The Unicorn 1x01

© he Unicorn (c) CBS
Schon nach den ersten paar Minuten von The Unicorn musste ich mich versichern, dass wirklich CBS die Sendeheimat der neuen Comedy mit Walton Goggins (Justified, Sons of Anarchy) ist. Denn viel eher würde man so eine Single-Kamera-Comedy bei FOX oder ABC erwarten, während bei CBS sich oft eher die vor dem Publikum aufgezeichneten Multi-Kamera-Sitcoms (The Big Bang Theory, Two And A Half Men, 2 Broke Girls) großer Beliebtheit erfreuen. Persönlich bin ich aber oft ohnehin eher bei den Single-Kamera-Comedys heimisch und so hat es mich gefreut, dass man diesen Stoff in diesem Stil gedreht hat, denn sonst hätte man wohl eine Serie der Marke 9JKL, Living Biblically oder ein ähnliches Kaliber vorgesetzt bekommen.
So wurde ich direkt positiv überrascht und fühle mich an einen fast vergessenen Favoriten erinnert: Cougar Town. In beiden Serien geht es - zumindest anfangs - um erwachsene Protagonisten, die im höheren Alter noch einmal ins typisch amerikanische Dating eintauchen und dabei von einer Freundesclique unterstützt werden.
Im Zentrum steht Walton Goggins als Wade Felton, der vor gut einem Jahr seine Frau verloren hat und nun die gemeinsamen beiden Töchter Grace (Ruby Jay) und Natalie (Makenzie Moss) großziehen muss. Den Verlust der Frau kompensiert er, indem er sich zurückzieht und sich von den Traueressen ernährt, die der Familie geschenkt wurden. Doch seine Freunde, darunter Forest (Rob Corddry, Ballers), Delia (Michaela Watkins, Casual), Ben (Omar Benson Miller, Ballers) und Michelle (Maya Lynne Robinson) versuchen, ihm Mut zu machen und ihn ins normale Leben zurückzuholen, in dem er nicht mehr in Trauer und Selbstmitleid baden soll.
Als Schiri beim Fußballspiel seiner Tochter wird er angeflirtet, was den Rest dazu bringt, dass er es mal mit Online-Dating probieren sollte. Stellt sich nur die Frage, ob er seinen Witwerstatus angeben sollte. Als er das tut, trudeln allerdings direkt einige Anfragen an. Michelle weiß, woran das liegt: Wade gilt als Einhorn. Ein Mann, der Familienverantwortung, Treue und Verlässlichkeit bewiesen hat (wobei man das alles nicht unbedingt nachweisen kann, aber geschenkt) und für potentielle Partner deswegen nach einer Wunschvorstellung von einem Partner klingt. Dazu ist er auch noch recht gut in Schuss (wobei auch das Ansichtssache ist) - und schon kann das neue Dating-Abenteuer beginnen.
Six foot cuddler
Doch schon das erste Date macht klar, dass er überhaupt keine Übung in diesem Bereich hat. Der Smalltalk fällt ihm schwer und wegen seines sichtbaren Ringabdrucks an seinem Finger wird er für einen potentiellen Fremdgeher gehalten. Natürlich führt das zu einer kleinen Szene im Restaurant, die ihm wegen seiner Situation einige Sympathie von den anderen Gästen einbringt, die ihm sogar ein Getränk auf ihre Kosten schicken lassen. Gleichzeitig scheint auch sein Date durchaus Interesse an einer unverbindlichen Affäre zu haben. Doch Wade ist sich nicht sicher, dass er das auf diese Weise möchte und lehnt vorerst ab. Gleichzeitig lernt er, wie diese Welt läuft und dass es durchaus eine Reihe von Interessenten gibt, die ihn gerne kennenlernen würden und er sich die Zeit nehmen kann, die er braucht. Wenn er bereit ist, darf er sich aber gerne wieder bei ihr melden. Schön.

