The Winchesters 1x04

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Masters of War
Die Episode Masters of War beschäftigt sich ausgiebig mit dem posttraumatischen Stress von Kriegsveteranen und baut passend dazu ein übernatürliches Monster ein, welches später als ein Kriegsgott identifiziert wird. Uns ist bereits bewusst, dass John Winchester (Drake Rodger) im Vietnamkrieg gedient und dort einen Kameraden durch eine Tretmine verloren hat. Posttraumatischer Stress verfolgt ihn seitdem, was in vorherigen Folgen auch angerissen und gezeigt wurde. Diese Woche soll es aber besonders intensiv für John werden, der sich bereits in der Selbsthilfegruppe von Dr. Zimpano (Paul Schackman) schwertut, welcher lange Zeit der Hauptverdächtige bleiben soll. Denn Kriegsgott Nato (James MacDonald) konfrontiert John schließlich mit dem schlimmen Ereignis aus der Vergangenheit - wobei Carlos (Jojo Fleites) die Opferrolle einnimmt.
Apropos Carlos. Dieser blieb bislang noch etwas blass in Sachen Hintergrundgeschichte, soll diese Woche aber etwas mehr Fleisch auf die charakterlichen Knochen bekommen. Denn auch er war in Vietnam, allerdings unfreiwillig und hat sich dort ein paar Ängste eingefangen, die ihn noch immer begleiten. Für Mary (Meg Donnelly) und Lata (Nida Kurshid) ist derweil Recherche angesagt, aber auch an dieser Front muss ein Verlust überwunden beziehungsweise ein Zimmer betreten werden, welches lange Zeit tabu war. Während Ada (Demetria McKinney) pausiert, soll Millie (Bianca Kajlich) später zu den jungen Damen dazustoßen, um Carlos und John zu retten.
Eine interessante Folge, bei der hauptsächlich John im Vordergrund steht, aber die anderen nicht zu kurz kommen. Carlos agiert weniger amüsant als sonst, was mit Blick auf den Ausbau des Charakters aber nicht schadet und bei Mary und Lata wird das Thema Maggie - ebenfalls in vorherigen Episoden angeschnitten - aufgearbeitet. Millie ergänzt das Team dieses Mal, was durchaus stimmig ist und in Sachen Staffelthema gibt es zumindest eine Erwähnung der Akrida. Rockin' Roxy (Bridget Regan) und ihre Kreaturen lassen sich allerdings nicht blicken.
John Winchester
Was bereits in den vorherigen Folgen kurz angeschnitten wurde, steht diese Woche im Mittelpunkt. PTSD ist John Winchesters stetiger Begleiter und geht auf den Tod eines Kameraden zurück, der auf eine Mine getreten ist und davon zerrissen wurde, während John lediglich ein paar Narben erhielt. Harter Tobak und ein Ereignis, über das John nicht gerne spricht. Am liebsten würde er diese Erinnerungen verdrängen, womit uns abermals eine Parallele zu Dean Winchester (Jensen Ackles) aufgezeigt wird, der über seine persönlichen Probleme ebenfalls nicht gerne sprach und diese lieber mit sich herumgeschleppt hat - oftmals so lange, bis er keine andere Wahl hatte als darüber zu sprechen.
Diese Wahl hat John jetzt nicht mehr, denn dank Carlos wird er direkt von Dr. Zimpano befragt - Teil des Plans, damit Carlos sich in Ruhe im Büro des verdächtigen Doktors umsehen kann - aber nicht mit dem gewünschten Ergebnis. Denn nachdem Thomas „Patches“ Pasternak (Todd Terry), selbst ein Kriegsveteran, den Fall losgetreten hat, soll der freundliche Jimmy (James MacDonald) das nächste Opfer des Monsters werden. Ein Monster, welches Zimpano womöglich schützt, denn auch Patches hatte sich mit dem Doktor gestritten, ehe er niedergestreckt wurde. Jetzt soll John in die Fußstapfen von Patches und Jimmy treten, denn auch er legt sich mit Zimpano an.
Hier hören die Parallelen allerdings auf. Denn sowohl John als auch Carlos steht eine andere Reise bevor als wir bei Jimmy und Patches gesehen haben. Nato nutzt die Traumata, um seine jüngsten Opfer an den Ort der damaligen Ereignisse zurückzuholen. Entsprechend sieht Carlos die glühenden Zigarettenspitzen und entsprechend findet sich John im Dschungel wieder, wo wenig später Carlos auf eine Mine tritt, nachdem die beiden sich in der Illusion gefunden haben.
