The Umbrella Academy 3x10

The Umbrella Academy 3x10

Die Comicadaption The Umbrella Academy hat sich wohl zu einem der beliebtesten englischsprachigen Netflix-Originals gemausert. Die dritte Staffel liefert erneut viele Zutaten, die die Zuschauer lieben. Doch: Kann das Endresultat überzeugen?

Poster zur Serie The Umbrella Academy (c) Netflix
Poster zur Serie The Umbrella Academy (c) Netflix
© oster zur Serie The Umbrella Academy (c) Netflix

In jeder Season der Serie The Umbrella Academy ist ein gewisses Chaos vorprogrammiert, denn die Hargreeves-Geschwister ziehen das Chaos und die Weltuntergänge förmlich an, so dass das schon zum Running Gag wird. Mehrfach haben die Figuren eine Apokalypse direkt oder indirekt verursacht, sie dann aber in letzter Sekunde abgewendet. In der zweiten Staffel reiste man durch die Zeit zurück und erlebte die 1960er auf ziemlich unterschiedliche Weisen (Hier meine Kritik dazu).

Das Ganze basiert zwar auf einer Comicvorlage von Comic-Autor und My-Chemical-Romance-Frontmann Gerard Way sowie Zeichner Gabriel Ba, die 2007 zum ersten Mal erschienen ist. Aber eigentlich sucht man sich hier und da nur ein paar Motive, Themen und Inspirationen aus und macht letztlich so ziemlich sein eigenes Ding, was aber auch für Überraschungen gut ist. Denn eine Stärke der Serie ist der Mut zur weirdness und zum Brechen von Konventionen.

Am Ende der zweiten Season schafften es die Geschwister, durch Number 5 (Aidan Gallagher) und dem Krieg gegen die Temps Commission die Reise in die Gegenwart anzutreten. So dachten sie zumindest - denn, was sie dann in der Umbrella Academy vorfinden, ist überraschend. Reginal (Colm Feore) hat plötzlich gänzlich andere Kinder, die sich Sparrow Academy nennen. Die Begegnung in den 60er Jahren hat ihn nämlich dazu bewogen, ganz andere Personen um sich zu scharen und ein Kugelblitz, der Stück für Stück Lebewesen und mehr auslöscht, sorgt obendrein für Ärger.

Justin Cornwell (The InBetween, Training Day) spielt Marcus aka Sparrow #1, Justin H. Min, den wir als Ben kennen, wird zu Sparrow #2; Britne Oldford (The Flash, The Path) mimt Fei aka Sparrow #3, Jake Epstein (Designated Survivor, Suits) spielt Alphonso aka Sparrow #4, Genesis Rodriguez (Time After Time) schlüpft in die Rolle von Sloane aka Sparrow #5 und Cazzie David (Schöpferin und Darstellerin in der MiniserieEighty-Sixed“) spielt Jayme aka Sparrow #6. Der siebte Sparrow ist ein „telekinetischer Cubus unbekannter Herkunft“ namens Christopher.

Es liegt auf der Hand, dass die Umbrellas sich nicht mit ihren „Ersatzgeschwistern“ verstehen und so kommt es zu einem sehenswerten dance-off sowie einem ersten Feind, bei dem sie klar den Kürzeren ziehen, denn immerhin haben sie einen frischen Krieg gegen die Zeitreisewächter in den Knochen...

Der dance-off (ein frühes Highlight der dritten Staffel):

Die Umbrella-Schwestern sind also ohne Heimat und es zieht sie ins Hotel Obsidian, in dem sie sich besprechen können. Sie finden mit der Zeit nicht nur heraus, dass jemand alle ihre Mütter kurz vor ihrer Geburt umgebracht hat, sondern auch, dass die Zeitreisekoffer nicht mehr nutzbar sind und dass der Kugelblitz und ein Großvater-Paradox womöglich ein weiteres Ende der Welt verursachen werden. Und das ist erst der Anfang...