Wade ist sich seiner Sache auch wegen seiner Töchter unsicher, mit denen er in der Pilotfolge auch vorab spricht, um sie über seine Pläne in Kenntnis zu setzen, was das Kennenlernen neuer Frauen angeht - und er informiert sie auch über das wahre Schicksal einiger geliebter Tiere (RIP Doodles)... Nach dem etwas verpatzten Date will er also wieder seinen Vaterpflichten nachgehen, sieht dann aber, dass Tochter Grace sich ihren Schwarm eingeladen hat und die Abwesenheit des Vaters ausnutzen wollte.
So scheint es, dass Wade neuen Mut für den den künftigen Lebensabschnitt gefunden hat und eine Balance finden muss, um seine Vaterpflichten und sein Liebesleben unter einen Hut zu bekommen. Dabei kann er auf die Hilfe seiner Freunde setzen, denn Delia leistet nebenbei ein wenig Aufklärungshilfe bei Grace und die Flirtbereite Mutter Tracy (Natalie Ceballos) taucht beim gemeinsamen Chilliessen auch wieder auf.
Ein Einhorn unter den Serien?
Eingangs habe ich schon die positive Assoziation an Cougar Town erwähnt und nach der Sichtung der Pilotfolge frage ich mich, wie lange sich das Grundkonzept (plus der Name) von The Unicorn trägt oder ob das Format nicht über kurz oder lang (sofern die Serie der gewünschte Erfolg wird) zu einer Sitcom wird, die Freundesclique und Familiendynamik vereint. Das wäre natürlich gar nicht schlimm, nur hätte es eben mit der Grundprämisse wahrscheinlich nur noch wenig zu tun. In letzter Zeit fehlt mir dieser Mix ehrlich gesagt auch ein bisschen.
Der Cast, dessen einzelne Darsteller ich in anderen Formaten schon durchaus gerne gesehen habe, jedenfalls macht seine Sache auf Anhieb gut und harmoniert in meinen Augen auch sehr, was ebenso für die charmanten Jungdarsteller gilt, die mir nicht sofort auf die Nerven gegangen sind, was auch keine Selbstverständlichkeit ist. Man muss sich aber fragen, ob die Starpower reicht oder ob Goggins der richtige Hauptdarsteller ist. Es wäre fast ein besseres Vehikel für jemanden wie Rob Lowe oder John Stamos gewesen, die mit The Grinder und Grandfathered aber auch nur ziemliche One-Hit-Wonder produziert haben und somit ebenfalls keine sichere Bank darstellen.
Eine weitere Serie, an die ich tonal etwas erinnert wurde, ist übrigens New Girl, weil die Protagonisten in beiden Serien in gewissen öffentlichen Situationen eher ahnungslos agieren und sich auf charmante Weise blamieren (im Englischen würde man wohl das Wort awkward benutzen). Weil das alles einen gewissen Grundcharme hat, bin ich vom Auftakt auch durchaus angetan und bleibe wahrscheinlich dran. Nur die große Konkurrenz an anderen Serien, die diese neue CBS-Comedy überschatten könnte, eine Entwicklung in eine langweilige Richtung oder ein Scheitern auf Einschaltquotenebene könnten die Sitcom schnell aus dem Verkehr ziehen. Ich persönlich fände es nach dem soliden Auftakt schade.
Allerdings kann ich mich neben Young Sheldon auch nicht an die letzte Single-Kamera-Comedy erinnern, die bei CBS insgesamt längeren Erfolg hatte. Allerdings gilt das Gleiche auch für Multi-Kamera-Serien, die in den letzten Jahren nur sehr selten verlängert wurden, wenn die Quoten nicht auf Anhieb stimmten. Statistisch gesehen spricht also leider zu viel gegen die neue Serie...
Fazit

The Unicorn gelingt ein charmanter Serienstart mit einem eingespielt wirkenden Ensemble, der jedoch nicht allzu sehr aus der Serienmasse herausragt und deswegen Schwierigkeiten bekommen könnte, sich durchzusetzen. Vielleicht irre ich mich aber auch und CBS hat hier ein seltenes Single-Kamera-Unicorn an der Hand, das den Fluch bricht und sich neben Young Sheldon beim Sender etablieren lässt.
Hier noch der Trailer zu „The Unicorn“:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 27. September 2019The Unicorn 1x01 Trailer
(The Unicorn 1x01)
Schauspieler in der Episode The Unicorn 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?