Für mich war Johns Reise (ebenso wie das Ende unter der Dusche) eine kleine Wucht, denn die erneute Konfrontation mit seinem Trauma wird kaum dazu führen, dass er dieses verarbeitet. Es wird ihn immer begleiten und so nett der Showdown mit Nato auch gewesen sein mag, hätte er allein Carlos nicht retten können. Ohne den Rest des Teams wären beide verloren gewesen, aber ohne Johns blutigen Zweikampf mit Nato wäre das vermutlich ebenso der Fall gewesen. Einerseits merken wir, wie sehr John das damalige Ereignis zusetzen kann, andererseits sehen wir aber auch, dass er den Kampf nicht scheut und für seine Freunde/Kameraden alles riskiert. Oder wie Millie es sagt: „John's been a fighter since he was four years old. You put him in a dangerous situation with an enemy, and he's going to run towards that enemy. Every single time.“ - wahre Worte und passend für John oder auch jeden anderen Jäger, der sich den Monstern stellt und diese bekämpft, wenngleich damit ein Preis verbunden ist, der sich nur schwer oder gar nicht abschütteln lässt.
Carlos Cervantez
Ein kleiner Kritikpunkt, der übrigens auch mehr oder weniger für John gilt, ist die Tatsache, dass beide an sich noch viel zu jung sind, um als Kriegsveteranen durchzugehen. Das hat mich bereits im Piloten der Serie ein wenig gestört, auch wenn ich es dort nicht formuliert habe. Andererseits mussten die Rekruten im Vietnamkrieg nicht volljährig sein, um dort teilzunehmen. Wir wissen von John, dass er die Unterschrift seines Vaters gefälscht hat, um zum Militär zu gehen. Und jetzt wissen wir von Carlos, dass er quasi zwangseingezogen wurde und eben lieber zur Marine als ins Gefängnis gewandert ist. Dennoch bleibt bei mir eine gewisse Unglaubwürdigkeit bestehen, was die militärische Vergangenheit beider Figuren angeht.
Aber schwimmen wir mit und schauen einmal, was uns Carlos diese Woche verrät. Sein Trauma ist nicht vergleichbar mit dem von John, aber geht dennoch unter die Haut. Glühende Zigaretten sind nachts tatsächlich über weite Strecken sichtbar, können mitunter schön aussehen. Aber wenn man weiß, dass sich hinter jeder Glut ein Feind verbirgt, kann das schon unheimlich sein.
Auf jeden Fall hat mich aber gefreut, dass wir mehr über Carlos erfahren. Sein Team-up mit John war willkommen und darf gerne fortgesetzt werden, auch wenn der leere Stuhl gegen Ende darauf hinweist, dass John nicht weiter in der Gruppe von Dr. Zimpano präsent sein wird. Aber unterm Strich gibt es endlich mehr zu Carlos - und nicht nur amüsante Momente - was sicher nicht verkehrt ist. Es fehlen uns zwar noch einige Infos, nicht zuletzt die, wie er zum Jäger wurde. Aber das lässt sich bestimmt noch in den weiteren Episoden der Staffel klären.
Mary und Lata
Wir wissen bereits, dass Maggie verstorben ist, die einst zum Team gehörte und sogar im Hause Campbell eingezogen ist. Ihr Zimmer wurde seit ihrem Ableben nicht mehr betreten und als John den Raum für ein Badezimmer hält, wird er von Mary direkt eines besseren belehrt. Maggies Tod berührt Mary noch immer und auch bei Lata wiegt der Verlust schwer und liefert womöglich eine Erklärung dafür, weshalb Lata sich bei der Jagd eher auf ihre Recherchen verlässt als aktiv daran teilzunehmen.
Die Recherchen dieser Woche können allerdings nur dadurch erfolgreich sein, wenn beide das Zimmer von Maggie betreten, die ein Buch ausgeliehen hatte, welches zur Identifizierung des Monsters der Woche beitragen soll. Diese Hürde wird von Mary überwunden und dabei macht sie mit Lata eine Entdeckung, die herzallerliebst ist und aufzeigt, wie Maggie mit der Jagd zurechtgekommen ist.
Die Idee mit den Ansichtskarten kann sich jedenfalls sehenlassen. Auch eine Möglichkeit, um die Dinge zu verarbeiten, die einem auf der Jagd begegnet sind, mit denen man gehadert hat und die einem zu schaffen machen oder auch erfreut haben. Zwei negative und einen positiven Eindruck schriftlich festzuhalten und sich selbst zuzuschicken, scheint jedenfalls eine nette Methode zu sein, wenn Mary und Lata es nach diesem Abenteuer Maggie gleichtun und sich selbst Karten schreiben. Schade, dass die Winchester-Brüder der Mutterserie dieser Tradition nicht gefolgt sind, die aber vielleicht nicht langlebig war oder mit dem Tod von Mary vielleicht ebenfalls verstorben ist.
