The Wilds 1x10

© erienposter zu The Wilds (c) Amazon Prime Video
Worum geht's in The Wilds?
In The Wilds wird eine Gruppe von grundverschiedenen Teenagerinnen von ihren Eltern dazu gezwungen, an einem feministischen Retreat auf Hawaii teilzunehmen. Auf dem Weg dahin stürzen sie (vermeintlich) ab und können sich auf eine einsame Insel retten. Nun lautet die Devise: überleben! Überleben, bis Hilfe kommt. Dabei müssen die Jugendlichen lernen zusammenzuarbeiten. Was die Gruppe nicht weiß: Ihr Absturz wurde gefakt und war von vornherein von dem Unternehmen, das die Sache leitet, geplant. Diese zeichnen ihren Aufenthalt auf der Insel für wissenschaftliche Zwecke auf, um das Verhalten von Menschen außerhalb von Gesellschaftsdruck zu analysieren.
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Was passiert in der 1. Staffel von The Wilds?
Die Serie spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen: 1.) in der Vergangenheit der einzelnen Mädels, durch die jeweils ihr normales Leben vorgestellt wird, 1.) in der Zeit auf der Insel und 3.) in der Zeit nach dem Aufenthalt dort, in der sie genau dazu befragt werden.
Eine Gruppe von Mädels entscheidet sich aus unterschiedlichen Gründen - meist, weil ihre Eltern sie dazu zwingen - dazu, an einem Ausflug teilzunehmen, der auf einer Insel in der Nähe der USA stattfindet. Während des Flugs gibt es Turbulenzen und das Flugzeug stürzt ab, glücklicherweise in der Nähe einer Insel. Dort gilt es nun, die nächste Zeit zu überleben. Zumindest so lange, bis Rettung kommt...
Die Mädchen könnten nicht unterschiedlicher sein, was oft zu Diskrepanzen führt. Sie sind sich zudem größtenteils fremd und müssen einander deshalb erst mal kennenlernen. Die Gruppe besteht aus der allwissenden Nora (Helena Howard), der sportfanatischen Athletin Rachel (Reign Edwards), der „Tussi“ Fatin (Sophia Ali), der frommen Sunshine-Beauty Shelby (Mia Healey), der grummeligen Dot (Shannon Berry), der eigenbrötlerischen Leah (Sarah Pidgeon), der naiven Martha (Jenna Clause) und ihrer Freundin, der wütenden Lesbe Toni (Erana James).
(Beinahe) Jede Episode wird aus der Perspektive eines der Mädchen erzählt. Dabei begleiten wir sie sowohl in der Gegenwart auf der Insel als auch in ihrer Vergangenheit. So erfahren wir, welches Leben sie vorher hatten, wie sie ticken und aus welchem Grund sie sich überhaupt dort angemeldet haben. Im ersten Moment haben alle Jugendlichen einen bestimmenden Charakterzug oder Eigenschaft. So kann man die große Truppe bereits zu Beginn gut auseinanderhalten. Da das jedoch etwas eindimensional erscheint, wird den Figuren durch ebendiesen Blick in ihre jeweilige Vergangenheit die nötige Tiefe verpasst.
Schnell stellt sich heraus, dass der Absturz nicht zufällig passierte, sondern geplant war. Die Firma, die hinter der Planung und Durchführung steht, ist eigentlich ein Forscherteam, das untersuchen möchte, wie sich das Verhalten von Frauen in Stresssituationen und außerhalb von Gesellschaftsdruck verändert. Damit sie mitbekommen, was auf der Insel passiert, sind dort nicht nur Kameras mit Mikrofonen versteckt, sondern sie haben auch zwei Spioninnen eingeschleust. Diese befinden sich also unter den Gruppenmitgliedern und sollen regelmäßig Bericht erstatten und Aufgaben ausführen. Die Erste dieser beiden stirbt gleich am ersten Tag an Unterleibsverletzungen.
