The White House Plumbers 1x01

© HBO
Die mächtigsten Menschen stürzen häufig über ihre dümmsten Fehler. Das Paradebeispiel ist Watergate, der Skandal, der Richard Nixon 1974 die Präsidentschaft kostete. Mit einer riskanten Geheimaktion hatte sein Wahlkomitee damals versucht, die politische Konkurrenz auszuspionieren. Ein zwielichtiger Agent von der CIA und sein Freund vom FBI organisierten den Einbruch in ein Hotel in Washington, D.C., um Abhörwanzen zu verstecken. Aufgrund ihrer Stümperhaftigkeit flog das Ganze bald auf, bis auch Nixon dafür in die Verantwortung gezogen wurde. Die Pointe: In den Umfragen hatte der Republikaner weit vor dem Gegenkandidaten gestanden, weshalb so drastische Mittel gar nicht nötig gewesen wären, um die Wahl zu gewinnen.
2022, als sich der Einbruch zum 50. Mal jährte, sah bereits der US-Kabelsender Starz eine gute Gelegenheit, den ziemlich wahnwitzigen Politthriller als Miniserie zu verfilmen, nämlich Gaslit. Es spielten Stars wie Julia Roberts, Betty Gilpin oder Sean Penn mit. Premiumkanal HBO ließ sich trotzdem nicht abschrecken, selbst auch einen Fünfteiler über Watergate zu drehen, der den deutlich schöneren Titel The White House Plumbers (zu Deutsch in etwa: „Die Klempner im Weißen Haus“) trägt.
Hinter dem brandneuen Format stehen die beiden Chef-Autoren Alex Gregory und Peter Huyck, die als Veep-Veteranen eher einen humoristischen Fokus vorgeben. Auch David Mandel, der Regisseur der Auftaktfolge The Beverly Hills Burglary (1x1), war früher bei der vielfach preisgekrönten Politkomödie involviert. Die Titelrollen der präsidentiellen Handlager teilen sich die Emmypreisträger Woody Harrelson (True Detective) und Justin Theroux (The Leftovers, The Mosquito Coast).
Ebenfalls dabei: Lena Headey (Game of Thrones) , Domhnall Gleeson (The Patient), Ike Barinholtz (The Mindy Project), Kathleen Turner (The Kominsky Method), Judy Greer (Kidding), Kiernan Shipka (Chilling Adventures of Sabrina), David Krumholtz (Numb3rs), F. Murray Abraham (The White Lotus), John Carroll Lynch (American Horror Story), Kim Coates (Sons of Anarchy), Yul Vazquez (Midnight, Texas), Zoe Levin (Red Band Society) und Rich Sommer (Mad Men).
Worum geht's?
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen ein gewisser E. Howard Hunt (Harrelson) und G. Gordon Liddy (Theroux). Hunt war schon Teil des CIA-Teams, das die Invasion der Schweinebucht auf Kuba verbockt hatte. Seine Karriere befindet sich seitdem in der Sackgasse. Auch seine Ehe kriselt, denn seine Gattin Dorothy (Headey) ist frustriert vom eintönigen Familiendasein, nachdem sie einst selbst tolle Abenteuer erleben durfte. So fällt es ihr schwer, ihrem anerkennungssüchtigen Mann das zu geben, was er braucht. Und auch die Kinder erkennen in ihm nicht ganz den Helden, der er sein will...
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In Gordons Haushalt scheint auf den ersten Blick alles zu stimmen (zumindest nach den damals vorherrschenden Ansichten): seine Frau Fran (Greer) ist devot und liebevoll, seine Kinder sind brav und zahlreich. Als die Hunts die Liddys eines Abends zum Dinner besuchen, schauen sie schnell jedoch hinter die Fassade. Der FBI-Polizist - dessen größter Stolz übrigens in der Fähigkeit liegt, Schmerzen auszuhalten, was er nur allzu gerne vorführt - hat eine bedenkliche Faszination für Adolf Hitler. Statt gemütlichem Jazz läuft also eine wütende Rede des Diktators im Wohnzimmer. Auch scheint sich Gordons cholerische Ader hin und wieder so zu äußern, dass er Jugendlichen mit seiner Pistole hinterherjagt.
