The Vampire Diaries 8x16

© in letztes Mal: Stefan (Paul Wesley) und Damon (Ian Somerhalder) in der Serie „The Vampire Diaries“ / (c) The CW
Die Episode I was Feeling Epic zu sehen und dann auch noch darüber zu schreiben, wird nicht das Einfachste sein. Immerhin haben die The Vampire Diaries-Macher uns im Laufe der acht Jahre auf eine ganz schöne Achterbahnfahrt mitgenommen, leider nicht nur emotional, sondern auch qualitativ. Der Anfang war stark, doch mit der Zeit schienen die Macher ihren Weg zu verlieren und verärgerten in den letzten Staffeln mit undurchsichtigen Mythologieüberraschungen, zu simplen Tricks wie Zeitsprüngen und mit Wiederholungen jede Menge Fans. Doch in der letzten Staffel haben sie sich glücklicherweise wieder weitgehend gefangen. Nun also das Serienfinale, auf geht's.
Good time to be a martyr
Wir starten mit Bonnies Beinahtod und einer Vision, in der sie Elena (Nina Dobrev) aufwachen sieht - eine Antäuschung, wie sich schnell herausstellt, denn es ist für Bonnie (Kat Graham) noch nicht an der Zeit, zu sterben. Gut, das zu wissen, immerhin fühlt es sich fast seit Beginn der Serie so an, als wenn dieses Ereignis unmittelbar bevorsteht (und das eine oder andere Mal ist es ja auch schon eingetreten, aber nun können wir ja drüber lachen).
Der angetäuschte Schockmoment, der dann wieder zurückgezogen wird, das ist ein „TVD“-würdiger Einstieg. Aufsehenerregende Tricks waren erst dann sauer geworden, als ganze Handlungsstränge sich darum drehten. Diese kleinen Anfänge mit einem Wachmacher hingegen dürfen gerne sein. Einstieg also gelungen, emotionale Abholung erfolgreich.
Wir ziehen weiter zu der Auseinandersetzung zwischen Damon (Ian Somerhalder), Matt (Zach Roerig) und Vicky (Kayla Ewell). Doch letztere hat keine Zeit für eine emotionale Wiedervereinigung mit ihrem Bruder. Kurz und schmerzlos erklärt sie, dass sie die Stadt nicht liebt und Katherine ihr den Weg aus der Hölle versprochen hat. Vickys Figur ist schon Gegenstand einiger Diskussionen gewesen, wir kannten sie kaum, das ist nun auch schon lange her, aber ihre Reaktion nun gerade fühlt sich folgerichtig an: Sie hat keinen Grund, melancholisch an Mystic Falls zu hängen und wenn man ein Ticket aus der Hölle bekommt, dann nimmt man es an!
Doch noch bevor die beiden Donovan-Kinder zu ihrem Abschluss finden, werden wir von dem nächsten Überraschungsangriff erfasst. Denn die große Verwirrung durch Bonnies Beinahtod ist noch nicht vorbei. Zum zweiten Mal sieht es so aus, als wenn Elena aufgewacht wäre. Doch es ist Katherine Pierce in Person und mit ihrer besten Elena-Interpretation: so babyhaft und um Niedlichkeit bemüht, wie selbst Elena in ihre schlimmsten Tagen nicht gesprochen hat. Doch Damon fällt für einen Moment trotzdem darauf herein, kann man ihm nicht verdenken - wer weiß schon, wie jemand sich verhält, der gerade aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist. Doch - rude! - es ist die Fürstin der Hölle.
Stefan (Paul Wesley) verliert keine Zeit und holt den Pflock raus, logische Reaktion, wenn man seine Stalkerin trifft, die nach einer Beförderung zur Höllenfürstin gerade die eigene Schwägerin entführt hat. Doch das ist erst der Anfang für die beiden, die sich mitunter gegenseitig in die Verdammnis getrieben haben. Stefan und Katherine sind das Endspiel, das Antipaar, das zusammen zugrunde gehen muss - und genau so kommt es auch.
Doch dazu später, erst müssen wir noch jemand anderen aus dem Weg schaffen: Caroline (Candice King). Die will natürlich wie alle aus der Mystic-Falls-Gang ihre große Liebe nicht alleine lassen und Stefan beistehen. Doch sie hat Verpflichtungen. Sie geht, der romantisch-wilde Weg des gemeinsamen Untergangs ist ihr verwehrt, denn Caroline ist erwachsen geworden - selbstverständlich, ohne dabei zu altern. Sie hat eine Familie und für die geht sie aus der Stadt, bringt sich in Sicherheit. Das tut sie auch, aber nur, nachdem Alaric (Matthew Davis) ihr die Pistole auf die Brust gesetzt hat, Stefan sie ausspielt und auch Bonnie eingeweiht ist. Wie wunderbar die Sache mit der Vampirschnelligkeit wirkt in einem emotionalen Abschied. Kein peinliches Weggehen, kein letztes Umdrehen in der Tür.
