The Watch: Review der Pilotepisode

The Watch: Review der Pilotepisode

Große Aufregung gab es im Vorfeld um die wenig werkgetreue Adaption von Terry Pratchetts Scheibenwelt-Interpretation The Watch. Doch wie schlimm ist es wirklich und wie schlägt sich der Auftakt als für sich stehende Fantasykomödie?

The Watch (c) BBC America
The Watch (c) BBC America
© he Watch (c) BBC America

Romane von Terry Pratchett oder auch Douglas Adams zu verfilmen, ging bisher selbst bei den vorlagentreusten Projekten ziemlich in die Hose. Der Charme ihrer Genreparodien besteht schließlich zum Großteil nicht aus dem, was in ihnen geschieht, sondern wie verschmitzt und trocken die aberwitzigen Begebenheiten literarisch umschrieben werden. Die Form macht in diesen Fällen, anders als bei plotgetriebeneren Werken, deutlich mehr als die Hälfte der Substanz aus, die sie besonders macht. Wie treu die BBC America-Produktion The Watch den Pratchett-Vorlagen aus der Scheibenwelt bleibt, von der es ohnehin nur behauptet, inspiriert worden zu sein, ist deshalb vielleicht nicht die interessanteste Frage, aber die, die im Vorfeld für die meiste Aufregung um diese Neuinterpretation gesorgt hatte.

Der größte „Affront“, den sich die Adaption von Simon Allen (The Musketeers) leistet, besteht aber nicht in „Colour“- und Gender-blinden Castingentscheidungen oder der Vermischung von High-Fantasy-Elementen mit in dieser Form nicht in der Vorlage vorkommenden Sci-Fi- und Steampunk-Einschlägen, sondern vielmehr in der Präsentation. Abenteuerliche Schnitte, freche Dialoge, vorgetragen von jungen Leuten in modischen Kostümen, unterlegt mit punkiger bis poppiger Musik, verbreitet eher Marvel-Film- oder The CW-Serienstimmung als das, wohinter Pratchett-Puristen üblicherweise her sind. Doch wie gut funktioniert der Auftakt als für sich stehende Fantasykomödie und worum geht es überhaupt?

BBC America
BBC America - © BBC America

Der raubeinige, versoffene Sam Vimes (Richard Dormer) ist Captain der Ankh-Morpork-Stadtwache und offenbar verstorben, wie ihm Gevatter Tod (Wendell Pierce) zu Beginn der ersten Episode mit dem Titel A Near Vimes Experience höchstpersönlich verklickert. Er wird allerdings nicht sofort mit ins Jenseits genommen, sondern muss vorher sein Leben Revue passieren lassen. Nicht jedoch seinen gesamten Werdegang aus irgendeinem Grund, den wir noch nicht kennen, sondern nur seine Karriere als Gesetzeshüter, die damit begann, dass sein Gangkollege Carcer Dun (Sam Adewunmi) den damaligen Captain der Stadtwache umgelegt hat. Jahre später wird Sam als dessen Nachfolger damit beauftragt, ein aus der Bibliothek der Unseen University gestohlenes Buch ausfindig zu machen, das womöglich vom totgeglaubten Carcer entwendet wurde und magisch bewanderte Leser dazu befähigt, eine gefährliche Art Drachen heraufzubeschwören. Sam hatte seinen ehemals besten Freund damals sterben lassen und war davon ausgegangen, dass er das letzte Zusammentreffen nicht überlebt hatte.

Zu Sams Team bei der Stadtwache zählen die schnippische Forensikexpertin Cheery (Jo Eaton-Kent), Constable Angua (Marama Corlette), die sich im Laufe der Folge als Werwölfin entpuppt, Steintroll Sergeant Detritus (mit der Stimme von Ralph Ineson) und neuerdings der ebenso naive wie lang gewachsene Adoptivzwerg Carrot (Adam Hugill), der von seiner Ziehfamilie aus den Bergen verstoßen wurde und mit etwas zu viel Elan an die Polizeiarbeit herangeht. Ihm ist bei Dienstantritt nämlich nicht klar, dass die Stadt ein Moloch der Laissez-faire-Kriminalität ist, seit sämtliche Gildenaktivitäten (inklusive die der drogenproduzierenden Alchemisten, Attentäter und Dieben) entkriminalisiert wurde. Während seiner Ermittlungen schließt Sam sich außerdem mit der adeligen Lady Sybil Ramkin (Lara Rossi) zusammen, die über einen kleinen Taschendrachen verfügt, der sowohl windiger Sidekick als auch Miniflammenwerfer ist, was genau die Art von Fantasy-Schabernack ist, die man witzig finden muss, um bei der Serie an Bord zu sein.

Fazit


Schon vor dem Start von The Watch war klar, dass sich die Macher absolut keinen Gefallen getan haben, etwas aus der beliebten Scheibenwelt zu adaptieren, anstatt ein eigenständiges Universum zu entwerfen, wenn sie nicht „Lord of the Rings“-mäßig vorhaben, die Vorlage als Gospel anzusehen. Als für sich stehende Fantasykomödie mit CSI: Crime Scene Investigation-Element, das sich eher als Remix der Grundlage versteht, ist die erste Stunde der Serie aber bei weitem so so übel, wie sie im Vorfeld verteufelt wurde. Vor allem Richard Dormer weiß ganz genau, in was für einem Märchenklamauk er mitspielt und geht dermaßen in seiner Rolle auf, dass man sich fast Sorgen um ihn macht. Nicht jeder Gag landet, gerade weil man oft zu angestrengt darum bemüht ist, auf Teufel komm raus schräg zu sein, was die nonchalante Leichtfüßigkeit und Selbstverständlichkeit der Romane vermissen lässt und Flashbacks zur Spielfilmversion von Douglas Adams' „Per Anhalter durch die Galaxis“ hervorruft. Wer nicht zu sehr mit der Vorlage verheiratet ist und sich mit dem MTV-Vibe des Ganzen anfreunden kann, sollte vielleicht trotzdem einen Blick riskieren. Alle anderen können auf die werkgetreueren Scheibenwelt-Adaptionen warten, die letztes Jahr angekündigt wurden.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen BBC-America-Serie „The Watch“:

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