The Walking Dead: The Ones Who Live 1x02

The Walking Dead: The Ones Who Live 1x02

In der zweiten Episode der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“ sehen wir die Perspektive von Michonne auf ihrer langen und beschwerlichen Suche nach Rick. Welche Hürden musste sie überwinden, um zu ihrem Mann zu finden? Und: Endet die Reise schon damit?

Szenenfoto aus der Episode „Gone“ aka „Vergangen“ von „The Walking Dead: The Ones Who Live“
Szenenfoto aus der Episode „Gone“ aka „Vergangen“ von „The Walking Dead: The Ones Who Live“
© AMC

Comic-Autor Robert Kirkman liebte es, die Handlungsbögen/Arcs in seiner Comicreihe The Walking Dead mit jeweils drei Wörtern zu beschreiben. Das wird auch bei The Walking Dead: The Ones Who Live zumindest im englischen Original beibehalten. Im Deutschen geht es entweder nicht ganz auf oder jemand hat das bei der deutschen Übersetzung nicht verstanden...

Denn schon Years wurde hierzulande zu „Zeit“ und Gone nun zu „Vergangen“ als Episodentitel (und, als kleiner Spoiler, laut MagentaTV soll Episode drei dann Kehrt nicht wieder heißen).

In der zweiten von sechs Folgen sehen die Zuschauer nun also nach Ricks (Andrew Lincoln) Perspektive, wie es Michonne (Danai Gurira) ergeht, nachdem sie aus der Mutterserie ausgestiegen ist und auf eigene Faust die Spur von ihrem geliebten Gatten verfolgt. Und zwar anhand der neuen Hinweise, die sie gefunden hatte. Weiter geht es dabei „Six Years After the Bridge“, wobei es auch eine kleine Kunst an sich ist, die Zeitachse von „TWD“ nachzuvollziehen, bei lauter Flashbacks und Spin-offs mit eigenen Zeitsprüngen...

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Kann ich bitte ein Pferd haben?

Rund um die Folge What We Become (10x13) ging Michonne einst bei der Mutterserie von Bord und stieß dabei auf eine neue Gruppe, die wir nun, zumindest in der ersten Episodenhälfte, etwas besser kennenlernen. Dabei rettet Bailey (Andrew Bachelor) sie und Aiden (Breeda Wool), die von der eigenen Gruppe, welche so eine Art mobile Reisegruppe/Karawane ist, getrennt wurden.

Die Einstellung der Gemeinschaft sieht eigentlich vor, von ihr getrennte Mitglieder zurückzulassen - das schert die empathische Michonne aber wenig und so hilft sie eben aus. Von Elle (Erin Anderson), der Sprecherin/Anführerin der Gruppe, die zudem Aidens Schwester ist, verlangt sie ein Pferd, um mobiler zu sein und ihre Suche fortsetzen zu können, doch es scheint, Elle will sie lieber rekrutieren und nicht ziehen lassen...

Die Geretteten sehen das ähnlich und würden ihr gerne ein Reittier als Dank geben. Michonne will natürlich nicht länger als nötig on the road sein, um zur eigenen Gruppe und den Kindern zurückzukehren. Aber ohne Komplikationen auch keine Serie - und, wie schon bei Rick, muss man sich von Autorenseite ja etwas einfallen lassen, warum so viel Zeit ins Land streichen konnte...

Hier ist es eine meilenbreite Horde, die wohl im Weg steht und der man sich nicht nähern sollte, und auch das CRM sorgt später noch für Tod und Verderben. Elles Regeln sind aber auch ein bisschen komisch, denn riskiert man das Leben für zwei, könnten dabei 200 verloren gehen? Entweder man spricht aus Erfahrung oder ist ein wenig feige und Michonne scheint davon nicht begeistert zu sein...

Michonnes neue Crew?

Die drei neuen Gefährten von Michonne. Szenenfoto aus der Episode „Gone“ aka „Vergangen“ von „The Walking Dead: The Ones Who Live“.
Die drei neuen Gefährten von Michonne. Szenenfoto aus der Episode „Gone“ aka „Vergangen“ von „The Walking Dead: The Ones Who Live“. - © AMC

Das Duo ist eigentlich ein Trio, denn auch der kleinwüchsige Nat (Matthew Jeffers), ein zündelnder Pyro-Meister, gehört dazu, der schnell auch Michonne ins Herz schließt, vielen anderen Menschen jedoch nichts abgewinnen kann - auch hier aus jahrelanger Erfahrung mit Bullys und Hänseleien. Der Konvoi selbst hat ein bisschen Station Eleven-Vibes, was nach dem The Last of Us-Verschnitt von The Walking Dead: Daryl Dixon ganz gut passt.