Zurück zu den zentralen Brüdern, die das Kunststück versuchen, Elena zu retten und gleichzeitig Katherine zu erledigen. Zuerst bekommt Damon seine Gelegenheit auf eine unterhaltsame Anfeindung, die wieder mit einem Pflock endet. Und dann kommt mal wieder Bonnie ins Spiel. Sie hat die rettende Idee, die Anführerin der Unterwelt mit ihrer eigenen Waffe zu schlagen, dem Höllenfeuer. Sie wird die Welt retten - und wie!
Aber erst, nachdem die beiden Salvatores sich geeinigt haben, wer sich opfern darf. Damon, wirklich, dann gehen wir beide? Eine schlechtere Idee hat er wohl lange nicht gehabt. Stefan nimmt die Schuld an, die er auf sich geladen hat, den Mord an Enzo (Michael Malarkey) und all die anderen Toten, die in den letzten Monaten seinen Weg gesäumt haben. Doch so schnell gibt Damon nicht auf. Er nutzt die letzte Waffe, die er als Überlegenheit hat, die Vampirmanipulation und das Argument, der ältere Bruder zu sein.
I did it
Irgendwie willkürlich reingequetscht wirkt dann plötzlich das emotionale Wiedersehen zwischen einer Figur, die wir vor langer Zeit verloren haben, Vicky, und einer, die wir kaum kannten, Matts Vater. Doch da ist die Stimmung schon so aufgeladen, dass selbst diese Umarmung mitreißen kann, auch weil wir mit Matt, dem Zuschauer der Szene, fühlen können.
Dann schon, in der Mitte der Episode, nimmt die Dramatik in der Musik zu und wir müssen einsehen, dass Stefan sich opfern wird, während Bonnie Katherines Plan zunichtemacht. Aber nicht alleine, denn alle Bennett-Hexen der Vergangenheit stehen ihr zur Seite und sorgen für eine berührende, großartige Szene, in der starke, schwarze Frauen die Welt retten vor dem Höllenfeuer. Als Heldinnen in die Mythologie der Serie einzugehen, haben die Bennett-Frauen auch verdient. Sie waren es immer, die den Kampf entschieden haben - Stefan, Damon und die anderen waren meistens kaum mehr als Bauernopfer. Und natürlich ist es auch schön, Sheila (Jasmine Guy) wiederzusehen - nicht der letzte Gastauftritt dieses Serienfinales...
Nach einer halben Stunde I was feeling epic dann endlich die Szene, die wir schon aus den Trailern kennen. Es ist jedoch nicht Elenas Aufwachen und es ist auch nicht hinterlegt mit den Fragen aus dem Teaser, die darauf schließen lassen, dass sie nicht weiß, was los ist und eventuell ihr Gedächtnis verloren hat. Doch darüber stolpert man nur kurz, denn dann kommt die emotionale Abschiedsszene zwischen dem ursprünglichen Traumpaar, die sich über die Staffel glaubhaft zu guten Freunden entwickelt haben. Stichwort gute Freunde: Stefan wird nicht gehen gelassen, ohne von Lexi (Arielle Kebbel) begleitet zu werden. Es ist nur eine kurze, aber schöne Szene für alle, die Lexi auch so vermisst haben wie ich.
Und dann, nach einem nicht näher definierten Zeitsprung, erwacht Elena wirklich. Denn Bonnie hat doch ein Schlupfloch gefunden - wie genau, dafür haben wir im Finale keine Zeit mehr und es spielt auch keine Rolle, denn kaum eine Hexe hat so viele Umfahrungen der Magie gefunden wie Bonnie. Da ist es nur richtig, dass sie es am Ende noch einmal schafft. Kurze Notiz, dass es schön ist, Caroline und Damon freundschaftlich zu sehen, vereint durch die Verluste, ganz wie Alaric es in der letzten Episode gesagt hat.
Zwischendurch wird es kurz seltsam, als Matt seinen Frieden beschreibt, er ist Sheriff, verdientermaßen, und seine Schwester bleibt als Lebende auf der Erde, irgendwie verbunden mit - von allen Menschen - Tyler (Michael Trevino). War er nicht der reiche Freund, der sich einst für sie geschämt hat? Selbst Matt scheint nicht ganz überzeugt und erwähnt nur, dass es so wirkt, als habe sie Frieden gefunden. Naja, immerhin war auf diese Weise nach eine kleine Szene für Tyler mit drin und wer weiß, die beiden sind ja auch weiser geworden...