Sparrows vs Umbrellas

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Die dritte Staffel fängt recht kurzweilig an und die sich abzeichnende Konfrontation und die Rivalität der beiden Hargreeves-Kohorten verleihen dem Einstieg eine gute Grunddynamik. Man verdoppelt somit zwar fast den Kern-Cast, aber schafft so auch ebenbürtige oder sogar überlegene Gegenspieler. In klassischen Superheldencomics kommt es oft auch zu Reibereien zwischen den Superhelden, die dann in einem Team-up münden, nur macht es The Umbrella Academy eben oftmals nach ganz eigenem Plan, so dass der Clash nicht ohne Verluste bleibt, die aber eher bei den Sparrows zu finden sind.

Auch die Kräfte der neuen sind zumindest keine bloße Kopie, vielleicht mit Ausnahme vom superstarken Marcus, der aber auch die wenigste Screentime erhält. Hier gibt es Raben, die die Augen für Fei spielen, ekligen Mundschleim bei Jayme, knochenbrecherisch feste Haut bei Alphonso, die Fähigkeit, andere schweben zu lassen bei Sloan oder die bekannte Tentakelpower bei Ben. Was genau Christopher außer Telekinese zu leisten vermag, ist mir nicht ganz klar, aber auch hier gibt es einen Gag zu seinem derben Humor, den nur die Sparrows verstehen. Und natürlich ist Ben wieder lebendig, aber ein ziemlicher... Arsch.

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Plot ist Nebensache

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The Umbrella Academy“ ist eine Serie, die ich aber nicht vordergründig wegen des Plots schaue, sondern tatsächlich wegen der skurillen Charaktere, die pro Staffel immer wieder etwas zu bieten haben. Hier bildet die dritte Season keine Ausnahme, wobei nicht jeder gleichviel zu tun hat oder interessant genug beschäftigt wird.

Durch die Rückkehr in die Gegenwart haben jedenfalls Vanya (Elliott Page), die in der zweiten Folge zu Victor wird, am meisten verloren, nämlich geliebte Personen, zu denen sie Beziehungen aufgebaut haben. Vanya musste Sissy (Marin Ireland) und Harlan (Callum Keith Rennie) verlassen. In einer Montage sieht man später, welches tragische Schicksal Sissy erleidet und wie das auch ihren Sohn Harlan mitnimmt, der erneut eine überraschend große Rolle spielt.

Es passt wie die Faust aufs Auge, dass die Serie keinen großen Deal aus Victors Bekenntnis zu sich selbst macht, was die Änderungen in Pages Leben spiegelt. Ein Friseurbesuch und ein kurzes Gespräch mit den Geschwistern regelt den künftigen Lebensabschnitt ohne großes Drama. Victors Kräfte sind diesmal zur Abwechslung nicht der Unheilbringer, aber trotzdem indirekt Teil einer tragischen Backstory rund um die Mütter der Figuren.

Bei Allison sind durch die Änderungen in der Zeitlinie ihr Ehemann und ihre Tochter fort. Wie bereits erwähnt - was aber erst im Verlauf einiger Folgen herauskommt -, sind auch alle Mütter tot, wobei diese bislang ohnehin nicht die größten Rollen gespielt hatten. Allerdings ändert das eben den Lauf ihrer Existenz. Es ist Klaus (Robert Sheehan), der hier den Stein ins Rollen bringt, als er nach seiner Amisch-Mutter forscht, und selbst mehr über seine Sterblichkeit respektive Unsterblichkeit herausfindet. Denn er hatte offenbar keine Ahnung, dass er bereits viele Tode gestorben ist und jedes Mal wiedergeboren wurde. Sheehan ist weiterhin überaus amüsant in seiner Rolle und wahrscheinlich auch deswegen ein Fanfavorit. Ebenfalls unterhaltsam ist seine Annäherung an Reginald in der zweiten Staffelhälfte, die jedoch mit dem ultimativen Verrat gekrönt wird und wahrscheinlich von Dad von langer Hand geplant wurde...

