Die kanadische Spionageserie The Romeo Section hinterlässt in ihrer Pilotepisode visuell einen positiven Eindruck, was man jedoch leider nicht vom Inhalt des neuen Formats behaupten kann. Die Handlung mutet zumeist nämlich sehr wirr und unstrukturiert an, ohne wirklich Spannung zu generieren.

Die neue Spionageserie „The Romeo Section“ / (c) CBC
Die neue Spionageserie „The Romeo Section“ / (c) CBC

Sieben Jahre hat es gedauert, bis der kanadische Drehbuchautor und Produzent Chris Haddock nun wieder ein Serienprojekt sein Eigen nennen darf. Einigen Lesern eventuell durch Formate wie das kanadische Kriminaldrama „Intelligence“ (2005-2007) oder auch das langjährige „Da Vinci's Inquest“ geläufig, ist Haddock vor allem in seiner Heimat kein unbekannter Name. Nun, mit seiner neuen Serie The Romeo Section kehrt er abermals an seinen Handlungsort der Wahl, das beschauliche, vielfältige Vancouver, zurück, wo er dieses Mal eine Geschichte über einen geheimen Spionagering erzählt, der seine Informationen über die Kunst der Verführung gewinnt.

Dabei greift Haddock auch auf einige bekannte Gesichter aus seinen vorangegangenen Produktionen zurück, so zum Beispiel auf Darsteller Andrew Airlie („Intelligence“, Reaper), der in „The Romeo Section“ die Hauptrolle übernimmt und als Universitätsprofessor Wolfgang McGee im Geheimen bereits erwähnten Spionagering leitet.

Leider muss man nach der gut 45 Minuten langen Pilotepisode des neuen Dramas festhalten, dass dieses im Großen und Ganzen recht öde und enttäuschend ist. Dies liegt nicht nur daran, dass sich das Format aufgrund seines sehr behäbigen Tempos weitaus länger anfühlt, als es letztlich ist, sondern auch, weil die Handlung bisweilen so seltsam zusammengeschustert wirkt, dass man als Zuschauer nie wirklich weiß, was gerade vor sich geht. Dies mag beabsichtigt sein, um das Publikum zu verunsichern und eine mysteriöse Atmosphäre zu schaffen. Letzten Endes ist man aber mehr irritiert als alles andere, denn, um uns in eine geheimnisvolle Geschichte zu verwickeln, braucht es neben einem interessanten Plot halt auch eine Erzählstruktur, der der Zuschauer etwas abgewinnen kann.

Old horse

In „The Romeo Section“ scheint es oft so, als würde Serienschöpfer Chris Haddock immer wieder wild von Szene zu Szene zu springen, die einzeln betrachtet in seinen Überlegungen sicherlich toll ausgesehen haben, im fertigen Produkt aber alles andere als stimmig zusammengeführt werden. Der Ablauf der Pilotepisode wirkt mitunter unglaublich willkürlich und ziellos, so dass es für mich als Zuschauer sehr schwer ist, dem ganzen Geschehen zu folgen, geschweige denn mir die Mühe zu machen, etwas Ordnung in die Geschichte zu bringen.

Andrew Airlie in %26bdquo;The Romeo Section%26ldquo; © CBC
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Blowing steam

Diese beginnt in Honkong, wo wir genreklassisch einem geheimen Austausch eines dubiosen Päckchens beiwohnen. Richtig Spannung mag hier aber nicht aufkommen, was eventuell an der eher plumpen und offensichtlichen Inszenierung dieser Sequenz liegt. Sehr gut gefallen derweil die Aufnahmen der asiatischen Metropole und einer Pferderennbahn, die sehr stilvoll und sehenswert sind. Auch der erste Blick auf den eigentlichen Handlungsort Vancouver sieht hervorragend aus. Die Handlung oder besser gesagt: Die Szenen, die sich dann aber dort abspielen, können nicht wirklich zufriedenstellen.

Es ist davon auszugehen, dass im Laufe der Staffel die verschiedenen Handlungsstränge allesamt zusammengeführt werden und sich aus dem wilden Puzzle, das Chris Haddock uns in der ersten Episode des Dramas präsentiert, ein (eventuell) überschaubares Gesamtbild ergeben wird. Ich habe auch nichts dagegen, wenn man uns zu Beginn etwas im Dunkeln tappen, Dinge unausgesprochen und selbst grübeln lässt, wie hier welches Teil mit einem anderen zusammenpasst.

