The Walking Dead 3x06

© zenenfoto aus der Episode âHoundedâ der US-Serie âThe Walking Deadâ / (c) AMC
The Walking Dead schaltet mit der Episode Hounded einen oder zwei GĂ€nge zurĂŒck und nimmt sich etwas mehr Zeit, um einige Figuren zu begleiten. Rick (Andrew Lincoln) verarbeitet noch immer den Verlust seiner Frau Lori (Sarah Wayne Callies), wĂ€hrend Michonne (Danai Gurira) merkt, dass das Strike-Team aus Woodbury sie nicht einfach so von dannen ziehen lĂ€sst, gleichzeitig versucht Daryl (Norman Reedus) fĂŒr Carl (Chandler Riggs) so etwas wie ein groĂer Bruder zu sein. Doch was passiert im Einzelnen?
I hear voices in my head, they talk to me, they understand...
Ein zentrales RĂ€tsel in dieser sechsten Episode der dritten Staffel der Zombie-Survival-Serie ist das Telefonklingeln. Dass ausgerechnet irgendjemand wild drauflos wĂ€hlt und zufĂ€llig in einem GefĂ€ngnis landet, wo auch noch jemand rangeht, wirkt schon reichlich weit hergeholt. Das Timing ist einfach zu perfekt. NatĂŒrlich könnte man das in einer Fernsehserie dennoch verzeihen. Doch die Auflösung der insgesamt vier Anrufe ist eine gĂ€nzlich andere: Rick wird zunĂ€chst von einer Frau angerufen, die ihm seinen Aufenthaltsort nicht nennen kann, denn - so sagt sie - das mĂŒsse sie mit ihrer Gruppe besprechen.
Rick wĂŒnscht sich nach den traumatischen Ereignissen der letzten Tage und Stunden sicherlich einen Neuanfang und womöglich auch weniger Verantwortung. VerstĂ€ndlich, wenn man den wichtigsten Menschen im Leben verloren hat, den man seit vielen Jahren kennt und mit dem man Kinder hat, auch wenn es in letzter Zeit zwischen den beiden gekriselt hatte.
Doch, wie sich bald herausstellt, sind die Anrufe zu schön, um wahr zu sein. Denn Ricks Verstand spielt ihm einen Streich. Er scheint sich offenbar GesprĂ€che mit pro Anruf wechselnden verstorbenen Gruppenmitgliedern einzubilden - zuletzt mit Lori. So wird ihm zumindest ein StĂŒck weit ein Abschied und ein letztes „Ich liebe dich“ gewĂ€hrt. Dieser Abschied ist aber auch bitter nötig, denn in den letzten drei Episoden hat Rick kaum wahrgenommen, dass er sich nun um eine neue Person in seinem Leben kĂŒmmern muss, „Little Asskicker“, wie Daryl sein Baby jĂŒngst nannte.
Durch seinen Zombie-Amoklauf und seinen Nervenzusammenbruch lieĂ er das Kind bislang links liegen, doch das Ă€ndert sich in Hounded. Und noch etwas tut sich bei Rick. Sein Tunnelblick, der durch den Verlust Loris zu fehlender Weitsicht fĂŒhrte, weicht der Entdeckung eines Neuankömmlings am GefĂ€ngnis. Aber dazu spĂ€ter mehr...
Michonne versus Merle

Wie bereits im letzten Review angenommen „44458“, darf Michonne nicht ohne weiteres ihre eigenen Wege bestreiten. Doch darauf ist sie vorbereitet und hinterlĂ€sst ihren Verfolgern einen eindeutigen Warnhinweis: „Go Back!“ legt sie aus Zombie-Körperteilen. Dennoch folgen Merle (Michael Rooker) und sein anfangs noch dreiköpfiges Strike-Team der Frau, die wie ein Samurai mit ihrem Katana umzugehen vermag. Aus vier Köpfen werden bald drei (denn Michonne macht auch vor bedrohlichen Menschen keinen Halt) und sukzessive bleibt nur noch Merle ĂŒbrig, der es schafft, Michonne anzuschieĂen. Er macht nĂ€mlich selbst kurzen Prozess mit seinem letzten verbleibenden GefĂ€hrten und erschieĂt diesen. Zwischenzeitlich wird ihre Auseinandersetzung von Walkern unterbrochen, die von den SchussgerĂ€uschen angelockt werden. Michonne gelingt mit MĂŒhe und Not die Flucht beziehungsweise das Untertauchen in einem Versteck.
