The Slap 1x01

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Im Vorfeld von NBCs neuer Dramaserie The Slap machten zahlreiche erste Kritiken die Runde, die kein gutes Haar an dem Format ließen. Mittlerweile haben sich auch einige positive Stimmen gefunden, die mitunter die gute Dialogarbeit in „The Slap“ loben, was mich persönlich jedoch stark verwundert. Die Serie, die auf der durchaus erfolgreichen australischen Serie des gleichen Namens beruht, gestaltet sich nämlich gerade im Bereich des von Jon Robin Baitz geschriebenen Drehbuchs als unglaublich ödes Machwerk, in dem die Dialoge extrem fingiert und unbedeutend wirken.
Doch nicht nur dies ist ein großes Problem der Serie. Auch ihre eigentliche Agenda bleibt schleierhaft. Eine Pilotepisode sollte uns generell einen gewissen Eindruck davon vermitteln, was uns im weiteren Verlauf der Handlung erwarten könnte. Der ersten Folge von „The Slap“ gelingt dies nicht wirklich. Soll es sich hier um ein feinfühliges Porträt verschiedener Figuren handeln, die allesamt in irgendeiner Verbindung zueinander stehen, um eine Art komplexes Familiendrama, das sich Schritt für Schritt entfaltet?
The horrors of adult life
Die Idee an sich ist nicht verkehrt und wurde im fiktiven Dramagenre schon sehr oft verfolgt. Jedoch lässt die erste Episode von „The Slap“ bereits jetzt schon all das vermissen, was es für ein derartiges Format benötigt. Die Figuren sind furchtbar langweilig, die Interaktion unter den Charakteren regt immer wieder zum Kopfschütteln an, und generell habe ich mich mehr als einmal dabei erwischt, dass ich ob des aufgesetzten Dramas und der Offensichtlichkeit verschiedener Szenen laut auflachen musste.
Natürlich liegt dieses Empfinden wie immer im Auge des Betrachters und ich kann mir durchaus vorstellen, dass so mancher Zuschauer von den Darbietungen einiger hier auftretenden Schauspieler und Schauspielerinnen angetan sein könnte. Ich jedoch kann mich nur schwer des Eindrucks erwehren, dass ich diese Art Drama woanders schon viel besser, subtiler und nuancierter ausgearbeitet gesehen habe. Die Ausgangslage von „The Slap“ gehört auch eher zur einfachen Sorte und kann nicht unbedingt durch Originalität glänzen. Dies ist jedoch kein wirklicher Vorwurf - denn zum einen handelt es sich um eine treue Adaption der Originalserie und zum anderen entspricht die Geschichte um unseren vermeintlichen Hauptcharakter einer geläufigen Trope im Seriengeschäft.

