The Wheel of Time: Review der Pilotepisode

The Wheel of Time: Review der Pilotepisode

Mit The Wheel of Time hat sich Amazon einer äußerst ambitionierten Fantasy-Adaption angenommen, die an den Erfolg großer TV- und Kinoformate des Genres anknüpfen soll. Kann es diesen hohen Erwartungen gerecht werden?

Szenenfoto aus der Serie The Wheel of Time (c) Amazon Prime Video
Szenenfoto aus der Serie The Wheel of Time (c) Amazon Prime Video
© zenenfoto aus der Serie The Wheel of Time (c) Amazon Prime Video

In der Auftaktepisode Leavetaking der Amazon-Serie The Wheel of Time begleiten wir eine Frau Namens Moiraine (Rosamund Pike) und ihren Beschützer Lan (Daniel Henney) in ein kleines Dorf in der Region Two Rivers, in dem sie nach dem wiedergeborenen „Dragon“ suchen, eine junge Frau oder ein junger Mann, die laut Prophezeiung dazu in der Lage sind, sich einer dunklen Macht entgegenzustellen, die sich erhoben hat...

Was geschieht im Auftakt von The Wheel of Time?

Als Repräsentantin des Ordens der Aes Sedai verweilt Moiraine eine kurze Zeit im Dorf, um ihre Zielperson ausfindig zu machen und diese über ihr Schicksal aufklären zu können. Unter den Bewohnern befinden sich fünf Kandidaten und Kandidatinnen: Mat Cauthon (Barney Harris), der sich und seine Familie mit kleinen Gaunereien über Wasser hält und sich liebevoll um seine beiden vernachlässigten kleinen Schwestern kümmert, Egwene Al'Vere (Madeleine Madden), in der magische Kräfte schlummern, ihr Geliebter Rand al'Thor (Josha Stradowski), der sie bei ihren Entscheidungen unterstützt, Nynaeve al'Meara (Zoe Robins), die einen Groll gegen die Aes Sedai hegt, sowie Perrin Aybara (Marcus Rutherford), der mit der Schmiedin des Ortes von einem Familienleben träumt.

Doch am Abend eines Dorffestes ist die Idylle für die Bewohner endgültig vorbei, den eine Kompanie von mit riesigen Äxten bewaffneter Monster richtet unter den Bewohnern ein Massaker an und metzelt jeden in ihrer Reichweite nieder. Nur eine Handvoll Menschen ist in der Lage, sich notdürftig gegen die Angreifer zu wehren, doch gegen die Übermacht bleibt ihnen keine Chance. So sind es in erster Linie Moiraine und Lan, die mit ihrer Magie und seinem Schwert die Kreaturen, die sie Trollocs nennen, dezimieren. Schließlich gelingt es ihnen unter großer Anstrengung auch, die Monster zu vernichten und die wenigen Überlebenden rudimentär zu versorgen.

Dabei offenbart sie den fünf möglichen Auserwählten auch den Grund ihrer Anwesenheit und bittet sie, sich mit ihr gemeinsam auf die Reise zum entfernten „White Tower“ der Aes Sedai zu begeben, in dem sie Schutz finden sollen. Denn Fackeln in der Ferne verheißen nichts Gutes, schließlich ist die Armee des „Dark One“ ihnen offenbar bereits auf den Fersen und wird nicht eher rasten, bis sie ihre Beute gestellt hat. Allein, um die wenigen geliebten Menschen zu beschützen, die nach der Attacke noch übriggeblieben sind, schließen sich die fünf potentiellen Auserwählten Moiraine an und begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse.

Welchen Eindruck hinterlässt die Premiere von The Wheel of Time?

Nur kurz vorweg: Diese Kritik ist nicht aus der Sicht eines Buchkenners verfasst, daher beziehe ich mich auch explizit nur auf die Geschehnisse und Eindrücke der Serie. Das heißt dafür im Gegenzug natürlich auch, dass Ihr hier definitiv vor Spoilern der weiteren Handlung geschützt seid.

Kommen wir aber zunächst einmal zu einem der auffälligsten Merkmale des Starts von „The Wheel of Time“, das gleichzeitig auch eines der stärksten ist: Die überaus wertige Produktion. Die Establishing-Shots, Hintergründe und landschaftlichen Kulissen sind malerisch bis atemberaubend und tragen nicht nur zur Atmosphäre bei, sie erwecken auch Erinnerungen an große Fantasyabenteuer wie etwa „Herr der Ringe“, womit sich die Serie in Sachen optischer Qualität sicher gerne vergleichen lässt.

