The Vampire Diaries 6x10

Die The Vampire Diaries-Autoren schienen wohl so gar nicht in Feierlaune zu sein als sie sich die diesjährige Weihnachtsepisode Christmas Through Your Eyes ausgedacht haben. In Mystic Falls geht ein Plan nach dem anderen für die Clique den Bach runter, am Ende sehen wir uns mit einer der traurigsten Offenbarungen seit Beginn der Serie konfrontiert. Vielleicht wollten die Autoren uns mitteilen, dass wir die Pause nutzen sollen, uns denen zuzuwenden, die wir lieben.
Zwilling unter Zugzwang
Kai ( Chris Wood) bleibt auch in der Episode Christmas Through Your Eyes der vielversprechende Bösewicht, den die Serie The Vampire Diaries verdient hat. Nun zeigt sich, dass er auch ein perfektes Timing hat, zumindest für Enzo (Michael Malarkey), der sich seit seinem ersten Auftauchen beharrlich weigert zu sterben, egal wie viele Anstrengungen die anderen in dieser Richtung unternehmen.
Kai und Jo (Jodi Lyn O'Keefe) sind ein interessantes Gespann, Zwillinge mit unterschiedlicher Prämisse. Jo ist jemand - Liv (Penelope Mitchell) spricht es in ihrer flammenden Rede an - der andere rettet. Sie ist nicht ohne Grund Ärztin geworden, es ist ihr Wesen. Sie wäre in einer Selbsthilfegruppe mit Bonnie (Kat Graham) gut aufgehoben, denn sie hat einen Helferkomplex. Doch anders als unsere Haus- und Hofhexe fühlt sich dieses Verhalten bei ihr wie eine Kompensation an. Sie ist nicht diejenige, die sich in Gefahr stürzt und dabei umkommt. Sie hält so lange es geht an ihrem ruhigen Leben fest und sieht den Tatsachen erst ins Auge als Liv ihr einen leidenschaftlichen Vortrag hält.
Ihr Verhalten fühlt sich an wie einziger Schuldkomplex. Der würde auch nicht allzu fernliegen, wenn man bedenkt, dass sie als der talentierte Zwilling geboren wurde, während ihr Bruder keine eigene Magie hat. Stattdessen hat er die Fähigkeit mitbekommen, die Kraft anderer anzunehmen und den Willen, der Beste zu sein. Mit dieser Mischung sind die beiden in logisch vorgezeichnete Rollen gefallen: Sie ist die selbstlose Gute, er der egoistische Böse. Irgendwie konnte man ja auch vor dem Massenmord schon kommen sehen, dass diese Konstellation für die Entscheidung, wer den Hexenzirkel anführen soll, nicht gerade förderlich sein wird. Wieso haben die Hexen nicht früher Maßnahmen ergriffen und erscheinen auch jetzt noch weitgehend abwesend? Sie haben Liv und Luke (Chris Brochu) nach Hause beordert, aber von den aktuellen Geschehnissen in Mystic Falls scheinen sie eher weniger beeindruckt zu sein.
Jo hat ein richtig mieses Timing, in dem Moment, in dem sie sich entscheidet, den Kampf aufzunehmen, wird Kai durch die Traveller-Magie unvorstellbar mächtig. Man kann nur hoffen, dass Jo auch noch ein Ass im Ärmel hat.
Im Gegensatz zu Silas hat Kai von Beginn an keinen Hehl daraus gemacht, was er will und dass er als neuer Gegenspieler auftritt. Trotzdem bleiben alle ziemlich entspannt. Der Spannungsaufbau ist immer ein Problem für die Serie The Vampire Diaries gewesen, denn wenn jeder der Gefahr angemessen reagieren würde, wären die Staffeln schnell vorbei. Manchmal funktioniert die Verschleppung der Bedrohung besser, manchmal schlechter. Mit Blick auf Kai und Bonnie fühlt es sich im Moment seltsam an, wie wenig Aufwand die meisten Figuren betreiben, zum Beispiel Caroline (Candice Accola) für die Rettung ihrer Freundin oder Kais Vater gegen die Bedrohung durch seinen Sohn.
