Sister Boniface Mysteries: Unnatural Causes - Review der Pilotepisode der britischen Cosy-Crime-Serie auf One

Sister Boniface Mysteries: Unnatural Causes - Review der Pilotepisode der britischen Cosy-Crime-Serie auf One

Mit „Sister Boniface Mysteries“ hat die langlebige Krimiserie „Father Brown“ endlich ein würdiges Spin-off bekommen. Die Pilotepisode „Unnatural Causes“ schlägt auf jeden Fall in Sachen Humor und Leichtigkeit in dieselbe Kerbe und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Mehr dazu in unserem Review.

Poster zur Serie „Sister Boniface Mysteries“
Poster zur Serie „Sister Boniface Mysteries“
© BritBox

Das passiert in der Episode „Unnatural Causes“ der Serie „Sister Boniface Mysteries“

Die wissenschaftlich begabte Nonne Schwester Boniface lebt in der Cosy-Crime-Serie Sister Boniface Mysteries in dem britischen Dorf Great Slaughter und unterstützt dort DI Gillespie (Max Brown) bei der Bearbeitung seiner Fälle. Just als der von den Bermudas stammende reservierte DS Livingstone (Jerry Iwu) auf der Durchreise nach London versehentlich im Örtchen strandet, geschieht dort ein mysteriöser Mord.

Die im Haus der reichen Familie Bellamy angestellte Dienstmagd Grace wird ermordet und als Folklorefigur drapiert während des alljährlichen Mangold Wurzel Festivals gefunden. Die Aussagen der einzigen Zeugin bringen auch keine Klarheit in den Fall, denn der Täter war eine von 33 Personen, die sich für eine Parade als Strohpuppe verkleideten. Gillespie tappt im Dunkeln, doch mit Schwester Boniface hat er eine unschlagbare Geheimwaffe im Gepäck...

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„Father Brown“ lässt grüßen

Als die Komödiantin und Schauspielerin Lorna Watson 2013 zum ersten Mal in Father Brown (Hier mehr zu „Father Brown“ erfahren) in der Episode The Bride of Christ auftrat, wusste Executive Producer Will Trotter sofort, dass er die recht eigenwillige, Agatha Christie lesende Nonne wiedersehen wollte. Da er aber keine Idee hatte, wie er mit der Wein anbauenden PhD der Forensik und leidenschaftlichen Geistlichen verfahren sollte, verschob er die Entwicklung eines Spin-offs auf das Ende der Mutterserie. Trotter plante höchstens drei Staffeln für die Fälle des umtriebigen Priesters ein, rechnete aber wohl nicht mit der Begeisterungsfähigkeit des Publikums.

Neun Staffeln und 110 Krimiserien-Episoden später (inzwischen sind es elf Seasons und eine zwölfte Staffel ist dem Vernehmen nach schon genehmigt) war es endlich so weit. Trotter bot dem BBC-Streaming-Ableger BritBox ein Konzept an und es wurde angenommen. Hauptdarstellerin Lorna Watson beschreibt den Tag, als sie den Anruf mit der Zusage für eine Hauptrolle in der Serie bekam so: „Mein Agent rief an und sagte: ‚Das ist eigenartig, halten Sie sich fest'. Ich war ehrlich überrascht und konnte es nicht glauben. Das war wirklich eine sehr unerwartete Überraschung.

Die Pilotfolge

Szenenfoto aus „Sister Boniface Mysteries“
Szenenfoto aus „Sister Boniface Mysteries“ - © BritBox

Trotter tat gut daran, seinem Gefühl zu vertrauen, denn die Pilotepisode von „Sister Boniface Mysteries“ ist tatsächlich höchst unterhaltsame und kurzweilige Cosy Crime nach dem Whodunit-Prinzip, gespickt mit sympathischen Figuren. Schwester Bonifaces Eigenheiten sind den Fans ja bereits bestens aus den mittlerweile drei Episoden von „Father Brown“ bekannt, in denen die Figur auftritt. Sie ist belesen, hochintelligent, neugierig und forsch. Auf ihrer roten Vespa prescht sie auf den Spuren möglicher Täter über das Land, um ihrem witzig von Max Brown gespielten Sidekick DI Sam Gillespie mit ihren exorbitanten Fähigkeiten zur Seite zu stehen.