Ausgerechnet dort, wo Maggie (Lauren Cohan) und Glenn (Steven Yeun) mit einem Auto nach Babynahrung suchen, treffen sie auf einen sichtlich angeschlagenen, aber dennoch gemeingefĂ€hrlichen Merle. WĂ€hrend Glenn kaum glauben kann, wen er dort wieder sieht, wird er unvorsichtig - zumal er auch ĂŒber Merles Prothese staunt. Zwar beobachtet Michonne aus der Distanz, was sich zwischen Maggie, Glenn und Merle abspielt, doch in ihrem Zustand empfiehlt sich ein Eingreifen nicht. Michonne ist auch nicht unbedingt der Typ Mensch, der Dinge tut, wenn sie nicht weiĂ, dass ihre Chancen zu ihrem Vorteil stehen.
Nachdem er Glenn die Information entlockt hat, dass Daryl am Leben und Teil ihrer Gruppe ist, ĂŒberrumpelt Merle also Maggie und zwingt Glenn, die drei nach Woodbury zu fahren, wo mit einer Befragung Ă la Hubschrauberpilot „44064“ oder Schlimmerem zu rechnen ist. Denn, wie wir wissen, ist der Governor bereit, Merle bei der Suche nach Daryl zu helfen, sofern dieser konkrete Informationen gesammelt hat.

Es wirkt inzwischen ein wenig so, als hĂ€tte man den Charakter des Governors aus dem Comic genommen und seine Persönlichkeit auf den Serien-Governor und Merle aufgespalten. Merle wird hier und in der letzten Episode als Mann fĂŒr die schmutzigen Jobs gezeigt, der allerdings auch vor Grausamkeiten nicht zurĂŒckschreckt. Um Maggie und Glenn muss man sich also wohl ernsthafte Sorgen machen...
Andrea und Philip in love?
Andrea (Laurie Holden) wird offenbar von Arschlöchern angezogen. Ihrem SchĂ€ferstĂŒndchen mit Shane (Jon Bernthal) in der zweiten Staffel folgt nun das Techtelmechtel mit dem Governor aka Philip (David Morrissey). Ob das nun tatsĂ€chlich sein richtiger Name ist, muss sich noch zeigen.
Auch die Bedenken und der Ekel, den sie beim Anblick der Zombie-GladiatorenkÀmpfe und den Reaktionen der restlichen Dorfbewohner empfunden hatte, scheinen verflogen zu sein.
FĂŒr Andrea ĂŒberwiegen die ihr bekannten Vorteile der Ărtchen dieser einen groĂen kranken Veranstaltung, die sie als Ablenkung vom Alltag hinnimmt. Gleichzeitig möchte sie sich nĂŒtzlich machen und bittet ihre Dienste als Zaun-ScharfschĂŒtzin an, doch gleich beim ersten Versuch missachtet sie den eindeutigen Befehl des Governors, nie ĂŒber den Zaun zu springen, und wird bald davon abgezogen.
Andrea bleibt der unwissende Spielball des Governors und erliegt seinem Charme endgĂŒltig. Mit seiner Silberzunge, dem ersten Sex seit Monaten, gutem Whysky und anderen Annehmlichkeiten stellt er sie also (zunĂ€chst) ruhig, auch wenn man noch leichte Zeichen der Rebellion erkennen kann.