Füreinander da sein, die nervige Ausgabe
Doch die Episode Christmas Through Your Eyes kann mit anderen Stärken punkten, eine davon ist der Plot um Sheriff Forbes (Marguerite Macintyre) und Caroline. Keine Stärke hingegen ist die erneute Verschleppung der Wiedervereinigung von Elena und Damon (Ian Somerhalder). Kurz bekommen wir eine interessante Szene, in der Caroline wohl die ersten netten Worte über Damon verliert. Das ist besonders bemerkenswert, weil sie die Gelegenheit nicht wahrnehmen müsste. Sie hat so lange versucht, ihre Freundin aus den Fängen des Monsters zu befreien und nun, da Elena von Damon losgekommen ist, könnte Caroline sich einfach zurücklehnen. Doch sie spricht aus, was das einzig Gute an Damon im Moment in Elenas Augen ist: Er ist für sie da. Sie kann sich an all die anderen schönen, gemeinsamen Erlebnisse nicht erinnern, im Moment kann er nur dadurch punkten, dass er ihr beisteht. Und das tut er wohl so gut, dass das Ende dieser The Vampire Diaries-Episode die Wiedervereinigung einläutet.
Wenn nicht in letzter Minute das Schicksal in Form einer ziemlich billigen Wendung sich dagegen auflehnen würde. Die Story um Elena und Damon ist im Moment in erster Linie anstrengend. Sie können nicht so schnell wieder zusammenkommen, sie können sich aber offensichtlich auch nicht alleine in Abenteuer stürzen. Die The Vampire Diaries-Autoren verwenden also wertvolle Zeit darauf, den beiden Steine in den Weg zu legen. Warum nutzen sie diese Minuten nicht lieber, um die Story um Matt (Zach Roerig) und Jeremy (Steven R. McQueen) zu vertiefen?
Füreinander da sein, richtig gemacht
Der emotionalste Moment der Episode Christmas Through Your Eyes ist dem zweiten verhinderten Traumpaar vergönnt: Stefan muss Caroline die furchtbare Nachricht überbringen, dass ihre Mutter Krebs hat. Der Moment, mit dem wir in die Feiertagspause gehen, hat nichts mit Übernatürlichkeit zu tun, im Gegenteil, das Allheilmittel Vampirblut hilft an dieser Stelle nicht weiter. The Vampire Diaries hat uns einige traurige Momente beschert, in der Regel, weil jemand sein Leben lassen musste. Doch der Tod bedeutet schon lange nichts mehr, spätestens seit Bonnie zum wiederholten Mal zurückgekehrt ist.
Doch bei Sheriff Forbes ist die Lage anders. Sie ist krank und sie ist ein Mensch. Mit dieser Art von Trauer umzugehen ist man in Mystic Falls kaum mehr gewohnt und besonders deswegen trifft sie Caroline und den Zuschauer ins Mark. Ein heldenhafter Kampf, bei dem alle Übernatürlichen zusammenstehen, kann sie nicht retten und ihre Wiederkehr ist - zumindest nach aktuellem Stand - nicht möglich.
Vielleicht wird diese Krankheit genutzt, um Caroline und Stefan (Paul Wesley) zusammenzubringen, vielleicht wird die Frage in den Raum gestellt, warum Sheriff Forbes nicht einfach zum Vampir gemacht wird. Beides würde die Story in typische The Vampire Diaries-Muster einbinden, was nicht unbedingt schlecht wäre. Doch angesichts der Stärke der Szenen in dieser Episode könnte eine Romanze oder das Eingreifen von Übernatürlichen ein bisschen flach wirken. Für den Moment jedoch haben wir eine ergreifende Story über die Angst um die eigene Mutter und eine Freundschaft, die auf die Probe gestellt wurde.
Fazit
Die The Vampire Diaries-Autoren sind nicht in besinnlicher Stimmung. In der Episode Christmas Through Your Eyes sehen wir Bonnies weihnachtliche Einsamkeit und den neuesten Stolperstein für Elena und Damon. Auch wenn die endlose Beziehung der beiden langsam nervt, ist es eine schöne Aussage für die Feiertagspause: Die Mystic-Falls-Figuren haben es nicht leicht. Caroline muss um ihre kranke Mutter bangen während Elena ihre große Liebe nun in mehrfacher Hinsicht nicht mehr sehen kann. Wir haben die Adventsstimmung durch ihre Augen gesehen und was lernen wir daraus? Manche können nicht für ihre Liebsten da sein, weil sie sie nicht sehen, andere können vielleicht bald nicht mehr füreinander da sein. Nutzen wir also eine gute Gelegenheit wie die Feiertage, um für die eigene Familie und Freunde da zu sein.
Vampire Diaries: Promo zur nächsten „The Vampire Diaries“-Episode, „Woke Up with a Monster“ (6x11): Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 12. Dezember 2014The Vampire Diaries 6x10 Trailer
(The Vampire Diaries 6x10)
Schauspieler in der Episode The Vampire Diaries 6x10
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