The Sinner 2x01

The Sinner 2x01

Ohne Jessica Biel, aber dafür mit Carrie Coon geht The Sinner in die zweite Staffel. Ein neuer Fall, ein neuer Täter, doch dieselbe Frage. Und da der Sünder diesmal minderjährig ist, dürfte es sogar noch psychologischer werden...

Szenenbild aus „The Sinner“: Vera (Carrie Coon) tröstet Julian (Elisha Henig). (c) USA Network
Szenenbild aus „The Sinner“: Vera (Carrie Coon) tröstet Julian (Elisha Henig). (c) USA Network
© zenenbild aus „The Sinner“: Vera (Carrie Coon) tröstet Julian (Elisha Henig). (c) USA Network

Das Crimedrama The Sinner schien letzten Sommer völlig aus dem Nichts zu kommen, und das, obwohl mit Jessica Biel (7th Heaven) eine durchaus namhafte Hauptdarstellerin geboten wurde. Der Clou der Serie von USA Network: Im zentralen Mordmysterium ging es ausnahmsweise nicht um die Frage nach dem Wer, sondern vor allem um die Frage nach dem Warum. Diese erfrischende Erfolgsformel wird nun auch in Staffel zwei wieder benutzt, wenngleich sich alles andere ändert: Wäre Bill Pullman nicht als Detective Harry Ambrose an Bord geblieben, müsste man sogar von einer glasklaren Anthologieserie sprechen.

Besonders einschneidend wirkt natürlich der Verlust von Biel, die dank ihrer fesselnden Darbietung in der Auftaktstaffel sowohl für einen Golden Globe als auch für den Emmy nominiert worden war. Sie ersetzen soll nun Carrie Coon und jeder, der The Leftovers oder die dritte Staffel von Fargo gesehen hat, weiß, dass sie dazu durchaus in der Lage ist. Am Mittwoch, den 2. August kam es nun zur Feuerprobe, zum Auftakt der neuen Episoden. Hierzulande werden diese einmal mehr bei Netflix zu sehen sein, auch wenn noch kein offizieller Starttermin bekanntgegeben wurde.

Back to the beginning

Statt einer Ehefrau und Mutter ist der Täter diesmal noch ein wenig abwegiger: Ein 13-jähriger Junge namens Julian (Elisha Henig) hat während eines rätselhaften Familienausfluges seine beiden Eltern vergiftet. Die schockierten Ermittler rund um die Senkrechtstarterin Detective Heather Novack (Natalie Paul) versuchen zunächst natürlich, andere Erklärungen zu finden, um sich nicht der grausamen Wahrheit stellen zu müssen, dass ein unschuldig scheinendes Kind einen kaltblütigen Doppelmord begangen hat. Heather ist so betroffen, dass sie sogar einen alten Freund ihres Vaters Jack (Tracy Letts) kontaktiert, den berühmten Polizisten Harry Ambrose, der erst kürzlich einen schwierigen Fall um ein Verbrechen am Badesee aufklären konnte...

Harry kehrt nur widerwillig in seine Heimatstadt südlich der Niagara-Fälle zurück, denn, wie er sagt, sei dort irgendwas faul mit dem Boden, auf dem die Leute leben. Hier bekämen Spinner wie Joseph Smith merkwürdige Visionen und gründeten Sekten und Religionen wie die Kirche der Mormonen. Mit dieser Prämisse, jemand wird durch ein Verbrechen an seinen verhassten Geburtsort zurückgeführt, erinnert The Sinner stark an ein anderes Crimedrama, das zurzeit bei HBO zu sehen ist. Die Rede ist natürlich von Sharp Objects mit Amy Adams, wobei es dem Regisseur Jean-Marc Vallée dort deutlich besser gelingt, die düstere Atmosphäre des Handlungsortes einzufangen, so dass man sich auch als Zuschauer am liebsten winden würde.