Gefallen hat mir aber, dass Mary und Lata den nötigen Schritt tun und somit herausfinden, welches Monster jetzt aktiv ist und John wie Carlos bedroht. Außerdem hat mir gefallen, dass Kyle Reed (Ryan McCartan) diese Woche wieder auftaucht, nachdem er in You're Lost Little Girl Mary ins Kino begleiten durfte. Jetzt erfahren wir, dass Kyle ein Reporter ist, der seinerseits versucht, mysteriöse Fälle aufzuklären. Er hat zuvor die Frau von Patches (Stella Doyle) befragt und ist auf den ominösen Tod mehrerer Veteranen aufmerksam geworden - ein Ereignis, welches offenbar landesweit stattgefunden hat, worauf aber leider nicht weiter eingegangen wird. Ob und wie Kyle weiter in die Staffel eingebaut wird, bleibt insofern noch abzuwarten. Aber ich werte es erstmal positiv, dass er investigativ unterwegs ist und Probleme bekämpfen möchte, denn als bloßes love interest für Mary (und als Konkurrenz für John) wäre er ohne diese Hintergrundgeschichte lediglich ein fünftes Rad am Wagen und somit unnötig.
Millie Winchester
Während Johns Vater verschollen bleibt, tritt seine Mutter diese Woche wieder auf. Bereits als er in Uniform für den neuesten Fall aufbricht, aber unmissverständlich zum Ausdruck bringt, dass es sich dabei um eine Jagd handelt. Daran kann auch der anschließende Auftritt von Carlos nichts ändern, der hier in Marine-Uniform auftaucht.
Ich empfinde Millie als einen interessanten Charakter. Sie weiß um die Jagd Bescheid, die ihr Ehemann verfolgt hat und die auch John in die Wiege gelegt wurde, wenngleich er erst durch Mary über die übernatürliche Welt erfahren hat. Millie kann und darf insofern immer kritisch auftreten, wenn es um die übernatürlichen Abenteuer geht, in die sich John begibt. Was sie diese Woche auch bereitwillig macht, wenn sie von Mary und Lata erfährt, mit wem sich das Team angelegt hat. Ohne Millie hätten Mary und Lata sich jedenfalls die Zähne ausgebissen, um ins Hospital beziehungsweise den entsprechenden Trakt zu kommen und die Vase zu finden, die Nato die Kräfte nehmen kann.
Was mir nicht ganz so klar ist, wäre die Suche nach der Vase in Jimmys Zimmer. Schließlich konnte keine der Damen wissen, dass er mehr als nur ein Veteran ist und John getäuscht hat. Jimmys Tod kam mir ohnehin zu schnell, da hat mich gestört, dass John keine Gelegenheit erhielt, um einzuschreiten - aber gut, das wurde später geklärt. Nicht aber, weshalb Jimmys Zimmer nach der Vase abgesucht wird und Lata bekräftigt, dass diese hier irgendwo zu finden sein muss. Vielleicht habe ich etwas verpasst oder es gab ursprünglich noch in einer rausgekürzten Szene ein weiteres Telefonat? Keine Ahnung, aber an sich hätten Millie, Mary und Lata wohl eher bei Dr. Zimpano nach der Vase gesucht.
Aber zurück zu Millie. Sie unterstützt das Team und darf das gerne in Zukunft ebenfalls machen. So ganz findet sie sich nicht mit Johns Werdegang als Jäger ab, was mit Blick auf Ehemann Henry durchaus verständlich ist. Sie hätte Mary und Lata auch wegschicken können, wollte sie nichts mit dem Übernatürlichem zu tun haben. Aber ihr Sohn liegt ihr so oder so nahe, weshalb sie einschreitet und die Mission zum Erfolg führt. Und schließlich gibt es noch die Szene gegen Ende, als sie John etwas Trost spendet, nachdem er sprichwörtlich die Hölle durchgemacht hat. Insofern gerne mehr von Millie, die sich als Johns Mutter alle Mühe gibt, um ihrem Sohn zur Seite zu stehen. „The Family Business“ eben.
Fazit
Es bleibt zwar nicht kritiklos, aber diese Folge weiß die Zuschauer abzuholen und hat sich in Sachen Wertung sicher einen kleinen Sprung nach oben verdient. Unser Team macht Entwicklungen durch, wobei besonders John aber auch Carlos im Mittelpunkt stehen und letzterer sicher einen Ausbau seiner Hintergrundgeschichte verdient hat. Die Akrida treten zwar nur indirekt auf, aber das wird sich bestimmt schon nächste Woche wieder ändern. Von meiner Seite gibt es vier von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 6. November 2022(The Winchesters 1x04)
Schauspieler in der Episode The Winchesters 1x04
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