Die Ursprungsquelle von „TWD“ hat natürlich aber auch schon einige Motive/Gruppen/Lebensentwürfe abgebildet, so dass es nicht so einfach ist, etwas einzigartig Neues zu zeigen. Dennoch hat das eine gewisse frische Dynamik und die Figuren werden auch in einer einzigen Fokus-Episode sympathisch dargestellt, so dass die wenig später stattfindende - unvermeidliche (?) - Tragödie zumindest bei mir den gewünschten Effekt hatte, was in manch anderem Kapitel aus der langgezogenen Mutterserie nicht immer hatte klappen wollen...

Nat ist derjenige, der die im Auftakt verschossenen Raketen erdacht hat, die ein cooles Geräusch mitliefern. Damit will sich Michonne den Weg durch die Horde bahnen, was aber nicht so reibungslos geht - und es heißt zurück auf Anfang und ins Lager der Gruppe für etwas quality time mit den neuen Freunden. So erzählt sie von Alexandria und den Kids, erfährt von Nat, dass das Funkgerät wahrscheinlich bald nicht mehr in Funknähe ist und man gibt ihr stattdessen die Möglichkeit, ein Tagebuch/Briefe zu schreiben. Michonne bietet ihnen an, nach der Rick-Mission zu ihrer Gruppe mitzugehen und hat einen Ort namens Bridgers Termin, der am Rande der Mutterserie wohl schon einmal vorkam, im Visier. Und um die Tragik zu erhöhen, ist Aiden schwanger...

Die Hölle von oben - CRM strikes again!

Wie bereits etabliert attackiert das CRM andere Menschengruppen - wobei der genaue Grund oder Plan unklar ist. Nun trifft es auch Michonne, Nat, Aiden und Co, denn ein Heli greift an und ein gelber Schleier legt sich über die Gegend, der später als Chlorgas identifiziert wird. Michonne kann sich mit einem Schal und schneller Reaktion am ehesten vor dem maximalen Impact retten. Für die Freunde sieht es kritischer aus. Die schwangere Aiden erwischt es zuerst, ihren Mann wenig später und so bleiben Nat und Michonne übrig, die körperlich aber gezeichnet sind und sich erst einige Zeit wieder aufpäppeln müssen, ehe sie zur „Normalität“ zurückkehren können.

Aidens letzte Worte gelten Michonnes Familie, die sie in ihren Augen nicht riskieren sollte, wenn die Möglichkeit einer zweiten Chance besteht. Nat bringt es bei seinem Kumpel übrigens nichts übers Herz, ihn von seinem Zombie-Dasein zu befreien, bei den restlichen Randos allerdings schon, so muss Michonne hier tätig werden und das Duo zieht, sobald es wieder fitter ist, weiter.

Believe a little bit longer

Nat sieht es nicht ganz so streng wie Aiden und glaubt, dass Michonne beides erreichen kann: Rick finden und zu der Familie zurückkehren, denn er weiß, was auf Japanisch auf Michonnes Smartphone-Display steht: „Believe a little bit longer“ nämlich. Nat steht die Laune auf Rache und so bleibt er, trotz eines Angebots, nach Alexandria zu pilgern, an ihrer Seite - schwer bewaffnet und mit einem Michonne-Debüt-Gedenkzombie, der den Wagen für sie zieht, geht es durch die Gegend.

Am Bridgers Terminal findet Michonne allerdings alles andere als einen safe harbor, wie das Banner des Wracks aussagt, dafür aber Berge von verkohlten Leichen ohne Schuhe, was ein ziemlich grausames Bild darstellt. Michonne nimmt sich dennoch die Zeit und schaut, ob sie darunter Rick identifizieren kann. Trotz aller Rückschläge haben die beiden Zufallsfreunde noch Hoffnung...

(Apocalypse) Now!

So kommen wir zum Zeitpunkt, den wir schon am Ende von „Years“ sahen und dem CRM-Heli, in dem Rick und Co sitzen. Es sind die Raketen Marke Eigenbau, die den Heli vom Himmel holen - und nicht etwa ein gewaltiges Heer. Nur das Duo aus Michonne und Nat, das mit eisernem Willen und Sprengkraft triumphiert, reicht dafür. Einige Angreifer werden weggesprengt, anderen schneidet Michonne per Schwert die Kehle durch, bis sie Rick findet, der sich via Hand-Prothese dem Schwert erwehren kann - und es dann die Reunion gibt, die so ersehnt wurde.

Doch Rick kennt die Macht und den Einfluss vom CRM und denkt direkt nach, was nun getan werden muss. Nat wird leider von einem verletzten Soldaten erschossen und tritt die weitere Reise nicht mehr an. Dabei mochte ich die Figur nach wenigen Minuten schon überaus gerne und hätte mich gefreut, mehr von ihm zu sehen. Interessanterweise fragt Rick nur nach Judith (Cailey Fleming), da er von RJ (Antony Azor) wohl noch gar nichts weiß, was auch dadurch unterstrichen wird, dass Michonne später etwas andeutet, aber nicht näher ausführt, ehe ihnen die Flucht gelingt.

