The Thing About Pam: Review der Pilotepisode

© er Cast der Serie The Thing About Pam (c) NBC
Es ist mit The Thing About Pam nicht das erste und es wird nicht das letzte Mal sein, dass findige Fernseh-Produzenten eine „Dateline“-Episode in einer Miniserie verpacken. Die große Frage lautet wie immer: Können die Serienmacher das ursprüngliche Interesse an der Doku in eine fiktionalisierte Version der Ereignisse übertragen?
Wovon handelt die Serie The Thing About Pam?
Die Grundgeschichte ist ziemlich schnell zusammengefasst: Betsy Faria (Katy Mixon) wird im Winter 2011 ermordet in ihrem Haus aufgefunden. Ihr Ehemann, Russ (Glenn Fleshler), ruft die Polizei und meldet, dass seine Frau (mit einem Messer im Hals) Selbstmord begangen habe. Diese verhängnisvolle Aussage wird sich später wie eine Schlinge um seinen Hals legen. Doch dann wendet sich der Fall, als die beste Freundin der Ermordeten, Pam Hupp (Renee Zellweger) ins Visier der Ermittler gerät.
In der Pilotepisode sehen wir, wie Pam ihre vermeintlich beste Freundin dazu nötigt, sich abholen zu lassen. Das ist ein Verhalten, das Betsy leidend und lächelnd erträgt und ihrer Mutter und ihren Teenagertöchtern gegenüber damit rechtfertigt, dass Pam doch eine so gute Freundin sei. Doch so richtig mitfahren möchte sie auch nicht. Als Pam dann versucht, sich ins Haus einzuladen, windet sich die krebskranke Betsy mit Müdigkeit aus der Nummer. Fortan begleiten wir Pam, wie sie ein Alibi für sich schafft, unter anderem, indem sie die Mutter ihres Opfers anruft und sagt, dass Betsy sich nicht melde und sie fragt, ob sie wisse, was los sei.
Das kriminelle Mastermind bekommt noch dazu ungewollte Unterstützung von Russ, der sich bei seinem Freund bekifft und bei dem anschließenden Anruf in der Notfallzentrale seltsamer wirkt, als es vermutlich der Fall sein müsste. Der Verdacht, dass der von der besten Freundin ohnehin gehasste Ehemann etwas mit dem Ableben des Opfers zu tun hat, ist also gelegt.
Wie kommt es rüber?
Die Geschichte ist wahr, zumindest im Grundgerüst. Doch die Serie „The Thing About Pam“ fußt selbst mehr auf den „Dateline“-Episoden und Podcasts zum Fall, als dass die Serienmacher einen Anspruch darauf erheben würden, die Wahrheit zu erzählen. Statt einem sorgsamen Psychogramm liefern sie eine düster-brutale Groteske mit einer Oscargewinnerin im Fatsuit und einem Drehbuch, das sich an mancher Stelle nicht entscheiden kann, was es sein will.
Im Mittelpunkt des Interesses steht Hauptdarstellerin Renee Zellweger, die so mancher Zuschauer ohne Vorkenntnisse nicht erkennen dürfte. Sie zieht die Aufmerksamkeit auf sich und macht alle anderen Figuren zu zweitrangigen Nebenerscheinungen. Da spielt ihr außerdem das Drehbuch in die Hände, das niemandem einen wirklich durchdachten Charakter gönnt - weder dem Opfer, dem Verdächtigen noch den Ermittlern. Dabei hat die Staatsanwältin, dargestellt von der wunderbaren Judy Greer, durchaus Potential, zu einer Gegnerin auf Augenhöhe zu werden. Aber weder bekommt sie ausreichend Sendezeit noch irgendeine Art von Tiefe. Damit wird die Serie über Pam, wie der Titel natürlich auch androht, zur One-Woman-Show.
Mithilfe ihrer eigenen Stimme aus dem Off führt Pam uns in ihre Welt ein: ein obsessiv verdrehter Ort, an dem man schnell Angst bekommen kann. In ihrer Freundschaft zu Betsy stören nicht nur deren Kinder und Ehemann, sondern irgendwie auch die Freundin selbst. Pam kämpft - stets mit einem riesigen Softdrink-Becher verwachsen - gegen die ganze Welt, die zu dumm und uneinsichtig ist. Den klinischen Wahnsinn merkt man ihr also schnell an. Doch, was die Serie uns schuldig bleibt, ist das Genie. Das, was die Zuschauer einst an der „Dateline“-Story so faszinierte, war auch die überraschende Cleverness der Mörderin, einer nach außen typischen Frau aus einer Kleinstadt mitten im Herzen von Amerika. Unsere Serien-Pam hingegen plant zwar ihr Alibi im Voraus clever, aber so richtig genial scheint das nicht zu sein. Wie so oft verlassen die Autoren sich vor allem darauf, dass die Zuschauer es schon hinnehmen, wenn sie ihnen einfach ins Gesicht sagen, dass eine Figur eine gewisse Eigenschaft hat.
Was Pam und auch die Autoren jedoch wirklich haben, ist ein Händchen dafür, uns sehenden Auges auf die Spur zum unausweichlichen Drama zu schicken. Man muss die Serienbeschreibung nicht lesen und darf auch die dramaturgisch hinzugefügte Spannung ignorieren, um zu wissen, dass hier Böses schwant. Pam ist von einer Art, bei der man nicht verstehen kann, wieso die anderen eigentlich da bleiben - und es schwant einem, dass man eventuell selbst auch nicht schnell genug rennen könnte. Sie baut auf die Höflichkeit der anderen, auf die Blendung der Normalität, die Unfähigkeit der Menschen, das Außergewöhnliche zu erkennen, egal, wie es sich zeigt. Und so entsteht langsam mitten in der langweiligsten Normalität das Grauen und bringt den Zuschauer dazu, wie im schlimmsten Horrorfilm unruhig zu werden, weil die Opfer sich wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen.
Was zumindest in der Pilotepisode jedoch fehlt, ist die Sympathie für die Täterin, dieser Funke, der aus einem Monstermärchen eine interessante und gerne auch komplizierte Geschichte macht. Die zweite Seite der Medaille bleibt verborgen. Das Opfer ist eine rundum liebenswürdige, unauffällige Person, die Täterin bleibt ein psychopathisches Ungeheuer, das ohne Grund und Anlass die Leben anderer auslöscht. Weil dieser Aspekt im Drehbuch nun mal gänzlich fehlt, kann da selbst die talentierte Darstellerin nicht viel dran drehen.
Auch wenn die Serie The Thing About Pam nicht an die Qualität anderer True-Crime-Miniserien heranreicht - insbesondere an die Produktionen der Streamingdienste -, dürfte sie dennoch genug liefern, um Genrefans bei der Stange zu halten.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „The Thing About Pam“ beim US-Broadcaster NBC: