
© ??The White Princess“ / (c) Starz
Vier Jahre nach dem Ende der Miniserie The White Queen strahlt Starz das Sequel zu der Geschichte der Tudors im England des 15. Jahrhunderts aus - The White Princess. Diese erzählt gekonnt die Nachfolgergeschichte, in der der Fokus auf der Tochter der damaligen Königin liegt. In der Pilotfolge Pilot wird nicht lange gefackelt. Stattdessen wird sofort die Verfeindung der beiden königlichen Familien dargestellt und der Handlungstrang erstaunlich weit vorangeschritten. Somit erhalten wir in der ersten Folge eine bereits sehr ausgebreitete Handlung, die auf keiner Ebene spart und deshalb auch einen guten Start in das Historiendrama bietet.
Der Rosenkrieg
Die Serie startet mit einem Intro, das sehr an die Vorgänger-Serie „The White Queen“ erinnert. So ein Einstieg ist immer sehr schön und kann sehr gut die Stimmung der Serie vermitteln, so auch hier. In diesem Intro stehen insbesondere zwei Farben im Vordergrund - rot und weiß. Diese repräsentieren die zwei verfeindeten Häuser - Tudor/ Lancaster (rot) und York (weiß). Dabei wechselt der jeweilige Anteil der Farben stets und stellt dadurch das wechselnde Mächteverhältnis der beiden Häuser dar. Zudem wird die Musik, die hier gespielt wird auch später während der Folge verwendet und verleiht den Szenen mehr Gefühl und Stimmung. Somit bietet das Intro eine stimmige Unterstreichung für die Folge.
Einführung
Das Geschehen der Serie wird, wie so oft bei Historiendramen, mit einer Jahreszahl und einer Erklärung des kürzlich Geschehenen eingeführt. „Es ist zwei Tage her, dass König Richard III bei der Schlacht von Bosworth getötet wurde. Prinzessin Elizabeth war in ihn verliebt, jedoch wurde sie dem neuen Tudor König Henry VII zur Heirat versprochen.“ Diese steht noch unter Schock und Trauer, dass ihr Geliebter gestorben ist. Sie scheint die Szenen der Schlacht praktisch vor sich zu sehen. Lange kann sie in dieser Trauer jedoch nicht verweilen, da die Tudors kommen, um sie an ihren Hof zu transportieren und sie mit König Henry zu verheiraten. Ihre Mutter Elizabeth (ehemalige Königin aus der Serie „The White Queen“; nun besetzt mit Essie Davis) sorgt derweil dafür, dass ihr einziger Sohn Richard für tot gehalten wird. Denn dieser stellt einen der letzten Erben der York-Dynastie dar und würde schnell getötet werden, da er ein Anrecht auf den Königsthron hat. Dieser soll sich nun vor den herbeieilenden Tudors verstecken.
Westminster Palace - London
King Henry (Jacob Collins-Levy) betritt seine zukünftige Residenz zum ersten Mal und macht seine Abneigung gegen die Yorks schnell kunde: Alle ehemaligen weißen York-Dekorationen sollen ausgetauscht werden. Zudem wird uns seine Mutter (Michelle Fairley) vorgestellt, die einen immensen Beitrag zu seiner Thronbesteigung geliefert hat und für ihren Sohn stets einen Rat hat. Jedoch ist dieser eher für die Machtposition der Familie, als für ihren Sohn zu werten. Sie weiß ganz genau, an welchen Strippen sie ziehen muss, damit ihr Sohn genau das tut, was sie möchte. Diese scheint zudem eine besondere Beziehung mit jemandem vom neuen Tudor-Königsgefolge zu haben - Jasper (Vincent Regan). Wie genau ihre Beziehung aussieht, ist noch unklar. Das wird sich wohl noch in den nächsten Folgen zeigen.
Als die weiblichen Mitglieder der York-Familie an den Königshof gebracht werden, treffen sie dort auf ihre Verwandten. Diese waren auch enge Verwandte des verstorbenen Königs Richard III. Da sie in dem Krieg zwischen den Yorks und den Tudors für Richard gekämpft haben, werden sie nun des Verrats angeklagt. Elizabeth, ihre Mutter und ihre Schwestern werden dann in einen Raum gebracht, der so gar nicht den Königsgemächern entspricht. Diese werden von der Königin-Mutter bewohnt und es scheint nicht so, als ob die Yorks schnell wieder umziehen würden. Hier stellt die ehemalige Königin Elizabeth klar, dass sie ungebetene Gäste für den Hof darstellen und dass jeder, der ihnen unter die Augen kommt, einen potenziellen Feind oder einen Spion der Tudors darstellt - so auch die drei Damen, die ihnen für ihr Zimmer gestellt werden.