Eigentlich könnte man hier schon einen Cut machen, die Zuschauer hätten ihr vorläufiges Happy End und wir wären etwa bei einer Filmlänge. Aber Komplikationen müssen eben sein. Rick versichert seiner Liebsten, dass er nicht Teil von ihnen ist und plant ad hoc, wie sie sich benehmen soll. Als jemand, den er gefunden hat, den er aber nicht kennt und die ohne Anführerinnenqualitäten daherkommt, weil das CRM sie sonst durchs langwierige Programm schickt... Ein wichtiges Detail ist auch, dass sie das Wort Walker vorerst nicht benutzen sollte, denn das würde sie als Bekannte verraten.

We want you to join the CRM!

Michonne aka Dana im CRM. Szenenfoto aus der Episode „Gone“ aka „Vergangen“ der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“
Michonne aka Dana im CRM. Szenenfoto aus der Episode „Gone“ aka „Vergangen“ der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“ - © AMC

Alle Beweise und Hinweise zu Alexandria soll sie am besten loswerden und so wird aus Michonne, die hoffnungsvoll in die Zukunft schaut, Dana, die ihre Geschichte zu einer Mischung ihrer echten Reise und ihrer aktuell verstorbenen Gefährten macht.

Wie bei anderen Gruppen üblich, gibt es eine Art Vorstellungsgespräch, wobei hier nach den Hintergründen, der Überlebensstrategie oder der Waffe der Wahl (Langstock) gefragt wird. Michonne nimmt den Deal an, im Wissen in Ricks Nähe zu sein. Bald gibt es hier auch den ersten intimen „Richonne“-Moment zwischen zwei Lastern. Doch der Weg dürfte, davon kann Rick ein Liedchen singen, nicht so einfach sein...

Michonne ist zudem noch nicht so vollkommen gebrochen oder desillusioniert, wie Rick es nach den vielen Jahren hier ist. Er kennt die Ressourcen, Mittel und Strukturen und gibt ihr seine ehrliche Einschätzung darüber ab, als sie fragt, ob er davon weiß, dass sie Menschen umbringen und ob man sie stoppen könnte. Michonne ist der Typ von Mensch, der es auch bei schlechten Chancen zumindest versuchen würde - und genau das dürfte passieren in den restlichen Folgen.

Eine weitere Verkomplizierung gibt es jedoch noch. Denn eine Person sichtet das Material, die wir bereits aus der Mutterserie und The Walking Dead: World Beyond kennen: Anne aka Jadis (Pollyanna McIntosh), die schon längst nicht mehr gekünstelt und abgehackt wie zu Zeiten ihrer garbage people redet, sondern inzwischen Teil des Apparats ist, aber stets auch irgendwie ein doppeltes Spiel treibt und eine besonderen Beziehung zu Rick unterhält... Denn sie hatte ihn schließlich ausgeflogen und irgendwie auch zu seinem Schicksal verdammt, aber eben auch sein Leben verlängert.

Sie will ihr Wissen zwar nicht ins Protokoll überliefern, macht aber deutlich, dass sie beim nächsten Fluchtversuch mit der Auslöschung seiner Liebsten droht - aber gleichzeitig will sie eben auch wissen, was zur Hölle Rick da eigentlich vorhat. Vielleicht also reicht die Allianz aus Richonne, Pearl (Lesley-Ann Brandt) und Jadis, also lauter „A“s, aus, um das CRM zu knacken?

Fazit

Andrew Lincoln in Folge zwei von „The Ones Who Live“
Andrew Lincoln in Folge zwei von „The Ones Who Live“ - © AMC

Die zweite Episode dieses „TWD“-Spin-offs hat mir größtenteils erneut gefallen, weil wir recht kurzweilig und knapp auf den neuesten Stand in Sachen Michonne gebracht worden, dabei die eigentliche Story um Rick und sie aber dennoch fortgeführt wird. Ebenso gab es einige tragische und actionreiche Momente und auch neue Figuren wurden vorgestellt, die einem nicht direkt vollkommen egal waren.

Es bleibt - allein wegen der undurchsichtigen Jadis - für mich also spannend, wie es weitergeht. Weiterhin betone ich gerne, dass kürzere Staffeln - wie diese erste Season - das Beste sind, was dem Franchise passieren konnte, auch wenn es in die Jahre gekommen ist und die Fanbase deutlich kleiner sein dürfte als einst... Nach The Walking Dead: Daryl Dixon macht also auch „The Walking Dead: The Ones Who Live“ wieder viel Spaß und Freude, was ich tatsächlich nur schwer für möglich hielt...

Vier von fünf DIY-Raketen.

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 4. März 2024
Episode
Staffel 1, Episode 2
(The Walking Dead: The Ones Who Live 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Vergangen
Titel der Episode im Original
Gone
Länge der Episode im Original
53 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 3. März 2024 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 4. März 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Montag, 4. März 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 4. März 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 4. März 2024

Schauspieler in der Episode The Walking Dead: The Ones Who Live 1x02

Darsteller
Rolle
Pollyanna McIntosh
Lesley-Ann Brandt

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