The Walking Dead 9x11

© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Bounty“ (c) AMC
Angela Kang ist das Beste, was der TV-Version von The Walking Dead passieren konnte. Der amtierende Showrunner der Zombieserie setzt erzählerisch und stilistisch neue Akzente und sorgt dafür, dass die Serie in der neunten Staffel wieder so viel Spaß macht wie schon lange nicht mehr. Das gilt besonders für die Folge Bounty (auf Deutsch: „Damit leben“).
Die Episode präsentiert dabei einen todernsten und spannungsgeladenen Handlungsbogen rund um Alpha (Samantha Morton), die in Hilltop erscheint und einen eher humorvollen rund um Ezekiel (Khary Payton), Carol (Melissa McBride), Jerry (Cooper Andrews) und die Führungsspitze des Kingdom.
Multi-Community Charter of Rights and Freedoms
In einem Flashback sehen wir, was aus Michonnes (Danai Gurira) Charta wurde. Sie existiert tatsächlich in Schriftform, auch wenn irgendein Ereignis vorgefallen ist, das zu einem Zerwürfnis zwischen den Gemeinschaften führte, so dass Alexandria den Kontakt zum Rest abgebrochen hatte. Inzwischen wissen wir, dass Alexandria, Hilltop und Kingdom noch existieren. Das Sanctuary ist quasi nicht mehr existent und was mit Oceanside ist, wissen wir nicht. Aber all diese Orte sollten sich auf die Charta einigen, was bisher noch nicht passiert ist. Der Träumer Ezekiel hofft, dass das beim großen Fest nachgeholt werden könnte. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir auch, dass Jerry während des Zeitsprungs Vater geworden ist und dass Tara (Alanna Masterson) nach einem Vorfall ebenfalls nach Hilltop zog und Maggie (Lauren Cohan) und Michonne eine große Meinungsverschiedenheit hatten. Ob das nun wegen der Negan-Sache war oder noch etwas anderes passiert ist, dürfte vielleicht irgendwann ans Licht kommen.
Side Mission

In der Gegenwart bereitet sich das Kingdom auf das große Gemeindentreffen vor. Allerdings hat Ezekiel noch eine Nebenmission, über die er Königin Carol im Dunkeln lässt und bei der er ihr seinen Plan lieber direkt zeigen will. In einem Kino möchte man eine Projektorlampe looten, damit die fast schon verlorene Filmkunst wieder aufgeführt werden kann - Theater und LARP reicht wohl auf Dauer nicht mehr...
Ezekiel weiß, dass die Mission eine unnötige Gefahr darstellt, weswegen er Carol zunächst nichts gesagt hat. Mit seinem Charme kann er er sie dennoch überzeugen, beim gewagten Coup mitzumachen, weil es vielen Familienmenschen im Kingdom eine Freude bereiten könnte, sich wieder einmal unterhalten zu lassen.
Es ist wahrscheinlich kein Geheimnis, dass ich das königliche Paar und das Kingdom an sich sehr unterhaltsam finde. Deswegen gefällt mir diese Handlung auch durchgehend gut. Beispielsweise die Tatsache, wie man Musik aus einer Boombox nutzt, um die Untoten rauszulocken und dabei mit dem Kopf genickt und gesungen wird oder die Einfälle rund um Walker in Popcornmaschinen und Ähnlichem. Neben der ersehnten Lampe findet Ezekiel auch noch einen passenden Rahmen für die Charta. Doch zunächst muss die Lampe kurz verloren gehen und Queen Carol zur Rettung eilen, die blitzschnell einen machbaren Plan auf die Beine stellt, um die Mission zu retten. Auch diese Musikmontage gefällt mir ausnehmend gut. Die Kombination aus dem ungebremsten Optimismus von Ezekiel und dem Auf-das-Schlimmste-vorbereitet-Sein von Carol ist eine Mischung, die ich mag. Doch wo würde man hingehen, wenn es das Kingdom so nicht mehr geben würde? Und was hat dieses mysteriöse Graffiti im Hintergrund zu bedeuten?
