The Rook: Review der Pilotepisode

The Rook: Review der Pilotepisode

Die Pilotepisode von The Rook offenbart einen Blend aus Spionagethriller und Übernatürlichem und mischt dabei viele vertraute Elemente zusammen. Bekommt es dadurch eine eigenständige und vor allem überzeugende Identität?

Emma Greenwell in „The Rook“ (c) Starz
Emma Greenwell in „The Rook“ (c) Starz
© mma Greenwell in „The Rook“ (c) Starz

Eine junge Frau (Emma Greenwell) kommt in einer regnerischen Londoner Nacht auf einer Brücke zu sich und bemerkt mit Entsetzen, dass sie umgeben von Leichen ist. Ohne Erinnerung an das Geschehene oder ihre eigene Identität flüchtet sie vom möglichen Tatort und lässt sich von den Anweisungen eines Zettels, den sie bei sich trägt, leiten. Dieser stellt sie schon bald vor eine gewichtige Wahl...

Was geschieht im Auftakt von „The Rook"?

Nachdem sie für eine Nacht in einem zwielichtigen Hotel Zuflucht sucht, wird sie als kleine „Matrix“-Hommage per blauem und rotem Schlüssel vor die Entscheidung gestellt, ihr altes und gefährliches Leben hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen oder mehr über die vergangene Nacht herauszufinden und ihre ursprüngliche Identität wieder anzunehmen. Sie entschließt sich, die Spur aus Brotkrumen weiterzuverfolgen und gelangt so schließlich an ein Bankschließfach, in dem sie neue Infos über den Standort ihrer Wohnung erhält.

Zuvor muss sie sich jedoch eines Angreiferduos erwehren und, nachdem sie die beiden unbewusst mit einer unsichtbaren Kraft umgebracht hat, dämmert ihr, wer für die Leichen auf der Brücke verantwortlich sein könnte. In ihrer Wohnung blickt sie per Videobotschaft in ihr eigenes Gesicht und so wird ihr erklärt, dass ihr Name Myfanwy Thomas ist und sie für eine geheime britische Regierungsorganisation arbeitet, die sich mit Menschen befasst, welche besondere Kräfte wie sie besitzen und diese auch für sich arbeiten lassen. In diesem Zuge erhält sie ein kurzes Briefing, in dem ihr die wichtigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Mitglieder ihres Teams vorgestellt werden.

Myfanwy wusste, dass jemand aus ihrer eigenen Organisation hinter ihr her ist und ihre Erinnerungen auslöschen würde, doch, um den Verräter oder die Verräterin in den eigenen Reihen auszuloten, versucht sie, eine gefährliche Scharade aufrechtzuerhalten und ihren Gedächtnisschwund im Geheimen zu belassen. Daher taucht sie wieder bei ihrer Arbeitsstelle auf, um möglichst wenig Verdacht auszulösen. Doch natürlich weiß ihr Gegenspieler bereits Bescheid und es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis er wieder zuschlägt, um sein Werk zu vollenden...

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The Rook basiert auf dem Roman gleichen Namens des australischen Autors Daniel O'Malley und zeigt sehr früh einen Mix aus verschiedenen Quellinspirationen beziehungsweise Filmen und Serien, die nach dem Buch herauskamen und einige zentrale Elemente teilen. Wir haben zum Beispiel Myfanwys Suche nach ihrer Identität und die Entdeckung ihrer Fähigkeiten, die ein bisschen etwas von „The Bourne Identity“ haben, während das Annehmen ihrer alten Rolle zwecks des Aufrechterhaltens der Scharade ohne ausführliche Kenntnisse ein wenig an den Start von Orphan Black erinnert. Dann gibt es noch die übernatürlichen Elemente, bei denen man Parallelen zum „X-Men“-Universum speziell bei den Gestaltvierlingen ziehen kann. Diese erinnern stark an die Frost-Schwestern, die kürzlich in The Gifted zu sehen waren.

All diese verschiedenen Assoziationen fügen sich zu einem zweischneidigen Schwert zusammen: Einerseits ergibt sich daraus eine wirklich ansprechende Mischung aus einladend vielschichtigen Aspekten, die zusammengefügt wurden, andererseits entfaltet des Gezeigte so aber auch sehr oft eine entsprechende Déjà-vu-Wirkung, dass ich mich kaum entscheiden kann, ob ich das Ganze nun in dieser Zusammensetzung besonders innovativ oder eben besonders abgedroschen finde.

