The Vampire Diaries 7x06

Vielleicht haben die The Vampire Diaries-Macher sich von ihren Spin-off-Kollegen bei The Originals inspirieren lassen, vielleicht sind ihnen auch bloß die Themen ausgegangen. In der Episode Best Served Cold passiert etwas, was wir in Mystic Falls aufgrund der fast ausschließlich vampiristischen Bürgerschaft nicht erwartet haben: Potentieller Nachwuchs wird zur Plotline im Rampenlicht.
Kinder und Eltern
Wohin man in der Episode Best Served Cold auch guckt, überall sind Kinder und Eltern zu sehen und zu hören. Arbeiten wir uns durch die einzelnen Zusammenhänge. Im Mittelpunkt einer Story steht natürlich Stefan (Paul Wesley), er ist Fastvater, Sohn und gleichzeitig Halbwaise und unwilliger Stiefsohn nach Shakespeare-Format. Der neue Mann seiner Mutter hat seine einzige Chance auf Nachwuchs zerstört. Und jetzt spielt Julian (Todd Lasance, Spartacus) sich auch noch als strenger Stiefvater auf, der Mikael (Sebastian Roche) in Nichts nachsteht.
Stefan ist gerechtfertigterweise schwer verstört. Statt das junge Liebesglück mit Caroline (Candice King) genießen zu können, muss er sich mit einer längst vergessenen Exfreundin auseinandersetzen. Als er erfährt, wie nah er dran war, seinen Traum von einem Kind zu erfüllen und wie grausam ihm diese Möglichkeit genommen wurde, sieht er rot. Natürlich auf Stefan-Art: brutal und kontrolliert, alles in allem sehr zielorientiert. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der jedem Racheakt eine Art psychopathischen Anstrich gibt, der sich durch einen grausamen Genuss auszeichnet. Beide haben ein Ziel: Julian zu töten. Stefan will das ohne Umschweife bei der erstbesten Gelegenheit erledigen, Damon will nebenbei auch noch Lily (Annie Wersching) foltern und sich an dem Anblick richtig weiden.
Kurz vor dem Ende finden die beiden zusammen, wenn Stefan seinem Bruder Damon (Ian Somerhalder) die Wahrheit erzählt. Der Kampf gegen Julian zeigt auch, wie stark die Gemeinschaft zwischen den beiden mittlerweile ist. In Rückblicken haben wir gesehen, dass sie manchmal auch Jahrzehnte getrennt voneinander im Streit verbracht haben, doch das alles ist jetzt anders. Die Ereignisse der ersten sechs The Vampire Diaries-Staffeln haben auch ihnen viel beigebracht. Zurück an dem wichtigen Ort ihrer Vergangenheit, im Reinen mit der Doppelgängersache und vielen anderen Problemen. Sie haben einen Punkt in ihrer Beziehung erreicht, an dem sie ihre Zusammengehörigkeit zeigen können. Befeuert wird das noch vom Auftauchen gemeinsamer Feinde, wie in diesem Fall Julian.
Er erinnert sie an ihren Vater. Man kann sich jedoch auch an einen anderen Patriarch des „TVD“-Universums erinnert fühlen: Mikael, den Vater der Originalgeschwister. Doch in beiden Fällen ist der auferstandene Vampir ein billiger Abklatsch, der seine Frau mit billigen Mitteln manipuliert und sich für keine Schandtat zu schade ist. Als Gegenspieler ist er bedingt geeignet, vor allem, nachdem wir Silas und Kai (Chris Wood) kennengelernt haben, die neben ihrer Bösartigkeit auch noch eine Menge Charisma mitgebracht haben.
