
Die Kardashians sehen kein Problem darin, sich von einer E! Entertainment-Kamera bis in die privatesten Winkel ihres Lebens folgen zu lassen. Ähnliche Freigiebigkeit ist von der britischen Royalfamilie nicht zu erwarten. Das macht das Leben hinter der Krone für Zuschauer und Gossipsendungen nur noch interessanter. Bei dem US-Unterhaltungssender hat man daher einen anderen Weg gefunden, mit royalen Skandalen auf Quotenfang zu gehen: Sie erfinden ihre eigene königliche Familie, die jedoch an den entscheidenden Stellen deutliche Parallelen zu den echten Royals hat. An anderen Stellen sind die E!-Royals jedoch noch boulevardfreundlicher und jedes Familienmitglied ist alters- und attraktivitätstechnisch im passenden Rahmen.
Worum geht es?
Wenn man sich bei einem Unterhaltungs- und Gossipsender hinsetzt, die britische Königsfamilie neu zu erfinden, kann man davon ausgehen, dass einige Klischees ganz sicher erfüllt werden. Die Pilotepisode der Serie The Royals, Stand and Unfold Yourself, bietet in dieser Hinsicht keine Überraschungen. Die Königin wird äußerlich aufpoliert und um einige Jahrzehnte verjüngt: Queen Helena (Elizabeth Hurley, „Austin Powers“) führt ihre Familie mit harter Hand und erlaubt weder sich noch anderen Schwächen. Selbst in der Stunde der größten Trauer erlaubt sie sich keine ruhige Minute. Ihr Mann König Simon (Vincent Regan; Hit and Miss, „300“) ist da anders. Er wünscht sich Glück für seine Familie, die Arroganz der anderen royalen Mitglieder ist ihm weitgehend fremd.
Seine Kinder sind rebellisch, Sohn Liam (William Moseley, „Die Chroniken von Narnia“) weniger, Tochter Eleanor (Alexandra Park) mehr. Liam beschäftigt sich vor allem mit seinen Gefühlen zu der bürgerlichen Ophelia (Merritt Patterson), der Tochter des königlichen Sicherheitschefs. Eleanor hat eine solche Bürde nicht mit sich herumzuschleppen, sie lebt in den Tag hinein und beschäftigt sich vor allem mit dem nächsten Rausch und der nächsten Intrige.
Zum engeren Familienkreis gehören außerdem noch der Bruder des Königs, Prinz Cyrus (Jake Maskall), und dessen beide Töchter. Cyrus lässt keinen Zweifel daran, dass er der Böse in dieser Geschichte ist. Er will nichts lieber, als selbst auf dem Thron Platz nehmen. Seine beiden Töchter Penelope (Lydia Rose Bewley) und Maribel (Hatty Preston) treten nur im Doppelpack auf und sind ihrer Aufgabe ganz deutlich nicht gewachsen. Wenig intelligent und empathisch bringen sie ihre Tage damit herum, ihre Hündchen passend zu ihren oft geschmacklosen Outfits passend auszuwählen und sich ansonsten im Ruhm ihres angeborenen Status zu sonnen.
In der Pilotepisode sieht die royale Familie sich mit einer Tragödie konfrontiert: Der Thronfolger, also der erste Sohn der Königspaares, kommt ums Leben. Das bringt Liam einen Schritt näher an den Thron, doch der hat gerade seine erste Nacht mit Ophelia verbracht und schreckt nicht davor zurück, sie auf der Beerdigung seines Bruders zu einem Date einzuladen.
Der junge Thronfolger, groß, attraktiv und blond, hat viel von seinem realen Vorbild William, doch die weniger schönen Stellen wie die sich lichtende Haarpracht des Originals werden gewinnbringend ausgeblendet. Er zeigt sich in der Pilotepisode als echter Prince Charming, dessen Gefühle für die Bürgerliche aufrichtig sind und der auch gegen seine Mutter aufsteht, wenn sie ihm zu gefühllos wird.