I do not
Die York-Anhäger werden nun vor Gericht gestellt. Hierbei wird schnell klar, dass sich die beiden verfeindeten Familien alles andere als nett gesinnt sind, jedoch wahren sie noch die Grenzen der Höflichkeit - soweit dies noch möglich ist. Hierbei sticht jedoch eine Person gravierend hervor und bricht diesen Mantel des Schweigens und der vorgetäuschten Höflichkeit - die Mutter des verstorbenen Königs Richard III. Diese wird nun zusammen mit ein paar Anderen weggesperrt.
Ein weiterer York-Erbe und somit eine potenzielle Gefährdung für den Thron ist Teddy. Dieser stellt so bereits für die Tudors ein Dorn im Auge dar. Als Teddy dann auch noch aus kindlicher Spielerei heraus sagt, dass er als nächstes König sein wird, bricht der ganze Saal in Empörung aus und Teddy befindet sich in ungeahnter Gefahr. Seine Schwester rettet ihm jedoch das Leben, indem sie König Henry die Allianz schwört und Teddy dazu bringt „Long live the king“ zu sagen.
Zwei Königinnen
Die Mutter von Elizabeth versucht ihr möglichstes, um ihre Familie zu schützen. So versendet sie auch mit Hilfe eines Stallknaben einen Brief, der ihr Gewissheit über den Zustand ihres zurückgelassenen Sohnes Richard geben soll. Obwohl sie durchaus die Macht der Politik versteht und beherrscht, kann sie doch ihren Unmut gegenüber dem Thronwechsel nicht verbergen und will es auch nicht. Als sie nun auf ihre ebenbürtige Gegnerin Margaret trifft, will sie sich nicht verbeugen und zeigt somit ihren mangelnden Respekt vor der neuen Königin-Mutter.

Beide sind Königinnen, die ein Kind haben, das bald auf den Thron steigen wird, jedoch stehen diese beiden an komplett unterschiedlichen Positionen. Die Machtverhältnisse der beiden sind sehr unterschiedlich. Während des Gespräches wird immer wieder angesprochen, dass Henrys Thronbesteigung gottgewollt sei und dass der Verbund zwischen Henry und Elizabeth auch sei. Diese beiden Königinnen stellen starke Konkurrenten füreinander dar und das wissen sie auch, jedoch ist die eine momentan in ihrer Position geschwächt und hat viel zu gewinnen und die andere hat momentan viel Macht inne, kann diese aber auch schnell wieder verlieren.
King Henry und Princess Elizabeth
Als König Henry auf seine versprochene Frau - Elizabeth - trifft, ist diese sichtlich ungewillt und scheut nicht davor zurück ihren Unmut gegenüber der Situation zu zeigen. Dieser bemerkt sofort ihre Verachtung und lässt sich das nicht gefallen. Er verlangt, dass sie für ihn tanzt und wechselt schnell seine Meinung und will, dass ihre Schwester Cecily (Suki Waterhouse) für ihn tanzt. Diese ist ihm sichtlich zugeneigt und weiß seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Durch die Überredungskunst der Mutter dürfen beide für ihn tanzen. Dabei wird nur zu deutlich klar, was die drei voneinander halten. Aus diesem Grund verkündet Henry kurz darauf dem Parlament, dass er Lissy nicht heiraten wolle. Da die Heirat der beiden jedoch bereits vorher abgemacht war und diese Heirat den Bund der beiden verfeindeten Familien bildet, muss er sie jedoch trotzdem zu seiner Frau nehmen. Diese Heirat ist essenziell für den zukünftigen Frieden des Landes. Auch hier kommt nochmal seine Mutter ins Spiel und rät ihm sie zu heiraten. „God asks for this and in return he gives you England.“

Nun ist es also beschlossen. Die beiden werden heiraten. Aus diesem Grund kommt es zu einem Treffen die beiden, in dem die Spannungen der beiden Familien sichtlich in der Mimik und Gestik der beiden zu erkennen sind. Da Elizabeth andeutet keine Jungfrau mehr zu sein, will er das überprüfen, da er nur so sicher sein kann, dass das Kind, das sie ihm gebähren wird, seines sein wird. Aus diesem Grund vergewaltigt er sie. Diese lässt sich dadurch nicht von ihm brechen, sondern entscheidet sich dazu, dass er sie niemals besiegen wird. „He will never beat me.“ Ganz im Gegensatz zu Lissys Haltung gegenüber dem neuen König, wirft sich ihre Schwester Cecile an seinen Hals und fällt somit auch Elizabeth in den Rücken. Dieser wehrt jedoch ihre Annäherungsversuche ab.
