The Vampire Diaries 2x22

The Vampire Diaries 2x22

Die Autoren von Vampire Diaries haben in dieser Staffel geradezu meisterhaft ihr Händchen für Verwirrspiele bewiesen. Eine Überraschung bleibt noch fürs Finale As I Lay Dying - ein Gamechanger der anderen Art.

Wie ein Spiegel: Dreht sich hier das Liebesdreieck in „Vampire Diaries“? / (c) 2011 The CW
Wie ein Spiegel: Dreht sich hier das Liebesdreieck in „Vampire Diaries“? / (c) 2011 The CW

Damon lebt, Katherine flieht, Klaus stellt Elijah kalt, Jeremy stirbt, kommt ins Leben zurück und sieht plötzlich tote Menschen - aber die große Überraschung des The Vampire Diaries-Finales ist trotzdem eine andere: Um seinen Bruder zu retten, wird Stefan zu dem Vampir, von dem wir uns seit der Flashback-Episode The Dinner Party wünschten, er würde zumindest gelegentlich mal durch die langweilige Heldenfassade durchbrechen und seine Zähne zeigen.

Stefan ist großartig als Held und so bewundernswert und ehrenhaft. Aber als Schauspieler möchte ich, dass er sich mal ein bisschen schmutzig macht“, soll Paul Wesley zu Beginn der zweiten Staffel zu Executive Producer Julie Plec gesagt haben. Plec erzählt in einem Interview, wie der Darsteller zu ihr kam, um mal ein „ernsthaftes Gespräch“ zu führen. Er habe, so die Mitschöpferin der Serie, zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, was längst geplant war: Stefans moralischer und charakterlicher Niedergang. Weg von dem stillen Typen, der mit jeder Faser seines Körpers sein Bedürfnis nach Wiedergutmachung und seine tiefen seelischen Qualen ausstrahlt, hin zu einem Vampir, der seine Natur auslebt und Damons Verfehlungen wie Kinderkram aussehen lässt.

Plec, Kevin Williamson und ihre Autoren haben in dieser Staffel geradezu meisterhaft mit den Erwartungen gespielt und den Zuschauer trotz subtiler Hinweise und der ein oder anderen vorhersehbaren Wendung immer wieder kalt erwischt.

Auch Stefans Entwicklung kam nicht von irgendwo. Das Flashback erklärte seine Motivation, zu sein wie er ist, und führte uns gleichzeitig vor Augen, was für die Figur erzählerisch noch möglich ist. Gerade in den letzten Episoden musste sich Stefan vorwerfen lassen, dass er nicht bereit sei, im Zweifel bis zum Äußersten zu gehen.

In As I Lay Dying nun geht er bis über das Äußerste hinaus. So viel von Elenas Blut kann er gar nicht getrunken haben, um zu verhindern, dass Klaus die Bestie in ihm weckt. Ohne es auszusprechen, fragt „Vampire Diaries“ hier wieder einmal: Was ist ein Menschenleben wert? Wenn jemand so viel Unheil angerichtet hat wie Damon, verdient er dann diese Aufopferung? Vor allem, wenn dafür noch mehr Menschen sterben müssen?

Die Antwort darauf war in dieser Serie bislang selten schwarz oder weiß. Gequält von den Geistern seiner Vergangenheit kommt jedoch Damon zu der klaren Erkenntnis: „I deserve to die“ - während Stefan bereitwillig weiteres Blutvergießen hinnimmt. Die Rollen der Brüder - sie sind plötzlich vertauscht.

Am Ende von „As I Lay Dying“ steht Stefan auf der Seite des Bösen, wenn auch aus noblen Motiven, und Damon ist reumütig und verdient sich - ob nun aus Mitleid oder aus aufrichtigen Gefühlen - einen ersten Kuss von Elena. (Der so lange herbeigesehnt wurde von vielen Fans, dass ich davon ausgehe, ihr übernehmt die Beurteilung dieser Szene schon in den Kommentaren...)

Die Episode wirkt in so vieler Hinsicht wie ein Spiegel, was zudem wunderbar inszeniert wird durch Nina Dobrevs intensive Interaktion sowohl mit Wesley als auch Somerhalder in derselben Kulisse (siehe Foto oben). Sicherlich nicht zufällig läuft bei einem Picknick in Mystic Falls „Vom Winde verweht“, eine tragische Liebesgeschichte voll aufgeladener Symbolik für das Dreieck Stefan-Elena-Damon.

Wenn die Ausnahme von der Regel zur Regel wird

Der Rollentausch zwischen Damon und Stefan war schleichend und überfällig. Damon, ständig hin- und hergerissen zwischen seiner hellen und seiner dunklen Seite, musste sich auf kurz oder lang entscheiden. Und Paul Wesleys Rolle wäre obsolet geworden, hätten die Autoren sich nicht für diesen radikalen Schritt entschieden. Nun dürfte er eine zentrale Rolle in der nächsten Season spielen, denn die ungeahnte Allianz zwischen Stefan und dem jetzt unbesiegbaren Hybriden Klaus (Joseph Morgan) verspricht ein völlig neues Setting: außerhalb von Mystic Falls, mit neuer Dynamik zwischen den Figuren und so vielen Geschichten, die es zu erkunden gilt, von den Originals über Stefans blutrünstigen Jahren bis zu Klaus' Plänen für die Zukunft.