Trotzdem vermisse ich in der Auftaktepisode einen roten Faden oder eine Idee, die mir eine Vorstellung von dem narrativen Konzept gibt, das sich Haddock ja offensichtlich ausgedacht hat. Zu oft stellte sich bei mir während der Sichtung der Pilotepisode von „The Romeo Section“ das Gefühl der absoluten Gleichgültigkeit ein. Gründe dafür gibt es einige: zu schnelle Szenenwechsel, um wirklich eine Verbindung zu den Charakteren aufzubauen, zahlreiche kryptische Dialoge, einzig um des Mysteriums Willen sowie schlechte schauspielerische Leistungen.

Out of the picture

Insbesondere der letzte Punkt ist mir mehrfach ein Dorn im Auge und wird besonders in den Szenen um McGees drogensüchtigen Agenten Rufus (Juan Riedinger, Narcos) und seine Bettgespielin Dee (Stephanie Bennett, UnREAL) deutlich. Vielleicht liegt es an den sehr bescheidenen Dialogen, die diese beiden aufsagen müssen, aber jedes Mal, wenn einer von ihnen den Mund öffnet, zieht sich mir der Magen zusammen - ganz ähnlich wie bei der Putzkraft Eva, verkörpert von Sophia Lauchlin Hirt, die keine gute Arbeit abliefert und schwach aufspielt. Auch Darsteller Eugene Lipinski („Intelligence“), ebenfalls ein alter Bekannter Haddocks, präsentiert sich in einer Szene extrem schlecht, als sein Charakter von McGee im Auto überrascht wird. Andrew Airlie stellt hier noch den einzigen Lichtblick dar, wobei seine Darbietung jetzt auch nicht unbedingt bahnbrechend ist.

Neben den ganzen geheimen Spionageelementen soll uns vor allem auch McGees ambivalenter Charakter bei der Stange halten, der einst selbst ein Romeo war und seine Verführungskünste einsetzte, um an Geheimnisse zu gelangen. Über eine neue Kollegin soll etwas Spannung generiert werden, die Frage, ob diese ein möglicher love interest ist oder vielleicht ebenfalls einer nebulösen Nebenbeschäftigung als Spionin nachgeht, soll den Zuschauer beschäftigen. Dies und McGees mögliche Verwicklung in ein größeres Spiel (zum Beispiel als Maulwurf) hört sich noch am vielversprechendsten an.

Juan Riedinger in %26bdquo;The Romeo Section%26ldquo; © CBC
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Patience required

Äußerst nebensächlich wirkt derweil die Einführung eines jungen Chinesen, der nach Vancouver kommt, um dort das Familiengeschäft seines inhaftierten Onkels zu übernehmen. Dabei wird es sich wohl um ein Drogenimperium handeln, womit man früher oder später eine Parallele zum Opium- und Heroinexperten McGee sowie dem Bonnie-und-Clyde-Verschnitt Dee und Rufus ziehen wird, die ebenfalls groß ins Drogengeschäft einsteigen wollen, während Rufus eigentlich seine Tätigkeit als Romeo ruhen lassen möchte. Fesseln kann mich die Aussicht auf all diese Querverbindungen (und wo möchte Chris Haddock eigentlich mit dem Mexikaner hin, der bei der kanadischen Kirche Asyl und Zuflucht sucht?) schlussendlich nicht, die einzelnen Versatzstücke wecken in mir wenig bis gar kein Interesse, zu erfahren, wie es hier weitergehen wird.

So sehr ich Regisseur Stephen Surjik (Person of Interest, Daredevil und das kommende Jessica Jones) für dessen Kameraarbeit und visuellen Stil loben möchte, so genervt war ich von der eigenartigen Struktur, die sich Autor Chris Haddock für seine Pilotepisode erdacht hat. Viele Momentaufnahmen sind geradezu lieblos hingeklatscht und wahrlich nur für den Moment geschaffen (Stichwort Sexszenen), was man wiederum auch etwas Surjik ankreiden kann. Generell macht Haddock es mit seinem sprunghaften Script dem Zuschauer nicht besonders einfach, einen Zugang zu seiner neuen Serie zu finden. Der geheimnisvolle Charakter des Spionagedramas ist vielmehr anstrengend als positiv fordernd, weshalb ich nicht wirklich eine Empfehlung für The Romeo Section aussprechen kann.

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