Wichtig ist für die Mythologie nur, dass das erste Vampiropfer, das aus dem mehr oder weniger inneren Kreis stammte, ins Happy End gefunden hat. Als Vicky gestorben ist, da war das noch eine große Sache, der erste Schock für die Mystic-Falls-Clique, der trotz aller Tode und Verluste nie aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen werden konnte und sich als besonders leuchtender Fleck auf Damons Weste präsentiert hatte.
Nun sehen wir reihum, wie die Charaktere ihr Leben nach dem Sieg über Katherine fortgesetzt haben und das große Thema ist Frieden. Die Unglückssträhne ist vorbei und alle machen das Beste aus dem, was sie haben. Bonnie bereist die Welt mit Enzos Geist im Handgepäck. Sie wird das Leben auskosten, diktiert sie ins Tagebuch. Recht hat sie und verdient hat sie es auch. Irgendwie auch passend, dass ihr Happy End nicht aus einer Beziehung besteht, es soll ja schließlich auch möglich sein, ohne Mann glücklich zu werden. Danke, dass Bonnie die Abenteuerlust als Erfüllung begreift und sie auslebt.
Ebenfalls vom Geist seiner großen Liebe wird Alaric begleitet, kurz sehen wir Jo (Jodi Lyn O'Keefe), wie sie über ihn und die Kinder wacht. In der Realität haben Caroline und Alaric zu einer idyllischen Symbiose aus Familienunternehmen und Patchworkfamilie gefunden mit ihrer Schule für übernatürliche Kinder. Einer der Lehrer: Jeremy (Steven R. McQueen) - schön, ihn zu sehen, für eine Sekunde. Doch man muss aufpassen, denn der nächste Gast kommt sofort, nämlich Carolines Mutter (Marguerite MacIntyre). Der Tenor ist also deutlich: Wir müssen Frieden mit den Verlusten schließen und statt die Erinnerung an die Toten zu verdrängen, soll man sie nah halten und es zu schätzen wissen, sie gekannt zu haben, ihren Einfluss auf uns feiern.
Huch, aber dann, keine halbe Stunde, nachdem wir Abschied von Stefan nehmen mussten, erfahren wir, dass das wahre Traumpaar erst noch auf uns zukommt: Caroline bekommt Spenden und Briefe von Klaus (Joseph Morgan), die uns an seine letzten Worte erinnern: Er will der letzte sein, mit dem sie zusammen ist. Als dann auch noch Alaric aus dem Off erzählt, dass das der Anfang einer anderen Geschichte ist, darf man sich wohl ziemlich sicher noch mehr auf The Originals freuen.
Elena fasst am Ende noch mal alles für uns zusammen, wenn auch zwischen den Zeilen. Sie hat ein erfüllendes, langes Leben mit Damon gehabt, ist Ärztin geworden. Für mich hätte es gereicht, wenn die letzte Szene gewesen wäre, als Delena hinter der Gruft verschwinden...
Doch die The Vampire Diaries-Autoren gehen noch weiter und zwar bis ans Ende dieses langen Lebens. Doch natürlich sehen die beiden immer noch wie Twens aus, schhhhh, wir sind immer noch bei „TVD“ und nicht bei Six Feet Under. Frisch wie eh und je gehen die beiden zu ihren Familien: Elena zu ihren Eltern, ihrer Tante und ihrem Onkel, Damon zu Stefan. Dazu sagt Elena, dass das Frieden sei, das Versprechen eines Tages, nach einem langen Leben wieder mit denen vereint zu sein, die man unterwegs vermissen musste. Muss wohl der Himmel sein, der bisher, im Gegensatz zu den zahlreichen niederen und neutralen Orten für weniger gute Menschen, nur wenig in der Serie thematisiert wurde.
Fazit
Serienfinale sind befriedigend, wenn sich ein Kreis schließt. Mit Stefans Opfer, Delenas Happy End und dem Blick in die weiteren Leben der Charaktere haben die The Vampire Diaries-Autoren für mich genau das geschafft. Mit den letzten Szenen haben sie die Schraube für meinen Geschmack ein bisschen zu weit gedreht, aber das macht ja nun auch nicht mehr viel aus. Hauptsache, sie haben die große Geschichte, mit der sie sich zwischendurch ziemlich verfahren haben, in einer triumphalen Episode ans Ziel gebracht. Das ist gelungen, auf eine Art, die an die alte Zeit erinnert.
Verfasser: am Samstag, 11. März 2017The Vampire Diaries 8x16 Trailer
(The Vampire Diaries 8x16)
Schauspieler in der Episode The Vampire Diaries 8x16
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