Diego (David Castaneda) wird von Lila (Ritu Arya) vor vollendete Tatsachen gestellt, als sie ihm seinen „Sohn“ Stanley (Javon Walton, Euphoria) ins Hotel bringt. Nun soll er sich um ihn kümmern. Die Szenen mit Diego und Stanley gehören zu meinen Lieblingsmomenten in der dritten Season. Da Diego nicht damit gerechnet hatte, plötzlich Papa zu sein, ist er natürlich etwas unbeholfen in der Rolle, wächst aber schnell über sich hinaus und zeigt immer mal wieder seine Instinkte als Dad. Besonders auch, weil Stanley als Jugendlicher viel auf dem Kerbholz hat und sich von den merkwürdigen Erlebnissen der Familie kaum aus der Ruhe bringen lässt. Für mich ist Stanley einer der scene-stealer der Staffel und auch seine Interaktionen mit Klaus im Büffelraum sowie danach sind einfach herrlich. Es ist geradezu schade, dass Diego wohl doch nicht sein Vater ist. Derweil bleibt die Chemie zwischen diesem und Lila weiterhin stark. Sie sind wie Katz und Maus und können nicht ohne einige Streitigkeiten, funktionieren im Ernstfall aber dennoch sehr gut zusammen.

Luther (Tom Hopper) erhält durch eine Lovestory mit Sloan mehr zu tun und flirtet am ehesten damit, Teil der Sparrows zu werden, aber hat im Vergleich zu den anderen weniger interessante Aufgaben. Immerhin gönnt man ihm sein Liebesglück, wenn da nicht die Finalfolge wäre... Aber vielleicht ist das auch einfach ein Zeichen für eine notwendige vierte Season.

Unzufrieden bin ich mit der Entwicklung von Allison (Emmy Raver-Lampman). Ihre tragischen Verluste manövrieren sie in eine Richtung, deren Entwicklung ich nicht ganz nachvollziehen kann. Oftmals ist sie den Geschwistern gegenüber antagonistisch eingestellt und Luther gegenüber ist sie sogar einmal sexuell übergriffig und zwingt ihn zur Zweisamkeit durch ihre Rumorkräfte. Auch mit Victor gibt es Beef, denn Harlan (Callum Keith Rennie), Sissys Sohn aus der zweiten Staffel, der fast die Welt untergehen ließ, ist noch am Leben und sorgt mehrfach für ungewollten Ärger. Er mietet sich ebenfalls ins Hotel ein.

Immer Ärger mit Harlan?

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Er tötet bei einer Konfrontation im Hotel nicht nur zwei der Sparrows beim Versuch, Victor und Co zu schützen, sondern ist auch derjenige, dessen unkontrollierter Kraftausbruch in dieser neuen Zeitlinie dazu geführt hat, dass die Mütter der Umbrella-Academy-Geschwister vor ihrer Geburt ums Leben kamen. Victor möchte Harlan dazu bekommen, seine Kräfte in den Griff zu kriegen, doch Allison sieht, wie gefährlich das für ihn ist. Dabei erhält sie selbst ein Kräfteupgrade, das ihre Kräfte auch ohne ihre catchphrase funktionieren lassen. Abseits davon fehlt ihr diesmal irgendwie ein Fokus, wobei sie wohl am ehesten den Status quo wiederherstellen möchte, um die eigene Familie zurückzuerhalten.

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Nummer 5 ist derweil dafür zuständig, dem neuen Weltuntergangsszenario auf den Grund zu gehen, und trifft dabei sogar auf eine einarmige, sterbenskranke Version seiner selbst, die einst die Commission überhaupt gegründet hatte. Von ihm (also tatsächlich sich selbst) erhält er den Ratschlag, die Apokalypse geschehen zu lassen, was ihn natürlich verunsichert, da er so viele Jahre damit verbracht hatte, die Welt zu retten. Gallagher ist in dieser Rolle erneut hervorragend aufgelegt und darf immer wieder für gute Sprüche sorgen und den Plot voranbringen, wenn er bemerkt, womit er es zu tun hat.

Seven Bells

Denn der Kugelblitz, der im Keller der Sparrows sein Unwesen treibt, stößt immer wieder Impulse aus, die immer mehr Lebewesen oder Teile der Welt auslöschen. Es braucht also prinzipiell die Zusammenarbeit von Umbrella Academy und Sparrows, nur lässt sich das schwer arrangieren. Als es immer ernster wird, bleibt eigentlich keine Wahl mehr und Reginald Hargreeves hat einen Plan, für den er sieben Personen braucht. Doch die übrigen Kinder müssen zu ihrem Glück gezwungen werden. Erst der Verlust respektive die Morde an Klaus und Luther scheint/scheinen Wirkung zu zeigen.

