Sister Boniface Mysteries 1x10

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Die ersten zwei Folgen zur Serie „Sister Boniface Mysteries“
Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten erweisen sich seit vielen Jahren als Heimat für einige der besten britischen Krimiserien. Eine jener unterhaltsamen Formate ist sicherlich der beinahe schon legendäre Father Brown, dessen Ableger Sister Boniface Mysteries bereits im Januar 2024 bei ONE gestartet war und dessen erste Staffel derzeit im Nachtprogramm wiederholt wird. Damit sind wir hierzulande leider zwei Jahre zu spät, denn inzwischen bringt es die hübsche Wohlfühlkrimiserie auf zwei Staffeln und ein Special, wobei bisher noch nicht klar ist, wann es im deutschen TV endlich weitergehen wird.
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Die erste Episode namens Willkommen in Great Slaughter präsentiert allerdings einen unterhaltsamen Feierabendfall, der von uns in unserem Review zur Pilotfolge entsprechend gut bewertet wird. Wenn das Debüt überhaupt eine Schwäche aufweist, dann die, dass die Sidekicks der umtriebigen Nonne mit wissenschaftlichem Background noch ein wenig hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. DI Sam Gillespie (Max Brown) erweist sich zwar als sympathischer Ermittler mit Herz und sein mehr zufällig in Great Slaughter gestrandeter Kollege Felix Livingstone (Jerry Iwu) bildet einen herrlichen Kontrast zur typisch ländlichen Skurrilität. Dennoch monierten viele Fans das Understatement der beiden Figuren.
Um ehrlich zu sein, hat es „Sister Boniface Mysteries“ bis zum Ende der zehnten Episode nicht vollends geschafft, diesen nicht ganz unberechtigten Vorwurf aus dem Weg zu räumen. An der humorigen Dreierkonstellation, an die man sich schnell mit Herz und Seele gewöhnen kann, ändert das aber erfreulicherweise nur wenig. Schon der zweite Fall, Kamera läuft!, ist an - man möchte beinahe sagen - Wahnwitz kaum zu überbieten. Im St. Vincent's Kloster wird eine Folge einer beliebten Agentenserie gedreht, währenddessen es - wie könnte es anders sein - zu einem Mord kommt. Die Gaststars treten dabei so wundervoll überzogen auf, dass einem der berühmte, klassische britische Humor geradezu vom Bildschirm anspringt.
Hier schon mal ein Originaltrailer zur Serie „Sister Boniface Mysteries“:
Erste Highlights