Der zweite Punkt könnte eine weitaus größere Rolle spielen: der Tod des ungeborenen Babys von Valerie (Elizabeth Blackmore) und Stefan. Erst, als er von dem Verlust erfährt, fällt auf, wie sehr er die Nachwuchslosigkeit seines Vampirstatus bedauert. Die Frage nach der Familiengründung war im Fall von Elena (Nina Dobrev) durchgehend verständlich. Mit Blick auf die anderen Figuren fühlt der Konflikt der Blutsverwandtschaft sich etwas weit hergeholt an. Was bedeutet es, ein Elternteil zu sein? Mehr als die reine Genweitergabe wohl noch die gemeinsam verbrachte Zeit und der Aufbau einer Familie. Natürlich könnten alle Vampire hingehen und sich eine Adoptionsurkunde samt Baby durch compelling holen.
Die Blutsverwandtschaft ergibt in der Serie The Originals als wichtiger Bestandteil der Konflikte Sinn. In Mystic Falls haben wir seit Beginn der Serie eine Clique begleitet, natürlich hatten die einzelnen Figuren durchaus spannende Familiendramen zu bieten, aber nicht auf der Gründung einer eigenen Familie fußend.
Nachwuchs im Doppelpack
Doch das ändert sich nun. Denn in der Episode Best Served Cold erfahren wir, mit wem Alaric (Matthew Davis) die Zwillinge hat: Die Mutter ist Fernsehproduzentin Caroline. Die Schockeffekte, die die Storyline aus der Zukunft auf uns schießt, werden damit immer absurder. Nicht nur, dass Caroline bisher weit davon entfernt war, ein love interest für Alaric zu sein - als Vampir war auch die Frage eigener Kinder kein Thema für sie. Die The Vampire Diaries-Autoren hebeln ihre eigene Mythologie aus und es bleibt abzuwarten, ob sie überzeugende und vor allem spannende Erklärungen dafür vorbringen können.
Bonnie (Kat Graham) und Enzo (Michael Malarkey) als Turteltauben, jetzt auch noch Alaric und Caroline - viel zufälliger kann man die Clique wohl kaum in Paare einteilen. In einem ersten Versuch, die Entwicklung zu erklären, lassen die Serienmacher in dieser Episode Bonnie und Enzo zusammen auf der Party herumstehen. Doch von einer Liebeserklärung sind die beiden noch weit entfernt. Ähnliches gilt für Alaric und Caroline. Nur, weil sie mehr oder weniger zufällig diejenige ist, die ihn nun durch das Jo-Drama begleitet, kann man ihnen noch lange nicht glaubhaft den Verlobungsring anlegen. Doch wollen die Autoren das überhaupt?
Wie SERIENJUNKIES.DE®-Leser Fasaos unter dem Review zur Episode Live Through This erklärte, gibt es natürlich die Möglichkeit, dass die Figuren in der Zukunft nicht die sind, die sie scheinen. So könnte Lily in Bonnies Körper stecken, doch nach aktuellem Stand kann das ja zumindest nicht durch den Phoenix-Stein bewerkstelligt werden. Beide Erklärungen fühlen sich aktuell unbefriedigend an. Der übermäßige Gebrauch des Körpertauschtricks ist ebenso störend wie zufällig zusammengewürfelte Paare, deren Entstehungsgeschichte wirkt wie im Nachhinein reingeschrieben. Ganz zu schweigen von der Frage, wie die Schwangerschaft eines Vampirs gerechtfertigt wird.
Fazit
Die Episode Best Served Cold dreht die Schraube der Spannung so weit, dass ein Überdrehen immer wahrscheinlicher scheint. Die Offenbarung, dass Caroline die Mutter von Alarics Kindern ist, ergibt ebenso wenig Sinn wie die Kombination aus Bonnie und Enzo. Sicher kann da immer noch eine logische und spannende Erklärung folgen, aber auf dem Weg dahin sollten die Autoren nicht vergessen, uns emotional nicht im Regen stehenzulassen. Die Storyline um Julian alleine schafft es nicht, alle mitzureißen.
Promo zur nächsten Episode, „Mommie Dearest“ (7x07), der US-Serie „The Vampire Diaries“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 13. November 2015The Vampire Diaries 7x06 Trailer
(The Vampire Diaries 7x06)
Schauspieler in der Episode The Vampire Diaries 7x06
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