The Vampire Diaries 2x13

Daddy Issues ist eine spannende und schön konstruierte Episode von The Vampire Diaries, die über die düstere Eskalation zwischen Werwölfen und Vampiren nicht das Klaus-Dilemma vergisst. Alles scheint irgendwie zusammenzuhängen: Elijahs Ober-Warlock, der den Kampf zwischen den Vampiren und den Werwölfen im Wald beendet, um die Vereinbarung zwischen seinem Boss und Elena (Nina Dobrev) zu bewahren; John Gilbert (David Anders), der vorgibt, zum Schutz seiner Tochter nach Mystic Falls zurückgekehrt zu sein, sich tatsächlich aber darum bemüht, Katherine - aus welchen Gründen auch immer - zu befreien; und nicht zuletzt Caroline, deren Ablehnung Tyler in die Arme von Jules und ihrem Wolfsrudel treibt.
Man kann es ihr nicht verübeln. Es sind zwar nur wenige Sekunden, doch Tylers Zögern, als er Caroline eingesperrt und um Hilfe flehend auffindet, dürfte den Ton für die kommende Zeit gesetzt haben. Von dem Moment, als sie fast getötet worden wäre, ganz zu schweigen. Verwirrt und verunsichert ob der Erkenntnis, dass seine vampirische Freundin ihm den Tod seines Onkels verschwiegen hat, hinterfragt Tyler (Michael Trevino) gar nicht erst, wieso Caroline ihn angelogen hat. Hätte er nicht erst nach ihrem Beinahe-Tod realisiert, dass sie ihn nur beschützen wollte, die Freundschaft der beiden wäre nicht zerbrochen.
Doch ein paar Sekunden machen einen großen Unterschied. Zusätzlich trichtert Jules (Michaela McManus) ihm ihre Ansichten ein. Werwölfe und Vampire, das müsse Tyler klar sein, können niemals befreundet sein.
Sicher kann man Jules' Verbissenheit als Skrupellosigkeit auslegen, doch sie, ihr Freund Brady (Stephen Amell) und die anderen Werwölfe, die später überraschend auftauchen, agieren eben nach einem Verhaltenskodex, den sie geradezu im Blut zu haben scheinen. Alles für das Rudel, ist die Devise! Auch wenn sie Rache für Mason will, gehen Jules die Loyalität und das Pflichtgefühl, Tyler in ihrer Gruppe zu wissen, über die Vergeltung. Und so gerät Caroline zwischen die Fronten - und bekommt eine hölzerne Kugel mitten zwischen die Augen. Ein klassischer „Vampire Diaries“-Zug. Peng!
Es ist die Episode der Candice Accola, die nicht nur das Previously on aufsagen darf, sondern ihren Charakter nach etwa der Hälfte der zweiten Staffel schön abrundet und zu einer wichtigen Erkenntnis führt: Sie mag kein Mensch mehr sein, aber ihre menschliche Seite wird - ganz der Mentor - die Überhand behalten. Caroline ist zerrissen. Mit Matt ist sie der unsichere Teenie. Wenn Mentor Stefan (Paul Wesley) auf den Plan tritt, wird sie zur Schülerin. Mit Tyler darf sie die Starke sein. und zwischen diesen dreien und den anderen Charakteren hat es die Figur seit der Verwandlung schwer.
Von der toughen Art, mit der sie noch vor wenigen Wochen Katherine an der Nase herumführte, ist in dieser Episode nicht mehr viel übrig, als sie plötzlich in die Gefangenschaft der rachsüchtigen Werwölfe gelangt. „Why are you doing this?“, fragt Caroline Brady flehend und verzweifelt, als er eine hölzerne Kugel nach dem anderen in ihren Körper feuert und sie mit - besonders perfide - Vervaine aus einer Wasserpistole spritzt. Seine Antwort, die dem Vampir-Werwolf-Konflikt eine besondere Note gibt: „You're a vampire. Why not?“
Da kann sie am Ende noch so sehr beteuern: „I'm not girly little Caroline anymore“, als der besorgte Stefan vor der Tür steht. Vielleicht nicht mehr ganz so mädchenhaft; wenn's sein muss, kann Caroline Zähne zeigen. Doch unsterblich oder nicht, die Figur hat in den Szenen in Gefangenschaft etwas Unschuldiges, Jugendliches. Als sie sich die Kugel aus der Stirn pult, erwartet man beinahe, dass Caroline als nächstes nach einem Spiegel fragt, um ihr Make-up zu überprüfen.
Und nachdem sie aus dem Käfig freigekommen ist - was eine Metapher! - und Jules sie zu töten droht, ist von dem blutrünstigen Monster, das sie zu werden drohte, keine Spur mehr. Es ist klar: Caroline hat die Kurve bekommen, hat geschafft, trotz ihrer neuen Natur sie selbst zu bleiben. Etwas, das die Autoren schließlich mit dem Pyjama-Abend mit Elena und Bonnie ganz bewusst auf den klischeehaften Teeniehöhepunkt treiben.