Was jedoch passiert, wenn sie sieht, dass Glenn und Maggie sich in Gefangenschaft befinden, bleibt abzuwarten. Vielleicht gelingt es dem Governor und Merle, diese Tatsache vor ihr geheimzuhalten, doch Michonne, die sich durch die auf sie gespritzten GedÀrme eines Walkers unbemerkt durch ihre Reihe durchschlagen konnte (warum nutzt man das eigentlich nicht öfter?) und nun vor den GefÀngniszÀunen erscheint, wird die Geheimhaltung sicherlich spÀtestens beenden.
Daryl, Carl und Oscar

Im GefĂ€ngnis nimmt Oscar (Vincent Ward) derweil den durch T-Dog (Irone Singleton) vakanten Platz in der Gruppe ein und sĂ€ubert gemeinsam mit Daryl und Carl einen Teil des GefĂ€ngnisses von Walkern, wĂ€hrend Axel zwar erwĂ€hnt wird, aber die ganze Episode ĂŒber nicht zu sehen ist. Daryl hat eine etwas merkwĂŒrdige Vorstellung davon, wie man sich Carl annĂ€hern könnte. Er erzĂ€hlt die tragische Geschichte vom Tod seiner eigenen Mutter, die bei einem Brand vollstĂ€ndig verbrannt ist und von der nichts mehr ĂŒbrig blieb. Carl selbst kann diese Geschichte noch einmal toppen, denn schlieĂlich musste er seine eigene Mutter durch eine Kugel erlösen, bevor diese zum Zombie werden konnte.
Kommen die drei zu Beginn ihrer AufrĂ€umaktion noch an einer sich wiederholend einen Spalt öffnenden TĂŒr vorbei, stellt sich diese TĂŒr zum Ende der Episode als wichtiger als gedacht heraus. Einen der Walker, den alle drei MĂ€nner gleichzeitig mit ihren Waffen erwischen, steckt Carols (Melissa McBride) Taschenmesser im Halsbereich. Hat Daryl sie also doch zu frĂŒh abgeschrieben? Mit ein wenig GlĂŒck, denn der BogenschĂŒtze hatte hinter der TĂŒr einen schwĂ€chelnden Untoten vermutet, den er spĂ€ter ausschalten will, findet Daryl Carol nach einem Wutanfall doch noch und trĂ€gt die völlig erschöpfte Ăberlebende aus ihrem Versteck. Die Episode endet mit einem Moment, der Hoffnung auf Besserung in Aussicht stellt. Rick trĂ€gt sein Kind in den Armen, Carol ist am Leben und am Zaun wartet Michonne, auch wenn diese eine Hiobsbotschaft mitbringt. Die Verschnaufpause ist also ganz bestimmt nur von kurzer Dauer.
Fazit
Die Episode Hounded ist die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Ein Aufeinandertreffen von Ricks Gruppe und dem Governor und seinen Leuten ist kaum noch zu vermeiden und vielleicht schon in der nĂ€chsten Woche Thema der Episode - spĂ€testens aber zum Halbstaffelfinale eine Woche spĂ€ter. Doch ist die Gruppe in ihrer aktuellen StĂ€rke ĂŒberhaupt dafĂŒr gewappnet? Wir werden sehen.
Im Vergleich zu den bisherigen Episoden der dritten Staffel, die teilweise den Atem vor lauter sich ĂŒberschlagenden Ereignissen oder emotionalen TiefschlĂ€gen stocken lieĂen, muss man bei dieser Folge jedoch ein paar leichte Abstriche in der Wertung machen. Auch wenn einige Charaktermomente durchaus sehenswert sind - wie etwa Ricks Trauer, Carls kalter Spruch, Michonnes Kampf gegen Merle - kann man diesen leichten DurchhĂ€nger durchaus verzeihen, zumal es schon bald richtig ernst zu werden droht.
Promo zur Episode When the Dead Come Knocking (3x07) der US-Serie The Walking Dead: Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 20. November 2012(The Walking Dead 3x06)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 3x06
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