Dass es eine zweite Spionin gibt und wer diese ist, wird erst gegen Ende enthüllt: Hierbei handelt es sich um die allwissende Nora. Sie hat die Leiterin des Experiments, Gretchen Klein, durch Zufall getroffen: Diese ist wiederum die Mutter des Typen, der für den Tod ihrer ersten Liebe verantwortlich ist. Wie aus einem solchen Treffen eine Zusammenarbeit entstehen soll? Das frage ich mich auch noch, nachdem ich die Serie geschaut habe... Fest steht, dass Nora sich stark für die Wissenschaft interessiert und ihr nun das Angebot gemacht wird, Teil eines besonderen Experiments zu werden. Warum sie darin jedoch ihre Schwester mit hineinzieht, die sie (angeblich) so sehr liebt, ist mir unklar. Zudem verstehe ich nicht, wie man sich innerhalb eines kurzen Gesprächs mit einer Frau, die man nicht kennt und die sich dann noch als die Mutter des Typen, der den Tod der ersten Liebe verschuldet hat, herausstellt, von solch einer Mission überzeugen lassen kann.
Die Serie spielt neben den Flashbacks und den Fragmenten, die die Wissenschaftler zeigen, hauptsächlich auf der Insel. Bei ihren Versuchen zu überleben, schwankt die Stimmung zwischen ständigem Zickenkrieg und hingebungsvoller Zusammenarbeit. Wenn es Not tut, halten die Frauen auch wirklich zueinander und helfen sich. Doch wenn schlechte Stimmung herrscht, was bei ihrer Lage selbstverständlich ist, dann setzen sie all ihre Energie nur gegen und nicht für sich ein.
Abgesehen von der friedfertigen Martha und Nora kommt es zwischen den Mädels immer wieder zu verbalen oder körperlichen Gewaltausbrüchen. So gehen sich Toni und Shelby an den Hals, weil sie so unglaublich unterschiedlich sind. Zudem verkörpern die beiden jeweils das, was der andere hasst - Toni ist Lesbe, was gegen Shelbys Glauben verstößt, und Shelby ist ein strahlender Sonnenschein - im Gegensatz zu der stets meckernden Toni. Außerdem befürchtet Toni, ihre beste Freundin Martha an Shelby zu verlieren. Mit der Zeit entwickelt sich dann übrigens zwischen den beiden, Toni und Shelby, eine Liebesgeschichte. Fatin provoziert mit ihrem Reichtum, ihrer verwöhnten Art und ihrem offenen Umgang mit ihrer Sexualität, was der frommen Shelby und Leah sauer aufstößt. Letztere hat übrigens extremen Liebeskummer.
Während sich die meisten von ihnen mit der Zeit an ihre Lage gewöhnen, setzt ihr mehrwöchiger Aufenthalt auf der Insel anderen wiederum richtig zu: So wird zum Beispiel Leah mit der Zeit richtig verrückt - zumindest erscheint sie so: Sie äußert die Theorie, dass es kein Zufall ist, dass sie auf der Insel gelandet sind und immer wieder Hilfsgüter aus heiterem Himmel erhalten. Sie kommt auch dahinter, dass Nora für das Forschungsunternehmen arbeitet. Doch, ob ihr die anderen glauben werden, wenn sie ihnen davon erzählt, erfahren wir erst in der zweiten Staffel.
Leah ist die Einzige, die misstrauisch ist und deshalb für die meisten paranoid wirkt. Dass sie sich ihrer Lage noch nicht ganz bewusst ist, aber langsam misstrauisch wird, kann man als Zuschauer gut nachvollziehen. So zum Beispiel, wenn man die Befragung der Jugendlichen durch die zwei Beamten beobachten. Zuerst wundert man sich nur und hinterfragt dabei, warum die Mädels nicht nach Hause gehen dürfen, wo sie sich eigentlich befinden, wer diese Männer wirklich sind und warum sie diese Fragen stellen. Mit der Zeit wird offenbart, dass das Experiment noch immer am Laufen ist.