Only in his dreams
Der Familienvater Hector (Peter Sarsgaard) steht kurz vor seinem 40. Geburtstag, auf der Arbeit läuft es eigentlich auch ganz gut, und seine langjährige Ehe mit seiner Frau könnte beispielhafter nicht sein. Doch wie es halt so oft bei Männern in seinem Alter ist, bahnt sich bei Hector eine waschechte Midlife-Crisis an. Auf der Arbeit bekommt er kurz vor seinem Geburtstag die Nachricht übermittelt, dass er doch nicht aufsteigen wird, die Kinder zu Hause nerven unaufhörlich und auch die Beziehung zu seiner Liebsten bröckelt ein wenig. Einzig ein affäreähnliches Verhältnis zu der Babysitterin seines Nachwuchs bringt ein wenig Licht in sein depremierendes Dasein.
Wie man sieht, mischt man hier zahlreiche Klischees und Fernsehtropen zusammen, um einen halbwegs facettenreichen Charakter zu entwerfen. Peter Sarsgaard (The Killing) macht seine Sache hier auch nicht schlecht, jedoch bietet uns seine Figur nur wenig an, um ihn und seine derzeitige Situation wirklich spannend und interessant zu machen. Wir kennen das Leid des ausgebrannten Mannes mittleren Alters nur zu gut, wo ist in „The Slap“ der frische Ansatz, um dieser eher stereotypischen Figur etwas Markantes zu geben?
Party's over
Irritierend ist darüber hinaus, dass man nach Hectors Einführung als Mittelpunkt des enorm großen Figurenensembles diesen recht schnell wieder ignoriert, um sich dem großen, titelgebenden Ereignis der Serie zu widmen: eine folgenschwere Ohrfeige, die sich im Chaos der misslungenen Geburtstagsfeier von Hector ereignet und die womöglich irgendetwas Großes in Gang setzen wird. Um was es sich dabei genau handeln wird, erschließt sich mir nicht wirklich. Eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen ein paar extrem hassenswerten Menschen, der Zusammenbruch diverser Beziehungen und sicherlich viele andere hochdramatische Ereignisse, die in mehr oder minder charakterzentrischen Folgen Woche für Woche behandelt werden und die sich wahrscheinlich mit einem einfachen Gespräch zwischen allen Beteiligten binnen kürzester Zeit lösen ließen.
In Momenten wie diesen merkt man einfach, dass die Verantwortlichen zu viel wollen und ihr Drama gnadenlos überzeichnen. Leider verlieren sie irgendwann auch komplett die Übersicht und werfen allerhand unterschiedliche Figuren in den Topf, die aus dem Nichts auftauchen und sehr oberflächlich vorgestellt werden. Sicherlich hat man sich zum Ziel gesetzt, diese in den folgenden Episoden konkreter zu charakterisieren. Das ändert jedoch nicht besonders viel daran, dass sich die Pilotfolge durch diese teils konfuse Ansammlung an Charakteren zu überladen anfühlt.
Sick bastards
Hinzu kommt, dass fast ein jeder von ihnen unausstehlich ist und man als Zuschauer verzweifelt auf der Suche nach jemanden ist, zu dem man eine Art Verbindung herstellen kann. Sarsgaards Hector hätte diese Figur sein können - doch nicht nur, dass sein Charakter recht fad geschrieben ist, er muss sich auch noch in zahlreichen unangenehm gestelzten Dialogen mit der Babysitterin seiner Kinder (die aus Gotham bekannte Makenzie Leigh, deren Schauspiel an Teilnahmelosigkeit nur schwer zu überbieten ist) abmühen. Es ist nichts daran verkehrt, einen Haufen unliebsamer Menschen zu nehmen und die Geschichte durch die Reibereien zwischen ihnen am Laufen zu halten. Aber wenn man keinen Gegenpol hat, der ein wenig Hoffnung ausstrahlt und die richtigen Szenen zugeschustert bekommt, um eine Abwechslung zu bieten, dann gestaltet sich all das gekünstelte Drama irgendwann nur noch als störend.
Von der restlichen Besetzung sind vielleicht noch Thandie Newton (Emergency Room) (Hectors Frau Aisha) und Zachary Quinto (Heroes) (Hectors Cousin Harry, ein gigantischer Unsympath, jedoch recht glaubwürdig von Quinto rübergebracht) zu erwähnen, wobei Newtons Figur doch eher sehr eigenartig anmutet. Der Krach zwischen ihr und Hector hat dramatisches Potential, welches jedoch zum Ende der Episode sogleich wieder verpufft und in einer sehr plumpen Sexszene endet. Während man sich dann fragt, was jemanden wie Brian Cox (The Game) hierher verschlagen hat, glänzt Uma Thurman (Smash) durch einen wahnsinnig beliebigen Auftritt, der die Frage aufwirft, ob es diesen überhaupt gebraucht hätte. Thomas Sadoski (The Newsroom) bekommt ein wenig mehr zu tun, sein verkappter Alkoholiker, der nur um des Streitens Willen streitet, nervt jedoch ab einem bestimmten Punkt nur marginal weniger, als es die Bande an nervtötenden Kleinkindern tut.

Fazit
Vielleicht gelingt es den Serienmachern ja in den nächsten Episoden, eine etwas fokussiertere und packendere Geschichte zu erzählen, oder gar mehr aus den Figuren herauszuholen. Vielleicht sollten sie aber auch einfach mal dramatisch einen Gang zurückschalten und die emotionalen Zustände der Charaktere weniger mit dem Holzhammer in uns hineinprügeln. Das stilistische Mittel eines allwissenden Erzählers (Victor Garber), der uns - um wirklich ganz sicherzugehen - in mehreren Szenen haargenau erklärt, warum Hector gerade das fühlt, was er fühlt, empfinde ich schon beinahe als eine Beleidigung. Trauen uns die Macher nicht zu, selbst Rückschlüsse zu ziehen und Hectors Charakter zu lesen? Diese Schwäche von The Slap, uns wenig Spielraum zur Interpretation zu lassen sowie kaum subtile Zwischentöne anzuschlagen, ist in der Pilotfolge einfach viel zu eklatant, um mich bei diesem Format dranbleiben zu lassen.
„The Slap“ stellt für mich persönlich eine herbe Enttäuschung dar, die sich nur aufgrund der nicht vorhanden gewesenen Erwartungen in Grenzen hält. Die Art, wie die Handlung vorangetrieben wird, sagt meinem Gusto nicht wirklich zu: Die Macher übernehmen zu oft das Denken für uns geben uns so gar nicht die Möglichkeit, unser Interesse in die Charaktere und die Geschichte zu investieren. Der namhaften Darstellerriege sowie einigen soliden schauspielerischen Leistungen zum Trotz markiert „The Slap“ einen viel zu einfachen Versuch, scheinbar hochwertiges Drama abzuliefern. Schaut man sich die Pilotepisode nämlich nur ein wenig genauer an, mangelt es neben dramatischer Tiefe auch an interessanten Figuren und einer greifbaren Aussage, was die Verantwortlichen mit ihrer Serie eigentlich bezwecken.
Serientrailer zu „The Slap“:
Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 13. Februar 2015The Slap 1x01 Trailer
(The Slap 1x01)
Schauspieler in der Episode The Slap 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?