Bring me my daughter or there will be conflict!

Alpha und Teile der Whisperers sind, wie schon angedeutet, in Hilltop erschienen und es kommt zu einem Dialog. Alpha möchte die Situation ohne Konflikt lösen und einen Geiseltausch initiieren. Ohne Drohgebärden vonseiten Hilltops läuft das nicht. Tara macht klar, dass man sich sehr gut verteidigen könnte. Daryl entscheidet, von Angesicht zu Angesicht mit ihr zu sprechen. Tatsächlich hat sie die Geiseln mit. Doch Daryl zögert mit dem Austausch. Allerdings nimmt ihm Henry (Matt Lintz) die Entscheidung kurzzeitig ab und er flüchtet mit Lydia (Cassady McClincy), was die Situation nicht gerade entspannt. Denn besonders Enid (Katelyn Nacon) sorgt sich um ihren Freund Alden (Callan McAuliffe), während Magnas (Nadia Hilker) Gruppe das Wohl von Luke (Dan Fogler) im Hinterkopf hat. Die taube Connie (Lauren Ridloff) ist derweil ebenfalls noch vor den Toren Hilltops, was die Flüsterer jedoch nicht wissen...
Es ist spannend zu beobachten, wie sich die Situation abspielt. Denn Alpha ist alles andere als impulsiv, sondern sehr geduldig und abwartend. So schnell kann sie kaum etwas aus der Ruhe bringen. Kalt gibt sie etwa eine Anweisung, als sich eine kleine Herde von Untoten nähert. Ebenso emotionslos reagiert sie, als eine Mutter, die mit dabei ist, durch ihr schreiendes Baby die Aufmerksamkeit der Toten auf sich zieht. Während unsere Helden fassungslos sind (und ich auch), argumentiert sie mit Darwinismus. Das führt dazu, dass das Baby sich selbst überlassen werden soll, denn wenn es nicht in Stille Leben kann, dann muss sie Teil der toten Masse werden.
Luke signalisiert Connie, was sich abspielt, die dann wiederum das Kind rettet und in dem Feld verschwindet, wo sie um ihr Leben kämpft, bis Daryl und Co zu ihr aufschließen. Connies Perspektivszenen finde ich dabei ebenfalls stark und spannend, weil ich mir genau so etwas gewünscht habe, da das nun mal eine völlig neue Sichtweise auf die Lebenssituation ist. Irgendwie hätte ich mir hier sogar noch etwas mehr erhofft...
Alpha ist in ihrer semantischen Knappheit das Gegenteil von Negan, erinnert aber ein wenig an Jadis (Pollyanna McIntosh) und ihre Müllhaldenfreunde. Während Jadis aber stets an guten Deals interessiert war, möchte Alpha offenbar nur ihre Tochter haben und nicht weiter behelligt werden. Dafür ist sie sogar bereit, beide Geiseln aufzugeben.
Lydia selbst ist überrascht, dass ihre Mutter ihre eigenen Regeln für sie bricht - inzwischen wurde sie übrigens von Henry mit normalen Klamotten versorgt. Jedoch finden Enid und Brillenteen Adeline (Kelley Mack) schnell das Versteck, auf das Daryl auch schon seinen treuen Gefährten Dog ansetzen wollte...
JSS Reloaded
Enid versucht, Henry davon zu überzeugen, dass es in der Situation das Beste wäre, wenn der Austausch stattfinden würde. Immerhin steht das Leben von Luke und Alden auf dem Spiel, die zur Gruppe gehören, während Lydia zu Alphas Gruppe gehört, auch wenn man diesen Lebensstil nicht nachvollziehen kann.