Dementsprechend liegt es sicher an der Qualität der Spannungskurve und der Mysterien, den Unterschied zu machen. Die Mysterien selbst können mit einem doch recht spannenden Start genügend interessante Fragen aufwerfen und sowohl die Frage, was dort geschehen ist, als auch die Suche nach einem Verräter im eigenen Team bieten angenehm viel Platz für Mitdenk- und Ratespiele seitens der Zuschauerinnen und Zuschauer. Denn bereits jetzt entstehen somit Gedankenspiele wie der Verdacht in Richtung der Chefin Lady Farrier (Joely Richardson, Nip/Tuck), die bemerkenswerterweise direkt erkannte, dass Myfanwy an Gedächtnisverlust leidet. Für besagten Gedächtnisverlust selbst gibt es aber trotzdem einen Minuspunkt, denn als Erzählmittel ist das, auch wenn es nachvollziehbar spannende Ausgangssituationen schafft, einfach viel zu abgedroschen. Auch die Entdeckungsmomente und die Schnitzeljagd laufen ein wenig nach formelhaftem Malen nach Zahlen für Spionagethriller ab und lassen noch das gewisse Etwas vermissen, welches die Serie neben ihrer Prämisse von der Konkurrenz trennen könnte.

Starz
Starz - © Starz

Vielleicht hätte es auch gutgetan, einen besseren Weg zu finden, als nur auf Exposition per Videonachrichten zurückzugreifen, bei denen Myfanwy repräsentativ für die Zuschauerinnen und Zuschauer alles sehr fein in kleinen Häppchen serviert wird. Hier stecken Möglichkeiten, die Geschichte komplexer und tiefer vorzutragen und die Zusehenden mitdenken zu lassen, anstatt das alles simpel und vorgekaut zu präsentieren.

Die Produktion liegt auf einem für Starz-Serien typischen guten Niveau, könnte visuell aber noch ein paar mehr Ideen gebrauchen beziehungsweise etwas mehr wagen. Der Cast setzt sich neben den bisher erwähnten Schauspielerinnen und Schauspielern überwiegend aus britischen Darstellern wie Adrian Lester („Hustle“), Catherine Steadman (Downton Abbey), Eleanor Matsuura (Into the Badlands) oder Ronan Raftery (The Terror) zusammen, die bisher alle einen ordentlichen Eindruck machen. Ein Hauch US-Starpower wird durch Olivia Munn (The Newsroom, („X-Men: Apocalypse“) verkörpert, deren Charakter bereits jetzt auf einen spannenden Konflikt mit der Protagonistin Myfanwy zusteuert, sollte sie herausfinden, dass diese ihrem verstorbenen Kollegen/Freund auf der Brücke begegnet ist. Grundsätzlich schickt sich vieles an, sich darum zu drehen, dass Myfanwy entdeckt, dass ihre Organisation und ihre Vorgesetzten sich mit dem Einsatz ihrer Kräfte gerne auch in moralischen Grauzonen bewegen, wie etwa Grantchester zu Beginn demonstriert und sie einen eigenen Kodex für sich finden muss, um mit deren und ihren eigenen Kräften umzugehen. Wie dies im Zuge der acht Episoden umgesetzt wird, vermag man an dieser Stelle allerdings noch nicht vorauszusagen.

Fazit

The Rook startet in seiner Pilotepisode mit einer spannenden Prämisse sowie einladenden Mysterien und schafft es so durchaus, einer/-m genügend Gründe zu liefern, die Serie weiterverfolgen zu wollen. Die Genremischung und die aus vielen Medien vertrauten Bausteine könnten auf der einen Seite in ihrer Summe viele Zuschauerinnen und Zuschauer anlocken, da sie ein breites Spektrum von Spionagethriller über Mystery bis hin zu Fantasy abdecken. Gleichzeitig könnten sie aber auch dafür sorgen, dass einige aussteigen, weil ihnen zu viele Dinge letztendlich schlichtweg zu sehr bekannt vorkommen. Aus der geschaffenen Ausgangssituation lässt sich potentiell viel herausholen, doch die Exposition wirkt an mancher Stelle trotz des interessanten Materials etwas trocken. Es lässt sich also sicherlich noch eine gute Schippe draufpacken, aber für den Anfang ist erst einmal ein reizvolles Fundament gelegt.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen US-Serie „The Rook":

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