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Szenenbild aus „The Sinner“: Harry (Bill Pullman) verabschiedet sich von Jack (Tracy Letts).
Szenenbild aus „The Sinner“: Harry (Bill Pullman) verabschiedet sich von Jack (Tracy Letts). - © USA Network

Doch zurück zum eigentlichen Fall: Auch für Harry wird rasch klar, dass der kleine Julian in voller Absicht gehandelt hat. Mithilfe des durch die Gemälde von Georgia O'Keeffe berühmt gewordenen „Jimson Weed“, das schon bei der kleinsten Berührung hochgradig giftig wirken kann, hat der Junge das Leben seiner Eltern ausgelöscht. Verabreicht hat er es ihnen hinterlistig in einem selbstgekochten Tee. Voller Neugier, aber auch mit einem Hauch von Angst, beobachtet er, wie beide parallel im Motelzimmer zugrunde gehen. Doch welcher Teufel hat das Kind bei dieser Tat geritten? Ist er einfach von Dämonen besessen? Gewisse Exorzisten-Vibes versprüht der ausdrucksstarke Jungdarsteller allemal...

Our own kids coming after us

Wer bis jetzt den Namen Coon vermisst - und das natürlich völlig zu Recht -, muss ein wenig enttäuscht werden, denn tatsächlich ist die Hauptdarstellerin in der Auftaktepisode Part I kaum länger als sechzig Sekunden zu sehen. Sogar ihr Ehemann Letts hat mehr Screentime, obwohl seine Figur bislang keine besondere Wichtigkeit zu haben scheint, außer für die backstory von Harry vielleicht. Aber Coon weiß, ihre wenigen Momente bestens auszukosten. Sie spielt eine Frau, die sich gegen Ende der Episode als echte Mutter von Julian ausgibt, der inzwischen in die Obhut des Waisenhauses übergeben wurde, wobei man sich natürlich fragt, wie sicher diese Unterbringung ist, sollte er noch weitere Menschen töten wollen.

Genauso mysteriös wie das Motiv des Jungen sind aber auch die Motive seiner vermeintlichen Eltern: Wie Harry bemerkt, befinden sich im Gepäck der Familie keine Kleidungsstücke von Julian. Waren Mutter und Vater also auf einer Art Hänsel-und-Gretel-Mission, um den sichtlich gestörten Jungen loszuwerden? Immer wieder schneidet der Regisseur Antonio Campos Szenen der Zukunft oder der Vergangenheit dazwischen, in der Coons unheimlicher Charakter der Vera mit Julian spricht und ihn auffordert, seine dunkle Seite zu ergründen, den sogenannten „Shadow Julian“. Ein wiederkehrendes Klickgeräusch erweckt dabei den Eindruck, das sie den Jungen in einen Zustand der Hypnose versetzt. Hat er also doch nicht freiwillig gehandelt?

Ohne zu wissen, wie die Staffel weiterhin verläuft, scheint es doch schon jetzt so manche Hinweise auf Hypnose zu geben. Drei Bücher hatten die Eltern eingepackt: einen Reiseführer und zwei Werke des berühmten Psychoanalytikers C. G. Jung. Auch das Intro ruft gewisse Bilder aus den Untiefen der Tiefenpsychologie hervor, ist die Sequenz doch eine einzige Ansammlung von Rorschachtintenklecksen. Man kann wirklich nur hoffen, dass sich die Serienmacher nicht zu sehr auf diese altmodischen Theorien stützen, denn wirklich anerkannt sind sie in der modernen Psychologie kaum noch. Hinzu kommt: Hypnotisierte Menschen tun nichts, das sie nicht ohnehin tun wollen würden. Einen Killerroboter kann man also nicht kreieren.

Allerdings bringt es nichts, sich über Dinge aufzuregen, die nur auf wilden Spekulationen basieren. Zwar scheint Coons Vera tatsächlich eine Art Sektenführerin zu sein, so dass es durchaus Sinn ergeben würde, wenn Julians Eltern Anhänger wären, die flüchten wollten und von ihrem eigenen programmierten Sohn dafür bestraft wurden, aber warten wir doch erst mal ab. Vielversprechend ist der Auftakt zur zweiten Staffel von The Sinner auf alle Fälle. Und wenn wir bald noch mehr von der fantastischen Coon zu sehen kriegen, bleiben ohnehin kaum noch Wünsche offen.

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Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 3. August 2018

The Sinner 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(The Sinner 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Teil I
Titel der Episode im Original
Part I
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 1. August 2018 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 9. November 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 9. November 2018
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 9. November 2018
Regisseur
Antonio Campos

Schauspieler in der Episode The Sinner 2x01

Darsteller
Rolle
Natalie Paul
Hannah Gross
Dohn Norwood

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