Das gesamte Doppeldate erinnert auf wunderbare Weise an eine verdrehte Version einer sehr ähnlichen Szene aus der ersten Staffel von True Detective. Der einzige Unterschied: Die beiden Cops sind keine melancholischen Grübler, sondern inkompetente Machos, die nur deshalb immer wieder neue Jobs kriegen, weil sie den Ruf haben, sich die Finger schmutzig zu machen. Um jeden Preis würden die stockkonservativen Ordnungshüter die Kommunisten und die Hippies bekämpfen wollen.
In der ersten Episode kriegen wir zu sehen, wie Howard und Gordon zum ersten Mal zusammenarbeiten. Howard etabliert sich schnell als Alphatier und macht sich über Gordon lustig, weil er peinliches FBI-Vokabular benutzt statt die cooleren CIA-Codes. Dass er seinen neuen Kollegen, mit dem was er tut, tatsächlich beeindrucken kann, ist für Außenstehende ziemlich amüsant. Doch, als Howard dann ein paar alte Bekannte aus seinen wenig ruhmreichen Kubatagen an Bord holt, merkt auch Gordon schnell, dass sein Partner nicht so zuverlässig ist, wie er gerne vorgibt.
Für das Weiße Haus leiten sie die sogenannte Klempnerabteilung. Mit Sanitäranlagen haben sie aber nichts direkt zu tun, vielmehr stopfen sie Lecks zwischen Politik und Presse. Aktuell beschäftigt sie der Fall Daniel Ellsberg, der Whistleblower, welcher die Pentagon-Papers veröffentlichte. Und obwohl Howard und Gordon immer wieder Mist bauen, failen sie als weiße Männer im rassistisch-sexistischen Amerika notgedrungen upwards, bis ihnen schließlich der Auftrag von Nixons Wahlkomitee zufliegt. Das wahre Watergate kommt also erst noch auf sie und auf uns zu...
Wie ist es?
Alles in allem scheint es zunächst auf jeden Fall erfreulich, dass The White House Plumbers von HBO einen ganz anderen Ton anschlägt als das eingangs erwähnte „Gaslit“. So umgeht man den möglichen Vorwurf, überflüssig und spät dran zu sein. Für eine Comedy, womit wir es hier eigentlich zu tun haben, fällt aber die einstündige Episodenlaufzeit etwas ungemütlich aus. Dafür sind es insgesamt nur fünf Folgen, was es wieder etwas ausgleicht. Zu lang können die Serienschöpfer Alex Gregory und Peter Huyck den Witz, wie dumm Nixons Schergen doch waren, sowieso nicht ausreizen. Denn, dass dieser nicht schon nach wenigen Wiederholungen ermüdet, liegt wahrscheinlich nur daran, dass Woody Harrelson und Justin Theroux so viel Spaß an ihren Rollen haben, was sich auf uns Zuschauer:innen überträgt.
Mit dem Thema Wahrheit geht man interessanterweise recht locker um. Texteinblendungen scherzen, dass die Namen aller beteiligten realen Personen nicht verändert werden müssten, da sie ja eh alle schuldig gesprochen seien. Auch wenn nicht jedes einzelne Detail der Watergate-Affäre genau so abgelaufen sein mag, bleibt vor allem ein Fakt schlussendlich bestehen: Der Präsident hat damals seine Ehre verloren und damit auch sein Amt. Diese einfache Regel würde heute wohl nicht mehr einfach gelten. Ob sich dieser Disconnect zum Publikum der Gegenwart irgendwie auswirkt, bleibt abzuwarten. Der Auftakt der Miniserie war insgesamt solide: vier von fünf Perücken gibt es dafür von uns.
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Via Sky und den Streamingdiensten WOW, Sky Q und Sky Go erscheint die Serie parallel zur US-Premiere auch in Deutschland. Episode eins kann man hierzulande also schon jetzt abrufen. Die kommenden vier Folgen erscheinen derweil wie gewohnt im Wochentakt (wahlweise mit deutschen oder englischen Untertiteln). Sky Atlantic wird dann am Dienstag, den 23. Mai zur TV-Heimat für die Synchronfassung. Der Startschuss zur Ausstrahlung erfolgt am genannten Tag um 21.20 Uhr.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „The White House Plumbers“, die ab jetzt streambar ist:
Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 2. Mai 2023The White House Plumbers 1x01 Trailer
(The White House Plumbers 1x01)
Schauspieler in der Episode The White House Plumbers 1x01
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