Dabei endet die Staffel auf einem Cliffhanger, der die Weichen für die zweite Staffel legt, welche bereits bestellt wurde. Hier entdeckt Leah, dass sie nicht die einzige Versuchsgruppe waren: Es gibt auch eine männliche Version von ihnen. Das hat, wenn man im Nachhinein drüber nachdenkt, Sinn. Denn bei Studien gibt es normalerweise auch eine Kontrollgruppe, wenn eine These belegt werden soll. In der zweiten Staffel werden wir dann wohl die männliche Versuchsgruppe kennenlernen. Außerdem werden wir wahrscheinlich sehen, wie die Teenagerinnen von der Insel „gerettet“ werden, in der „Untersuchungsanstalt“ landen und auch von hier fliehen, wenn ihnen bewusst wird, wo sie da eigentlich sind.
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Wie kommt die 1. Staffel von The Wilds rüber?
Zu Beginn begeht The Wilds den Fehler, unzählige Zickenkriege loszutreten, die sich immer wiederholen. Das ist schon ziemlich nervig und anstrengend. Dabei sorgen insbesondere zwei Figuren immer wieder für negative Energie und Ärger: Toni und Rachel. Durch ihr ständig aggressives Verhalten entwickeln sie sich zu äußerst unsympathischen Figuren, die zum Großteil nur noch aus ihrer Wut bestehen und damit für mich total uninteressant werden.
Dieses stellenweise nicht nur zickige, sondern auch aggressive und zerstörerische Verhalten finde ich nicht nur unangebracht und störend, sondern auch unlogisch. Auch der Umgang damit kommt nicht besser daher. Ein Beispiel: Rachel schwimmt zusammen mit ihrer Schwester und Leah zum Flugzeug-Wrack. Anstatt, dass sie sich mit dem Heruntertauchen zur Blackbox immer wieder abwechseln, zwingt sie Leah jedes Mal dazu, erneut unterzutauchen, während sich Nora auf der Luftmatratze ausruhen soll. Warum hat sie dann überhaupt ihre Schwester mitgenommen, wenn diese ihnen dann nicht helfen soll? Außerdem: Rachel zieht Leah irgendwann an ihrem Fuß erneut nach unten. Warum rastet Leah daraufhin nicht aus? Und warum berichtet sie nicht den anderen von Rachels Tat? Zudem lassen sie bei dieser Mission einen Koffer, der für sie überlebenswichtige Dinge beinhalten könnte, im Wrack.
Ein anderes Logikloch ist für mich die wundersame Heilung von Martha, die eigentlich ein Medikament hätte erhalten sollen, das dann aber verschwindet, und die dann auch ohne dieses plötzlich wieder kerngesund wird. Das ist nur eines von vielen Logiklöchern, die mir aufgefallen sind.
Obwohl manche Figuren ziemlich nervig sind, ist der Rest wirklich gut gelungen. Sie haben alle unterschiedliche Hintergründe, Eigenschaften, Geschichten, Religionen, Ethnien, Sexualitäten, Schwerpunkte und Leidenschaften im Leben. Dabei brennt jede von ihnen für eine andere Sache - egal, ob für den Sport, die Aneignung von Wissen, die Ausübung ihrer Religion oder für die Hingabe für ihren Look. Dabei sind ihre Leidenschaften, Interessen, Tätigkeiten und Eigenschaften nicht an ihre Herkunft, Ethnie oder Sexualität geknüpft. So werden hier keine Klischees bedient und sie werden nicht auf eine Eigenschaft reduziert. Auch durch die jeweiligen Hintergrundgeschichten wirken die Charaktere mehrdimensional. Mein einziger Kritikpunkt ist an dieser Stelle die Darstellung Tonis, die für mich leider viel zu sehr an das Klischee einer „wütenden Lesbe“ erinnert. Das haben wir alle schon viel zu oft gesehen und hätten es nicht gebraucht. Ansonsten sind die Jugendlichen echt taff, stark und können für sich selbst sorgen. Durch diese diverse Darstellung der Frauen macht die Serie wirklich Spaß.

