The Returned (2014) 1x01

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Der amerikanische Fernsehsender A&E knöpfte sich die erfolgreiche französische Serie Les Revenants vor und produzierte eine eigene Version des Ausgangsmaterials, die aktuell unter dem Titel The Returned (2014) anläuft. Wir haben uns die Pilotfolge Camille angeschaut und verraten Euch, ob das Remake überzeugen kann und wie es sich im Vergleich zum Original schlägt.
Die Handlung von Les Revenants baute auf einem interessanten Handlungsrahmen auf und spielte vor allem in der ersten Staffelhälfte gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer. Darüber hinaus wurde die intensive Stimmung der Serie über eine durchgehend melancholische Atmosphäre getragen. Die amerikanische Neuauflage hält sich diesbezüglich sehr eng an das Original und geht keine Experimente ein.
Manchmal kommen Sie wieder
Für Serien- und Filmkenner sollte das Grundkonzept von The Returned (2014) mehr als vertraut sein: Die Toten kehren zurück und nehmen Kontakt mit den Lebenden auf. Allerdings sind die Wiedergänger hier keine von der Hölle gezeichneten Kreaturen oder sabbernde Zombies, sondern im Grunde genommen völlig normale Menschen, die nach einer jahrelangen Abwesenheit wieder in ihren früheren Alltag eintreten wollen.
Dass die Rückkehrer ihr früheres Erscheinungsbild beibehalten haben und sich an den eigenen Tod nicht mehr zu erinnern scheinen, sorgt sowohl bei den Hinterbliebenen als auch bei ihnen selbst für eine große emotionale Verwirrung. Ihre Freunde und Verwandte haben sich mit dem Tod der geliebten Personen nach einer langen Trauerzeit arrangiert und müssen sich nun einer unerwarteten und auch unheimlichen Situation stellen.
Obwohl bereits im Piloten vier verschiedene Rückkehrer und ihre individuellen Schicksale gezeigt werden, steht jedes Mal ein bestimmter Charakter im Fokus, nach dem die jeweilige Folge benannt wurde. Die Pilotfolge Camille widmet sich eben jener weiblichen Figur und zeigt gleich zu Beginn ihre Rückkehr aus dem Nirwana ins elterliche Heim. Camille (India Ennenga) trifft auf ihre Eltern, die sich nach ihrem Tod getrennt haben, hat eine nervenaufreibende Begegnung mit ihrer Schwester Lena (Sophie Lowe) und lernt Peter (Jeremy Sisto) kennen, den neuen Freund ihrer Mutter.
Die Geschichte über die Rückkehrer zeigt im Piloten neben Camille und ihrer Familie unter anderem Simon (Mat Vairo) bei der Suche nach seiner früheren Lebensgefährtin Rowan (Mary Elizabeth Winstead), oder auch einen kleinen Jungen (Dylan Kingwell), der seinen Vornamen Victor nach der Rückkehr aus dem Reich der Toten von der Ärztin Julie (Sandrine Holt) erhält. Mysteriöserweise scheint sie ihn jedoch überhaut nicht zu kennen.
Unbehagen und nicht greifbare Charaktere
Gerade zu Beginn lebt The Returned (2014) davon, sowohl bei den Charakteren als auch beim Zuschauer Unbehagen und Angst zu erzeugen. Man fragt sich permanent, was die Wiedergänger vor ihrer Rückkehr erlebt haben könnten und ob sie sich tatsächlich an nichts mehr erinnern. Die dadurch erzeugte Unsicherheit wird gerade beim Piloten ausgespielt und lässt Raum für eigenen Gedanken.
Auch die Hinterbliebenen wirken nicht immer greifbar und es wirkt teilweise erschreckend, wie sie mit der Rückkehr ihrer geliebten Menschen umgehen. Die Reaktionen der Figuren unterscheiden sich von Fall zu Fall, aber erscheinen stets nachvollziehbar. Hier zeigt die Pilotfolge Camille ihre größten Stärken. Gerade die ersten Zusammentreffen zwischen den Lebenden und den Wiedergängern sind ausnahmslos überzeugend und zehren an den Nerven. Wenn Rowan das erste Mal die Präsenz ihres verstorbenen Liebhabers Simon spürt und anschließend tränenüberströmt zusammenbricht, dann lässt das niemanden kalt.

Unterstrichen wird die Intensität von düsteren Bildern mit langsamen Kamerafahrten und einem melancholischen Soundtrack, bei dem vor allem Cello und Piano im Einsatz sind. Am Schluss wird der Zuschauer mit vielen Fragen und einigen besonders intensiven Szenen aus der Folge entlassen, die ihren Zweck als Serieneinsteig zufriedenstellend erfüllt.
The Returned vs. Les Revenants
Im Grunde genommen ist „Camille“ ein überzeugender Pilot, der neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte macht und keine schwerwiegenden Schwächen aufweist. Gleichzeitig darf man natürlich nicht vergessen, dass The Returned (2014) ein Remake ist - und selten hat der Begriff so gut gepasst wie hier. Teilweise wurden die Einstellungen einzelner Szenen ebenso originalgetreu übernommen wie die Dialoge zwischen den Charakteren.
The Returned (2014) wirkt fast wie eine eineiiger Zwilling von Les Revenants, der jedoch erst drei Jahre später zur Welt gekommen ist. Das zeugt nicht gerade von Mut zur eigenen Interpretation und man fragt sich, warum man sich nicht lieber gleich das Original anschauen sollte. Gleichzeitig muss man aber anerkennen, dass „The Returned“ es immerhin schafft, seinem Vorbild gerecht zu werden und qualitativ das Wasser zu reichen.
Gerade bei so einer wenig kreativen und originalgetreuen Umsetzung läuft man Gefahr, Kenner der Vorlage zu enttäuschen und muss daher besonders bei der Inszenierung und dem Cast überzeugen. Die Schauspieler bei The Returned (2014) können ihre französischen Vorbilder zwar nicht übertreffen, aber sie stehen ihnen auch nicht nach. Das gleiche gilt für die eindrucksvolle Atmosphäre, bei der der Soundtrack wohl noch die größte Abweichung zur Vorlage darstellt. Die Postrock-Band „Mogwai“ steuerte seinerzeit die Musik für Les Revenants bei. Die Stücke bei The Returned (2014) erzeugen eine ähnliche Stimmung, klingen durch das eigenständige Arrangement aber trotzdem nicht wie eine Kopie.
Fazit
Trotz der hohen Qualität bei der Umsetzung gibt es grundsätzlich keinen Grund, warum man The Returned (2014) als Neuling seinem französischen Vorbild vorziehen sollte. Es sei denn, man ist der französischen Sprache nicht mächtig und hat gleichzeitig keine Lust auf Untertitel. Man wird aber nicht enttäuscht sein, falls man mit dem amerikanischen Remake in die interessante Geschichte einsteigen sollte. Für Kenner des Originals ist die Neuauflage kein absolutes Muss, aber eine interessante Alternative, falls man zukünftig ein Rewatch planen sollte.
Der Trailer zu „The Returned“:
Verfasser: Robert Baron am Dienstag, 10. März 2015The Returned (2014) 1x01 Trailer
(The Returned (2014) 1x01)
Schauspieler in der Episode The Returned (2014) 1x01
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