Ein wenig ernster und ruhiger geht es dann in Die Liebe ist ein Puzzle zu, in dem ein Serienkiller sein Unwesen treibt, der seine vorzugsweise älteren weiblichen Opfer über Kontaktanzeigen beim Albion Bugle auswählt. Mit Hilfe der rasenden Reporterin Ruth Penny (Miranda Raison) und etwas Glück gelingt es Schwester Boniface und dem Ermittlerduo schließlich, den Täter dingfest zu machen, wobei der Humor indes in den Hintergrund tritt.
In Episode vier, Bruderherz, gibt es schließlich das zu erwartende Wiedersehen mit Father Brown alias Mark Williams, der sich zu einem kurzen Besuch in Great Slaughter hinreißen lässt und einen kleinen Beitrag dazu leistet, um den Fall um die quirlige Schwester Reginald (Virginia Fiol) und ihren Gaunerbruder Alfie (Jay Simpson) zu lösen. Die Geschichte erweist sich dank des hübschen Humors und der warmherzigen Geschichte als eines der Highlights der Staffel.
Mit Machtspiele hält eine Prise Spionageflair Einzug in das idyllische Great Slaughter, wobei sogar die nationale Sicherheit auf dem Spiel steht, wenn Schwester Boniface nicht ihre Fähigkeiten voll einsetzt. Dank einer Geschichte im Agatha-Christie-Style machen die rund 45 Minuten jede Menge Spaß und sorgen für Kurzweil. Die Band bildet anschließend einen kleinen Tiefpunkt, weil es der Geschichte um den Leadsänger der „The Queenmakers“ (eine klare Hommage an die Beatles) stellenweise an Pepp mangelt.
Auch der Mitratefaktor hält sich in Grenzen, weil recht schnell ersichtlich ist, was hinter dem Mord steckt. Darüber hinaus nimmt sich die Folge zu ernst, was den Feierabendgenuss noch zusätzlich trübt. Kürbis und Co. kehrt dann aber mit Pauken und Trompeten zu den Tugenden der Serie zurück, zumal Schwester „Reg“ zurückkehrt. Beim Riesenkürbiswettbwerb sorgt der Fund menschlicher Knochen für Aufregung und zieht einige Verdächtigungen nach sich.
Eine britische Cosy-Crime-Krimiserie auf dem Land ohne einige vollkommen durchgeknallte Wettbewerbe und Festivitäten ist schließlich nur halb so lustig, weshalb es in der Story auch hoch hergeht, mitsamt der Tatsache, dass Peggy Buttons (Ami Metcalf) Vater plötzlich als potentieller Mörder dasteht. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die stets freundliche gewissenhafte DC durchaus in der Staffel mehr Screentime vertragen hätte, doch was nicht ist, kann ja noch kommen.
Zwei Volltreffer
Der achte Teil, Königin der Küche erweist sich dank eines abgedrehten Plots und einer fantastisch aufspielenden (Sylvestra Le Touzel) als arrogante Küchenfee Prunella als ein weiteres Highlight, zumal die freundliche, aber leider aufgrund ihres Alters sehr vergessliche Miss Thimble (Sarah Crowden) eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt. In der Episode gibt es neben ernsten Anklängen auch jede Menge zu lachen und zu schmunzeln, so dass für beste Unterhaltung gesorgt ist.
Den sprichwörtlichen Vogel im positiven Sinne schießt aber die durch und durch gelungene Folge Brücken bauen um den ehemaligen Luftwaffe-Piloten Karl Fischer (Andy Henderson) ab, der aus dem schönen bayrischen Großgemetzel (!) nach Great Slaughter kommt, um die Partnerschaft der beiden Ortschaften zu besiegeln.
Wundervoll ist, dass die Serienmacher in der Geschichte keineswegs vor einer gesunden Portion Selbstreflexion und Ironie zurückschrecken und die ansonsten so freundlichen Bewohner des Dorfes zunächst regelrecht fremdenfeindlich darstellen. Der Zweite Weltkrieg zwischen dem Deutschen Reich und England hatte eben große Wunden hinterlassen, die in der Folge nicht nur sympathisch aufgearbeitet werden, sondern auch mit einem versöhnlichen Abschluss geadelt wird.
Die erste Season der Produktion schließt mit der Episode Schöner Schein ab, in der es um einen Schönheitswettbewerb geht, in dessen Vorfeld eine der Teilnehmerinnen ermordet wird. In Anbetracht der Tatsache, dass die Story weder große Tiefen noch Höhen aufweist, geht das Finale durchaus in Ordnung, hätte aber fraglos noch ein Schippchen mehr Humor vertragen können. Schön ist aber, dass Felix endlich seine Chance erhält, nach London zu gehen, um für Scotland Yard zu arbeiten, sich aber letztlich doch entschließt, in Great Slaughter zu bleiben.
Ein nettes Goodie ist zudem, ist alle wichtigen Nebenfiguren noch einmal auftreten und sich im Pub darüber freuen dürfen, dass ihnen Felix erhalten bleibt. Da wäre der nur nach außen hin griesgrämige Tom (David Sterne), der so undeutlich spricht, dass man einen Dolmetscher benötigt, um ihn zu verstehen. Oder Max' sowie Felix' Vermieterin Mrs. Clam, Peggy nebst Vater Ted (Ivan Kaye), den hießen Fleischer sowie einige mehr, die wir alle hoffentlich in Staffel zwei wiedersehen werden.
Fazit

Sister Boniface Mysteries ist so typisch Cosy-Crime, dass es einfach nur Spaß macht, die Serie nach einem anstrengenden Arbeitstag zu genießen. Man reist ins idyllische Great Slaughter, folgt Schwester Boniface, Max und Felix bei ihren Ermittlungen, erfreut sich an den durchgeknallten Dorfbewohnern und lässt den Tag in Ruhe und Gemütlichkeit ausklingen.
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Mehr als das will das „Father-Brown“-Spin-off auch gar nicht sein - und das ist gut so. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Fall, der hier und da ein wenig mehr Feinschliff vertragen hätte. Doch insgesamt macht das Produktionsteam doch viel richtig, so dass man sich auf die Fortsetzung von Herzen freuen darf. Na dann: auf nach Great Slaughter. Oder darf es vielleicht lieber ein Besuch in der Partnerstadt Großgemetzel sein?
Vier von fünf findigen Nonnen dafür.
Verfasser: Reinhard Prahl am Sonntag, 14. April 2024(Sister Boniface Mysteries 1x10)
Schauspieler in der Episode Sister Boniface Mysteries 1x10
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