Auch wenn Tyler es sich mit Caroline verscherzt hat, wieso ist für ihn der logische nächste Schritt, zu Jules und Brady zurückzukehren? Möglicherweise wird uns The Vampire Diaries noch eine Erklärung liefern, die darüber hinausgeht, dass er halt verwirrt ist und Rat bei den einzigen Bekannten sucht, die ihm seiner Meinung nach Antworten liefern können. Geht die Verbindung in einem Wolfsrudel möglicherweise über reine Loyalität hinaus? Es wäre nicht das erste mal in der Serie, dass Figuren mystisch miteinander verknüpft sind. Auf welcher Seite Tyler wohl stehen wird, wenn es zur erneuten Konfrontation kommt? Die wird nicht lange auf sich warten lassen, jetzt, da Jules und Brady von Masons Suche nach dem Mondstein wissen.

Ein Rätsel bleiben auch die „Daddy Issues“, die der Episode ihren Titel geben. Wer Onkel John seine väterlichen Beteuerungen Elena gegenüber nicht glauben wollte, der muss besonders herzlos sein. Umso überraschender, dass sich das anfängliche Bauchgefühl am Ende als wahr erweist. Oder sagen wir besser: als wahr zu erweisen scheint. Wer weiß, welchen Plan Isobel und John mit der Befreiuung von Katherine aus der Grabkammer tatsächlich verfolgen. Und ob John nicht zumindest in einer Sache die Wahrheit gesagt hat: dass Isobel alles daran setzt, damit Klaus niemals einen Fuß nach Mystic Falls setzt.
Sollte es dann doch soweit sein - und das wird wohl so lange nicht mehr dauern -, haben die Salvatores nun ein Mittel, um den blaublütigen Uralt-Vampir zu töten. Bleibt zu hoffen, dass die Brüder bis dahin noch an einem Strang ziehen.
Ein Damon für alle
Damon (Ian Somerhalder) nämlich ist einem neuen Stadium seiner nicht enden wollenden Selbstqualen angekommen, das die inzwischen gefestigte Beziehung der beiden Figuren zerrütten köntte: Er liebt Elena und ist sich bewusst, dass er sie niemals haben kann. „I'm the good guy now, remember?“, sagt er, als sie ihn von einer blutigen Tat abhalten will. Und so gelobt er ihr den diplomatischen Weg, auch wenn: „Stupid's so much more fun.“ Er mag sie vergessen lassen haben, dass er ihr seine Liebe gestanden hat, doch seine Gefühle sind inzwischen unter den Untoten beinahe Allgemeinwissen, so dass er kaum mehr einen Hehl aus ihnen macht: Elena solle aufhören, davon auszugehen, dass er den Guten spielen wird, bloß weil sie es ist, die ihn fragt.
Am Ende hat er in der Reporterin Andie (Dawn Olivieri, die erstaunlicherweise eine gewisse Ähnlichkeit zu Rose-Darstellerin (Lauren Cohan) aufweist) eine neue Spielgefährtin. Wie in der ersten Staffel mit Caroline entwickelt sich hier die übliche Damon-Spirale von Sex und frischem, warmem Blut, nur dass diesmal seine Gefühle für Elena in die Gleichung einfließen. Und das bedeutet, dass er seine Machenschaften vor Stefan und den anderen geheim hält. Das wird zwangsweise zu einem Konflikt führen, in dem dann hoffentlich die gemeinsame Sorge um Elena nicht untergeht.
Eine temporeiche Folge wie „Daddy Issues“ entschädigt für die unerklärlich figurenarme Füllepisode der Vorwoche. Zumal eine, die trotz all der Ereignisse Raum für alle Charaktere findet. Jenna (Sara Canning) etwa darf erstaunt gucken, als John ihr eröffnet, dass er Elenas Vater ist. Bonnie (Katerina Graham) hat eine Konfrontation mit Warlock Mr. Martin, denn alle scheinen auf einmal zu wissen, dass Lukas Papa gleichzeitig Elijahs Handlanger ist. Ging das nur mir so oder kam das vollkommen aus dem Nichts? Als seien letzte Woche Szenen rausgeschnitten worden, in denen Team Vampir der Mini-Verschwörung auf die Spur gekommen ist. Gleiches gilt für Bonnie und Jeremy (Steven R. McQueen), die auf einmal sehr auf Tuchfühlung gehen, als sei dem Zuschauer der Moment vorenthalten worden, in dem die beiden plötzlich ein Paar wurden.
Zum Glück ist der Rest der Episode sehr überzeugend inklusive des Wow-Moments, als Caroline auf offener Straße eine Kugel in den Kopf bekommt; die wenigen ärgerlichen Aspekte können das Gesamtbild nicht trügen. „Daddy Issues“ bereitet den Weg für einen zähen Kampf zwischen Vampir und Werwolf, den man nach den Szenen im Wald kaum erwarten kann.
Verfasser: Carolin Neumann am Freitag, 4. Februar 2011(The Vampire Diaries 2x13)
Schauspieler in der Episode The Vampire Diaries 2x13
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