schauspieler in der Episode The Wonder Years (2021) 1x01
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