Enid erzählt ihre eigene Geschichte und ihre damalige „Just survive somehow“-Mentalität, die von Carl (Chandler Riggs) verändert wurde. Dabei kommt auch sein Abschiedsbrief an sie zur Sprache, dessen Inhalt bislang noch geheim war und sie auf den Weg gebracht hat, den sie jetzt verfolgt. Lydia sieht selbst ein, dass es am besten wäre, wenn sie sich ihrer Mutter stellt, auch wenn fast alle wissen, dass das nicht die beste Lösung ist. Es ist aber die unmittelbarste Lösung für das Problem.
Während Lydias Menschlichkeit in Hilltop offenbar reaktiviert wurde, sieht das bei Alpha anders aus. Statt einer herzlichen Begrüßung gibt es einen heftigen Schlag für ihre Tochter und sie besteht darauf, dass sie sie wie alle anderen auch Alpha und nicht Mutter nennt.
Damit leben

Henry fragt Daryl anschließend, was man nun machen soll. Daryls Antwort, dass man damit leben müsse, stellt niemanden zufrieden, am wenigsten wohl Daryl selbst. Henry spricht derweil seine Narbe an und weckt damit wieder Erinnerungen an den Vorfall, über den wir weiterhin wenig wissen. Während Magnas Gruppe sich freut, wieder vollzählig zu sein, zelebrieren Enid und Alden anderweitig und Tammy (Blair Butler) und Schmied Earl Sutton (John Finn) kümmern sich unverhofft um ein Waisenenkelkind. Es ist irgendwie drollig, dass sich die Überlebenden immer wieder um Findelkinder oder Waisen kümmern und so schnell jemand gefunden wird, der Verantwortung übernimmt. Es wird Zeit für die erste Fokusfolge von Aarons Ziehtochter Gracie...
Natürlich kann Henry das alles nicht auf sich beruhen lassen und büchst wieder aus, was Adeline auch sofort Daryl verrät. Auch Connie kann das Erlebte nicht so einfach loslassen und besteht darauf, sich Daryl (und Dog) anzuschließen. Und ich muss sagen: Ich habe richtig Lust zu sehen, wie dieses Trio sich schlägt.
Gerade das Ende der Folge hat bei mir einige emotionale Treffer gelandet, was ich bei „TWD“ schon länger nicht mehr hatte. Es sind diese Reunions- und Glücksmomente, die beispielsweise Lost immer sehr schön hinbekommen hat. In dieser Folge ist es die (fast) optimale Mischung aus Anspannung plus Eskalation sowie Humor und glaubhafter Emotionalität, die dazu führt, dass ich sehr gut unterhalten wurde. Und diese Elemente werden geschaffen durch Charakterinteraktion und eben sehr wenig durch konstruierte Zusammenhänge. Natürlich ist die Kinosituation auf gewisse Weise austauschbar. Aber dennoch führt die Mission dazu, dass Figuren, die ich ins Herz geschlossen habe, riskante Dinge tun, bei denen ich sie erfolgreich sehen will.
Und ja: Man hätte die Whisperers über den Haufen schießen können. Aber dann hätte man sich menschlich auf ein Niveau begeben, das man vielleicht längst hinter sich gelassen haben sollte. Außerdem gibt es immer solche Überraschungen, wie zum Beispiel die Mutter unter den Flüsterern, die so eine Konfrontation aufwerten.
Diese Situation mag zwar ausgestanden sein, aber es dürfte erst der Anfang gewesen sein. Stellt sich nur die Frage, was passiert, wenn man sich ungefragt in die Angelegenheiten der Whisperers einmischt...
Fazit
Bounty ist eine schöne Wundertüte von einer Episode, die mich durch ihre Mischung überzeugen kann. Besonders viele Charaktermomente sitzen diesmal und machen deutlich, dass die Zombieserie auch auf zwischenmenschlicher Ebene punkten kann, wenn man es denn versucht und sich auf seine Figuren verlässt.
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Hier abschließend der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „The Walking Dead", „Guardians" (9x12):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 25. Februar 2019The Walking Dead 9x11 Trailer
(The Walking Dead 9x11)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 9x11
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