Die Sets selbst sind durch das Setting der ersten Episode noch in kleinerem Rahmen gehalten, machen jedoch auch so schon einen ordentlichen Eindruck. Was die Effekte anbetrifft, so ist das Bild nicht ganz so eindeutig, denn manche CG-Effekte der diversen Zaubereien können sich wirklich sehen lassen, manche stechen aber auch ein wenig künstlich heraus. Immer, wenn diese mit praktischen Effekten gemischt werden, wie etwa bei Moiraines Feuerbällen, hinterlässt das Ganze einen besseren Eindruck. Die Actionszenen sind dementsprechend clever gefilmt, da die Kamera in den Kämpfen mit den Trollocs nicht zu lange auf ihnen verweilt und ganz generell sind die dynamischen Szenen und Choreografien wirklich sehr ordentlich, wenn auch manchmal etwas wacklig gedreht.

Big Wheels Keep on Turning

Auch beim Pacing kann man dem Auftakt ein Kompliment machen, so sind erste Episoden als Beginn von epischen Reisen in Fantasyabenteuern oft mit Exposition überladen. In diesem Fall bringt uns Moiraine die wichtigsten Punkte aus dem Off bei und von den Intros der ersten Figuren bis zum Überfall auf das Dorf vergeht auch nicht allzu viel Zeit, so dass weder Stagnation herrscht noch die Narrative die Zuschauer mit dem durch die Vorlage ganz sicher mehr als nur ein wenig ausgebauten Gegebenheiten der Welt überladen. So ist der Einstieg vor allem auch für Neulinge überaus zugänglich gestaltet.

Doch sprechen wir in Fantasymetaphern, so muss, wo Licht ist, auch Schatten sein. In dem Sinn bietet The Wheel of Time jede Menge High-Fantasy-Zutaten, aber diese sind dafür allerdings auch voll mit Klischees des Genres. Wir haben zum Beispiel einen Dieb mit einem Herz aus Gold, einen dunklen Lord mit einer mächtigen Horde an Monstern, eine Heldentruppe die sich auf eine Reise begibt, mysteriöse mit Kapuzen bedeckte Reiter in der Nacht, das obligatorische Innehalten der gesamten Anwesenden in der Taverne, wenn eine Figur diese betritt, und diverse andere Aspekte, die einem sehr bekannt vorkommen...

Ausschnitt aus der Episode Leavetaking der US-Serie The Wheel of Time
Ausschnitt aus der Episode Leavetaking der US-Serie The Wheel of Time - © Amazon Prime Video

Das mag noch etwas sein, worüber man als jemand mit Faible für Fantasy durchaus noch hinwegsehen beziehungsweise es als nötigen Teil erachten kann - ein wenig anders sieht es aber bisher mit der dargestellten Tiefe der Figuren aus: Kaum jemandem aus der Gruppe lässt sich nach der Premiere mehr als ein Charakterattribut zuordnen und viele von ihnen bleiben bisher einfach blass, wie etwa Egwene, Perrin und Rand. Nynaeve und Mat zeigen da zumindest schon mehr Ansätze. Lan hat immerhin eine gewisse Präsenz auf dem Bildschirm und Moiraine mag zwar als distanziert und kühl skizziert werden, aber auch bei ihr scheint in mehreren Szenen schon etwas mehr durch. Rosamund Pike bringt auf jeden Fall genügend Charisma mit sich, um die Rolle zu füllen.

Fazit

The Wheel of Time lädt mit einer sehr wertigen und bildgewaltigen Produktion inklusive fantastischer Landschaften auf ein episches Abenteuer ein, verlässt sich dabei aber sehr auf etwas viele altgediente Klischees. Einige Charaktere bleiben im Auftakt dazu noch ziemlich blass und, was das Casting anbetrifft, so versprühen längst nicht alle von ihnen genug Charisma, um Interesse an ihren Figuren zu wecken. Doch zumindest für den Ausbau des Protagonisten-Ensembles bleibt natürlich noch ordentlich Zeit und die erste Episode verläuft in einem angenehmen Tempo und einer gelungenen Portion Action, wodurch sie nicht langweilig wird und stets unterhaltsam bleibt. Auch führt man seine Zuschauer behutsam genug in eine sehr umfangreiche und detaillierte Welt hinein und wirft genug Fragen nach dem Wer, Wie und Warum auf, um Interesse daran zu wecken, weiterzuschauen.

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The Wheel of Time: Der Serientrailer:

Hier noch der Trailer zur neu auf Amazon Prime Video gestarteten Serie „The Wheel of Time“:

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