Dennoch: Die Beweggründe, warum Gretchen Klein diese unmenschlichen Versuche durchführt, werden bis zum Ende der Staffel nicht deutlich. Sie will zwar herausstellen, dass Frauen das überlegene Geschlecht sind und in der Gesellschaft eher überleben würden als Männer, doch wie kommt sie auf diesen Gedanken und warum muss sie dafür zu solch drastischen Mitteln greifen? Die finale Szene deckt auf, dass es eine „männliche Version dieses Experiments“ gibt. Diese könnte also als Kontrollgruppe dienen, um ihre These zu unterstützen.
Abgesehen davon wird für mich nicht deutlich, warum die zwei Frauen, die auch mit auf die Insel geschickt wurden, an dem Experiment mitmachen wollten. Sie waren beides schlaue Frauen und an der Wissenschaft interessiert. Das stimmt. Jedoch kennt zum Beispiel Nora Gretchen Klein viel zu wenig, um so schnell von ihr überzeugt werden zu können - und dann ausgerechnet noch von der Mutter des Typen, der für den Tod ihres Freundes verantwortlich ist? Und warum sollte sie so was ihrer Schwester Rachel antun? Zudem wirkt die Vorbereitung auf diese Mission doch dürftig. Die beiden Frauen hätten taktisch, physisch und mental auf diese Herausforderung vorbereitet werden müssen. Doch dazu kommt es nicht.
Außerdem finde ich den Verlauf der ersten Staffel wenig zufriedenstellend: Auf keiner Seite sind Entwicklungen zu vermerken. Gretchen Klein erhält keine bemerkenswerten Befunde, die Teenager kommen weder einer Rettung noch einer Aufdeckung ihrer eigentlichen Lage signifikant näher und die Ermittler machen auch keine wichtigen Entdeckungen. So läuft die Staffel am Ende darauf hinaus, dass Leah dem Experiment auf die Schliche kommt. Ansonsten gibt es keinen Abschluss, keine Entwicklung. Ich habe gedacht, die Handlung der Staffel würde irgendwo hinführen: die Befreiung von der Insel beziehungsweise raus aus den Fängen des Experiments und hin zur Aufdeckung, dass sie sich in einem Experiment befinden. Stattdessen spielt die Serie ein langes Spiel und zieht die Handlung in die Länge.
Woher kennt man die Schauspieler von The Wilds?
Die leitende Forscherin des Experiments Gretchen Klein wird von Rachel Griffiths gemimt, die man aus Six Feet Under und Brothers & Sisters kennt. Sophia Ali, die Fatin darstellt, ist als Assistenzärztin bei Grey's Anatomy bekannt. Dr. Daniel Farber (David Sullivan) hat vorher in der HBO-Serie Sharp Objects mitgespielt. Der Ermittler Dean Young (Troy Winbush) war vorher in The Goldbergs zu sehen. Die restlichen Jungschauspielerinnen stehen noch in den Startlöchern ihrer Karriere und haben bisher entweder in noch keiner oder nur wenigen Produktionen mitgewirkt.
Fazit
Trotz der unsympathischen Inszenierung mancher Figuren fallen diese durch ihre Diversität und Mehrdimensionalität sehr positiv auf. Die Dynamik der Figuren ist einfach äußerst unterhaltsam. Allerdings macht die Handlung keine wirklichen Entwicklungssprünge und weist zudem Logiklöcher auf. Auch das Handeln der Figuren selbst erscheint manchmal sinnfrei.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Amazon Prime Video-Serie „The Wilds“:
Verfasser: Maike Karr am Sonntag, 10. Januar 2021(The Wilds 1x10)
Schauspieler in der Episode The Wilds 1x10
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