Peace that ends the cousins war
Margaret braucht unbedingt Elizabeths Zustimmung für die Heirat. Deshalb trifft sie sich mit ihr alleine, um ihr gut ins Gewissen reden zu können. Während des Gespräches schafft sie es Mitgefühl für sie zu erzeugen, indem sie sich selber mit Elizabeth vergleicht. Früher sei sie in der selben Position wie sie gewesen. Zudem könnte sie man in dieser Szene für eine gar sympathische und empathische Person halten, jedoch ist es sehr wahrscheinlich, dass vieles von dem, was sie gesagt hat, gar nicht wirklich so gemeint war. Ein Teil davon war wahrscheinlich sogar die Wahrheit, jedoch hat sie den Rest erfunden, um Elizabeths Zustimmung und Mitgefühl zu bekommen.
Elizabeths Fruchtbarkeit
Elizabth muss schnell zu ihrer eigenen Enttäuschung feststellen, dass sie ihre Periode nicht bekommen hat und sie somit den zukünftigen Erben der Tudor-Dynastie in sich trägt. Sie sieht diesen als Feind an und will ihn deshalb so schnell wie möglich aus ihrem Bauch entfernen. Ihre Mutter kann dies jedoch verhindern, indem sie mit ihrer Tochter eigenen Pläne schmiedet: Die beiden werden das Kind zusammen nach ihren Vorstellungen großziehen und werden das Kind als ersten Schritt zur Partnerschaft mit den Tudors nutzen. Als die Tudors davon erfahren, wird beschlossen, dass die beiden zügig heiraten müssen, bevor herauskommt, dass das Kind ein Bastard ist. Margarets Traum ist in Erfüllung gegangen. Ihr Sohn ist König und seine Nachfolge ist auch beinahe gesichert. „God smiles on us.“
Richard und seine Mutter Elizabeth
Während sich die Yorks im Westminster Palace befinden, sorgte sich Elizabeth um ihren Sohn Richard. Aus diesem Grund versendete sie mit Hilfe eines Stallknaben einen Brief, der ihr Gewissheit über den Zustand ihres Sohnes geben soll. Anstatt jedoch zu hören, dass ihr Sohn in Sicherheit ist, muss sie erfahren, dass ihr Haus zerstört wurde und ihr Sohn nirgendwo gefunden werden konnte. Zudem verrät ihr der Stallknabe, dass Königin-Mutter Margaret den Soldaten den Befehl gab, jeden Jungen zu töten, der ihnen dort über den Weg laufen sollte. Das lässt Elizabeth noch wenig Hoffnung, dass ihr Sohn noch am Leben ist und sie entscheidet sich dazu, an Margaret Rache zu nehmen. An dieser Stelle wird bestätigt, was man vorher bereits annehmen konnte: Elizabeth ist eine Hexe. Diese sorgt dafür, dass Margaret den toten blutenden Richard vor sich sieht und droht ihr mit dem Tod. Elizabeth wird also in Zukunft mehr als nur ein paar Geister beschwören.
Hidden in patience
Wie versprochen heiraten Henry und Elizabeth, trotz ihrer Abneigung füreinander. Außerdem entscheidet sich Elizabeth dazu, als Spionin bei den Tudors zu fungieren. Sie wird das Spiel mitspielen und so tun, als ob sie ihre Partnerschaft akzeptieren würde. Insgeheim plant sie jedoch ihren Bruder auf den Thron zu setzen und König Henry umzubringen. Somit entwickelte sich Elizabeth innerhalb einer Folge zu einer zielstrebigen Frau, die ihren Willen für das Wohl ihrer Familie hinten anstellt und ein Ziel verfolgt. Inwieweit ihr der Wandel von einer bockigen Prinzessin zu einer ergebenen Gattin abzunehmen ist, bleibt wohl noch abzuwarten.
Fazit
In der Pilotfolge werden die Zuschauer schnell in das Geschehen eingeführt und man bekommt sofort das komplette Ausmaß der Serie zu spüren - sie ist gewaltig. Während der ersten Folge wird es nie langweilig, da die beiden Konkurrenten so stark aufgestellt sind. In beinahe jeder Minute ist die Spannung der verfeindeten Familien zu spüren. Einen großen Beitrag hierzu leisten wohl die gut besetzten Darsteller, mitunter Michelle Fairley die eine grandiose Königin-Mutter mimt. Zudem wird die Spannung zwischen den Familien sehr gut von den beiden Königin-Müttern verkörpert und in Szene gesetzt. König Henry und Prinzessin Elizabeth tragen auch ihren Teil dazu bei, jedoch erscheinen sie an manchen Stellen nur wie Strippen, die von ihren Müttern gezogen werden. Diese angesprochene Spannung wird musikalisch wunderbar durch die Intro-Musik untermalt und kann diese somit durch die Folge hinweg transportieren. Für jeden, der an gut gemachten Historiendramen interessiert ist, ist diese Serie nur zu empfehlen: gute Darsteller, tolle Musik, Intrigen, Macht, Spannung, Magie und vieles mehr.