Denn die Nonne ist nicht nur eine Agatha-Christie-Verehrerin, die gut kombinieren kann. Sie hat einen PhD in Forensik und gibt der Polizei als offizielle Beraterin wertvolle Tipps über relevante Tatabläufe, den Todeszeitpunkt und so weiter. Für den gerade von den Bermudas eingetroffenen zugeknöpften Überflieger DS Felix Livingstone ist es hingegen zunächst noch unvorstellbar, sich von einer Gottsdienerin helfen zu lassen. Die Idee, dass er eigentlich nur zufällig nach Great Slaughter gelangt und sich bereits bei Scotland Yard auf der Karriereleiter wähnt, ist beinahe urkomisch, weil er in den Fall des ermordeten Dienstmädchens, der soeben ansteht, geradezu hinschlittert.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Episode allerdings auch schon randvoll bestückt mit typisch britischem schwarzem Humor und Selbstironie, die an jeder Ecke zum Schmunzeln einladen. Da sind beispielsweise die ausgefallen gezeichneten Einwohner in Form von Chief Constable Lowsley (Robert Daws), Gillespies Vermieterin - die schrullige alte Dame Miss Thimble (Sarah Crowden) - oder der unverständlich nuschelnde Tom (David Sterne), mit dessen Aussage Livingstone seine liebe Mühe hat. Hinzu gesellt sich eine herrlich skurrile Landtradition und eine reiche Familie mit dem ein oder anderen Geheimnis.

Im Grunde sind das dieselben Zutaten, bei denen sich das Original oder andere Cosy-Crime-Formate wie „Midsomer Murders“ munter bedienen und die diese Art Serien beim Feierabendpublikum so beliebt machen. Ein nicht zu komplexer Fall, der zum Erholen und Mitraten einlädt, konzipiert für Couchdetektivinnen und -detektive mit einem Faible für den Südwesten Englands, wo die Serie überwiegend gedreht wird.

Strukturelles

Strukturell betrachtet hält sich „Sister Boniface Mysteries“ an das aus „Father Brown“) bewährte Schema mit nicht zu komplizierten, schnell erzählten Geschichten für einen geruhsamen Abend. Mit einer gesunden Mischung aus Rahmenerzählung mit illustrierenden Flashbacks, gepaart mit unterhaltsamen, meist auf den Fall bezogenen Dialogen, schafft es die Folge, ein angenehmes Pacing zu erzeugen. Die Geschichte wird fix vorangetrieben, lässt sich aber auch Zeit für die Figuren. Insgesamt erweist sich das Drehbuch zudem als klar durchstrukturiert und nur mit den nötigsten Plotpoints versehen, was unter anderem der Laufzeit geschuldet sein dürfte, die nicht viel Zeit für Ausschweifungen lässt. Visuell ist das Ganze mit hübschen Landschaftsaufnahmen, hellen Farben und idyllischen Bildern unterlegt, die von einer humorigen Musik begleitet werden.

Fazit

Sister Boniface Mysteries“ schafft es, auf den Zug der Mutterserie aufzuspringen und mit der charakterstarken Nonne dennoch einen eigenständigen Charakter zu präsentieren. Die Kombination Boniface, Gillespie und Livingstone ist mit Bedacht gewählt und sorgt aufgrund der unterschiedlichen Eigenheiten der Figuren immer wieder für Schmunzler, ohne den Spannungsbogen zu vernachlässigen.

Die typische Bildsprache, das altbewährte Erzählmuster, erholsame Bildkompositionen und Musik, die den komödiantischen Grundtenor der Show unterstützt, sorgen für genau das richtige Feierabendgefühl, um der kurzweiligen Geschichte in Ruhe zu folgen. Das ist Cosy Crime, wie man es sich wünscht.

Viereinhalb von fünf Punkten

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Sister Boniface Mysteries“:

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