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Während ich den Beginn und die ersten fünf Folgen der Staffel noch sehr kurzweilig und knackig fand, hat man mich dann zum Ende hin etwas verloren. Es gibt zwar noch eine nette Hochzeit zum Weltuntergang (3x08) zwischen Luther und Sloane, bei der die Geschwister sich von ihrer unterhaltsamsten Seite zeigen, aber die letzten beiden Folgen haben sich teilweise etwas gezogen und wirkten mir zu sehr wie Bottle Episodes mit großem Cast. Lag es an Corona? Am Budget dürfte es eigentlich nicht gehapert haben, würde ich meinen.

Die Figuren müssen sich im Hotel, das sich irgendwann zum aus den Comics bekanntem Oblivion wandelt, in kleinen Teams gegen Samurai-Angreifer erwehren und eine Zeremonie abhalten, die Reginald initiiert, um das Universum zu resetten. Vielleicht wollten die Serienmacher um Steve Blackman und Jeremy Slater auch einen Kontrast zum gewaltigen zweiten Staffelfinal-Battle liefern. Aber so richtig gefetzt haben mich die letzten zwei Episoden nicht. Etwas ging dort die Luft raus und es geht mir dabei gar nicht darum, dass es schon wieder ein Weltuntergang ist - das akzeptiere ich und es gehört irgendwo auch dazu.

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Dafür finde ich das Ergebnis recht spannend. Das Resetten klappt und die Umbrella Academy inklusive lebendigem Ben ist in einer neuen Welt zu sehen. Doch keiner von ihnen hat noch Kräfte. Dafür scheint Reginald, der wohl übrigens ein Alien ist, von einem Wolkenkratzer auf sie herabzublicken und das zu haben, was er wollte: seine Frau. In der neunten Folge sieht man Abigail Hargreeves bereits in den Mondszenen von Luther. War das also sein Plan von Anfang an?

Es ist bei der Popularität der Serie recht unwahrscheinlich, dass ihr eine vierte Season verwehrt bleibt. Man kann also gespannt sein, wie die Kraftlosigkeit sich auf die Handlung auswirkt.

Fazit

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Wie bereits erwähnt, ist für mich bei The Umbrella Academy nicht unbedingt jedes Plotdetail der Geschichte wichtig, sondern das, was die Figuren erleben und tun - oder eben nicht. Deswegen unterhält mich wohl auch noch eine vermeintlich schwächere Staffel ganz gut. Persönlich fand ich die zweite Staffel aber einfach etwas runder und kurzweiliger. Doch insgesamt liefert auch die dritte Season der Comic-Adaption genügend Momente, besonders in der ersten Hälfte, dass ich wieder gerne zugeschaut habe und das auch bei einer weiteren Runde tun werde. Ohne Weltuntergang wäre die Serie natürlich nicht das Gleiche, doch vielleicht kann man ja die Zuschauer überraschen und etwas ganz Neues zeigen. Die Comicvorlage ist jedenfalls aktuell aufgebraucht, aber Blackman und Slater dürften ohnehin schon einige Ideen für ein viertes Kapitel haben, sonst hätten sie nicht dieses relativ offene Ende gestaltet...

Hier abschließend noch der Trailer zur dritten Staffel der Serie „The Umbrella Academy“:

Verfasser: Adam Arndt am Samstag, 2. Juli 2022
Episode
Staffel 3, Episode 10
(The Umbrella Academy 3x10)
Titel der Episode im Original
Oblivion
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 22. Juni 2022 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 22. Juni 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 22. Juni 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 22. Juni 2022
Autoren
Steve Blackman, Jeremy Slater, Gerard Way
Regisseur
Jeff King

Schauspieler in der Episode The Umbrella Academy 3x10

Darsteller
Rolle
Elliot Page
Tom Hopper
David Castaneda
Emmy Raver-Lampman
Robert Sheehan
Aidan Gallagher

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