Den Weg dafür zu ebnen, scheint das zentrale Anliegen der Episode zu sein und die Rechtfertigung, warum nach dem gefühlten Finale The Sun Also Rises in der Vorwoche nicht Schluss sein konnte. Leider führt das auch dazu, dass As I Lay Dying zwischenzeitlich vor sich hinplätschert. Vor allem in den ersten 20 Minuten, bis Sheriff Forbes (Marguerite MacIntyre) versehentlich Jeremy (Steven R. McQueen) erschießt, fehlt einfach das Tempo, das man von einem Staffelfinale erwartet.

Dann geht - wir kennen das ja schon - plötzlich alles ganz schnell: Liz Forbes darf man wieder ran. Mit ihrem unbedachten Schuss führt sie nicht nur eine Eskalation des Katz-und-Maus-Spiels mit Tochter Caroline (Candice Accola) (Happy-End-Potential) herbei, sondern schafft auch die Voraussetzungen für den überraschenden Cliffhanger.

Erinnern wir uns kurz an eines der letzten Male, als eine Hexe jemanden retten wollte, der erschossen wurde. In Buffy the Vampire Slayer gaben die höheren Mächte Willow klar zu verstehen: Wer nicht durch eine übernatürliche Ursache starb, dessen Tod kann auch Magie nicht rückgängig machen. Doch diese Maxime gilt in der Serienwelt von „Vampire Diaries“ nicht, in der mittlerweile so oft Ausnahmen von der Regel gemacht wurden, dass die Ausnahme schon fast selbst die Regel ist.

In „Buffy“ muss Willow die Konsequenzen tragen, Bonnies Zauber hingegen hat Folgen für den armen Jeremy: Er ist zwar - mal wieder - von den Toten zurückgekehrt, aber nicht alleine. Unbemerkt hat die Serie mit Vicki (Kayla Ewell) and Anna (Malese Jow) zwei verstorbene Verflossene zurückgeholt (als Geister? Oder ins Fleisch und Blut?) und damit das etwas andere Liebesviereck geschaffen.

As I Lay Dying, so langsam die Episode auch zwischenzeitlich ist, führt vieles perfekt zu einem vorübergehenden Ende, was über die gesamte Staffel aufgebaut wurde: das Spannungsfeld zwischen Stefan und Damon, Bonnies Austesten ihrer magischen Fähigkeiten, Carolines Reise zu sich selbst.

Zugleich enthüllt „Vampire Diaries“ viele Details über die Charaktere, die erst ihre eigentliche Gewichtung bekommen, wenn man sie noch einmal Revue passieren lässt: Katherine (Dobrev) etwa, die auf ihrer Flucht einen Zwischenstopp einlegt, um das rettende Klaus-Brut zu bringen und damit in gewisser Weise Wiedergutmachung leistet für ihre emotionale Kühle ihm gegenüber. Damon selbst, dessen Jahrzehnte währender Hass auf Stefan sich als das trotzige Gehabe eines Kindes entpuppt, das einen Sündenbock sucht für etwas, das es selbst verbrochen hat. Oder Jeremy, als er gegen Bonnies Beschützerinstinkt aufbegehrt.

Von den abwesenden Figuren abgesehen hält die Episode für jeden die Aussicht auf ein neues Leben bereit: Alaric (Matt Davis) saß in dem Kampf, der Jenna (Sara Canning) das Leben kostete, noch auf der Ersatzbank, könnte aber jetzt zur väterlichen Figur für Elena und Jeremy werden. Etwas, das laut Julie Plec schon die gesamte Staffel über aufgebaut werden sollte, dann jedoch stets anderen Szenen zum Opfer fiel.

Abschied von Stefan? Hallo Damon! © 2011 The CW
Abschied von Stefan? Hallo Damon! © 2011 The CW

Die Produzentin verspricht übrigens auch, dass alle Hauptcharaktere - oder zumindest jene, die überlebt haben oder wiederbelebt wurden - in der dritten Staffel wieder dabei sein werden. Und sie kann sich noch so sehr winden - Joseph Morgan und Daniel Gillies seien „außergewöhnlich“, mehr wolle sie noch nicht verraten -, die Geschichte der Originals wird der Kern der nächsten Season sein, also können wir uns auch auf mehr Klaus und Elijah freuen.

Wie schließt man nun das letzte Review zu einer rundum gelungenen, aufregenden, bewegenden Staffel? Einer Staffel, die The Vampire Diaries endgültig aus der ihr zugeteilten Teenie-Mystery-Schublade hervorgeholt und zu einer wahrlich vielseitigen, hochspannenden Serie gemacht hat? Die sogar im Finale ihre anfängliche twilightige Verklärung ironisch kommentiert mit Elenas Zeile: „Look who couldn't resist an epic love story.

Wie wär's mit einem meiner liebsten Damon-Zitate der vergangenen Monate: I'm a good guy now, remember? Auf dass das selbst nach dem Staffelfinale nie zu hundert Prozent wahr sein möge!

Ach ja, und noch das hier: Es war mir ein großes Vergnügen, die zweite Staffel mit euch zusammen zu gucken! Danke!

Verfasser: Carolin Neumann am Donnerstag, 27. Oktober 2011
Episode
Staffel 2, Episode 22
(The Vampire Diaries 2x22)
Deutscher Titel der Episode
Auferstanden von den Toten
Titel der Episode im Original
As I Lay Dying
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 12. Mai 2011 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 27. Oktober 2011
Autoren
Turi Meyer, Alfredo Septién, Michael Narducci
Regisseur
John Behring

Schauspieler in der Episode The Vampire Diaries 2x22

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