Seine Schwester Eleanor hat solche Bedenken nicht, sie flüchtet sich angesichts eines Lebens, das sie nicht führen will, in Drogen und beschäftigt sich trotzdem gerne mit den Intrigen, die ihre Stellung ihr ermöglichen. Sie hat eine scharfe Zunge und vermutlich eine weiche, gut versteckte Seite. Doch in der Pilotepisode der Serie The Royals zeigt sie sich zunächst von ihrer furchtbaren Seite, als sie ihren jüngst angestellten Bodyguard erst abschleppt und anschließend eiskalt entlassen will. Doch Jasper (Tom Austen) hat sich vorbereitet, er hat die Prinzessin während ihrer nächtlichen Abenteuer gefilmt und erpresst sich damit seinen Job zurück. Während die weibliche Royal sich also einen Feind in ihr Bett geholt hat, darf der charmante Liam sich über einen echten Vertrauten als Bodyguard freuen. Marcus (Ukweli Roach, Starlings) steht hinter seinem jungen Chef und zeigt sich schon in der Pilotepisode als echter Freund.
Wie kommt es rüber?
Als Mischung aus dem, was wir gewöhnlich zu sehen bekommen und dem, was wir niemals sehen dürfen, vermarktet der Sender E! Entertainment seine neue Serie The Royals. Der Anspruch ist, uns das zu erzählen, was die Königlichen sich beim Winken zuflüstern und das zu zeigen, was hinter dicken Palastmauern passiert, wenn sie den herrschaftlichen Balkon verlassen haben. Oder zumindest die „Version“, die man davon hat, wenn man sich in erster Linie mit Gossip und Paparazzifotos beschäftigt. Prinz Cyrus zwingt die weiblichen Palastangestellten zum Oralsex, Königin Helena versucht, die Bürgerliche Ophelia via Erpressung von ihrem Sohn fernzuhalten, die wahre Todesursache des Thronfolgers wird der Öffentlichkeit natürlich verschwiegen.
Für die Serienversion haben die The Royals-Autoren deutliche Anleihen bei der echten britischen Königsfamilie gemacht. Die beiden Töchter des Königsbruders haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit Beatrice und Eugenie, die auch in echt die Cousinen des Thronfolgers sind. Die gesamte Familienkonstellation in dieser Hinsicht ist der Realität entnommen, auch wenn die geschiedene Mutter bisher nicht gezeigt wurde, darf man davon ausgehen, dass die Serienmacher Sarah „Fergie“ Ferguson im Sinne haben. Für eingefleischte Royalisten sind dann auch kleine Insidergags drin, wie der, dass die beiden sich gegenseitig stinkender Füße beschuldigen. Das ist ein zwar nicht besonders cleverer, aber deutlicher Versuch eines Witzes darüber, dass Fergie sich einst mit ihrer Schwägerin Lady Di über ein geliehenes und angeblich mit Fußpilz infiziertes Paar Schuhe zerstritten hat - so wollen es zumindest die Boulevardblätter wissen.
Dort, wo die britische Krone nicht als Vorbild taugte, haben die The Royals-Macher sich mehr von Klischees über gewissenlose Superreiche inspirieren lassen. Ein Hauch von Gossip Girl durchweht so den Buckingham Palast in der Pilotepisode. Auch die Elterngeneration der Teenager taugt vom Attraktivitätslevel noch für ansehnliche Bikinibilder aus der Paprazzidrohne. Alle Beteiligte sind auf Intrigen geeicht.
Fazit
Beim Heimatsender der neuen Serie ist man so sehr von den Royals überzeugt, dass man schon vor der Ausstrahlung der Pilotepisode die Verlängerung um eine zweite Staffel bekanntgegeben hat. Und diese Zuversicht ist nicht ganz unbegründet.
The Royals macht Spaß, wenn man sich damit arrangiert hat, was es ist: Die Pilotepisode zeigt uns nicht die Sachen, die der Palast vor uns geheim halten will, sondern erzählt die Geschichten, die die Macher von Boulevardblättern gerne aufdecken würden.
Promo zur Serie „The Royals“: